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Doktor Sex

11. Januar 2016 10:32; Akt: 11.01.2016 10:32 Print

«Mein Partner behandelt mich schlecht!»

Seit ein paar Monaten nörgelt Sandras Freund über alles und jeden. Widerspricht sie seinem Gejammer, greift er sie verbal an. Was tun?

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Wenn bei einem Paar beide Partner in einer Krise sind, kann das die Beziehung stark belasten. (Symbolbild: «Blue Valentine», Weinstein Company)

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Frage von Sandra (27) an Doktor Sex: Seit ein paar Monaten ist mein Partner sehr gestresst. Er beklagt sich bei mir über seine Kollegen, seine Familie, seine Arbeit und vieles mehr. Ich kann ihm kaum etwas recht machen. Obwohl ich versuche ihn zu unterstützen und zu motivieren, behandelt er mich schlecht. Das Schlimmste für mich ist jedoch der Vorwurf, dass ich ihn bremsen und hinunterziehen würde, da ich selber auch Probleme mit meinem Selbstbewusstsein habe. Und dass er eine Person wie mich nicht brauchen könne. Unterschwellig tönt das für mich immer nach einer Drohung, mich zu verlassen. Zudem wirft er mir vor, dass ich zu viel weine, obwohl ich dies – trotz grosser Probleme mit mir selber im letzten Jahr – nur etwa fünfmal in seiner Anwesenheit getan habe. Jeden Versuch, ihn auf Widersprüche hinzuweisen oder mich zu verteidigen, klemmt er ab und dreht den Spiess um, so dass ich mich am Ende schuldig fühle. Seine Komplimente, die er mir ab und zu dennoch macht, wirken auf mich unglaubwürdig, da sie nicht mit dem Verhalten übereinstimmen, das er mir gegenüber insgesamt zeigt. Wenn ich ihm effektiv schaden würde, hätte er sich doch längst von mir trennen können. Es ist, als ob er mich für sein Versagen oder seinen Stress verantwortlich machen will. Was denken Sie dazu?

Umfrage
Hast du auch schon erlebt, dass aus einem persönlichen Problem von dir eine Beziehungskrise entstanden ist?
57 %
17 %
5 %
21 %
Insgesamt 1021 Teilnehmer

Antwort von Doktor Sex

Liebe Sandra

Wenn zwei Menschen, die auch zusammen in einer Beziehung den Alltag teilen, mehr oder weniger gleichzeitig in eine Identitätskrise fallen, führt dies zwangsläufig zu Auseinandersetzungen auf der Ebene des Zusammenseins als Paar. Gerade wenn der einen oder anderen oder gar beiden beteiligten Personen die Gründe für die eigene persönliche Krise (noch) weitgehend unklar sind, entsteht häufig der Impuls, einfach mal dem Partner die Schuld für das eigene Leid in die Schuhe zu schieben.

Dieses Verhalten ist zwar nicht fair, aber für Menschen, die nach dem Ursache-Wirkungs-Prinzip funktionieren, in einer akuten Krisensituation ziemlich hilfreich. Indem sie nämlich die Ursache eines Problems in der Welt da draussen lokalisieren, befreien sie sich davon, ihren Teil der Verantwortung für dessen Lösung übernehmen zu müssen. Die meisten übersehen dabei aber, dass sie sich so selber handlungsunfähig und total abhängig vom Verhalten des Partners oder der Partnerin machen.

Häufig führt ein solches Verhalten zu einer Beziehung, in der man sich gegenseitig nur noch Vorwürfe macht. Beide Partner hegen unbewusst die Hoffnung, dass der oder die andere sich endlich so verhält, wie man es zu brauchen glaubt, damit das eigene Leiden endlich aufhört. Ihr seid auf dem besten Weg, ebenfalls in dieser Falle zu landen. Es scheint mir daher dringend notwendig, dieses Hin und Her von Schuldzuweisungen zu beenden und euch der Sache auf anderen Ebenen anzunähern.

Ihr braucht eine Fachperson, die euch dabei begleitet und unterstützt, wieder auf Kurs zu kommen. Weder dir noch deinem Freund gelingt es nämlich im Moment, die individuellen Herausforderungen zu meistern, vor die euch das Leben stellt. Ganz zu schweigen von denen, die auf der Beziehungsebene anstehen. Ziellos und aus dem Bauch heraus versucht ihr, irgendwie über die Runden zu kommen – offensichtlich erfolglos! Es ist keine Schande, sich einzugestehen, dass man alleine nicht weiterkommt. Traut euch deshalb und vereinbart einen Termin mit einem Paarberater oder einer Paarberaterin.

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Mein Mann und ich haben das auch schon durchlebt. Und haben uns professionelle Hilfe gesucht. Es ist uns gelungen, aus dem Strudel rauszukommen, und es hat unsere Beziehung schlussendlich tragfähiger gemacht. Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen. Aber es muss beiden ein Anliegen sein, auch weiterhin mit dem Partner weitergehen zu wollen. – Frau

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frau am 11.01.2016 11:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krisenbewältigung

    Mein Mann und ich haben das auch schon durchlebt. Und haben uns professionelle Hilfe gesucht. Es ist uns gelungen, aus dem Strudel rauszukommen, und es hat unsere Beziehung schlussendlich tragfähiger gemacht. Es ist keine Schande, sich helfen zu lassen. Aber es muss beiden ein Anliegen sein, auch weiterhin mit dem Partner weitergehen zu wollen.

  • Anna Lea M. am 11.01.2016 11:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trennung

    Wenn sich Paare nur noch anschreien und beleidigen, ist das Zusammenbleiben ein falscher "Friede" und geht immer auf Kosten des Schwächeren in der Beziehung! Die Lösung (Erlösung) heisst: Trennung. Lerne, eigenständig zu werden und lebe einige Zeit allein. Verdaue Geschehenes, schöpfe Kraft aus dir. Und verliere diese Eigenständigkeit nie mehr.

  • Moni am 11.01.2016 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Same Same..

    Ich hatte ein ähnliches Problem.. Nur haben wir uns mit der Zeit von einander distanziert und entfremdet. Obwohl ich ihn noch liebte, konnte ich so nicht weiterleben. Ich habe mich dann getrennt, denn eine Paarberatung kam für ihn nicht infrage. Auch wenn ich ihn jetzt noch vermisse, im Moment geht es mir definitiv besser als während der letzten Monate mit ihm.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dingo am 12.01.2016 06:27 Report Diesen Beitrag melden

    Was einem wichtig ist

    Sein Verhalten deutet stark darauf hin, dass du ihm nicht wichtig genug bist. Lösungen sind wichtig, nicht Schuld. Genug Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und Liebe dann kann man sich den meisten Problemen gemeinsam stellen, statt sich gegenseitig zu bekämpfen.

  • Lisa am 11.01.2016 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine ehrliche Meinung... 

    Dieser Mensch hat sehr viele Probleme. Du solltest dir überlegen, ob du dir dies zumuten möchtest oder aber ob du lieber auch Mal auf dich schauen möchtest. Das ist keine einfache Entscheidung und man sollte jemanden nicht einfach in den Sand setzen, nur weils nicht ganz so rund läuft und Stress und schlechte Stimmung Überhand nehmen. Nur möchte ich dir auch mit auf den Weg geben, dass beide etwas dazu beitragen müssen und nicht du ausschliesslich Rücksicht nehmen musst.

  • isa am 11.01.2016 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    noch so jung! 

    wenn ich bedenke, dass du erst 27 jahre alt bist, gehe ich schwer davon aus, dass er nicht dein mann fürs leben ist. mir kommt es vor, als hätte es sich bei euch ausgeliebt. bei meiner ersten beziehung war es nach 4.5 jahren genau so, wie bei euch jetzt. trennt euch. jetzt habt ihr noch so viel zeit den partner für s leben zu finden. mit 27 müsst ihr noch keine paartherapie besuchen. dass kannst du mal tun nach 15 jahren ehe oder so. ist es dann aber mal der richtige, wirst du keine paartherapie brauchen.

  • clclcl am 11.01.2016 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verlass ihn

    Verlass ihn! Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende!

  • Mimi am 11.01.2016 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht

    Ich habe noch nie verstanden, warum Menschen, die sich offensichtlich nicht mehr etwas nettes zu sagen haben, noch zusammen bleiben?! Da bin ich doch zehnmal lieber alleine, als mir so was tagtäglich anzutun...

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


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