Prêt-à-Porter-Schau

04. März 2011 12:14; Akt: 04.03.2011 12:19 Print

Gallianos letzter Akt

Heute wird «Dior» im Pariser Rodin-Museum seine neue Kollektion vorstellen: Es ist John Gallianos letzte Arbeit für das Luxushaus. Eine geplante Gegen-Schau hat der Designer abgesagt.

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John Galliano machte seine Anfänge als Designer bei Givenchy. Nach knapp 18 Monaten wurde er bereits in die höchsten Sphären der Modewelt katapultiert, als man ihn zum Chefdesigner von Dior machte. Später sollte er gesagt haben, er habe seine Rastalocken für diese Stelle opfern müssen. «Und ich musste mich in einen Anzug zwängen. Es war grauenhaft.» John Galliano wurde bald zum Motor des Luxushauses, dem er im Jahr 2010 einen Gewinn von rund 700 Millionen Euro bescherte. Der 50-Jährige beherrschte wie keiner den schwierigen Spagat zwischen dem traditionellen französischen Geschmack und den boomenden Märkten in Russland und China. Dabei verstand er es auch wie keiner, sich selbst in Szene zu setzen: ... ... Er machte seinen eigenen Auftritt am Ende der Modeschau zu einem Höhepunkt. Jedes Mal wartete das Publikum auf seinen neusten Coup. Womit würde er diesmal überraschen? Und dann trat er auf, mal als Pirat, ... ... mal als Indianer, ... ... mal als Torero. In Gibraltar als Juan Carlos Galliano zur Welt gekommen, zog er mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren nach London. Sein Vater arbeitete als Klempner, seine Mutter war von Mode fasziniert. So erstaunte es kaum, als der junge Juan Carlos seinen Namen in John änderte und eine Ausbildung als Modedesigner an der renommierten Saint Martins School begann. Seine extrovertierte Art passte nicht allen. Galliano sah das anders: «Meine Herausforderung ist es, die Leute zum Träumen zu bringen.» Französische Medien berichteten mehrmals, Galliano leide seit Jahren an einer Depression, die sich mit dem Tod seines Assistenten im Jahr 2007 verschärft habe. Er habe seine Alkohol- und Schlankheitspillensucht nicht unter Kontrolle. Nach groben Pöbeleien trennte sich das französische Traditionshaus Christian Dior schliesslich am 1. März 2011 vom britischen Stardesigner. Galliano habe sich mit seinen antisemitischen Äusserungen «besonders abscheulich» verhalten, erklärte Sydney Toledano, CEO des weltgrössten Luxusgüterkonzern LVMH, zu dem Dior gehört.

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Der britische Modeschöpfer John Galliano, der sich wegen judenfeindlicher Pöbeleien vor einem Pariser Gericht verantworten muss, hat seine für Sonntag, den 6. März geplante Modeschau abgesagt.

Gallianos eigene Kollektion solle am Sonntag in Paris ohne Laufsteg nur im kleinen Rahmen vorgestellt werden, hiess es aus seinem Umfeld. Die neue Herbst- und Wintermode, die Galliano für das französische Traditionshaus Dior entworfen hatte, soll wie geplant am Freitagnachmittag im Pariser Rodin-Museum präsentiert werden.

«Es ist ein historischer Moment»

Dior hatte schnell auf die Pöbeleien des 50-Jährigen in seiner Pariser Stammbar reagiert und sich von dem Stardesigner getrennt, der 15 Jahre lang den Stil der Traditionsmarke vorgab. Das Modehaus rechnet nicht damit, dass sich die Affäre negativ auf seine Schau auswirkt, für die es laut einer Sprecherin keine Absagen gab. «Jeder wird da sein, denn es ist ein historischer Moment», sagte der Modejournalist Jean-Paul Cauvin vom Fachblatt «Fashion Daily News» voraus.

Galliano war im Pariser Szeneviertel Marais mehrfach durch antisemitische Pöbeleien aufgefallen. In einem Video war er ausserdem in angetrunkenem Zustand mit der Äusserung «Ich liebe Hitler» zu sehen. Der Stardesigner entschuldigte sich mittlerweile für sein Verhalten, betont aber, er habe nichts Rassistisches gesagt.

Zwei Nachfolger im Gespräch

Als Nachfolger Gallianos, der derzeit ausserhalb von Paris eine Entzugskur machen soll, sind zwei Namen im Gespräch: der italienische Givenchy-Chefdesigner Riccardo Tisci und der französische Modeschöpfer Haider Ackermann, der seine eigene Marke entwirft.

Experten gehen nicht davon aus, dass die Modemarke Dior, die von Frankreichs First Lady Carla Bruni gerne bei offiziellen Anlässen getragen wird, durch die Affäre Schaden nimmt. Ein Wechsel nach 15 Jahren könne nun «frisches Blut» bringen, sagte der Finanzexperte für Luxusprodukte, Erwan Rambourg.

(sda)