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Doktor Sex

05. November 2018 07:07; Akt: 05.11.2018 07:07 Print

«Warum ist er beim Sex so egoistisch?»

Mo kann es nicht fassen, dass ihr Freund im Bett nur noch bedient werden will.

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Viele haben die Einstellung, dass Sex in einer Beziehung ein balanciertes Geben und Nehmen zwischen zwei Menschen sein sollte. (Bild: iStock/Nd3000)

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Frage von Mo (34) an Doktor Sex: Ich bin mit meinem Freund seit zwei Jahren zusammen. Am Anfang hat er sich beim Sex stets darum gekümmert, dass auch meine Bedürfnisse befriedigt werden und mich geleckt, gestreichelt oder innig geküsst. Seit einem halben Jahr sind seine Aufmerksamkeiten mir gegenüber aber drastisch zurückgegangen.

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Jetzt möchte er nur noch bedient werden und macht keinerlei Anstalten, mir etwas zu geben. Ich habe ihm bereits gesagt, dass es mir so nicht gefällt und Sex ein Geben und Nehmen sein sollte. Trotzdem hat sich nichts geändert. Es geht einfach nur um seine Befriedigung und dass er kommen kann.

Als ich das Thema neulich mit meinen Freundinnen besprach, kam heraus, dass viele von ihnen Ähnliches erleben. Meine Frage ist daher: Warum werden Männer mit der Zeit im Bett so extrem egoistisch und denken nur noch an sich? Kann man dies abwenden oder ändern? Und wie geht man als Partnerin damit um?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Mo

Was du schilderst, ist in meiner Beratungspraxis häufig ein Thema, denn für gewöhnlich haben die ersten zwei bis drei Jahre des Zusammenseins auch Auswirkungen im Bett. Man kennt sich und weiss, wie der Hase läuft. Es kehrt Alltag ein, manchmal sogar Langeweile, und der Sex ist oft nur noch Mittel zur Lustbefriedigung und zum Spannungsabbau.

Dies ist aber einfach nur die dunkle Kehrseite einer Medaille, von der die meisten Menschen – motiviert von entsprechender Ratgeberliteratur – nur die glänzende Seite sehen wollen. Trotzdem ist es unvermeidlich, dass die Lust aufeinander und damit zwangsläufig auch der Sex in der Beziehung anders und oft sogar ziemlich unwichtig wird.

Auch du scheinst von irgendwoher genau zu wissen, wie Sex in einer Beziehung sein muss, nämlich ein balanciertes Geben und Nehmen zwischen zwei Menschen, das auf einer stets gleichbleibenden Anziehung basiert und primär dazu dient, sich gegenseitig zu versichern, dass man sich bedingungslos liebt und zwischenmenschlich alles in Ordnung ist.

Dein Konzept – das du übrigens mit einer Mehrheit teilst – negiert jedoch gänzlich die Abgründe der menschlichen Natur: Den Egoismus oder die Machtgelüste des Menschen, seine Trägheit oder die Willfährigkeit den eigenen Trieben gegenüber, um nur ein paar zu nennen. Und es ignoriert, dass nichts je so bleibt, wie es ist.

Der Weg zum Verständnis für das Handeln deines Partners führt daher zwingend über eine kritische Auseinandersetzung mit deinem Menschenbild. Und dazu gehört, dass du dich zuerst einmal verabschiedest von der Idee, Männer und Frauen seien bezüglich ihrer Schattenseiten gänzlich anders. Beide Geschlechter sind nämlich zu jeder erdenklichen Schweinerei fähig.

In diesem Prozess erkennst du dann vielleicht auch, dass all die Konstruktionen und Konzepte, auf die Menschen sich verlassen, ziemlich unbeständig sind. Oder anders: Dass ein friedliches Zusammenleben in einer Beziehung keine Selbstverständlichkeit ist, sondern bedingt, dass sich zwei Menschen immer wieder neu aufeinander einlassen und verhandeln.

So betrachtet, kann das Verhalten deines Freundes auch gelesen werden als innerliche Kündigung – zumindest was den Sex angeht. Ich denke daher, dass bei euch nach zwei Jahren Beziehung nun eine Standortbestimmung ansteht. Alles Gute!

Deine Frage an Doktor Sex: doktor.sex@20minuten.ch

(wer)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SP am 05.11.2018 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Männer?

    Also, ich möchte klarstellen, das es auch Männer gibt, die anders sind. Mir ist es nach 6 Jahren immernoch sehr wichtig, das der Sex auch meiner Frau gefällt. Ich lecke nach 6 Jahren genau so gerne wie beim Ersten mal. Liebe sollte jeden Tag neu sein.

  • Rokutu am 05.11.2018 09:12 Report Diesen Beitrag melden

    Kann ich nicht verstehen.

    Für mich ist der Sex erst mit zunehmendem Alter schön und befriedigend weil ich endlich von jedem Drang befreit bin. Absolute Befriedigung habe ich nur dann, wenn ich meine Partnerin so stimulieren kann, dass sie es auch unbedingt will. Denn ich brauche nicht mehr nur mein Ego zu befriedigen, nein, ich brauche unbedingt den Kick des Geistes wenn dann beim Ende wirklich die "Sicherungen" durchbrennen und das ist dann der Fall wenn man als Mann die Erektion der Frau voll und ganz geniessen kann. Alter hat eben auch was Gutes.

  • Monster der Krümel am 05.11.2018 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    Ich kapier irgendwie nicht, dass es solche Männer gibt. Für mich ist es nur halbbefriedigend, wenn meine Frau nicht kommen konnte. Und etwas dafür zu tun, dass sie kommen kann, ist für mich das Schönste am Sex.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Die schonwieder am 05.11.2018 11:30 Report Diesen Beitrag melden

    Alles Relativ?!

    Das tönt wie eine Entschuldigung und Rechtfertigung!... ist dass nicht zu einfach?!...

  • Frederik am 05.11.2018 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht nur nehmen, auch geben

    1.) Deine Aussage ist sexystisch: "Warum sind Männer so?"... Nein, es gibt auch Frauen die so sind. Hab ich in meinen letzten beiden Beziehungen nicht anders erlebt. Frau lässt sich erst verwöhnen und danach beim Akt liegt sie auch nur rum. 2.) Auch wenn ein Mann beim Sex kommt, heisst es nicht, dass es befriedigend für ihn ist. Wenn die Frau sich nicht aktiv am Vorspiel beteiligt, hab ich auch keine Lust mehr was für sie zu machen. Sonst kann ich es mir auch selbst machen, das macht weniger arbeit

  • Edi Igel am 05.11.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus mal anders

    Arme Mo. Ich bediene meine Frau schon über 20 Jahren! Ihr "Geben" beschränkt sich darauf, es mir zu erlauben, damit wir (also ich) das 10-Abo in 5 Jahren überhaupt voll bekommen. Das ist Egoismus!

  • SP am 05.11.2018 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle Männer?

    Also, ich möchte klarstellen, das es auch Männer gibt, die anders sind. Mir ist es nach 6 Jahren immernoch sehr wichtig, das der Sex auch meiner Frau gefällt. Ich lecke nach 6 Jahren genau so gerne wie beim Ersten mal. Liebe sollte jeden Tag neu sein.

  • Mabu am 05.11.2018 10:47 Report Diesen Beitrag melden

    Maul aufmachen

    Ich hatte auch mal meine Phase wo ich "egoistisch" war. Meine Freundin sagte dann ganz relaxt: "Wenn du gelutscht werden willst, will ich auch geleckt werden." Das ist mir eingefahren! Darum: Einfach mal "schockartig" und selbstbewusst sagen was Sache ist.

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Bruno Wermuth ist Sexualberater und Sexualpädagoge mit eigener Praxis in Bern. Als «Doktor Sex» beantwortet er drei Mal wöchentlich Fragen zur schönsten Nebensache der Welt und im «Sexblog» spricht er das aus, was andere nicht zu denken wagen. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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