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Doktor Sex

13. Dezember 2017 08:49; Akt: 13.12.2017 08:50 Print

«Ich fürchte mich vor einer Vergewaltigung!»

Zwar hat Luise selber noch nie sexuelle Gewalt erlebt. Trotzdem nimmt ihre Angst vor einem Übergriff zu. Dr. Sex erklärt, wie sie sich schützen kann.

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Auch wenn es nicht immer einfach ist: Man sollte sich von seinen Ängsten nicht dominieren lassen. (Bild: Szene aus «The Girl on the Train»/ Ascot Elite)

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Frage von Luise (28) an Doktor Sex: Ich kam zweimal mit grossem Glück knapp an einem sexuellen Übergriff vorbei. Dabei habe ich viel gelernt und bin vorsichtiger geworden. Mittlerweile gehe ich nicht mehr in den Ausgang und lebe an einem sicheren Ort auf dem Land. Trotzdem spüre ich eine immer grösser werdende Angst vor einer Vergewaltigung. Und ich merke, wie diese zunehmend meinen Alltag beeinflusst. So verzichte ich zum Beispiel auf einen Anlass, wenn ich nachts eine halbe Stunde allein Zug fahren müsste.

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Ist diese Vorsicht berechtigt – oder sollte man sich nicht zu sehr von solchen Ängsten einschränken lassen? Geht es anderen Menschen auch so? Vielleicht wird die Angst ja auch vermehrt, weil Gewalt allgegenwärtig ist und man bald in jedem Menschen einen potenziellen Angreifer sieht. Dass man darüber redet und schreibt, ist gut – man soll dies unbedingt tun! Trotzdem frage ich mich, ob es normal ist, wenn ich mich vor etwas so sehr fürchte, was mir nie widerfahren ist?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Luise

Furcht ist menschlich. Trotzdem ist es sinnvoll, sich nicht von Ängsten einschränken oder gar dominieren zu lassen. Das ist aber oft leichter gesagt als getan. Denn auch wenn sich manche Dinge nur in der Fantasie abspielen, haben sie eine nicht zu unterschätzende Wirkung, der man sich oft nur schwer entziehen kann. Das gilt auch für die von dir beschriebene mediale Dauerpräsenz von Gewalt.

Vielleicht ist es für dich entlastend zu wissen, dass die meisten sexuellen Übergriffe im familiären Umfeld und Bekanntenkreis stattfinden. Trotzdem ist es sinnvoll, in der Öffentlichkeit in bestimmten Situationen Vorsicht walten zu lassen. Dazu gehört auch, sein Getränk nie unbeaufsichtigt stehen zu lassen. Diese Aufgabe kann man sich übrigens auch mit Personen teilen, die man kennt und denen man vertraut.

Nachts in dicht besiedelten Gebieten und an Orten, die zeitlich bedingt nur wenig belebt sind, sollte man auf der Hut sein. Noch besser ist es, sich solchen Situationen gar nicht erst allein auszusetzen und sich von jemandem abholen zu lassen, ein Taxi zu nehmen oder sich mit einer vertrauenswürdigen Person auf den Weg zu machen. Und im ÖV immer nahe beim Fahrer oder einer Gruppe von sympathischen Leuten sitzen und ein Gerät mittragen, mit dem man jederzeit Alarm schlagen kann.

Generell sollte man sich immer an den drei L – Licht, Lärm und Leute – orientieren. Muss man trotzdem einen Ort passieren, an dem es dunkel, still und menschenleer ist, kann es beruhigend sein, mit jemandem zu telefonieren. Dies schreckt zudem potenzielle Täter ab, da man sich so sofort Hilfe organisieren kann. Wer sich unmittelbar bedroht fühlt, darf jederzeit den Polizeinotruf 117 wählen. Sollte sich diese Massnahme später als unnötig herausstellen, wird niemand böse sein oder einen finanziell belangen. Alles Gute!

Wurdest du nachts auch schon bedrängt oder bedroht? Erzähle im Kommentarfeld den anderen Lesern, wie du aus der Situation herausgekommen bist und wie du dich vor potenziellen Übergriffen schützt!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Angst ist oft paradox und hält sich nicht an Statistiken. Manche Frauen haben Angst, nachts alleine vom Bahnhof nach Hause zu laufen. Die gleichen Frauen haben aber keine Angst, alleine mit dem Auto nach Hause zu fahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man den Heimweg nicht überlebt, ist im Auto aber um ein Vielfaches grösser, als wenn man zu Fuss geht. Es haben auch mehr Leute Flugangst, als Angst vor dem Autofahren. Obwohl Fliegen sehr viel weniger Tote und Verletzte verursacht. Es hilft, sich seine Ängste einzugestehen und sich bewusst zu werden, dass Ängste auch irrational sein können. – Der Schorsch

Um es vorwegzunehmen - niemand ist jemals selber schuld an einem sexuellen Übergriff, egal was diese Person anhat, wie betrunken, etc. Trotzdem denke ich, dass sich gewisse Personen für einen Täter auf der Opfersuche mehr anbieten als andere. Verunsichert, verängstigt, abgelenkt, offensichtlich hilflos, scheinbar angetrunken - da fühlt sich ein potenzieller Täter nunmal eher angesprochen. Aber Luise sollte sich bewusst sein - die Wahrscheinlichkeit, dass ein Übergriff durch einen Fremden passiert, ist ziemlich klein. Die Täter sind meist aus dem Bekanntenkreis! – Anna

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mann am 13.12.2017 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann  

    Dank den Medien ist es mittlerweile soweit, dass Männer unter Generalverdacht stehen!

  • Marco am 13.12.2017 09:26 Report Diesen Beitrag melden

    Zu hoher Medienkonsum

    Ich finde, dass wir ständig mit so vielen (schlechten/bösen/traurigen) News bomboardiert werden, dass wir eine völlig verzerrte Wahrnehmung der Realität haben. Es gibt keinen Grund für ständige Angst. Böse Menschen sind die Ausnahme. Gesunder Menschenverstand und etwas Vorsicht reichen aus. Lasst euch nicht gegeneinander aufhetzen. Peace!

    einklappen einklappen
  • Safe Girl am 13.12.2017 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverteidigung

    Was dir noch weitere Sicherheit bieten kann, ist ein Kurs in Selbstverteidigung. Das baut Selbstvertrauen und Sicherheit auf!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Frank am 13.12.2017 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lerne vertrauen 

    Viele raten zu Selbstverteidigungskursen. Ich denke aber, das ist weder deine Antwort noch dein Weg. Einem Kind ermahnt man "sprich nie zu Fremden". Wenn Erwachsene es so halten, würde man nie neue Freunde kennen lernen. Lass dich nicht von deinen Ängsten einschränken. Besinne dich deiner Freunde. Geh mit ihnen raus in das Leben. Ich wünsche dir, du erkennst dabei, dass es unter den Männern sehr gute verlässliche Menschen gibt. Ich wünsche dir die dazu nötige Kraft.

  • Rabea am 13.12.2017 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    eigentlich gut wenn Medien Aufmerksamkeit schaffen

    Aber man sollte nicht gleich Verfolgungswahn haben. Passt auf euch auf und benutzt den gesunden Menschenverstand. Zum Glück sind ja die wenigsten der Männer vergewaltiger also lauert nicht hinter jeder Ecke Gefahr. Man muss das Glück jedoch nicht herausfordern.

  • Oberschlumpf am 13.12.2017 14:38 Report Diesen Beitrag melden

    Und ich...

    Fürchte mich... diesbezüglich von einer Frau bezichtigt zu werden. Es glauben so oder so alle der Frau....

  • Dave am 13.12.2017 14:15 Report Diesen Beitrag melden

    Nebeneffekt

    Ich fand #Metoo eine extrem wichtige Bewegeung, aber es ist total ausgeartet, und das ist ein Nebeneffekt dieser Hysterie

  • Amelia80 am 13.12.2017 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grössere Probleme?

    Ich glaube, dass dahinter mehr steckt! Wenn einem eine Angst so stark beherrscht, dass sie einem im Leben einschränkt, sollte man sich professionell helfen lassen. Das kann ganz andere Ursachen haben, die nichts mit der eigentlichen Angst zu tun haben. Spreche da aus eigener Erfahrung.

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


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