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4.1.2019 Print

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Wer hat's erfunden?

Das beliebte Gebäck für den 6. Januar hat eine bewegte Geschichte – und wäre bei uns beinahe in Vergessenheit geraten.

Hast du gewusst, dass es den Schweizer Dreikönigskuchen in seiner jetzigen Form erst seit 1954 gibt? Der Basler Volkskundler und Brotforscher Max Währen hauchte damals einer alten Tradition neues Leben ein und setzte fest, wie die Spezialität künftig auszusehen habe.
br> Heute erscheint es uns ganz selbstverständlich, dass der Dreikönigskuchen aus mehreren miteinander verbundenen Kugeln aus süssem Hefeteig mit Rosinen, Hagelzucker und Mandelblättchen besteht. Um etwas an diesem Kuchen zu ändern, schmeckt er ja auch viel zu gut.

Zur Wiederbelebung der Schweizer Königskuchentradition inspirierte Währen ein Druck des Gemäldes «Das Bohnenfest» von Jan Steen (1626 – 1679), der in seinem Wohnzimmer hing. Das Werk des niederländischen Malers zeigt einen Buben, der eine Krone trägt, weil er die im Dreikönigskuchen versteckte Bohne gefunden hat. Währen fand heraus, dass die schöne Tradition vom Aussterben bedroht war und spannte daraufhin mit dem befreundeten Zentralsekretär des Bäcker-Konditormeister-Verbandes zusammen. Der Anfang einer ungeahnten Erfolgsgeschichte. Die erste schriftliche Erwähnung des Ur-Königskuchens geht übrigens auf das Jahr 1561 zurück und findet sich in den Aufzeichnungen des deutschen Humanisten Johannes Böhm. Zu Böhms Zeiten versteckte man im Kuchen statt der bei uns inzwischen üblichen Königsfigur eine Münze oder eine Bohne. Wer das Objekt der Begierde fand, durfte wie heute für einen Tag im kleinen Kreis wie ein König regieren.

Der Brauch soll schon vor der Reformation, die 1517 in Deutschland begann, verbreitet gewesen sein. Rund 1,5 Millionen Königskuchen essen die Menschen in der Schweiz jedes Jahr – und das längst nicht nur am eigentlichen Dreikönigstag, dem 6. Januar. Viele geben der Versuchung schon lange vorher nach. Der Brauch lebt auch in einer Reihe von anderen Ländern fort, die Königskuchen sehen dort aber ganz unterschiedlich aus. In Frankreich zum Beispiel gibt es im Norden die Galette des Rois, ein mit Marzipan gefüllter, flacher Blätterteigkuchen, und im Süden die Couronne des Rois, ein Brioche-Ring mit kandierten Früchten.

In Spanien heisst der Dreikönigskuchen Roscón de Reyes und ist ein Hefeteigring, der auch einmal mit Schlagrahm oder Puddingcreme gefüllt sein kann. Darin versteckt sind eine Königsfigur und eine Bohne. Wer die Figur in seinem Stück findet, ist wie bei uns König, wer die Bohne bekommt, muss den Kuchen bezahlen.



Hier findest du das Rezept für den Dreikönigskuchen.