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Schnäppchen

05. August 2017 08:33; Akt: 05.08.2017 08:33 Print

Geisterstadt für 1,85 Mio Dollar verkauft

von Meret Steiger - Johnsonville misst 250'000 Quadratmeter, hat eine Schule und eine Kirche – aber keine Einwohner. Jetzt wurde die Stadt verkauft.

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Willkommen in Johnsonville. Die Kleinstadt im US-Bundesstaat Connecticut erstreckt sich über 250'000 Quadratmeter. Derzeit hat sie zwei Bewohner: eine Art Hausmeister und einen Sicherheitsbeauftragten, der Vandalen abschrecken soll. Johnsonville ist bereits seit 16 Jahren komplett verlassen. Die Stadt am Ufer des Conncticut River liegt am Johnson Mill Pond, einem kleinen See. Berühmt wurde sie mit der Produktion von Garn im 19. Jahrhundert. Als 1972 die letzte grosse Mühle abbrannte, war es vorbei mit Johnsonville und der Textilmanufaktur. Hier ein undatiertes Foto der mehrstöckigen Neptune Mill, die 1972 nach einem Blitzeinschlag niederbrannte. Stattdessen baute sich hier ein Millionär seinen eigenen kleinen Vintage-Spielplatz: Raymond Schmitt liebte es, Häuser zu restaurieren. Und so renovierte Schmitt diverse Häuser und verlegte sie aus dem alten Stadtkern in den neuen. Hier ein Blick in die ehemalige Poststelle. Die Böden sind noch im Originalzustand. Und das war der Dorfladen. Hier konnten die Bewohner nicht nur Lebensmittel kaufen, ... ... sondern auch allerlei andere Dinge für den täglichen Bedarf im 19. Jahrhundert. Und das ist das Haus von Emory Johnson, dem Gründer und Namensgeber von Johnsonville. Es befindet sich mehrheitlich im Originalzustand – und angeblich spukt auch der Geist von Johnson durch das Haus. Was ein bisschen wie ein Bahnhof aussieht, ist die alte Scheune. Hier wurden die Rohstoffe aus der Umgebung gelagert. Der Kaufpreis der Kleinstadt sank mit den Jahren immer mehr. Ursprünglich wollte Besitzer Raymond Schmitt noch 3,5 Millionen Dollar dafür. Dann übernahm Meyer Jabara, eine Hotelkette, die Stadt. Ihre Pläne für eine Art Altersheim-Siedlung legte sie jedoch auf Eis, der Verkaufspreis sank danach auf 2,4 Millionen Dollar. Nun hat Johnsonville endlich einen neuen Besitzer: Ein unbekannter Käufer hat 1,85 Millionen für die 25 Hektar grosse Geisterstadt bezahlt.

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Die Kleinstadt Johnsonville liegt direkt am Fluss Connecticut im gleichnamigen US-Bundesstaat. Die Stadt sieht aus, als sei sie einer Fernsehserie entsprungen – und doch ist sie seit über 20 Jahren verlassen.

Auf 25 Hektaren Fläche breitet sich Johnsonville am Flussufer aus. Einst war die Kleinstadt eine aufstrebende Grösse in der Textilindustrie. Heute ist sie unbewohnt, abgesehen von einer Art Hausmeister und einem Sicherheitsbeauftragten, der Entdecker und Vandalen fernhalten soll, bis ein Käufer gefunden wird. Johnsonville soll nämlich für knapp 1,85 Millionen Dollar verkauft werden.

Den künftigen Besitzer erwarten diverse Häuschen, Grünflächen und reichlich Platz. Zudem: Die Geister, die die Stadt angeblich heimsuchen. Darunter soll auch der Geist von Mr. Johnson sein, dem Namensgeber der Stadt.

Namensgeber spukt noch durch die Stadt

Die Geschichte von Johnsonville beginnt 1802. In einer Fabrik wurde Garn im grossen Stil produziert, das in der flussnahen Region hauptsächlich für Fischernetze genutzt wurde. Rund um die Fabrik entstand nach und nach ein Dorf mit Wohnhäusern, einer Kirche, einem Laden und einer Poststelle. Wie viele Leute zu dieser Zeit dort lebten, ist nicht bekannt.

1965 kaufte schliesslich Raymond Schmitt, ein reicher Flugzeugbauer, die Neptune Mill der Familie Johnson. Viele andere Mühlen und Fabriken waren veraltet oder nicht mehr in Betrieb, und nach kürzester Zeit war Schmitt in der Lage, die ganze Stadt aufzukaufen.

Brand war der Anfang vom Ende

Schmitts Glück sollte nicht lange währen: 1972 wurde die Neptune Mill von einem Blitz getroffen und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Schmitt betrachtete diese Katastrophe jedoch als Chance: Er wollte das immer noch sehr ländliche Johnsonville als Zeitkapsel nutzen.

Schmitt begann damit, alte Gebäude zu renovieren: den Laden, ein Uhr- und Spielzeuggeschäft, die Kirche und die Schule. Teilweise liess er die weiter entfernt gelegenen Gebäude sogar mehr ins Stadtzentrum versetzen. Diese renovierten Häuser überblicken heute den Johnson Mill Pond, einen kleinen See.

Eigenbrötler mit einem Herz für Liebende

Schmitt mochte keine Auswärtigen. Seine Stadt war für die Öffentlichkeit in der Regel nicht zugänglich. Gelegentlich machte er jedoch eine Ausnahme, wenn er die Kirche oder eine Scheune für Hochzeiten vermietete.

Irgendwann hatte Schmitt jedoch genug: 1994 hängte er Verkaufsschilder an das Ortsschild. Sein ursprünglicher Verkaufspreis lag bei 3,5 Millionen Dollar – dafür fand Schmitt jedoch keinen Käufer.

Altersheim-Siedlung geplant

Schliesslich schlug die Hotelkette Meyer Jabara zu. Sie wollte das Grundstück 2001 in eine Art Altersheim-Siedlung umwandeln, verlor aber aufgrund anderer Projekte das Interesse daran.

So stand Johnsonville die letzten 16 Jahren leer – und Meyer Jabara wollte wieder verkaufen. Der Preis sank bereits in den letzten Monaten von 2,4 Millionen auf 1,9 Millionen Dollar. Vor wenigen Tagen ging die Geisterstadt für 1,85 Millionen an einen unbekannten Käufer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kowalski am 05.08.2017 09:29 Report Diesen Beitrag melden

    Ort zum Wohlfühlen

    Mir jedenfalls gefällt dieses nostalgische Städtchen. Könnte mir gut vorstellen, dass wenn es ein klein wenig belebt ist, ein Ort zum Wohlfühlen und Abschalten wäre. Ausserdem gäbe es bestimmt eine tolle Filmkulisse ab.

  • Päge am 05.08.2017 09:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ist ja ein schnäppchen!

    Schnäppchen! Bei uns kriegst du grad mal ein haus mit 700qm für die 1.8mio!! Wir haben einfach zuwenig platz!

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  • Francis am 05.08.2017 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Hoffentlich belässt der neue Besitzer den Charme und macht kein Halli Galli oder eine Touristenabsteige daraus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Philipp Gerber am 06.08.2017 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Nice City

    Wenn ich das nötige Geld hätte würde ich sofort dort hinziehen gibt sicher genügend arbeit als zimmermann. Und man hat seine ruhe.

  • Nik am 06.08.2017 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Also

    Das ist kein Städtchen das da verkauft wird. Es ist schlicht eine Strasse, Johnsonville Road genannt an die sich einige Häuser kleben. Wird wohl einfach ein Stadtteil sein. Das Städchen heisst wohl entweder Haddam oder Moodus. Es leben schon Menschen da. Wer an der Strasse interessiert ist, zugreifen. Ohne Nachbarn wird man da aber nicht leben..;)

  • Martial2 am 06.08.2017 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhig, schön, Natur pur, was der Mensch braucht...

    Idyllisches schönes Ort, sieht aus wie in Grossbritannien, zum träumen. Man muss sehr viel investieren, kann aber einen Bijou-Städtchen daraus werden!

  • Hildi am 06.08.2017 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hätte hätte

    ...hätte es doch in der Schweiz nur auch so viel Platz, und hätte ich das Geld, ich würde so eine kleine Stadt kaufen, sie "die Stadt der Ruhe" nennen und alles und jeden, der unnötig Lärm macht, verbannen! :-) Es wäre eine Oase der Stille und ich bin überzeugt, es gäbe regen Zulauf. Wenn nicht, auch ok. ;-)

    • Nik am 06.08.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Und mit dem regen Zulauf wäre es dann vorbei mit der Ruhe. Man sollte den Faktor Mensch nicht ausser Acht lasden bei seinen planungen..;)

    • Hildi am 07.08.2017 00:18 Report Diesen Beitrag melden

      Schon klar

      ...ich meinte jedoch, regen Zulauf von ebensolchen Ruhesuchenden. Wie gesagt: Für andere nicht von Interesse. ;-)

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  • Fu Man Chu am 06.08.2017 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Fall für China

    Ein Fall für China, halb Detroit gehört ihnen schon, sie kaufen heruntergewirtschaftete Städte/Regionen um ihr durch Umweltsünden ruiniertes Heimatland dereinst hinter sich zu lassen! Geplant ist eh die Weltherrschaft in den nächsten 50 Jahren oder so...