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Doktor Sex

23. Januar 2019 11:23; Akt: 23.01.2019 11:23 Print

«Was, wenn uns beim Sex die Ideen ausgehen?»

Ronja und ihr Freund geniessen seit einem Jahr ausgiebig ihr Liebesleben. Doch schon ziehen am Horizont dunkle Wolken auf.

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Sich Gedanken über den Stellenwert des Sex für einen selber und die Beziehung zu machen, ist sehr wichtig. (Bild: iStock)

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Frage von Ronja (29) an Doktor Sex: Mein Freund und ich sind seit einem Jahr zusammen. Unsere Beziehung ist sehr harmonisch. Wir nehmen Rücksicht aufeinander, gehen Kompromisse ein und lieben uns sehr. Es passt einfach alles perfekt. Genauso ist es auch in unserem Sexleben. Wir sind beide sehr experimentierfreudig, jedoch konnten wir das in unseren bisherigen Beziehungen nie ausleben. Aber nun toben wir uns so richtig aus.

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Mittlerweile haben wir bereits sehr viel ausprobiert. An den meisten Experimenten hatten wir auch grossen Spass. Aber auch «normaler» Sex bereitet uns Freude. Da unsere Beziehung aber immer noch relativ jung ist, frage ich mich, ob es uns mit der Zeit sexuell langweilig werden könnte. Wir haben sehr häufig Sex und irgendwann werden wahrscheinlich sogar uns die Ideen ausgehen. Was dann?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Ronja

Ja – mit Sicherheit werden auch euch bezüglich Sex irgendwann die Ideen ausgehen. Oder besser: Vielleicht nicht primär die Ideen, denn der Kopf kann sich immer etwas Neues und Anderes ausdenken. Was sich aber definitiv verändern wird, ist der Stellenwert, den der Sex in eurer Beziehung hat, da deren Qualität aufgrund der zunehmenden Vertrautheit zwischen euch, aber auch weil ihr reifer werdet, eine andere werden wird.

Euch Gedanken darüber zu machen, was diese Veränderungen für Auswirkungen haben könnten – nicht nur aber auch auf den Sex –, macht also durchaus Sinn. Zentral scheint mir dabei, dass ihr euch klar werdet, welche Bedeutung ihr dem Sex beimesst – also welche Funktion er für euch individuell, aber auch für eure Beziehung hat. So könnt ihr frühzeitig potentiell problematische Entwicklungstendenzen erkennen und bearbeiten.

Sex ist für Menschen aus unterschiedlichen Gründen sinnvoll. Man kann damit beispielsweise Lust abbauen, eine Beziehung festigen, seinen Selbstwert steigern, eine Sucht befriedigen, sich ablenken oder unterhalten, Frust kompensieren, Zuneigung ausdrücken, Nachwuchs zeugen, Langeweile überdecken, Verlustängste beruhigen oder versuchen, sich in eine Form des «Nicht-Seins» aufzulösen, also sich in andere, heilere Welten zu verabschieden.

Letzteres scheint für viele Menschen – wenn auch oft unbewusst – zentral zu sein. In der sexuellen Begegnung an sich, im Experimentieren und insbesondere im Orgasmus, also in der Verschmelzung mit dem Partner, entsteht für einen Augenblick eine völlige Abwesenheit des Ichs. Wer diese einmal erlebt hat, will mehr von diesem paradiesisch-glückseligen Zustand fernab vom stressigen Alltag und belastenden Zukunftsängsten.

Sex wird so zur Droge und zu einem Fluchthelfer. Solange man sich dessen nicht bewusst wird, ist man dem Mechanismus hilflos ausgeliefert und verhält sich wie eine süchtige Person: Taugt der Sex mit dem Partner oder der Partnerin – also die Droge – nicht mehr, um diesen Zustand zu erreichen, wird er oder sie ausgewechselt und alles beginnt wieder von vorne – bis sich auch die neue Beziehung totgelaufen hat.

Um aus dieser Endlosspirale auszubrechen, ist unbedingte Ehrlichkeit und Bewusstwerdung erforderlich. Es geht darum, zu erkennen, wo im eigenen Leben die Herausforderungen liegen, und statt sie zu verdrängen oder mit neurotischen Scheinlösungen zu kompensieren, diese an der Wurzel zu packen und wirklich zu bewältigen. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Clarissa Balni am 23.01.2019 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenseinstellung

    Du meine Güte, das hat nur noch mit Egoismus zu tun. Wir sind ein Ehepaar, das seit über 46 Jahren zusammen sind. Viele Jahre haben wir unsere Sexualität beinahe täglich ausgelebt und genossen ohne wahnsinnige Experimente. Vor etwa 10 Jahren war das aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr möglich. Wir sind immer noch zusammen und werden es wohl auch bleiben. Wir haben echt Mühe, die heutige Lebemensch - Mentalität zu verstehen. Weniger Ansprüche zu stellen und gegenseitiger Respekt wäre auch eine Einstellung.

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  • Reifelady am 23.01.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keineanderensorgen?

    Also man kann sich auch Probleme einreden ,wo gar keine sind. Geniess es doch und lebe im hier und jetzt. Bei solchen Fragen kann ich nur kopfschütteln.

  • Thomas am 23.01.2019 12:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in der Realität

    Ja was dann? Willkommen in der Realität wie den meisten langjährigen Beziehungen. Wieso sollte es euch anders ergehen? Irgendwann werdet ihr auch herausfinden, dass Sex in einer Beziehung nicht alles ist.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Coco404 am 23.01.2019 14:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Gibt es den heutzutage keine anderen sorgen als Sex? Wohl keine wahren probleme im Leben

  • Daniel Friehl am 23.01.2019 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Sex-Partner ist kein fester Freund

    Dann würde ich sagen liebe Ronja, trenn dich. Sex ist wie das Rad und kann nicht neu erfunden werden, von daher werden euch irgendwann die Ideen ausgehen. Wenn der Sex für dich der einzige Grund ist für die Beziehung, rate ich dir diese zu beenden. Ich würde erst einmal lernen zu lieben (hat nicht unbedingt oder nur mit Sex zu tun) und mir überlegen ob ich überhaupt eine Partnerschaft möchte oder nur durch Betten hüpfen und eine sexuelle Entgleisung nach der nächsten Erleben möchte. Grüsse

  • Reifelady am 23.01.2019 13:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keineanderensorgen?

    Also man kann sich auch Probleme einreden ,wo gar keine sind. Geniess es doch und lebe im hier und jetzt. Bei solchen Fragen kann ich nur kopfschütteln.

  • WaleLi am 23.01.2019 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ungewollt

    Das mit dem Nachwuchs zeugen geschieht leider allzu oft ungewollt.

  • Clarissa Balni am 23.01.2019 13:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenseinstellung

    Du meine Güte, das hat nur noch mit Egoismus zu tun. Wir sind ein Ehepaar, das seit über 46 Jahren zusammen sind. Viele Jahre haben wir unsere Sexualität beinahe täglich ausgelebt und genossen ohne wahnsinnige Experimente. Vor etwa 10 Jahren war das aus gesundheitlichen Gründen leider nicht mehr möglich. Wir sind immer noch zusammen und werden es wohl auch bleiben. Wir haben echt Mühe, die heutige Lebemensch - Mentalität zu verstehen. Weniger Ansprüche zu stellen und gegenseitiger Respekt wäre auch eine Einstellung.

    • Mona am 23.01.2019 14:10 Report Diesen Beitrag melden

      Stimme dir zu

      Liebe Clarissa, das geht auch Jüngeren so. Ich bin 38 und muss mit meinem Partner nicht jeden Tag Höhenflüge erleben. Einfach abends im Bett zu liegen und in Löffelchenstellung Sex zu geniessen, ist auch wunderschön

    • Silberdistel am 23.01.2019 17:44 Report Diesen Beitrag melden

      Clarissa

      Wenn der Sex nicht mehr möglich ist, kommen andere Werte mehr zur Geltung: Liebe und Vertrauen, Treue und Zuneigung, gegenseitige Hilfe und vieles mehr. Wir sind seit über 60 Jahren verheiratet und kann das bestätigen

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


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