Master Distiller von Jack Daniel’s

14. September 2018 18:37; Akt: 19.09.2018 13:19 Print

«Unser Whiskey ist der wahre Rockstar»

An Jack Daniel’s scheiden sich die Geister. 20 Minuten hat mit dem Master Distiller Jeff Arnett über Vorurteile gegenüber dem ikonischen Whiskey gesprochen.

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Jeff Arnett (51) ist im US-Bundesstaat Tennessee geboren, wo auch der Whiskey Jack Daniel's herkommt. Dennoch war es nicht ganz einfach den Job als Master Distiller, dem obersten Hüter über den Geschmack des Whiskeys, zu bekommen. Arnett studierte zunächst Ingenieurswesen und arbeitete in der Automobilindustrie, bis er 2001 als Qualitätsprüfer zu Jack Daniel's kam, 2008 wurde er zum Master Distiller ernannt und letztes Jahr wählte ihn das «Whisky Magazine» zum Master Distiller of the Year. «Ich bin der erste Master Distiller, der nicht mit Jack Daniel verwandt ist oder zumindest aus Lynchburg stammt», sagt er im Interview mit 20 Minuten. Warum er den begehrten Job trotzdem bekommen hat? «Ich bin transparent, blieb immer ich selbst und habe klar aufgezeigt, dass ich der Marke helfen will», sagt Arnett. Jack Daniel's beschäftigt in Lynchburg über 500 Mitarbeiter, Jeff Arnett hat 100 davon zu Whiskey-Testern ausgebildet. «Darum kann ich auch ruhig schlafen, wenn ich euch hier in der Schweiz besuche. Ich weiss, dass unserem Whiskey Sorge getragen wird», sagt er im Gespräch mit 20 Minuten. Dass viele Whiskey-Liebhaber Jack Daniel's kritisch begegnen, sieht er locker: «Schenke ich unseren Whiskey in Blindverkostungen aus, dann fallen die Reaktionen sehr positiv aus.» Es sei das Image von Jack Daniel's, das gewisse Menschen abschrecke. Jeff Arnett posiert mit einer Statue des Firmengründers Jasper Newton «Jack» Daniel (1846–1911). Und hier steht er stolz neben dem persönlichen Tresor von Jack Daniel, wo der Firmenvater sein Vermögen bunkerte. Heute gehört Jack Daniel's zu den erfolgreichsten Whiskey-Brands der Welt. Jährlich werden 160 Millionen Flaschen, verteilt auf zehn verschiedene Jack-Daniel's-Produkte, produziert und in über 170 Länder exportiert. Trotz dieser unglaublichen Menge ist Jeff Arnett von der Qualität seines Whiskeys überzeugt. «Jeder Tropfen wird hier in Lynchburg hergestellt», betont er. Das bekannteste Produkt ist der Old No. 7, der vorzugsweise von Rockstars getrunken wird. Gross gemacht hat den Whiskey aber Frank Sinatra, der ein so grosser Jack-Daniel's-Fan war, dass ihm sogar eine Flasche mit ins Grab gegeben wurde.

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In 152 Jahren kommen und gehen viele wichtige Persönlichkeiten. Zwölf Päpste zum Beispiel oder 28 US-Präsidenten. Im selben Zeitraum amteten aber gerade einmal sieben Master Distiller für die legendäre Whiskey-Brennerei Jack Daniel’s in Lynchburg im US-Bundesstaat Tennessee. Der zurzeit oberste Hüter über die Qualität der bekanntesten Whiskey-Marke der Welt ist Jeff Arnett (51), ein freundlicher US-Amerikaner mit blonden Haaren und akurat getrimmtem Henriquatre-Bart.

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20 Minuten traf ihn in einem Zürcher Hotel, um mit ihm über seinen Whiskey zu sprechen, ein Produkt, an dem sich die Geister scheiden. Für manche ist Jack Daniel’s die Verkörperung von Stil und dem Lebensgefühl des Rock ’n’ Roll, für andere einfach nur ein beliebiger, günstiger Schnaps. «Wenn man Jack Daniel’s bereits mit negativen Gefühlen probiert, dann kann es keine gute Erfahrung werden», sagt Jeff Arnett. Verkoste man Jack jedoch blind, so fallen die Urteile oft komplett anders aus, sagt er und untermauert die Aussage mit Zahlen: «Pro Jahr produzieren wir ungefähr 80 Millionen Liter Whiskey und verkaufen um die 160 Millionen Flaschen in 170 Ländern.» Diese Mengen machen den Spirit zum erfolgreichsten Whiskey der Welt.

Frank Sinatra machte Jack Daniel’s zur Weltmarke

«Der Aufstieg begann 1955 mit einem Auftritt», erzählt Arnett. Frank Sinatra kam mit einer Flasche Old No. 7 auf die Bühne und sagte: ‹Das ist Jack Daniel’s, der Nektar der Götter.› Im folgenden Jahr verdoppelte sich die Nachfrage und es dauerte fast 25 Jahre, bis wir die Nachfrage bedienen konnten», schildert Arnett die Erfolgsgeschichte.

Heute sind es vor allem Rockstars, die Jack Daniel’s feiern. Der verstorbene Musiker Lemmy Kilmister von ­Motörhead ernährte sich quasi von Jack mit Cola, Slash von Guns N’ Roses trinkt seinen Jack Daniel’s vorzugsweise direkt aus der Flasche. «Klar, Rockstars haben nicht unbedingt den verantwortungsvollsten Umgang mit Alkohol», sagt Jeff Arnett im Gespräch mit 20 Minuten. Die Firma habe ihnen aber viel zu verdanken. Letzte Frage: Ist man als Master Distiller von Jack Daniel’s selber ein bisschen ein Rockstar? Arnetts Anwort: «Nein. Aber die Marke ist ganz bestimmt einer.»

(lme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tester am 14.09.2018 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Geschmäcker sind verschieden

    Whiskey bleibt immer noch eine Geschmacksache und ist daher für jeden eine persönliche Sache

  • DocMurdoc am 14.09.2018 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute solide Industrieware

    Tia, Jack Daniels macht solide einfache Whiskeys, mit Gentlemans Jack zum Beispiel einen hervorragenden. Sie produzieren Massenprodukte, aber keine schlechten. Ist das selbe wie Heineken oder Carlsberg Bier. Keine Ecken und Kanten. Immer gleiche solide Ware. Mag niemand richtig gerne, hasst aber auch niemand richtig. Sieht man am schönsten in Blindverkostungen

  • Marcel am 14.09.2018 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lagavulin

    Jack Daniels ist der Beweis, dass geschicktes Marketing aus einem durchschnittlichen Produkt ein Weltbekanntes Phänomen machen kann. Genau wie bei Johnnie Walker, Heineken, Ferrari, CocaCola usw. Ein guter Whiskey überzeugt beim Genuss und nicht bei der Werbung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • DocMurdoc am 14.09.2018 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute solide Industrieware

    Tia, Jack Daniels macht solide einfache Whiskeys, mit Gentlemans Jack zum Beispiel einen hervorragenden. Sie produzieren Massenprodukte, aber keine schlechten. Ist das selbe wie Heineken oder Carlsberg Bier. Keine Ecken und Kanten. Immer gleiche solide Ware. Mag niemand richtig gerne, hasst aber auch niemand richtig. Sieht man am schönsten in Blindverkostungen

  • Nichtnurfleischesser am 14.09.2018 23:02 Report Diesen Beitrag melden

    Schmelz

    Einen z.B. Rindsbraten o.ä. an Jacksauce...Hmm

  • Rolf am 14.09.2018 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Psst...

    Whisky für Leute von Gestern oder Nostalgiker. Rhum ist für stille Genieser

  • Neumann am 14.09.2018 22:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist ok

    Geht nichts über gutes Marketing, und das ist bei JD sogar besser als ihr Produkt. Es gibt schon Exklusiveres.

  • DZ aus U am 14.09.2018 22:32 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Marke für sich

    Wer schottischen Wiskey mag, hat in der Regel eine leichte Abneigung. Jedoch Mit dem richtigen Ambiente und der Gewissheit, das es nur einen Jack Daniels gibt und dieser einzigartig ist, ist es ein göttliches Getränk.