Haartransplantation

07. November 2011 13:28; Akt: 07.11.2011 14:09 Print

Was tun gegen die drohende Glatze?

von Yolanda Di Mambro - Hollywoodstar Bruce Willis hat sich mit seiner Glatze abgefunden. Nicht so John Travolta, Nicolas Cage und Wayne Rooney. Was hilft bei Haarausfall? Ein Facharzt klärt auf.

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Viele internationale Promis, die an Haarausfall leiden, unterziehen sich heute einer Haartransplantation. U2-Sänger Bono (links) und Jude Law (Mitte) haben sich bereits einem Eingriff unterzogen. Bruce Willis (rechts) zeigt sich hingegen mit Glatze. Jude Law am 18. November 2007 an einer Filmpremiere in London. Zweieinhalb Jahre später, am 18. Februar 2010, präsentiert sich der Beau dank einer Haartransplantation mit dichtem Haarschopf. Wayne Rooney am 4. Mai 2010. Damals war er noch nicht einmal 25 Jahre alt. Am 6. Juni 2011 überraschte er seine Fans per Twitter mit der Nachricht, er habe sich einer Haartransplantation unterzogen. Das Foto des frisch operierten Rooneys ging um die Welt. Rooney (26) am 18. Oktober 2011, d. h. vier Monate nach dem Eingriff. Sein Haar sieht natürlich aus. Von kahlen Stellen und Haarausfall keine Spur mehr. Arnold Schwarzenegger hat dank Haartransplantation auch noch mit 64 Jahren einen vollen Schopf. Auch Oscar-Preisträger Jamie Foxx (44) hat sich einer Haartransplantation unterzogen. Kevin Costner leidet seit Jahren an Haarausfall. Diese Aufnahme entstand am 11. Februar 2005. Costner am 19. Juni 2010. Am Hinterkopf und an den Seiten hat er kahle Stellen. Costner (56) mit mehr Haar am 15. September 2011 in Bremen. Auch Schauspieler Brendan Fraser (43) hat sich einer Haartransplantation unterzogen. Er litt an starkem Haarausfall. Oscar-Preisträger Nicolas Cage bei seiner Ankunft in Tokio am 19. Juli 2010. Sein Haarausfall ist von weitem zu sehen. Cage (47) am 17. April 2011. Nach einer Haartransplantation hat er wieder dichtes Haar. Mädchenschwarm Travolta mit perfekt gegelter Haartolle im Film «Grease» von 1978. Auch Travolta entschied sich für eine Haartransplantation und präsentiert sich als 57-Jähriger mit vollem Haar. Weitere Superstars, die sich für eine Haartransplantation entschieden hat: Bono von U2 (51), ... ... Matthew McConaughey (42), ... ... Mel Gibson ... ... und Salma Hayeks Ex-Freund Edward Norton. Auch Tycoon Donald Trump (65) verdankt seine Haarpracht, die gerne auch als schrecklichste Frisur der USA bezeichnet wird, einer Haartransplantation. Prinz William hatte im Dezember 2006 noch volles Haar. Prinz William in einer Aufnahme vom 24. Juli 2009. Der damals 27-Jährige litt schon seit längerem an Haarausfall. Ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Harry, der sehr dichtes Haar hat. (Foto vom 28.10.2008) Silvio Berlusconi mit fortgeschrittenem Haarausfall in einer Aufnahme vom 9. Oktober 1998. Berlusconi 13 Jahre später, am 4. November 2011, in Cannes. Berlusconi (75) hat sich nicht nur einer Haartransplantation, sondern auch einem Lifting unterzogen. Ein Superstar, der zu seiner Glatze steht: Bruce Willis (56).

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Jude Law, Kevin Costner, John Travolta und Matthew McConaughey gelten im Showbusiness als Schönlinge, mit deren Poster sich ganze Generationen von weiblichen Teenies die Zimmer volltapeziert haben. Hätten es diese Beaus auch zu weltweitem Ruhm gebracht, wenn sie sich mit 25 Jahren mit einer Glatze gezeigt hätten? Wohl kaum. Ihr Marktwert wäre unverzüglich geschrumpft. In unserer Gesellschaft herrscht immer noch das Bild des jungen, sexuell attraktiven Mannes mit vollem Haarschopf vor. Es gibt kaum eine Modezeitschrift oder ein Hochglanzmagazin, in welchem ein Mann mit Glatze Werbung für ein Parfüm oder ein Beautyprodukt macht. Eigentlich ist diese Tatsache völlig unrealistisch, denn gemäss der American Hair Loss Association sind in den USA etwa 75 Prozent der Männer bis 35 von Haarausfall betroffen. Doch welche Möglichkeiten gibt es heutzutage, wenn man anders als Bruce Willis Haarausfall und Glatzenbildung nicht akzeptieren will? Sei dies aus ästhetischen oder psychologischen Gründen? Wir haben einen Facharzt zu Rate gezogen und ihm die wichtigsten Fragen rund um die Themen Haarausfall und Haartransplantation gestellt.

Herr Dr. Radenhausen, in der Werbung werden zahlreiche Shampoos und Lotionen gegen Haarausfall angepriesen. Stimmt es, dass sie allesamt gar nichts bewirken?
Dr. Michael Radenhausen: Ganz pauschal kann man das nicht sagen. Aber heute ist es relativ einfach, sich zu sagen: ‹Ich entwickle ein Mittel gegen Haarausfall und promote es dann richtig gut.› Bei Kosmetika müssen Sie keinen Nachweis in Form von Studien erbringen. Bis die Käuferschaft merkt, dass das Mittel nicht wirksam ist, ist es schon wieder vom Markt. Das Geld ist natürlich trotzdem geflossen. Doch der Verkauf des Mittels hat einzig und allein dem Verkäufer etwas gebracht.

Gibt es ein Mittel, bei dem Sie sagen würden, das ist nicht reine Geldmacherei?
Es gibt zum Beispiel «Aminexil» von Vichy, das einen guten Nachweis hat. Es fördert die Durchblutung an der Haarwurzel, was zu einer besseren Nährstoffversorgung der Haarwurzel und zu einer Stärkung des Haars führt.

Welches sind die Ursachen für Haarausfall?
Es gibt verschiedene Ursachen. Der bekannteste Haarausfall ist der androgenetische, das heisst der hormonell bedingte Haarausfall. Er existiert sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Ferner gibt es auch den krankhaft bedingten Haarausfall: Beim umschriebenen Haarausfall fallen die Haare in kleinen kreisrunden Arealen aus, beim diffusen Haarausfall hingegen überall. Der Grund dafür sind verschiedene Erkrankungen wie zum Beispiel Schilddrüsenfunktions-, Eisenstoffwechsel- und Hormonstörungen. Auch die Einnahme von Medikamenten kann zu Haarausfall führen.

Welche Voraussetzungen muss ein Patient für eine Haartransplantation erfüllen?
Solange man beim Patienten noch Areale sieht, wo neue Haare ständig ausfallen, geht man davon aus, dass ein Prozess im Gange ist, der noch nicht abgeschlossen ist. In diesem Fall lohnt es sich eher, nach der Ursache des Haarausfalls zu suchen. Das sind also nicht die idealen Kandidaten. Für eine Haartransplantation eignen sich hingegen Patienten, bei denen ein gewisser Stillstand festgestellt worden ist. In solchen Fällen wissen wir: Die Haare sind irreversibel ausgefallen und es gibt keine Möglichkeit, den Haarwuchs durch Medikamente zu stimulieren.

Gilt dies auch für Frauen?
Bei den Frauen besteht der Vorteil darin, dass man an der hormonellen Schraube drehen kann, um Haarwuchs zu regenerieren. Frauen haben insgesamt die besseren Bedingungen. Sie sind eher mit Haarausfällen konfrontiert, die reversibel sind. Bei Männern hingegen handelt es sich oft um die erblich bedingte Anlage mit einem Prozess, der irreversibel ist. Für mich ist eine Haartransplantation nicht die erste Wahl. Sie sollte erst dann in Frage kommen, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Welche Methoden der Haartransplantation gibt es?
Bei der klassischen FUT-Methode (Follicular Unit Transplantation) wird ein behaarter Streifen am Hinterkopf entnommen und mikrochirurgisch präpariert, das heisst in
feinste Grafts (Transplantate) zerlegt, die ein bis vier kleine Haarwurzeln enthalten. Diese Haarwurzeln werden dann auf die gewünschten Stellen übertragen – zum Beispiel in die Scheitellinie. Die zweite Methode heisst FUE (Follicular Unit Extraction). Hier werden ganz kleine, teilweise nur 1 mm feine Hautstanzen entnommen. Dabei versucht man, den ganzen Haarfollikel mitzunehmen. Es sind Mini-Grafts mit etwa zwei Haarwurzeln, die man dann an der kahlen Stelle implantiert. Bei einem ganzen Haarstreifen (FUT-Methode) wird man jedoch immer mehr Haarwurzeln gewinnen als bei einem Micro-Graft (FUE-Methode). Wichtig ist, dass der Facharzt den Patienten zuerst darüber informiert, wie viele Haare es braucht, um die kahle Stelle schön zu füllen.

Welche Methode ist die bessere?
Viele Institute werben derzeit eher mit der FUE-Methode, die sehr modern ist. Doch auch die hat ihre Vor- und Nachteile. Man kann nicht sagen, die eine sei gänzlich besser als die andere. Mein Fazit ist, dass beide Methoden ihre Berechtigung haben. Man muss den Eingriff mit dem Patienten genau absprechen und abschätzen. Das kann man aber nur mit einem Spezialisten. Am besten wählt man einen aus, der beide Methoden anbietet.

Wie lange dauert es, bis man die ersten Ergebnisse sieht?
In den ersten drei Monaten nach dem Eingriff fallen meistens die Haare aus den implantierten Haarwurzeln aus, das heisst die Haare, die für die Transplantation beim Patienten entnommen wurden. Die Haarwurzeln selber sind aber eingewachsen und voll funktionsfähig. Sie stossen am Anfang nur das alte Haar ab und bilden dann ein neues Haar. Der Patient muss mindestens drei Monate warten, bis das neue Haar zu sehen ist.

Sind die neuen Haare so resistent wie die alten? Kann man Sport treiben, schwitzen usw.?
Ja. Wir haben zwei Areale auf der Kopfhaut. Einerseits den Scheitelbereich (Kortexbereich) und andererseits den Nackenbereich. Die Haare im Nackenbereich haben jedoch einen Vorteil. Bei hormonellen Störungen fallen diese Haare nicht aus – im Gegensatz zu den Haaren im Scheitelbereich. Da wir bei einer Transplantation die Haarwurzeln vom Nackenbereich nach vorne nehmen, transplantieren wir sozusagen eine bessere Qualität, da diese Haarwurzeln auch durch hormonelle Ursachen nicht mehr zugrunde gehen werden.

Welche Risiken birgt eine Operation?
Die gleichen wie jede andere Operation. Es können Blutungen, Hämatome, Infektionen oder Schmerzen auftreten. Allerdings erhalten Patienten eine Woche lang Antibiotika, um Infektionen zu verhindern.

Wie teuer ist eine Haartransplantation?
Die Preise beginnen bei etwa 5000 Franken für eine Volltransplantation, bei der eine grosse Fläche behandelt wird. Bei der klassischen Methode zählt man zum Beispiel 1500 Units à 3 Haarwurzeln, was etwa 4500 umgesetzten Härchen entspricht.

Sehen die neuen Haare natürlich aus?
Ja. Nicht nur bei der Präparation, sondern auch beim Einsetzen der Haare sollte sich der Facharzt viel Mühe geben. Mit Mikroskalpellen kann man ganz kleine Schlitze machen. Man bohrt nicht mehr kleine Löcher in die Kopfhaut, wie früher, um ein ganzes Büschel zu implantieren.

Fördern schlechte Ernährung und das Rauchen Haarausfall?
Auf jeden Fall. Schlechte Ernährung führt dazu, dass bestimmte Vitamine fehlen, insbesondere Vitamin B. Bei einem Eisenmangel kommt es zu einem Defizit an Aminosäuren, die für den Aufbau der Haarwurzel wichtig sind. Sehr strikte Diäten, Crash-Diäten oder Essstörungen können ebenfalls zu Haarausfall führen.


Dr. med. Michael Radenhausen ist Leitender Facharzt des Haut- und Laserzentrums an der Klinik Siloah (HLZ) in Gümligen bei Bern. Er ist Facharzt für Dermatologie und Venerologie (FMH) & Allergologie (D) sowie Spezialist für Hautchirurgie und Lasermedizin (FMCH). Die Website des HLZ finden Sie hier.


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