Sternekoch Kiko Moya

15. Februar 2019 13:17; Akt: 19.02.2019 12:00 Print

«Was ‹Chef's Table› zeigt, ist nicht die Realität»

von Lucien Esseiva - An der Berlinale stellte der Starkoch Kiko Moya einen Dokfilm über sein Schaffen vor und sparte nicht mit Kritik an Koch-Serien.

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Kiko Moya (40) gehört zu den 25 besten Köchen Spaniens und Portugals. Zusammen mit seinem Cousin Alberto Redaro führt er das Restaurant L'Escaleta (zwei «Michelin»-Sterne) in Cocentaina, Alicante, in zweiter Generation. An der Berlinale stellt Kiko Moya im Rahmen des Kulinarischen Kinos seinen Dokumentarfilm «Y En Cada Lenteja Un Dios» vor. Der Film ist erfreulich anders. Er zeigt nämlich keine Hochglanzbilder aus der Küche eines Starkochs, sondern beleuchtet Aspekte wie Familie, Tradition oder die Vereinbarkeit von Privatleben und dem Beruf als Sternekoch. Das Drehbuch schrieb Kikos jüngerer Bruder Luis (im Bild), der sein Heimatdorf Cocentaina verliess, um in Madrid zu studieren. Im Film kehrt er nach längerer Zeit ins Familienrestaurant L'Escaleta zurück, unter anderem auch, um seine Familiengeschichte aufzuarbeiten. «Y En Cada Lenteja Un Dios» zeigt in eindrücklich schönen Bildern die ungeschminkte Realität eines Sternekochs. Gekocht wird selten. Viel mehr geht es um intensive Beziehungen, ... ... um die Familie, ... ... um die Herkunft der Produkte, ... ... um Heimat. In jeder Szene im Film spürt man Leidenschaft. Aber nicht nur fürs Kochen. Natürlich zeigt Kiko Moya sein Können. Doch ... ... es scheint fast so, als könnte der Sternekoch ohne sein Umfeld und seine Familie (hier im Bild: sein Cousin Alberto Redaro) weder kochen noch existieren. Im Interview mit 20 Minuten sagt Kiko Moya denn auch: «Erfolg ist mir schon wichtig. Aber nicht um jeden Preis.» Der Erfolg könne nur als Gemeinschaftswerk von Team und Familie erreicht werden, fügt er an.

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Kiko Moya, der Dokumentarfilm «Y En Cada Lenteja Un Dios» über Sie gewährt intime Einblicke in Ihr Leben als Küchenchef, als Familienvater und Privatperson. Wie viel Überzeugungsarbeit musste Ihr Bruder leisten, bis Sie zusagten?
Viel! Aber besonders am Konzept haben wir lange getüftelt, weil wir nicht eine weitere Hochglanzdokumentation über einen Küchenchef à la «Chef's Table» machen wollten. Schöne Bilder von duftenden Kräutern und glänzendem Gemüse ist ja gut und recht, für mich zeigt das aber nicht die Realität im Leben eines Kochs. Mein Alltag sieht anders aus und den wollten wir ungeschminkt im Film dokumentieren.

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In Serien wie «Chef's Table» werden Köche zu allmächtigen Helden stilisiert. Schaut man sich solche Filme an, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass Köche Götter sind. Wir wollten zeigen, dass auch ich als Koch mit zwei «Michelin»-Sternen ein ganz normaler Mensch bin. Dass ich ein ganz normales Leben führe.

Sie sagen: «Mir ist die Familie wichtiger, als ein dritter ‹Michelin›-Stern». Ist das wirklich so?
Natürlich wäre es toll, einen dritten Stern zu bekommen. Mir ist aber wichtig, dass es das ganze Team und auch meine Familie will. Nicht nur ich. Einen solchen Erfolg kann man nur gemeinsam erreichen.

Was tun Sie für den dritten Stern?
Wenn die Tester von «Michelin» finden, dass wir mit unserer Küche einen dritten Stern verdienen, dann würde mich das freuen. Aber ich werde mich nicht verbiegen und auch nicht meine Küche oder mein Restaurant verändern oder anpassen, nur um dieses Ziel zu erreichen. Entweder L’Escaleta ist des dritten Sterns würdig oder eben nicht.

Schon Ihr Vater war Koch und hat für das L’Escaleta einen «Michelin»-Stern geholt. War es für Sie immer klar, dass Sie in seine Fussstapfen treten wollen?
Mich haben vor allem kreative Prozesse interessiert und die finden nun mal in der Küche statt. Das ist es auch, was mich heute noch fasziniert, gar nicht so sehr das Kochen. Ganz im Gegensatz zu meinem Head-Chef Vicente Pavia. Der kocht leidenschaftlich den ganzen Tag. Wie ein Verrückter.

Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Sähen Sie es gern, wenn Ihre Kinder eines Tages das Restaurant übernehmen würden?
Als ich jung war und im Club ein hübsches Mädchen traf und sagte, dass ich Koch bin, rümpften die meisten die Nase. Sie wollten lieber einen Architekten oder einen Arzt daten. Aber doch keinen Koch! Das hat sich heute total geändert. Koch zu sein, ist cool, der Job öffnet mehr Türen, als er verschliesst. Wollen meine Kinder eines Tages Koch sein: okay. Wenn nicht: auch in Ordnung.

Haben Sie Vorbilder unter den Köchen?
Vor ein paar Jahren habe ich die Roca-Familie (El Celler de Can Roca) kennengelernt. Wunderbare Menschen. Das ist mir fast wichtiger, als ein grossartiger Koch zu sein. Ist ein Koch ein Idiot, dann interessiert mich auch seine Küche nicht.

Wenn Sie ins Restaurant gehen – vergleichen Sie das Essen mit Ihren eigenen Kochkünsten?
Immer! Aber nicht, wenn ich in Sterne-Restaurants gehe. Dort kann ich gut entspannen, weil ich weiss, dass alles auf höchstem Niveau abläuft. Bei Street-Food denke ich manchmal: Wow, wieso habe ich nie an diese Zutat oder Zubereitung gedacht?

Was ist Ihr Lieblingsessen?
Mein Problem ist, dass ich einfach alles mag. Gestern habe ich mich in Berlin mit Currywurst vollgestopft und es war grossartig!

Der Trailer zu «Y En Cada Lenteja Un Dios»


Y EN CADA LENTEJA UN DIOS from Rubén Salazar KOMPO24 · DCPCINE on Vimeo.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Studi am 15.02.2019 14:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Offen und ehrlich...

    Sympathisch, offen und ehrlich. Danke

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  • Phil73 am 15.02.2019 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kochsendungen ...

    Entweder ist man Koch als Leidenschaft oder man lässt es sein ! Sendungen hin oder her ! Die meisten Sendungen sind so nahe an der Realität wie eine Zombie Apokalypse.

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  • Mätthu am 16.02.2019 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    nun ja wer es brauch zum Angeben....

    starköche, sternenköche, topköche, michlinköche, gourmetköche und was noch alles.... Ich will einfach etwas gutes Essen und das zu einem normalen Preis. Und das können die meisten Köche, aber wen ich mit dem Geschäft oder der Familie in solchen TOP Köche Restaurants war, hatte ich im Anschluss meist noch "Hunger" und musst zuhause den Kühlschrank plündern...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • susanna am 19.02.2019 14:40 Report Diesen Beitrag melden

    naja..

    naja sorry, wer einen Koch als Gott verehrt, hat irgendwo ein Problem mit der Realität.

  • Peter M am 19.02.2019 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Hat er Chefstable je mals gesehen?

    Ich frage mich ob er je mals eine ganze Sendung davon geschaut hat. Dort geht es eben NICHT um die Küche alleine sondern eher um den Koch wie er zu seinem Erfolg kam. Genau darum schaue ich mir ja diese Sendung an, weil es eben "nur" in 2. Linie ums Gericht geht.

  • Rigorosa am 19.02.2019 09:51 Report Diesen Beitrag melden

    Zuschauer = doof?

    Kochsendungen sind im Trend. Da ist es klar, dass nicht jedes Format jeden anspricht. Ich habe meine Favoriten und finde die Sendungen sehr unterhaltsam und lehrreich. Es ist erwiesen, dass viele Junge durch solche Shows zum Selberkochen animiert werden. Zur Aussage von Herrn Moya kann ich nur sagen, dass ich in einer Kochsendung nicht die Biografie des Kochs sehen/hören muss. Jeder TV-Darsteller hat doch nebst seiner Arbeit ein Privatleben, welches sich komplett von der Schauspieler-Rolle unterscheidet. Dass es in einer realen Hotelküche anders aussieht und läuft, ist mir klar, Herr Moya.

  • Phil Koch am 19.02.2019 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    (Selbst-)Ausbeutung

    Ich habe unter H. Winkler, im 3 Sterne Rest. Tantris München gearbeitet. Es war 5% Himmel aber 95% die Hölle. Dieser Typ hat seine Karriere lang das Blut aus den jungen Köchen gesaugt um sein Ego zu befriedigen. Ich bin früh genug abgesprungen und hab mein Ding nach 15 Jahren erfolgreich und mit respektvollem Umgang mit meinen Mitarbeitern ausserhalb der Gastronomie gemacht. Winkler ist heute ein alter, gebrochener und unglücklicher Mann. Das Schicksal holt jeden ein. Früher oder später.

    • R. Gerer am 19.02.2019 09:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Phil Koch

      Danke dass du das hier postet. Meine Erfahrung sind gleich: Hungerlohn, 1 Tag frei und regelmäßig 12 Std. Tage.

    • Fletchy Peyer am 19.02.2019 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Phil Koch

      Bravo, Sie haben den Nagel auf dem Kopf getroffen, Danke für Ihre Aussage

    • Peter M am 19.02.2019 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Komisch

      Erstens das Restaurant Tantris hat "nur" 2 Sterne. Weiter: diese Restaurants schreiben eine Stelle aus und bekommen duzende Bewerbungen. Warum wohl? Und noch am Rande: ein Restaurant bzw. Person namentlich in der Öffentlichkeit so blosszustellen könnte für sie auch recht teure rechtliche Folgen haben. Nur weil sie hier irgendein Pseudonym verwenden heisst es nicht, dass sie anonym sind.

    • G.Baunann am 19.02.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

      Besser recherchieren

      unter Winkler hatte es 10 Jahre lang 3 Sterne. Besser vorher recherchieren .

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  • um die Zeit am 19.02.2019 05:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Recht hat er. Wir werden zugemüllt mit diesen Kochshows. Dann noch die ewige FOOBY-Werbung hier, in 20'. Selbst beim Scrollen, Überspringen eines Berichts, leuchtet einem FOOBY ins Gesicht.

    • Peter M am 19.02.2019 13:00 Report Diesen Beitrag melden

      Föifer unds weggli

      Den Fünfer und das Weggli gibt es eben nicht. Gratis Zeitung ohne Werbung funktioniert nun mal nicht. Kannst aber gerne einen Zugang zu z.B. NZZ KAUFEN, da hast du richtige Artikel mit Hintergrundinfos und erst noch nicht soviel Werbung.

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