Gents

07. April 2019 16:46; Akt: 11.04.2019 09:44 Print

Das beste Schweizer Tonic und sein holpriger Start

von Lucien Esseiva - Der Zürcher HG Hildebrandt produziert mit Gents das erfolgreichste Schweizer Tonic. Doch bis dorthin war es ein steiniger Weg.

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Die Idee zum Schweizer Tonic Water Gents wurde am Tag nach einer Geburtstagsfeier geboren. Hans Georg Hildebrandt (52), den alle nur «HG» nennen, räumte mit einem Freund gerade die Partylocation auf und die beiden diskutierten über Gin Tonic, den Erfolgsdrink des Abends. «Warum nicht ein Schweizer Tonic Water produzieren?», schlug der Freund unvermittelt vor. Am Ende des Tages hatte sich die Idee in HG Hildebrandts Kopf festgesetzt.

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30'000 Franken Startkapital und viel Skepsis

Das war vor sieben Jahren. Gefeiert wurde damals der 40. Geburtstag von Nina Thoenen, seit über 20 Jahren der Anker im Leben des heutigen Getränkeproduzenten Hildebrandt – die beiden leben in Zürich und haben zwei Kinder. Nina begegnete HGs Idee mit Skepsis und entwarf dann trotzdem das Logo mit dem vom Science-Fiction-Autor Jules Verne entliehenen Luftschiff. Vor genau sieben Jahren kündigte Hildebrandt schliesslich seinen von der Printkrise gefährdeten Job als Chefredaktor eines Architekturmagazins. Er kratzte einen Betrag von 30'000 Franken zusammen und machte sich gemeinsam mit Spitzenkoch Ralph Schelling und zwei weiteren Experten daran, die Rezeptur für sein erstes Gents Tonic Water zu entwickeln.

In der Schweiz wollte erst niemand das Tonic abfüllen

Einen Grundstoffhersteller fand er in der Traditionsfirma Obermeilen Getränke am Zürichsee relativ schnell. Die Suche nach einem Abfüller entpuppte sich jedoch als Problem, zumindest in der Schweiz. Also packte HG seine ersten zwei 800-Kilo-Kanister mit Tonic-Grundstoff in ein Mietauto und fuhr nach Österreich in den Bregenzerwald, wo sich eine kleine Firma seiner erbarmte und die ersten Flaschen Gents Tonic abfüllte.

«Es sah schrecklich aus»

Es war ein holpriger Start. Die Etiketten klebten schräg und schrumplig auf den ersten Flaschen – «Es sah schrecklich aus», schildert HG die Geburt seiner ersten Produkte. Doch die ersten 15'000 Flaschen Gents Tonic waren produziert und HG verteilte sie eigenhändig mit seinem klapprigen BMW in Bars «mit Strahlkraft oder Besitzern, die mir noch einen Gefallen schuldeten». Die Resonanz war ernüchternd: «Die erste Abfüllung hatte zu wenig Kohlensäure, ausserdem warf man mir vor, dass ich nicht in der Schweiz produzierte.» Er ist aber überzeugt: «Als Quereinsteiger darf man kein Perfektionist sein, sonst hast du nie etwas zu verkaufen.» Kurz darauf löste HG mit einem Schweizer Abfüller alle Probleme auf einen Schlag. Gents wurde zu einem rein schweizerischen Produkt und endlich hatte er auch genug Sprudel in der Flasche.

Das Geheminis ist die Enzianwurzel

Heute gehört Gents bei Kennern zu einem der beliebtesten Tonics – das liegt vor allem an der Rezeptur. Ein aus argentinischen Zitronen hergestelltes Aroma sorgt für die Frische, die Zugabe von Enzianwurzel-Extrakt verleiht eine lakritzige Note, die vor allem feinwürzige Gins perfekt stützt. Doch der umtriebige HG ruhte sich nicht auf dem Erfolg aus und lanciert seither jedes Jahr ein neues Produkt. Heute umfasst das Gents-Sortiment sieben Rezepturen.

«Immer nur über Gents zu reden, wird auf Dauer etwas eintönig»

Sieben Jahre nach der Gründung verkauft das einstige Start-up ungefähr 800'000 Flaschen im Jahr und HG kann von seinem Business, dass als Gin-Idee begann, leben. Schreiben müsste der Journalist also nebenbei nicht mehr. «Tue ich aber trotzdem. Immer nur über Gents zu reden, wird auf Dauer etwas eintönig», sagt HG und lächelt.