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Doktor Sex

19. Dezember 2018 09:35; Akt: 19.12.2018 09:35 Print

«Ich koche vor Wut über sein Verhalten!»

Seit elf Jahren fühlt sich Rosa bloss als wertloses Anhängsel ihres Ehemanns. Soll sie aufhören, sich um ihn zu bemühen?

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Rosa und ihr Mann funktionieren nur im Kampfmodus. (Foto: iStock) (Bild: Laflor)

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Frage von Rosa (40) an Doktor Sex: Ich bin seit elf Jahren verheiratet. Von Anfang an war klar, dass wir total verschieden sind. Er ist Schweizer, intellektuell, ehrgeizig und erfolgsorientiert. Ich bin Latina, habe zwar auch studiert, bin aber emotional und brauche eine enge Partnerschaft in einem warmen Zuhause. Was Kinder, Gesundheit und Arbeit angeht, ist alles okay. Aber unsere Beziehung ist kaputt. Und auch ich bin am Ende.

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Hast du schon einmal vorgegeben, etwas für den | die PartnerIn zu tun, obschon es eigentlich nur für dich wichtig war?

Jahrelang habe ich versucht, ihm zu genügen. Aber ich war ihm immer zu dumm, zu dick, zu lateinisch, zu kindisch und zu uninteressant. Er hat mich nie gebraucht. Sein Leben besteht aus Arbeit, Fussball, Büchern und Pornos. Aus seiner Sicht will ich zu viel und sollte glücklich sein, überhaupt hier sein zu dürfen. Aber für die Erziehung, den Haushalt oder um seinen Lunch zu machen sowie als Sekretärin bin ich gut genug.

Ich war all die Jahre etwas, was man halt so hat: eine Ehefrau. Fragte ich ihn, wo sein Problem liegt, sagte er immer, ich sei depressiv und unzufrieden. Er habe alles für mich und die Familie getan. Aber ich wollte gar nie reich sein, sondern nur ihn und eine nette Familie haben. Ich koche vor Wut! Wieso bin ich so wertlos in seinen Augen? Will ich wirklich zu viel? Soll ich aufhören, mich zu bemühen?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Rosa

Du bist nicht wertlos – weder für deinen Mann noch sonst. Jedoch wendet er einen anderen Massstab an, wenn es darum geht, seine Lebens- und Beziehungsqualität zu beurteilen. Und dies tut er nicht erst seit gestern. Dass grundsätzliche Differenzen bestehen, war euch ja offenbar von Anfang an klar. Trotzdem habt ihr beide zu wenig Sorge getragen, als es darum ging, aus eurer Begegnung eine partnerschaftliche Beziehung zu formen.

Ich vermute daher, dass du auch ein wenig wütend bist über dich selber – weil du nach elf Jahren merkst, dass du nicht einfach nur das Opfer von Umständen bist, sondern zuerst dir und danach deinem Mann zu wenig bewusst gemacht hast, was du vom Leben und einer Beziehung erwartest. Wie die meisten Paare habt ihr eure Beziehung wohl vor allem auf flüchtige Gefühle, eine Portion Egoismus und viel Hoffnung aufgebaut.

Was du gerade erlebst, beinhaltet eine Chance, zu wachsen – auch wenn du das im Moment vielleicht nicht so sehen kannst. Sie zu nutzen, bedingt jedoch, deinen Fokus von deinem Mann wegzunehmen und dich mehr dir selber zuzuwenden. Stelle alle Bemühungen ein, bei denen du spürst, dass du sie eigentlich nur für dich beziehungsweise zur Erfüllung deiner Idee einer «guten« Beziehung erbringst, und beschränke dich auf die notwendigen Verrichtungen.

Dies ermöglicht dir, in Ruhe herauszufinden, ob und wo du zu viel willst. Da, wo dein Mann nicht auf die Reduktion deines Angebots reagiert, kannst du davon ausgehen, dass er nicht daran interessiert ist – und es wohl auch nie war. Klar darfst du den Minimalstandard danach auch wieder erweitern. Jedoch weisst du dann, dass du es allein für dich tust und jegliche Erwartungen an deinen Mann, dies zu würdigen, fehl am Platz sind.

Und damit landen wir im Zentrum eures Problems: Bei der beidseitigen und weitgehenden Beeinträchtigung der Fähigkeit, euch einander mit offenem Herzen und Verständnis zuzuwenden. Ihr funktioniert nur im Kampfmodus und seid einzig darauf bedacht, euch gegenseitig Fehler und Versäumnisse vorzuwerfen. Vielleicht solltet ihr euch daher auch mal mit der Möglichkeit auseinandersetzen, diese Beziehung zu beenden. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anony Mia am 19.12.2018 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    so eine Beziehung hatte ich auch

    Immer wieder hatte ich mich gefragt, warum ist er so... ich machte doch Alles, damit es uns gut ging. NEIN, ich hatte zwar Alles getan, damit es ihm gut ging aber mich selbst hatte ich dabei vergessen. Warum hätte er etwas ändern sollen? Er konnte doch tun was er wollte. Das es mich nicht wirklich glücklich machte, war nicht sein Problem sondern Meines. Ich wollte nicht Alleinsein, hatte Angst vor einem Neuanfang und erduldete so mein unglückliches Glücklichsein. Bis es über meine Kräfte ging. Heute weiss ich - Jeder Mensch kann uns nur so sehr verletzen/erniedrigen wie wir selbst es zulassen.

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  • G.Igolo am 19.12.2018 12:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    "Aber unsere Beziehung ist kaputt. Und auch ich bin am Ende." --> Da habe ich aufgehört zu lesen, Fall erledigt.

  • G. Lück am 19.12.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Leben

    Hatte ich auch diese Situation. Irgendwann hab ich gecheckt dass man sein eigenes Glück nicht von einem anderen Menschen abhängig machen soll. Es kam die Trennung, die eigene kleine Wohnung, finanzielle Einschränkungen, ein holpriger Weg aber ich würde für nichts in der Welt wieder zurück!! Was will man in diesem EINEN Leben?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Josef Amstutz am 19.12.2018 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Am besten trennen.

    Es geht meist darum, was ich vom Partner zurück erwarten kann und um Deals. Um eine Beziehung so zu führen, bleibe ich lieber bei der Arbeit.

  • baba am 19.12.2018 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Mach was für DICH

    Respekt dass du das so lange ausgehalten hast. Mein Tipp, kümmer dich ab sofort um DICH und nicht um IHN. Das heisst nicht dass du ihn verlassen sollst. Aber tu doch was für dich, eine Weiterbildung, ein neues Hobbie, ein neuer Job. Tu Dinge welche dir gut tun und durch die du dich wertvoller fühlst. Glaub mir wenn du dein eigenes Leben mehr lebst und dich nicht mehr um ihn bemühst wirst du plözlich wieder interessant für ihn. Und wenn nicht, na dann ist eh nix mehr zu retten und du hast schon den ersten Schritt in ein eigenes Leben gemacht.

  • Farfalla am 19.12.2018 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    nimm es selber in die Hand...

    Das muss nicht das Ende der Ehe bedeuten. Schliesslich habt ihr Kinder und du hast deinen Mann als Mensch einmal sehr geliebt. Sicherlich benötigt es von deiner Seite eine radikale Veränderung. Weisst du, das Schlimmste für einen Mann ist, wenn er das Gefühl bekommt, er allein sei für dein Glück zuständig! Diese Last will niemand. Verändere dich, sei mutiger, besuche Kurse, unternimm selber etwas, auch mit den Kindern. So wirst du wieder interessanter für deinen Mann und v.a. du fühlst dich auch besser. Dann hast du automatisch eine andere Ausstrahlung, die ihn wieder anzieht ;-)

  • Jetzt glücklich am 19.12.2018 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Lass dich nicht erniedrigen.

    So einen Partner hatte ich auch mal. Seine Minderwertigkeitskomplexe kompensierte er durch das kleinmachen von mir. Ich war die Putzfrau, Köchin, Magd , aber alles was ich tat, war irgendwie nicht gut genug. Ich konnte mich noch so bemühen, er fand immer was. Er ging seinen Hobbies nach und kam nach Hause zum Rummeckern. Irgendeinmal bin ich dann auch gegangen. Er ist jetzt auch nach 20 Jahren noch solo. Hat wohl keine mehr gefunden, die sich sowas gefallen liess.

  • Andrew am 19.12.2018 16:10 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Ehm "dass wir total verschieden sind" warum habt ihr denn geheiratet und habt Kinder?! Aus meiner Sicht bist Du wirklich einfach eine weitere Latina die eine Ausrede sucht um die Beziehung zu beenden um wieder mehr Action im Leben zu haben. Ja dankbar solltest Du vermutlich sein...

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


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