Mirazur in Menton

04. Oktober 2019 18:04; Akt: 14.10.2019 13:40 Print

Ein Abend im besten Restaurant der Welt

von Lucien Esseiva - «The World's 50 Best Restaurants» hievte das Mirazur von Mauro Colagreco im französischen Menton dieses Jahr auf Platz 1. 20 Minuten hat es besucht.

Bildstrecke im Grossformat »
Das ist Mauro Colagreco (42). Der gebürtige Argentinier kocht seit 2006 in seinem Restaurant Mirazur im französischen Menton an der Grenze zu Italien. Sein Lokal, das Mirazur, wurde dieses Jahr von «The World's 50 Best Restaurants» zum besten Restaurant der Welt gewählt. Fast gleichzeitig wurde Colagreco mit drei «Michelin»-Sternen geadelt. Durch diesen Eingang betritt man das Restaurant, welches etwas ausserhalb vom Städtchen Menton auf einem Hügel in einem Wohnquartier liegt. 20 Minuten wollte wissen, wie es sich im weltbesten Restaurant speist und hat dem Mirazur einen Besuch abgestattet. Der erste Eindruck war mehr als überzeugend. Die Aussicht auf das Städtchen Menton und die Côte d'Azur ist atemberaubend. Das Lokal hat lediglich 12 Tische, an denen circa 40 Personen Platz finden. Die Tische am Fenster sind natürlich am gefragtesten, die Wartezeit für einen Platz im Mirazur beträgt ungefähr ein Jahr. Was Mauro Colagreco auf den Teller bringt, ist inspiriert vom Meer und seinem Gemüsegarten. Hier seine Kreation mit fein gescheibelten Randen in einer Salzkruste an einer Kaviar-Creme. Das «Univers Mirazur»-Menü mit neun Gängen kostet rund 285 Franken pro Person und wechselt täglich. Die kleine Weinbegleitung gibt es ab 175 Franken. Mauro Colagreco kocht saisonal und verarbeitet nur das, was ihm die Fischer oder Bauern am jeweiligen Tag in die Küche bringen. Am Tag des Besuchs von 20 Minuten war es wohl ein Schwein und so wurde ein Schweinebraten an Biersauce und Kürbis serviert. Das Gericht war zwar von guter Qualität und schön knusprig, leider aber auch ziemlich fettig und für ein Restaurant von dieser Klasse schlicht zu simpel. Das Gerichte hätte mehr Kochkunst verdient. So zeigte sich das Überraschungsmenü beim 20-Minuten-Besuch. Die Gänge werden nach Wunsch und Verträglichkeit der Gäste zusammengestellt. Im Mirazur ist das Produkt der Star, die Küche scheint sich manchmal fast ein bisschen zu sehr zurückzunehmen. Mehr wäre bei manchen Gerichten wirklich ein bisschen mehr, gerade für einen Preis von fast 1000 Franken für zwei Personen. Das Fazit ist nach dem Besuch im Mirazur durchzogen. Zwar kann man in der Nummer eins von «50 Best» einen wunderbaren Abend und kulinarische Genüsse auf höchstem Niveau erleben, bei einigen Gerichten dürfte die Küchen-Crew aber noch mehr zeigen, was sie kann.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Letztes Jahr war das Mirazur des argentinischen Spitzenkochs Mauro Colagreco (42) noch auf dem dritten Platz von «The World's 50 Best Restaurants». Dieses Jahr landete das Lokal im französischen Küstenort Menton ziemlich überraschend auf dem ersten Rang des hippen Gastro-Ratings. Ebenfalls im Januar dieses Jahres bekam Colagreco seinen dritten «Michelin»-Stern.

Umfrage
Wären Sie bereit, für ein Essen für zwei Personen fast 1000 Franken auszugeben?

Top platzierte Chefs der letzten Jahre wie Massimo Bottura (Osteria Francescana in Modena), der Schweizer Daniel Humm (Eleven Madison Park in New York) oder die Gebrüder Roca (El Celler de Can Roca in Girona) tauchen gar nicht mehr im Ranking auf. Der Grund? Die drei Spitzenköche waren die letzten Jahre so erfolgreich, dass sie in eine «Best of the Best»-Liste verfrachtet wurden, um anderen Restaurants die Chance auf eine Spitzenplatzierung zu ermöglichen.

Das sagt «50 Best» zum Mirazur

«Die unübertroffene Sicht auf die französische Riviera, ein eigener Gemüsegarten, wo die Köche ihre wunderbaren Produkte ernten, und ein unerhört talentiertes Team aus Köchen und Service machen das Mirazur zum ultimativen Restaurant-Erlebnis. Die Küche von Mauro Colagreco ist inspiriert vom Meer, den Bergen, den Zitrusfrüchten aus Menton und seinem Garten.»

Das sagt 20 Minuten ...

... zum Lokal

Das Mirazur liegt etwas ausserhalb von Menton auf einem Hügel, mitten in einem Wohngebiet. Vom Gebäude, das ziemlich sicher früher ein Wohnhaus war, blickt man herrlich über die französische Küste und das Meer. Im Lokal stehen lediglich 12 Tische für etwa 40 Gäste, die von gut 15 Serviceangestellten und Sommeliers umschwärmt werden.

... zur Begrüssung

Im Erdgeschoss des Lokals wird der Gast knapp, aber freundlich begrüsst, und nachdem einem die Mäntel abgenommen worden sind, wird man ins Obergeschoss geleitet und an den Tisch geführt. Das Personal ist eingespielt und professionell, was ein wenig zulasten der Herzlichkeit geht. Die Erklärungen zum Restaurant, dem Wein oder dem Menü wirken nicht nur auswendig gelernt – sie sind es auch. Der Nachbartisch bekommt den exakt gleichen Wortlaut zu hören.

... zum Menü

Eine Speisekarte gibt es nicht, als Gast gibt man lediglich an, was man nicht essen mag oder kann. Aufgrund dieser Informationen kreiert das Küchenteam um Mauro Colagreco das 9-Gang-«Univers Mirazur»-Menü für rund 285 Franken pro Person. Das Menü wechselt laut Colagreco täglich, die Zutaten macht der Küchenchef abhängig davon, was befreundete Fischer aus Meer ziehen oder was der Garten oder die Saison hergibt.

... zu den Weinen

Die Weinkarte ist erschlagende 60 Seiten dick, Zeit spart man, wenn man sich für eine der drei Weinbegleitungen entscheidet. Die bescheidenste Variante heisst «Notre Terroir», kostet 175 Franken pro Person und bietet eine schöne und perfekt auf das Menü abgestimmte Reise durchs Weinland Frankreich. Optional kann das Wine Pairing mit internationalen Tropfen angereichert werden, am obersten Ende der (Preis)-Skala liegt die «All you can Drink»-Weinbegleitung.

... zu den Gerichten

Bereits das frisch gebackene, warme Brot, das zu Beginn mit verschiedenen Aufstrichen gereicht wird, ist ein Genuss. Mit zahlreichen Grüssen aus der Küche kündigt das Team an, wie der Abend verlaufen könnte: Frischeste Zutaten treffen auf ungewöhnliche Kombinationen. Die Präsentation der Teller ist tadellos, filigran und eher unaufgeregt. Mit Gewürzen hantiert Mauro Colagreco zurückhaltend, das Produkt und dessen Geschmack sollen im Vordergrund stehen.

... zu den Highlights

Der erste Gang, ein Ceviche aus Gamberoni aus San Remo mit Birne und roter Perilla (ein Minzgewächs) ist ein wahrer Genuss, pur im Geschmack und erfrischend. Eines von Colagrecos Signature-Gerichten ist die dünn gescheibelte Rande aus dem hauseigenen Garten in Salzkruste in einer Kaviar-Creme. Auch hier: Die Frische der Produkte ist überragend, die einzelnen Geschmäcker gut zu differenzieren. Der beste der neun Gänge ist das Frikassee aus Meeresfrüchten, das in einem Pesto aus verschiedenen Basilikum-Sorten serviert wird. Hier geht Colagrecos Traum in Erfüllung: Man schmeckt das Meer und wie sehr Luft und Boden seinen Gartengewächsen geschmeichelt hat.

... zum Tiefpunkt

Beim Hauptgang mit Fleisch fühlt man sich in ein bayerisches Wirtshaus versetzt. Zwar ist der Schweinebraten an Biersauce, Kürbis und Cashewnüssen von guter Qualität und schön knusprig, er ist aber auch ziemlich fettig und für ein Restaurant von dieser Klasse schlicht zu simpel. Das Gericht hätte mehr Kochkunst verdient.

... zur Kritik

Auf den Tellern von Mauro Colagreco steht das Produkt im Vordergrund, die Kreationen sind ziemlich reduziert – manchmal so sehr, dass sie an der Grenze der Einfachheit kratzen. Drei verschiedenfarbige Cherrytomaten in einer Burrata-Milch mit Vanille sind für ein Restaurant, das mit drei «Michelin»-Sternen ausgezeichnet ist und laut «50 Best» das beste Lokal der Welt sein soll, zu wenig ausgefeilt. Ein Joghurt, das schlicht mit fein gehackter Gurke serviert wird, ist zu wenig Spitzenküche. Und der besagte Schweinebraten schmeckt im bayerischen Wirtshaus besser. Dafür braucht man weder an die Côte d'Azur zu fahren noch 285 Franken pro Person auszugeben. Ebenfalls schade: Am Abend des Besuchs von 20 Minuten war Mauro Colagreco nicht anwesend. Er weilte in Paris, wo er an einem Anlass von «50 Best» teilnahm.

Das Fazit

Das Mirazur ist ein wunderschönes Lokal mit einer der schönsten Aussichten in Menton, in dem man einen wunderbaren Abend erleben kann. Der Service ist tadellos, wenn auch fast ein bisschen zu sehr auf Perfektion getrimmt. Was Mauro Colagreco auf den Teller bringt, ist von höchster Qualität und Frische und überzeugt mit kreativen Ansätzen und zeigt ein Höchstmass an handwerklicher Fähigkeit. Im Mirazur ist das Produkt der Star, die Küche scheint sich manchmal fast ein bisschen zu sehr zurückzuhalten. Mehr wäre bei manchen Gerichten wirklich ein bisschen mehr, gerade für einen Preis von fast 1000 Franken für zwei Personen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marius am 05.10.2019 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich nicht das beste Restaurant

    Es ist natürlich nicht das beste Restaurant der Welt. Es ist nur das beste Restaurant, dass das Magazin unter «The World's 50 Best Restaurants» publiziert. Der beste Sänger bei Dieter Bohlen ist ja auch der Sieger von «The World's 50 Best DSDS Singers» 2019. Deshalb ist er ja nicht der beste Sänger der Welt. Einfach nur eine Liste zu benennen und dann zu sagen, dass ist der beste Koch der Welt, bringts irgendwie nicht, wenn man das nüchtern betrachtet.

    einklappen einklappen
  • Peter am 05.10.2019 11:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nachvollziehbar

    Da müsste mein Herz ein Affe sein, fast 1000 für 2 Personen in einem Restaurant zu zahlen...sorry aber kein Koch der Welt ist das Wert und das ist völlig übertrieben. Das gutes Essen gern etwas teurer sein darf ist ja in Ordnung, aber das ist einfach nur gesponnen....

    einklappen einklappen
  • Pesche am 05.10.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gahts na?

    Wie krank ist das denn? Nobel geht die Welt zugrunde wärend manche Familien in der CH sich nur Teigwaren leisten können. Lieber esse ich eine Bratwurst mit Bürli das ist immerhin etwas ehrliches und nichts überrissenes!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Huber Chläusu am 14.10.2019 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    Eg ha de Dorchbleck

    Diverse 3 Sterne Köche beweisen jeden Tag, dass man Kulinarik auf höchstem Niveau zu top Preisen geniessen kann. Aber es gibt Menschen, die Essen erst gut finden wenn es extravagant kostet. Vermutlich weil es sich nicht jeder leisten kann und sie von einem kulinarischen Erlebins erzählen können, von dem man nicht mitreden kann, weil man es ja nie hatte. Da zahlt man aber nur die Oberflächlichkeit und der Koch/Inhaber lacht sich krumm und schief ab solcher Dummheit und Dekadenz.

  • Bölimaa am 14.10.2019 08:40 Report Diesen Beitrag melden

    Gibt es schlicht nicht

    Das beste Restaurant gibt es nicht. Weil wenn ich heute auf italienisch Lust habe und morgen auf chinesisch, dann gehe ich auch in verschiedene Reataurants, welche ihre Kernkompetenz auf der jeweiligen Küche haben. Dieser Sternchenmist ist reine Geldmacherei und wer sich vom Gastro-Führer und nicht vom eigenen Gaumen und Nase leiten lässt, dem kann man eh nicht mehr helfen. Als ich einmal einen alten Winzer fragte: Welcher ist denn der beste Rotwein? Antwortete er mir: Probier einfach und nimm den, der dir am besten schmeckt

  • Guy Schillinger am 14.10.2019 08:18 Report Diesen Beitrag melden

    Guy Savoy ist das beste Rest. der Welt

    Basierend auf der Sammlung von Hunderten von Führern und Millionen von online-Bewertungen, bietet La Liste die weltweit beste Bewertungsplattform. Somit ist Guy Savoy bereits zum zweiten Mal als bestes Restaurant der Welt gekürt worden.

  • Aof am 14.10.2019 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das sagte meine Großmutter

    Hunger ist der beste Koch.

  • mark-frei am 14.10.2019 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Essen kann so gut sein das es .....

    .... ein Tausender wert ist. Da stimmt einfach Preis/Leistung nicht mehr.