Food-Oscars

20. Juni 2018 17:15; Akt: 25.06.2018 11:49 Print

Zwei Schweizer gehören zu «The World's 50 Best»

von Lucien Esseiva, Bilbao - In Bilbao wurde der Gastro-Oscar «The World's 50 Best Restaurants» verliehen. In den Rängen: zwei Schweizer.

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Alle 50 glücklichen Gewinner von «The World's 50 Best Restaurants» feierten in Bilbao gemeinsam auf der Bühne. Und das sind (laut dem Ranking) die besten zehn Restaurants der Welt: Victor Arguinzoniz sahnte mit seinem Restaurant in Axpe in Spanien ab. Seine Spezialität? Seine Gerichte kocht er meistens auf dem offenen Feuer. Wer bei Andoni Luis Adoriz speisen möchte, der muss Zeit mitbringen. Ein Menü im umfasst nämlich selten weniger als 20 Gänge. Seine Speisen sind anspruchsvolle Kunstwerke, die aber nicht allen schmecken. «Die Welt» schreibt in einer Kritik: «Bei den Kabeljauzungen in einer Knochenmarkemulsion haben untrainierte Gaumen eventuell mit Würgereflexen zu kämpfen.» Seit 1996 ist Chef Alain Passard vom Pariser mit drei Michelin-Sternen ausgezeichnet, der achte Platz bei «The 50 Best» ist nur eine weitere Ehre für den Star aus Frankreich. Seit Passard eine eigene biodynamische Farm besitzt, kocht er gern mit Gemüse oder Früchten. Hier ein Foto seiner Interpretation eines Fruchtsalats. Der Japaner Mitsuharu Tsumura mischt mit seinem Lokal in Lima, Peru, die Food-Szene auf. Wie darf man sich japanisch-peruanische Küche vorstellen? Es gibt zum Beispiel Dim-Sum-Varianten mit Seeschnecke. Virgilio Martínez und seine Ehefrau Pia León holten mit ihrem Restaurant in Perus Hauptstadt Lima den Titel für das beste Restaurant Südamerikas. Bei einem Besuch im Central wird der Gast auf eine kulinarische Reise durch Peru mitgenommen. Das «Matter Elevation»-Menü führt durch alle Höhen und Tiefen des Landes. Gaggan Anand vom gleichnamigen in Bangkok verzaubert seine Gäste mit hochklassiger asiatischer Küche mit einem Touch Indien. Seine Teller sind kleine Kunstwerke. Ausserdem wird den Gästen immer eine kleine Show mit vielen Überraschungen geboten. Kein Abend gleicht dem anderen. Der Schweizer Starkoch Daniel Humm war letztes Jahr noch auf dem ersten Platz von «The 50 Best» gelistet. Dieses Jahr reicht es für sein nur noch für den vierten Rang. Dieser Taucher dürfte den gebürtigen Aargauer kaum stören. Sein Lokal im Herzen von Manhattan ist auf Monate hinaus ausgebucht. Mauro Colagreco freute sich über die Top-Plazierung seines in Menton an der Côte d'Azur. Die Zutaten für seine Gerichte holt sich der Koch aus dem eigenen Garten und natürlich aus dem Meer, das gleich zu Füssen des Restaurants liegt. Die Aussicht von der Terrasse des Mirazur ist übrigens einzigartig. Drei Brüder (Joan, Josep und Jordi Roca) führen das Restaurant im spanischen Girona. Schon seit langem sind die Jungs mit drei Michelin-Sterne ausgezeichnet. Vor allem ihre katalanischen Gerichte mit einem internationalen Twist haben eine grosse Fangemeinde. Massimo Bottura feiert mit seiner Ehefrau Lara Gilmord den ersten Platz in der Liste von «The 50 Best». Bottura kocht in seiner ziemlich klassische, italienische Gerichte. Daneben setzt er sich aber auch sehr stark für Kunst, Politik und Benachteiligte ein. Seine Gerichte sind stark von Kunst und Musik inspiriert. Der Schweizer Starkoch Andreas Caminada ist nach einer Pause mit seinem eingestiegen. Er stellt damit das einzige Schweizer Restaurant in der Liste von «The 50 Best».

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Was die Oscar-Verleihung für die Filmbranche ist, das ist die «The World's 50 Best Restaurants»-Wahl für Beizer. Dieses Jahr fand sie in Bilbao statt. Wer sein Restaurant auf dieser Liste findet, der kann sich sicher sein, dass sein Herd in der nächsten Zeit nicht ausgehen wird.

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Das Ranking kommt bei Feinschmeckern deswegen so gut an, weil die Macher versichern, dass die Rangliste absolut unabhängig von Sponsoren (also Geld) sei. Die Authentizität sei vor allem darum gewährleistet, weil die Jury aus über 1000 Mitgliedern, bestehend aus Gastro-Profis und ausgewählten Gourmets, zusammengestellt ist.

Zwei Schweizer in den Top 50

Aber auch die Macher der internationalen Top-Beizen scheinen «50 Best» zu würdigen und fanden sich geschlossen im Palacio Euskalduna, unweit des Guggenheim-Museums, zur Award-Nacht ein.

Nach Apéro und Smalltalk unter Gourmets wurden zuerst die Plätze 100 bis 51 und danach die besten 50 Restaurants aus aller Welt verkündet. Den ersten Rang holte, wenig überraschend, der kochende Intellektuelle Massimo Bottura (55) mit seiner Osteria Francescana in Modena. Auch zwei Schweizer Top-Chefs durften sich ein rotes Foulard umhängen.

Andreas Caminada (41) vom Schloss Schauenstein in Fürstenau stieg nach seiner kurzen Auszeit wieder auf Platz 47 ein, der Aargauer Daniel Humm (42) verpasste das Podest um Haaresbreite und rangiert auf dem vierten Platz. Eine kleine Enttäuschung: Letztes Jahr war sein Restaurant, das Eleven Madison Park in New York, noch auf Platz eins gelistet.

Fokus auf Jungtalente

«50 Best Restaurants» ehrt aber nicht nur Koryphäen, die seit Urzeiten am Herd stehen, sondern gibt auch jungen Talenten eine Chance. Der deutsche Haushaltsgerätehersteller Miele hat den «Miele One To Watch»-Award ins Leben gerufen und rückt mit dieser Auszeichnung aufstrebende Jungköche ins Rampenlicht. Gewinner dieses Jahr: das Restaurant SingleThread Farm in Sonoma County, Kalifornien. Kyle und Katina Connaughton pflanzen das Gemüse für ihre Gerichte selbst an und möchten so maximalen Genuss und die bestmögliche Nachhaltigkeit garantieren.

Eine erfreuliche Erkenntnis der «50 Best»-Wahlnacht: Viele der Topadressen befinden sich in Europa, Spanien hat sieben, Frankreich fünf und Italien vier Lokale in den Top 50.

Die Top Ten der besten Restaurants der Welt sehen Sie in der Bildstrecke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.M. am 21.06.2018 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    Meine Mamma ist auf Platz 1!!! Ausser wenn ich den Grill einheize... ;)

  • Lilo am 21.06.2018 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    Nur ein Schweizer Restaurant

    Es gehört nur ein Schweizer Restaurant zu den Top 50. Das andere ist ein US Restaurant aus New York.

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  • Fred am 21.06.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mampf

    Darum liebe ich essen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roman am 21.06.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Sonst noch was, ohne mich

    Wenn ich Essen gehen will, würde ich nie in so einen teuren Fresstempel gehen. Warum sollte ich? Da gehe ich lieber ins nahe Ausland. Es schmeckt mir, ich bin satt und ich kann zigmal gehen für den Preis. Das Endergebniss ist immer das selbe am Tag drauf.

  • SP am 21.06.2018 17:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Essen wo's gefällt und schmeckt

    Ist man nicht in der Diskussion, Sterne abgeben zu dürfen...dieser Dauerstress hat schon seine Opfer gefordert. Zudem geht dort essen, wo es Euch schmeckt, egal ob Stern oder nicht. Ä Guete Mitenang !

  • unglaublich am 21.06.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    aber wahr

    Wenn ich Hunger habe dann will ich Essen und zwar einen vollen Teller und nicht diese Kunstwerkartige Häufchen und Fleckchen auf dem Teller haben. Ja, ja...man isst mit dem Auge....sag das dem Magen :)Die Italienische Küche war und ist nach wie vor die Beste Küche vor allem aber die Süditalienische. Mein Gott mir läuft das Wasser im Mund zusammen nur schon wenn ich daran denke wenn meine Mutter kocht. Ciao Mamma.

    • Heiner Schmidt am 21.06.2018 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Künstler

      Ich liebe dieses Essen. Für mich sind die Köche Künstler. Anstatt in die Oper gehe ich lieber in ein sehr feines Restaurant. Aber jedem das Seine. Ich habe auch gerne einen Teller Spaghetti, aber den esse ich zuhause.

    • timinho am 21.06.2018 17:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @unglaublich

      Du warst somit noch nie in einem solchen Restaurant! Bei Massimo Bottura und Can Roca konnte ich am Ende fast nicht mehr gehen, so voll war ich. Klar, die einzelnen Portionen sind klein, aber wenn 18 Gänge serviert werden, wirst sogar du satt...

    • unglaublich am 21.06.2018 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      aber wahr

      @Heiner Schmidt....es gibt nicht nur Spaghetti oder Pizza in der italienischen Küche.

    • Li am 21.06.2018 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @unglaublich

      Naja für die einen zählt Quantität und für die anderen Qualität, ich gehöre zu denen, welche Qualität vorziehen. Herr Caminada ist und bleibt für mich der Grösste, man fühlt sich da wirklich wie im Gourmethimmel.

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  • Som Tam am 21.06.2018 14:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man einmal das Visuelle weglässt...

    ...sind einfache Gassenküchen oft geschmackvoller. Zudem bekommt man da genug, um satt zu werden, und schnell genug, wenn man nicht Stunden lang warten will. Plus: dieser Fruchtsalat auf dem Bild: hallo? einfach Früchte halbiert und mit Stiel, Gehäuse und Blätter auf einen Teller geworfen? OK, es sieht noch kreativ aus, aber will man das so essen müssen?

    • Bella am 21.06.2018 18:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Som Tam

      Pflichte Ihnen voll und ganz bei. Ich will dieses banale Fruchtarrangement auch nicht essen. Schon gar nicht, wenn ich hungrig bin. Klar isst man mit dem Auge, aber etwas mehr Menge wäre angebracht.

    • Gabriela am 21.06.2018 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Som Tam

      Es geht doch nicht nur ums satt werden, sondern auch um Genuss ..... um himmlische Gaumenfreuden .....

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  • Enkido am 21.06.2018 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    Korruption

    In der Gourmetszene ist es leider nicht viel anders als z.B. bei der FIFA. Da gibts z.B. 3 Sterne für einen wie Paul Bocuses Restaurant, die nicht mal einen Stern wert sind, und andere kochen seit Jahren auf 2-3 Sterneniveau und warten noch immer auf den ersten. Sehr zu empfehlen sind Glow by Armin Amrein, Tsé Fung und Tim Raue in Berlin. Essen von einer anderen Welt.