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Doktor Sex

02. November 2018 10:11; Akt: 02.11.2018 10:47 Print

«Wie erhalte ich die Pille ohne Wissen der Eltern?»

Ava möchte nach zwei Pannen ganz diskret auf ein hormonelles Verhütungsmedikament wechseln.

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Die Antibabypille ist ein rezeptpflichtiges Medikament, jedoch gilt die ärztliche Schweigepflicht auch bei jugendlichen Patienten. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Frage von Ava (15) an Doktor Sex: Ich bin schon lange mit meinem Freund zusammen. Beim Sex haben wir bisher jeweils immer Kondome benutzt. Jedoch ist es in den vergangenen Wochen schon zweimal zu einer Panne gekommen und der Gummi ist gerissen. Nun haben wir genug und wollen die Antibabypille ausprobieren.

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Mein Freund meint, ich solle sie mir schnellstmöglich besorgen. Leider habe ich aber keine Ahnung, wo und wie ich diese erhalten kann. Und ich will ehrlich gesagt nicht mit meinen Eltern darüber sprechen. Darum habe ich gedacht, ich stelle meine Fragen jetzt einfach mal hier.

Also: Wo kann ich die Pille kaufen? Kann ich sie einfach in einer Apotheke beziehen oder bestellen, ohne vorher zu einem Arzt zu müssen? Wie viel wird mich das kosten für ein Jahr? Und ist es ein Problem, dass ich erst 15 Jahre alt bin? Merci für die Antworten.


Antwort von Doktor Sex

Liebe Ava

Die Pille ist ein rezeptpflichtiges Medikament. Um sie dir verschreiben zu lassen, musst du daher entweder bei einem Arzt beziehungsweise einer Ärztin oder bei einer ärztlich begleiteten Beratungsstelle einen Termin vereinbaren und zu einem Gespräch vorbeigehen. Letztere haben den Vorteil, dass Beratung und Verschreibung in der Regel kostenlos sind und du daher mit niemandem darüber reden oder verhandeln musst.

Falls du dennoch einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen möchtest, sagst du am besten gleich zu Beginn deines Besuchs, dass du nicht willst, dass deine Eltern etwas davon erfahren und auf der Rechnung für die Krankenkasse daher keine entsprechende Diagnose stehen soll. Ärzte unterstehen einer Schweigepflicht und müssen deinen Wunsch daher respektieren – auch wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist. Deine Urteilsfähigkeit genügt vollauf.

Nach dem Gespräch wirst du ein Rezept erhalten. Damit kannst du in einer Apotheke die Pille kaufen. Manche Ärzte oder Fachstellen geben sie auch gleich ab. Die Arztrechnung erhältst du später per Post. Diese musst du dann – via deine Eltern oder direkt – an deine Krankenkasse weiterleiten, damit sie die Kostenbeteiligung für die Konsultation auszahlen kann. Die Pille jedoch musst du selber berappen.

Je nach Produkt können die Preise zwischen 15 Franken bis 30 Franken pro Monat variieren. Erwähne im Gespräch, dass die Kosten für dich ein entscheidendes Kriterium sind und du daher ein Generikum wünschst – das ist eine kostengünstige Kopie eines Originalpräparats, das aber die bewährten Wirkstoffe enthält. Frage zudem in der Apotheke nach Sonderangeboten.

Es gibt auf dem Markt neben der Pille auch andere hormonelle und nicht-hormonelle Verhütungsmittel. Lass dich mit deinem Freund zusammen ausführlich beraten und prüfe, ob du tatsächlich hormonell verhüten willst. Manche dieser Medikamente können nämlich sehr unangenehme unerwünschte Wirkungen haben. Ich wünsche euch Glück und einen klaren Kopf bei eurer Wahl!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich verstehe dich. Ich konnte mich damals leider auch nicht meinen Eltern anvertrauen. Also bat ich den Frauenarzt, die Rechnung für die Untersuchung und das Rezept direkt meinem Freund per Post zu schicken, was auch alles tip top klappte. ABER: Bei dieser Kontrolle machte der Arzt auch einen routinemässigen Abstrich, der ans Labor des Kantonsspitals geschickt wurde. Die Rechnung des Spitals kam dann natürlich zu mir nach Hause, weil die ja nichts von unserer Abmachung wussten.. – she

Als meine Tochter mit 15 einen Freund hatte, dachte ich, sie werden wahrscheinlich nur Petting machen. Als die 20jährigen Töchter meiner Freundin das hörten, haben sie mich ausgelacht und gesagt, was wirklich läuft. Daraufhin habe ich meine Tochter um ein Gespräch gebeten. Dabei kam heraus, dass nicht nur ich für sie sondern auch sie selber einen Termin bei der Frauenärztin wollte. Die Details hat sie dann ohne mich mit der Ärztin behandelt. – Tatjana

Liebe Ava, lass lieber die Finger davon. Mir wurde auch in jungem Alter die Pille aufgedrängt. Nun nehme ich sie mittlerweile ein Jahr nicht mehr und habe immer noch mit den Entzugserscheinungen zu kämpfen. Und dadurch, dass ich 10 Jahre nur die Pille täglich einwerfen musste, kenne ich meinen Körper oder den Zyklus kaum. Bin jetzt auf Kondom und Diaphragma umgestiegen und lerne meinen Zyklus Stück für Stück kennen. Auch wenn viele Frauen sagen, sie spüren keinerlei Nebenwirkungen oder es gehe ihnen sogar besser, so viel Hormone über längere Zeit können für den Körper nicht gesund sein... – Frau

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Aufklärer am 02.11.2018 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    Aufklärung...

    Und jedesmal wenn es um sexuelle Aufklärung in der Schule geht, gibt es einen Aufschrei der Konservativen, das sei Sache der Eltern. Ava ist das Beste Beispiel, warum es Sexualkunde in der Schule braucht. Denn wenn sie mit ihrem Wunsch nach der Pille nicht mal zu den Eltern kann und ihre grösste Sorge ist, dass die Eltern nichts davon erfahren, muss ich davon ausgehen das es um die Aufklärung Zuhause auch nicht zum Besten steht. Immerhin, sie ist 15 und denkt an Verhütung und informiert sich. Bravo!

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  • Karin am 02.11.2018 10:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mutterliebe

    Schade das du dich nicht deinen Eltern anvertrauen kannst,sowas stimmt mich traurig. Ich konnte mit allem zu meiner Mutter,so wie meine Tochter jetzt mit allem zu mir/uns kommen kann. Wünsche dir alles Gute

  • Nubo am 02.11.2018 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Was denkt er sich...?

    "Mein Freund meint, ich soll sie mir schnellstmöglich besorgen"... Bin ich die einzige, die sich über diesen Satz wundert?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lealu am 02.11.2018 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    me too

    ich gehöre zu den Frauen, die zwischen zwei kulturen aufwuchsen. selbstredend waren Sex und alles drumherum ein tabuthema zuhause. mein lebensstil war stets sehr modern geprägt und auch ich wollte damals mit 18 (was nicht allzu früh war) die pille. meine eltern wären aus allen wolken gefallen, da dies ja "vorehelichen Sex zum reinen vergnügen" bedeutet hätte. daher sah ich mich gezwungen, die pille heimlich zu besorgen. wenn ich mal kinder habe, werden sie mit mir über alles reden können.

  • she am 02.11.2018 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Extratipp

    Ich verstehe dich. Ich konnte mich damals leider auch nicht meinen Eltern anvertrauen. Also bat ich den Frauenarzt, die Rechnung für die Untersuchung und das Rezept direkt meinem Freund per Post zu schicken, was auch alles tip top klappte. ABER: Bei dieser Kontrolle machte der Arzt auch einen routinemässigen Abstrich, der ans Labor des Kantonsspitals geschickt wurde. Die Rechnung des Spitals kam dann natürlich zu mir nach Hause, weil die ja nichts von unserer Abmachung wussten..

  • Tatjana am 02.11.2018 13:47 Report Diesen Beitrag melden

    Sich erkundigen

    Als meine Tochter mit 15 einen Freund hatte, dachte ich, sie werden wahrscheinlich nur Petting machen. Als die 20jährigen Töchter meiner Freundin das hörten, haben sie mich ausgelacht und gesagt, was wirklich läuft. Daraufhin habe ich meine Tochter um ein Gespräch gebeten. Dabei kam heraus, dass nicht nur ich für sie sondern auch sie selber einen Termin bei der Frauenärztin wollte. Die Details hat sie dann ohne mich mit der Ärztin behandelt.

  • A.nonyme am 02.11.2018 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nie wieder.

    Nach 5 Jahren Hormone bin ich nun wieder beim Kondom gelandet. Für mein Freund eine Umstellung aber da muss er durch ;) Hormone können LEBENSLÄNGLICHE Nachwirkungen auf die Libido haben. Das sagt leider kein Arzt, sonst verdient er ja nicht.

  • Brain Bug am 02.11.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Konflikt wird grösser

    Wenn der Dialog in solchen Fragen zwischen Kind und Eltern aus kulturellen oder anderen Gründen nicht stattfinden kann, dann ist es eine Tatsache, welche sich nicht mit der Zementierung des Vertrauensbruchs lösen lässt. Diese Beratung verbreitert die Kluft zwischen Ava und ihren Eltern.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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