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Doktor Sex

21. Mai 2014 11:03; Akt: 21.05.2014 11:05 Print

«Wo ist bloss die Leidenschaft geblieben?»

Nach fünf Jahren Beziehung wollen Corinne und ihr Partner eine Familie gründen. Liebe ist genug da, aber die Lust hat sich verabschiedet. Wie weiter?

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Leidenschaft ist ein Phänomen, das von Frauen und Männern unterschiedlich wahrgenommen wird. (Symbolbild: Colourbox.de)

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Frage von Corinne (31) an Doktor Sex: Mein Partner und ich sind über fünf Jahre zusammen und wir wünschen uns eine gemeinsame Familie. Leider fehlt aber seit einem Jahr die Leidenschaft zwischen uns. Wir küssen uns wenig und Sex gibt es nur noch etwa einmal im Monat. So klappt das mit dem Kinderkriegen natürlich auch nicht. Manchmal denke ich, wir leben nur noch wie Freunde zusammen. Aber eigentlich lieben wir uns doch und verstehen uns auch sehr gut. Nur: Wo ist die Leidenschaft geblieben? Wie können wir diese wieder auffrischen? Und wie schaffe ich es, dass er mir mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung schenkt?

Umfrage
Wie wichtig ist Leidenschaft beim Sex?
66 %
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3 %
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2 %
Insgesamt 3963 Teilnehmer

Antwort von Doktor Sex

Liebe Corinne

Was du ansprichst, wird früher oder später in jeder Liebesbeziehung ein Thema: Je näher sich Menschen kommen, je intensiver sich ihr Sein miteinander verwebt, desto gleichmässiger und dadurch auch emotionsloser wird der Beziehungsalltag. Irgendwie scheinen sich intensive Nähe im Alltag und prickelnde Leidenschaft gegenseitig auszuschliessen. Dies wirkt sich zwangsläufig auch auf das Sexualleben aus.

Heisser Sex lebt von einer gewissen Fremdheit, vom Unbekannten und von der Lust, dieses zu erforschen. Nach ein paar Jahren Beziehung ist aber kaum noch etwas unentdeckt am Partner oder an der Partnerin und man richtet sich – oft gezwungenermassen – im bereits Bekannten ein. Dies hat Vor- und Nachteile: Einerseits wird das Leben einfacher, weil man weiss, was der oder die Andere beim Sex braucht, wie man sich gegenseitig Vergnügen bereiten kann. Andererseits aber bleiben die Leidenschaft und das erotische Prickeln auf der Strecke.

Bei Paaren mit einem Kinderwunsch kommt oft noch ein weiterer Aspekt hinzu. Gerade wenn das Ziel, schwanger zu werden, nicht in absehbarer Zeit erreicht wird, stellt sich bald einmal Stress ein. Sie berechnen dann möglichst genau den Zeitpunkt des Eisprungs und «zwingen» sich, genau dann und möglichst auch noch in den Stunden vor- und nachher Sex zu haben. Dass dieses Vorgehen nicht eben hilfreich ist, um Lust und Leidenschaft zu wecken, versteht sich von selbst. Hält dieser Zustand dann auch noch über mehrere Monate oder gar Jahre an, ist schnell einmal der Ofen aus.

Was tun?

Der Blick zurück bringt nichts. Was war, kann nicht durch die Wiederholung bestimmter Verhaltensweisen erneut hergestellt werden. Auch der Vergleich mit anderen Paaren ist keine Lösung, da ihre Voraussetzungen komplett andere sind. Natürlich kann der eine oder andere Tipp – du wirst von den Leserinnen und Lesern sicher einige davon erhalten – kurzfristig eine Veränderung herbeiführen. Trotzdem wird sich bald wieder die alte Situation einstellen. Deshalb schlage ich euch vor, euch dem Phänomen grundsätzlich anzunähern – und dessen Gesetzmässigkeiten sowie die sich daraus für eure Beziehung ergebenden Dynamiken zu untersuchen.

Vielleicht helfen euch die folgenden Fragen und insbesondere das gemeinsame Gespräch darüber, dem auf die Spur zu kommen, was Leidenschaft für euch ganz persönlich bedeutet.

Was ist gemeint mit Leidenschaft, was beinhaltet der Begriff für euch? Wie kommt Leidenschaft zum oder in den Menschen – wird sie gelernt oder ist sie ein biologisches Programm? Falls sie gelernt wird: Woher habt ihr euer Wissen darüber? Und ist dieses abschliessend oder gäbe es diesbezüglich noch Quellen zu erschliessen?

Wo «befindet» sich die Leidenschaft, wo und wie nehmt ihr sie an und in euch wahr? Ist sie im «Beziehungsraum», also zwischen euch verortet und damit etwas Gemeinsames? Oder ist sie eine Emotion, die sich in jedem einzelnen von euch abspielt und bei der das jeweilige Gegenüber oder die Umstände nur Auslöser sind?

Was führt zu dem, was ihr unter Leidenschaft versteht – welche Umstände und Handlungen sind förderlich und welche hinderlich? Welche Auswirkungen hat das, was ihr Leidenschaft nennt, auf eure Beziehung? Sind diese Auswirkungen zwingend, mit anderen Worten: Seid ihr diesen ausgeliefert? Oder hängen sie davon ab, welchen Wert ihr dem Phänomen Leidenschaft beimesst und deshalb veränderbar?

Ich weiss, dies sind philosophische Fragestellungen. Wenn ihr keine Lust habt, euch damit auseinanderzusetzen, oder keinen Sinn darin erkennt, dürft ihr es ruhig bleiben lassen. Eine weitere Möglichkeit, um an der Situation etwas zu ändern, ist, dass ihr euch beide bezüglich Sex den Aspekten zuwendet, die euch selber noch unbekannt sind, die auszuprobieren euch aber interessieren würde. Im Buch «Guter Sex trotz Liebe» finden sich viele spannende Übungen und Anregungen zu diesem Thema.

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Holger am 21.05.2014 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Problem bekannt

    Hallo Corinne, ich kenne das Problem aus meinen jetzt fast 37 Ehejahren. Auch bei uns hat nach einiger Zeit der Alltag die Leidenschaft aufgefressen. Aber mit den Jahren kommt sie langsam wieder. Verabredet euch zum Sex, auch mal außerhalb der eigenen vier Wände und versateift euch nicht zu sehr auf eine baldige Schwangerschaft. Viel Glück und geduld Holger

  • Butterfly am 21.05.2014 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Wechselspiel...

    Leidenschaft setzt etwas "Leiden" voraus, nämlich das Gefühl ohne den Anderen es nicht mehr auszuhalten, ihn grad zu wollen, zu begehren, ihm ganz nahe zu sein. Und da könntest Du ansetzen: Schaff ein Wechselspiel zwischen Nähe und Distanz. So dass Du eben die Nähe des anderen unbedingt wünscht, ihn vermisst. So entsteht wieder sexuelle Spannung. Klar, beim Zusammenwohnen nicht immer einfach, da es oft zur WG degradiert. Lass ihn mal ein verlängertes WE allein weg. So kannst Du ihn vermissen. Freust Dich wieder auf ihn. Gehst automatisch aufmerksamer auf ihn zu. Und er umgekehrt genauso.

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  • Andy am 21.05.2014 12:32 Report Diesen Beitrag melden

    So what?

    Als es bei uns ums Kinderkriegen ging, "mussten" wir halt 3 bis 4x die Woche ran, egal, ob da Lust und Leidenschaft in der Luft lag oder nicht. Da ist Sex halt einfach Mittel zum Zweck. Wart bloss mal ab, bis die Kinder dann da sind. Dann ist die Leidenschaft nochmals weiter entfernt denn je. Das aber gehört zu jeder Partnerschaft bzw. Ehe. Dann zeigt es sich, ob beide bereit sind, sich an geänderte Bedingungen anzupassen. Eine funktierende Partnerschaft baut nicht nur auf Sex auf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nadine am 21.05.2014 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sexperiment

    Gab es da nicht mal ein experiment, bei welchem einige sexlose paare jeden tag sex haben mussten einen monat lang? Soviel ich weiss war das ergebnis positiv auch wenn die zeit manchmal nicht leicht war. Man musste sich zwangsläufig wieder aufeinander einlassen, den spass daran wiederentdecken. Nach dem experiment hatten alle wieder regelmässig sex. Nicht jeden tag aber um einiges öfter als davor.

  • Manuel am 21.05.2014 20:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das Geheimnis der Leidenschaft

    Zuerst einmal muss man mit einem Mythos aufräumen, dass die Partnerschaft einem völlig erfüllt. Schliesslich sind wird doch eigenständige Menschen und wenn wir alles gemeinsam machen, erlischt früher oder später das Interesse und die Lust. Das Feuer zu erhalten bedingt einen gesunden Egoismus und ein Durchsetzen der eigenen Lebensträume. Nur so bleibt man selber interessant und entwickelt sich weiter. Es braucht eine Veränderung des Alltags, mehr Abstand, mehr neue spannende eigene Erlebnisse... ermutigt euch gegenseitig zur Veränderung. Ratschlag: "Ich vermisse dich" Zustand erreichen

  • Dr.-öpfel am 21.05.2014 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Wer den erstbesten Apfel pflückt...

    hat vielleicht das pure Glück, den Besten vom ganzen Baum erwischt zu haben! Nicht der Erste oder Zweite, muss der Richtige sein, dass hängt stark mit den Anforderungen zusammen,ob man in den sauren Apfel beissen will, oder nicht!Soll heissen: wenn mit 31 nach 5 Jahren Beziehung, nichts mehr läuft, da würde ich mal nach einem anderen Baum ausschau halten!

  • Leidensgenossin am 21.05.2014 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Stress?

    Was bisher alle ausser Acht gelassen haben, ist die Tatsche, dass wahnsinnig viel Emotion und das ganze Lebensumfeld auch noch eine Rolle spielt: Stress im Job z.B. der einem keine Energie für Sex lässt. Deswegen die ganze Beziehung zu hinterfragen, ist total übertrieben.

  • Philippe Mahnig am 21.05.2014 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leidenschaft

    Die leidenschaft steckt im detail. Meine freundin und ich teilen ein gemeinsames hobby "mororradfahren" wir sind seit 8jahren zusammen und ich glaube wenn man mehrere leidenschaften miteinander teilt dann kommt auch die eine leidenschaft, die im bett von alleine zurück. Vielleicht sucht ihr euch eine gemeinsame leidenschaft.

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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