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Lärm-Recycling

26. Mai 2016 08:04; Akt: 05.06.2016 16:01 Print

Die Stadt als urbanes Mischpult

von Daniela Gschweng - Mit Stadtlärm Plätze attraktiver machen: Das geht. Umgebungsgeräusche werden aufgenommen, gefiltert und wiedergegeben.

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Er geht uns nicht nur auf die Nerven, sondern auf Dauer auch an die Gesundheit: Wer in einer Grossstadt wohnt, muss sich wohl oder übel an Umgebungslärm gewöhnen. Wenn ihn schon keiner abschaffen kann, sollte man alles tun, um ihn zu reduzieren – sollte man meinen.

Mehr Geräusche können einen Ort aber auch attraktiver machen. Der Bonner Bahnhofsvorplatz, bis dahin ein unbeliebter Ort, gewann im Jahr 2010 merklich an Attraktivität – durch mehr Lärm.

«Laut» allein sagt gar nichts aus

Das Mittel dazu: Lärmrecycling. Was nichts anderes ist als wiederverwerteter Krach. Den Geräuschen auf dem Platz wurde ein neues hinzugefügt, das ein wiederverwerteter Teil des alten war.

Was sich paradox anhört, ist technisch so verblüffend wie einfach: Der Umgebungslärm wurde durch einen Filter geschickt, die Hochtöne mittels Lautsprecher wieder auf den Platz eingespielt. Auf die Idee dazu kam der österreichische Klangkünstler und Komponist Sam Auinger, der schon viele ähnliche Projekte realisiert hat. Auf dem Platz war es nun angenehmer, aber lauter als vorher. Wie kann das sein?

«Laut und leise sind keine guten Kriterien», sagt der Architekt Trond Maag, der sich an der ETH Zürich seit Jahren mit dem urbanen Klanggemisch beschäftigt. Er kennt viele Mittel, Lärm angenehmer zu machen. Nicht nur durch Sound-Recycling wird die Stadt neu komponiert. «Den Begriff Lärmrecycling verwende ich für eine Situation, in welcher der Lärm mit Hilfe einer Klanginstallation derart verändert wird, dass sozusagen frischer Klang entsteht», erklärt Maag.

Die urbane Klanglandschaft lässt sich gestalten

Wer jetzt an Mischpulte und Verstärker denkt, liegt nicht ganz falsch. Verwendet wird der Begriff «Sound-Recycling» auch in der Musik, etwa beim Einspielen von Kuhglocken in ein Musikstück.
Das Prinzip funktioniert so: Ein vorbeifahrender Müllwagen klingt weniger angenehm als ein Rockkonzert. Zwar will niemand den ganzen Tag eine Rockband vor dem Haus haben, klänge der Müllwagen allerdings ein wenig mehr nach Rockkonzert, fänden die meisten Menschen das Geräusch viel angenehmer. Auch dann, wenn es lauter wäre. Was sich eher nach Kunst anhört als nach Stadtplanung, ist in Wirklichkeit beides.

Für das urbane Mischpult braucht ein Planer nicht unbedingt eine elektronische Ausrüstung. Es muss auch nicht immer eine Klanginstallation sein. Im Prinzip «mischt» schon ein Brunnen die urbane Klanglandschaft auf und führt dazu, dass, so Maag, «beispielsweise eine Sitzbank an einem Stadtplatz anders klingt».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theophil Bünzli am 05.06.2016 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Besser nicht

    Unsere schöne Stadt soll nicht noch als Mischpult herhalten, sie wird schon genug beansprucht

  • usma am 27.05.2016 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nope

    "Verwendet wird der Begriff «Sound-Recycling» auch in der Musik, etwa beim Einspielen von Kuhglocken in ein Musikstück" - Das nennt sich Sampling.

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  • Heinrich Zimmermann am 06.06.2016 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kopf anwenden

    Sowas haette ich beim Bellvueplatz erwartet. 2Meter Steinwall, huebsch gestaltet auch als Znünipausentreppe gegen die ewige Blechkolonne gegen den See hin. Aber da ist kein Kuenstler an Bord. Aber Hafenkrahn und komisch gestaltete Grueninseln in Wohnstrassen und blauen Zonen. Und nicht zu vergessen die Busseneintreiberinnen, die Dauergaeste bei uns sind. Aber die sind auch keine Kuenstler.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinrich Zimmermann am 06.06.2016 05:47 Report Diesen Beitrag melden

    Kopf anwenden

    Sowas haette ich beim Bellvueplatz erwartet. 2Meter Steinwall, huebsch gestaltet auch als Znünipausentreppe gegen die ewige Blechkolonne gegen den See hin. Aber da ist kein Kuenstler an Bord. Aber Hafenkrahn und komisch gestaltete Grueninseln in Wohnstrassen und blauen Zonen. Und nicht zu vergessen die Busseneintreiberinnen, die Dauergaeste bei uns sind. Aber die sind auch keine Kuenstler.

  • Regula L. am 05.06.2016 23:28 Report Diesen Beitrag melden

    Hörbeispiel?

    So recht kann ich mir's immer noch vorstellen. Gibt's keine Hörbeispiele (vorher - nachher)?

  • Theophil Bünzli am 05.06.2016 17:51 Report Diesen Beitrag melden

    Besser nicht

    Unsere schöne Stadt soll nicht noch als Mischpult herhalten, sie wird schon genug beansprucht

  • usma am 27.05.2016 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Nope

    "Verwendet wird der Begriff «Sound-Recycling» auch in der Musik, etwa beim Einspielen von Kuhglocken in ein Musikstück" - Das nennt sich Sampling.

    • Dark Boy am 05.06.2016 22:24 Report Diesen Beitrag melden

      Industrial

      und Recycling von Stadt- / Industriegeräuschen in der Musik nennt sich dann Industrial.

    • Robert Leuenberger am 06.06.2016 06:15 Report Diesen Beitrag melden

      County

      Und ich dachte, das Einspielen von Kuhglocken nennt man Country

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