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Ungefährliche Krabbler

10. Februar 2017 13:44; Akt: 10.02.2017 13:44 Print

Das verkannte Silberfischchen

von Daniela Gschweng - Einen Schönheitswettbewerb würde es nicht gewinnen. Ein bisschen mehr Respekt vor dem Silberfischchen wäre aber angebracht.

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Sieht man die scheuen Silberfischchen davonflitzen, ist das meistens nachts. Sie leben in Ritzen und Fugen, bevorzugt da, wo es warm und feucht ist. Die meisten Menschen ekeln sich vor ihnen und wollen die kleinen, silbrigen Zeitgenossen schnell wieder loswerden. Völlig zu Unrecht.

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Alles, was sich in der Wohnung ausser einem selbst bewegt, mit Argwohn zu betrachten, ist unfair, würde Lepisma saccharina (so heisst das Silberfischchen mit vollem Namen) dazu sagen. Mit ihren Verwandten wie den Kleider- und Lebensmittelmotten oder gar den Kakerlaken haben die Insekten nämlich wenig gemeinsam.

Das Ur-Vieh mit Nutzfaktor

Denn die kleinen silbrigen Krabbler tun nichts. Silberfischchen stechen und beissen nicht, übertragen keine Krankheiten und sind sogar nützlich. Sie fressen Schimmelpilze und Hausstaubmilben, die vor allem Allergikern das Leben schwer machen können. Solange sie nicht in Massen auftauchen, sind sie harmlos.

Zugegeben, optisch sind die silbrigen Tierchen etwas kurz geraten. Sechs Beine und fünf Fühler sind nicht gerade das, was ein Herz höher schlagen lässt. Vielleicht haben sie auch die Gelegenheit für ein gründliches Make-over verpasst in den vergangenen 300 Millionen Jahren. So alt sind die Ur-Insekten schon. Aber silbrige Schuppen sind definitiv out.

Lüften statt chemischer Keule

Wie auch immer, wer sich nachts im Bad fühlt wie Indiana Jones, will die Silberlinge loswerden. Wer sie bekämpfen will, hat es entweder sehr leicht oder sehr schwer. Die chemische Keule, mit der sie oft bekämpft werden, ist wahrscheinlich ungesunder als die Tierchen selbst. «Ein völlig übertriebener Einsatz von Chemie», würde das Silberfischchen dazu sagen.

Am ehesten hilft, unzugängliche Stellen – etwa hinter lockeren Fliesen oder der Tapete – zu versiegeln, unzugängliche Stellen zu putzen und vor allem kräftig zu lüften. Silberfischchen mögen warme, sehr feuchte Luft, deshalb sind sie oft in Bad und Keller zu finden. Wenn sie plötzlich in grösseren Ansammlungen auftauchen, können sie ein Zeichen für undichte Wasserleitungen oder kaputte Isolierungen sein.

Krabbler mit süssem Zahn

Siberfischchen sind eigentlich anspruchslos. Sie ernähren sich von allem, was die Umwelt so hergibt: Haare, Hautschuppen, Brotkrümel, Kleider und Papier zum Beispiel. Verdauen können sie alles, was Stärke enthält, auch Kleister, sogar Zellulose. Aber sie sind Schleckermäuler. Besonders gerne mögen sie Zucker. Zu den Hausmitteln gegen die kleinen Tiere gehören Pappstreifen mit Honig, feuchte, mit Zucker bestreute Tücher oder Kartoffeln, die die Tiere anlocken. Wem das suspekt ist, der kann auch Fressfallen im Fachhandel kaufen.

Auch nicht so toll: die Fressfeinde des Silberlings

Eine schlaue Gegenmassnahme wäre es, das die Natur selbst regeln zu lassen. Aber wer Silberfischchen eklig findet, wird sich auch über ihre Fressfeinde nicht freuen – Spinnen und Ohrwürmer krabbeln nämlich auch.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Student am 10.02.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wissen

    Danke für den Beitrag, eine gute Abwechslung zum ganzen Trump Bashing.

  • Gogo am 10.02.2017 14:28 Report Diesen Beitrag melden

    Behämmertes silberfischli

    ...Meist sind sie bei mir vereinzelt im WC aufgetaucht. Eines Nachts ging ich aufs WC und habe mir anschliessend die Hände gewaschen und schaute in den Spiegel. Etwas erschrocken sah ich, dass auf meiner Schulter ein Silberfischli sitzt und ebenfalls in den Spiegel starrt. Irgendwie fand ich das ganz witzig, auch wenn ich die Silberfischli nicht besonders mag.

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  • Herr Bönzli Max am 10.02.2017 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ein Dank an Frau Daniela Gschweng, jetzt Wissen wir alle Bescheid

Die neusten Leser-Kommentare

  • huwi am 11.02.2017 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    unsere zweiklassen Gesellschaft

    Über die Ungerechtigkeiten unserer Hierarchie rege ich mich schon lange auf. - Mein Chef hat z.B. Goldfische zu hause. Ich hab nur Silberfische...

  • Dä Jesus am 10.02.2017 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Natürliche Schönheit

    Die Silberfische sind eigendlich gar nicht so unschön aber schön ist relativ, einige finden z. B. Lagerfeld Models schön, was genau so unverständlich ist. Dank unserem, teils unbegründeten Ekel, entgehen uns so viele Dinge, die bei genauerer Betrachtung ziemlich faszinierend sind.

    • steff am 11.02.2017 01:12 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Deshalb lasse ich die Lagerfeld Models auch in meinem Badezimmer rumkrabbeln.

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  • p.latzhersch am 10.02.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    silberfischenchen

    Also mich begrüsst jeden morgen auf der toilette so ein fischchen, und es kam mir noch nie in den den sinn, ihm etwas anzutun. Er macht mir nichts, ich mach ihm nichts! Würde ihn vermissen, wenn er morgen nicht mehr da wäre! Leben und leben lassen und die welt wird wird besser.

    • Fasnacht am 11.02.2017 07:39 Report Diesen Beitrag melden

      Leben lassen

      Es wäre auch verkehrt, ihm etwas anzutun, denn dann kämen hunderte an seine Beerdigung

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  • h.p. am 10.02.2017 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Öhm...

    Warum hatte ich die denn in meinem Wüstenzerrarium? Habe selber eine Falle mit Kartoffelln und Zucker gebaut und sie dann in die Freiheit entlassen.

    • René Bartli am 11.02.2017 08:19 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Wüste bei uns

      Wüstenterrarium: Heizquelle und Wasserschale, oder was auch immer noch drin ist für "das Trinken", dort gibt es bestimmt an einigen kleinsten Stellen ein feuchtwarmes Klima. Trocken wie in der Sahara kriegen Sie das nie zu 1000% hin (ausser ev. ohne Wasserschale).

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  • Martin Bircher am 10.02.2017 15:26 Report Diesen Beitrag melden

    Der Silberfisch

    Teppiche raus nehmen und Keramikplatten rein. Tägliches staubsaugen, vielleicht noch neue Bettdecken kaufen und die Silberfische sollten weniger werden.

    • Vermieter am 10.02.2017 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martin Bircher

      Wer hat denn heute noch Teppich in der Wohnung?

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