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Maison des Illustres

18. Februar 2018 11:52; Akt: 18.02.2018 11:52 Print

Sarah Bernhardts Burg am Meer

von Meret Steiger - Sarah Bernhardt gilt als die berühmteste Schauspielerin ihrer Zeit. Gewohnt hat sie in einem Fort an der Küste Frankreichs.

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In Morbihan, einem Departement in der Bretagne, steht ein Fort aus dem 19. Jahrhundert. Es gehörte einst Sarah Bernhardt, einer exzentrischen Schauspielerin. Sie gilt als einer der ersten Weltstars und war dafür bekannt, die Grenzen zwischen Schauspiel und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen.

Diese Auftritte machten sie zu einer Legende. Sie spielte Rollen in Hamlet, Phèdre und Cleopatra, und der Schriftsteller Victor Hugo bezeichnete sie als «die goldene Stimme». Und wie alles, was Sarah Bernhardt in ihrem Leben anging, war auch die Burg in Frankreich extravagant.

Kindheitserinnerungen

Aber wie kommt Sarah Bernhardt, eine Diva, die in Paris in grosszügigen Appartements lebte, nach Morbihan? 1894 besuchte die damals 50-Jährige die Bretagne – hier war sie als Kind in einem Bauernhaus gross geworden. Bei einem Spaziergang stach der Schauspielerin das Fort ins Auge, das Maison des Illustres, wie sie es später nennen sollte.

Wie es das Schicksal wollte, stand das Fort auch gerade zum Verkauf. Trotz ihres luxuriösen Lebensstils in Paris verband sie mit der Burg an der Küste Heimatgefühle, und so zögerte Bernhardt nicht: Sie klopfte an die hölzerne Tür und überzeugte den Besitzer, ihr das Fort auf der Stelle zu verkaufen.

Sarah Bernhardt, das Spektakel

1895 bringt Bernhardt zum ersten Mal ihre Familie zum ehemaligen Militärfort. Und nicht nur die: Mitgereist sind auch alle ihre extravaganten Haustiere, darunter ein Chamäleon (sie besass mehrere, eins durfte aber auf ihrer Schulter sitzen), ein Panther, eine Eule, ein Affe und ein Krokodil. Ja, ein Krokodil.

Sarah Bernhardt pflegte das Image der exzentrischen Diva mit Freude. Angeblich investierte sie umgerechnet rund 1,3 Millionen Franken in neue Möbel und Dekorationen für ihr Anwesen – die meisten davon wurden vom Krokodil angefressen.

Ein Thron in der Klippe

Auf die Frage, warum sie ausgerechnet in Morbihan geblieben sei, hatte Sarah Bernhardt auch eine Antwort: «Morbihan ist wie eine wertvolle Perle. Ich liebe es für seine Abgeschiedenheit, die Stille, die Wildnis, die Fischer aus der Gegend und das grün-graue Meer der Bretagne. Ich liebe es für all die Träume, Ideale und die Schönheit, die ich hier gefunden habe.»

Kein Wunder, hat die Schauspielerin auch in die Gegend investiert: Bernhardt hat diverse Fusswege anlegen lassen, und angeblich liess sie sich eine Art Thron in die Klippen schneiden, von dem aus sie das Meer beobachten konnte.

Beliebt bei den Einheimischen

Die Einwohner von Morbihan liebten Sarah Bernhardt in all ihrer Exzentrik, sie nannten sie sogar La Divine (die Göttliche). Zu Recht: 1911 wurde das Fischerdorf von einem Hurrikan getroffen, die Lebensmittelvorräte wurden vernichtet. Bernhardt organisierte daraufhin eine sogenannte Einkaufsgemeinschaft und hielt die Dorfbewohner mehrere Monate über Wasser.

Bernhardt hatte entsprechend viele Freunde und wurde häufig besucht. So häufig, dass sie kurzerhand zwei weitere Gebäude als Gästevillen kaufte. Unter den zahlreichen Besuchern waren Berühmtheiten wie der König von England, der Maler Georges Clairin und einer ihrer diversen Liebhaber, der französische Schriftsteller Marcel Proust.

Letzter Wunsch nicht erfüllt

Bernhardt und ihr Besuch verbrachten die Tage mit Spaziergängen oder mit Garnelenfischen – in ihrem Fall natürlich immer in Abendrobe und perfekt gestylt. Während des Ersten Weltkriegs war das Maison des Illustres ein beliebter Treffpunkt für Intellektuelle, Künstler und Politiker.

Sarah Bernhardt starb 1923 und wurde auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris begraben – obwohl die Schauspielerin angeblich davon träumte, auf dem Grundstück ihrer geliebten Burg begraben zu werden.

Seit 2007 ist das Fort als Museum wiedereröffnet.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Faye am 18.02.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mucha

    Jeder der Muchas Werke liebt, wird sie kennen

  • Kartoffel am 18.02.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schön..

    Ein super schöner und erfrischender Beitrag! Auch diese Geschichte, dahinter. Ich liebe die Bretagne, mag dieses wilde an Landschaft und diese Stimmungen. Erinnert mich immer ein wenig an Irland. Wir waren zelten und mit Velo konnten wir diese wunderbare Gegend so richtig auskosten. Dieses Häuschen ist einfach gehalten, nicht so protzig und gut am Meer gelegen.Die Gegend mit bewundernswerten Kalvarienbergen vor einsamen Kapellen und Kirchen. Von dem her, gar nicht übel, so zu wohnen. Und mit Hund auch ideal..jaja, es lässt eben träumen..

  • Babtist am 18.02.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bretagne

    Die Gegend am Meer dort erinnert stark an Englands Küsten.Wildromantisch und man hat Raum zum träumen.Die Bretonen sind ein nettes und eigenes Völkchen.Nicht so herablassend wie im Süden Frankreichs.Das Klima ist halt eher etwas Rauh,zumindest logischerweise in Küstennähe.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Innerschwyz am 18.02.2018 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Eindrücklich

    Es gab eine noch grössere bühnendarstellerin, gleichzeitig ihre konkurrentin - eleonora duse...

  • Babtist am 18.02.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Bretagne

    Die Gegend am Meer dort erinnert stark an Englands Küsten.Wildromantisch und man hat Raum zum träumen.Die Bretonen sind ein nettes und eigenes Völkchen.Nicht so herablassend wie im Süden Frankreichs.Das Klima ist halt eher etwas Rauh,zumindest logischerweise in Küstennähe.

  • Kartoffel am 18.02.2018 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schön..

    Ein super schöner und erfrischender Beitrag! Auch diese Geschichte, dahinter. Ich liebe die Bretagne, mag dieses wilde an Landschaft und diese Stimmungen. Erinnert mich immer ein wenig an Irland. Wir waren zelten und mit Velo konnten wir diese wunderbare Gegend so richtig auskosten. Dieses Häuschen ist einfach gehalten, nicht so protzig und gut am Meer gelegen.Die Gegend mit bewundernswerten Kalvarienbergen vor einsamen Kapellen und Kirchen. Von dem her, gar nicht übel, so zu wohnen. Und mit Hund auch ideal..jaja, es lässt eben träumen..

  • Faye am 18.02.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Mucha

    Jeder der Muchas Werke liebt, wird sie kennen