Hotel Belvédère

12. September 2019 08:27; Akt: 12.09.2019 08:27 Print

Zeuge einer vergangenen Zeit

von Daniela Gschweng - Eine Strasse machte es möglich, ein Gletscher bekannt, eine Verfolgungsjagd unsterblich: Und dann führte das Auto zum Untergang des Hotels Belvédère.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sehenswert ist schon die Furkastrasse. Geschwungen und steil windet sie sich in engen Haarnadelkurven den Berg bei Goms hinauf. Wie in eine der Schlaufen eingepasst steht dort ein Gebäude. Es gibt Dutzende Postkarten und Instagram-Fotos davon.

Umfrage
Kennen Sie das Hotel Belvédère?

Das Hotel Belvédère neben dem Rhonegletscher ist nicht nur ein beliebtes Fotomotiv. Anfang des 20. Jahrhunderts war es eines der beliebten Hotels der Belle Époque, in denen die wohlhabende Gesellschaft den Sommer verbrachte. Der Papst soll öfter zu Gast gewesen sein und auch Sean Connery stieg später angeblich regelmässig im Belvédère ab.

In «Goldfinger» liefert sich der Schauspieler im Aston Martin eine Verfolgungsjagd mit Tilly Masterson in einem Ford Mustang. Auf dem Furkapass als Kulisse soll Connery selbst bestanden haben. Das Belvédère wurde dadurch endgültig unsterblich.


Die Furka-Szene aus dem Bondfilm «Goldfinger»(Video: Youtube/Virtualee2000

Von holprigen Anfängen in eine glänzende Zeit

Eröffnet wurde es 1882, kurz nach der Fertigstellung der Furkastrasse 1866. Ursprünglich als einfache Unterkunft, betrieben von einem Hotelerben aus dem nahen Gletsch. Die Anfänge gestalteten sich schwierig, das Hotel wurde mehrmals vergrössert. Nach dem ersten Umbau Anfang der 1890er-Jahre waren die Zimmer des dann zweistöckigen Gebäudes ohne Licht und fliessendes Wasser aber noch immer recht spartanisch.

1903 folgte der nächste Umbau, der das Belvédère in die Belle Époque und damit in seine beste Zeit führen sollte. Die Zeit der Schweizer Grandhotels hatte gerade begonnen. Das inzwischen zum gehobenen Berghotel ausgebaute Hotel zog wohlhabende Touristen an, die das Wallis um die Jahrtausendwende zu Tausenden besuchten. Es fasste nun bis zu 90 Gäste. Abenteurer und Ruhesuchende stiegen gleichermassen dort ab. Von der Hotelterrasse aus konnten die Gäste beim Kaffeetrinken den Gletscher betrachten, der sich nur wenige hundert Meter von der Strasse entfernt befindet.

Helvetisches Grandhotelflair

Als 1921 das erste Postauto neben dem Hotel hielt, war die Belle Époque schon wieder zu Ende. Statt Müssiggängern kamen nun Wanderer. Ab 1935 starteten im Belvédère die ersten Bergtouren des gerade in Mode gekommenen Alpinismus.

Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte der Ort als Ausflugsdestination eine weitere Blüte. Als Automobile in den 1950er-Jahren für immer mehr Menschen erschwinglich wurden, kamen Ausflügler, um den Rhonegletscher zu besichtigen und die Fahrt über die Passstrasse zu geniessen.

Das Auto brachte den Niedergang

Das Automobil hatte da bereits den Niedergang des Hotels eingeläutet. Die Reise über die Alpenpässe war damit bequem in einem Tag zu bewältigen. Schon 1964, als «Goldfinger» in die Kinos kam, kamen zunehmend weniger Gäste. Sie blieben zunächst noch, um im Belvédère zu speisen, später nur noch für einen Imbiss.

Der Rhonegletscher war inzwischen um mehr als einen Kilometer zurückgewichen, der Blick von der Terrasse weniger spektakulär. In den 1980er-Jahren schloss das Belvédère zum ersten Mal. Zehn Jahre später führte es ein neuer Eigentümer als Berghotel weiter und bemühte sich, das Gebäude in den historischen Zustand zurückzuversetzen. Seit 2015 ist es dauerhaft geschlossen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gebi am 12.09.2019 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erhaltenswert

    Solche Hotels sollte man eigentlich erhalten, Geld für anderes hat die Schweiz sonst auch. Man muss ja kein Luxustempel daraus machen. Ausflugsrestaurant, gute Angebote, Übernachtung und schöner Sonnenaufgang, oder was auch immer. Man sollte solche alten Historische Gebäude nicht verlottern lassen. Schreibt es öffentlich aus, so können Ideen und möglichkeiten geprüft und umgesetzt werden. Lasst das Volk Ideen einbringen, und schaut, was sich ermöglichen lässt.

    einklappen einklappen
  • Daniel M. am 12.09.2019 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben lassen

    Ich hoffe wir können diesen Ort erhalten und ihm Leben einhauchen. Warum kein Museum das die Geschichte der grössten und wichtigsten Pässe der Schweiz zeigt.

    einklappen einklappen
  • Franziska am 12.09.2019 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schade

    schade ich würde es kaufen...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andy am 13.09.2019 23:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es brennt die Erinnerung.

    Schulreise in den 80ern. Unvergessen. Es war so schöööön. Damals sagten mir alle: Weisst Du, Früher war alles anders. Ja und alle hatten recht. Heute sag ich es. Aber es ist eben so. Aber ich werde es nie vergessen. Bin zu spät Dankbar. Die Erde dreht sich. Die Erinnerungen werden immer sein.

  • Gabriel am 13.09.2019 15:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weg damit

    Abreissen und den Platz der Natur zurück geben.

  • A.A. am 12.09.2019 22:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rettung !

    Abreissen und einen McDonald hinstellen ! Dann kommen die Leute wieder scharenweise ! Traurig dass sich niemand um dieses historische Gebäude kümmert, muss den alles rentabel sein. Vielleicht könnte man eine Interessengemeinschaft gründen und solche unsterblichen Monumente retten.

    • roger miller am 13.09.2019 06:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A.A.

      nicht vergessen wintersperre da liegt das problem, war mit töff oben war gletscher noch daneben.

    • Andi Schlatter am 13.09.2019 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @roger miller

      Bei Töfffahren hast Du wohl Deine Shift Taste verloren?

    • roger miller am 13.09.2019 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andi Schlatter

      brauchts sowas hier?

    einklappen einklappen
  • Tomtom27 am 12.09.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geisterhaus

    Ich war 2014 mal drin. Es war damals bereits wie ausgestorben. Kein Personal, keine Geräusche, schräge Böden, knarrendes Holz etc. War richtig unheimlich. Es wäre ein tolles Gebäude, richitg schade das man es zervallen lässt.

  • Doesn't matter am 12.09.2019 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Spannend wie man einfach übersieht dass der Gletscher dahinter nur noch halb so weit herunter reicht, aber klar, das Gebäude muss man retten...

    • Ken-Guru am 13.09.2019 09:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Doesn't matter

      Dann rette den Gletscher, ist sicher machbar mit ein paar umweltfreundlichen Klimageräten.

    • Andi Schlatter am 13.09.2019 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Doesn't matter

      Vielleicht weil der Beitrag dem Hotel gewidmet ist und nicht dem Gletscher?

    einklappen einklappen