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Doktor Sex

10. Juni 2013 09:22; Akt: 10.06.2013 09:48 Print

«Abends flüchte ich vor ihm aus Angst vor Sex!»

Sieben Jahre hat Esther beim Sex mit ihrem Mann mitgespielt. Nun möchte sie sich nicht mehr einfach nur zur Verfügung stellen. Aber so einfach geht das nicht.

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Sex ist nicht etwas, das man dem Partner oder der Beziehung schuldet. (Symbolbild: Colourbox.com, James Hardy)

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Frage von Esther (37) an Doktor Sex: Ich bin seit sieben Jahren ziemlich glücklich verheiratet – ziemlich deshalb, weil mir das Thema Sexualität immer mehr zu schaffen macht. Schon als Single hatte ich nur selten Lust auf Sex. Meinem Partner habe ich gesagt, dass meine Lust nicht so gross ist wie vielleicht bei anderen Frauen. Weil er aber mehr Sex möchte, spiele ich mit und gebe dabei sogar noch vor, dass ich auch Spass daran habe. Aber je älter ich werde, desto weniger möchte ich mich für etwas zur Verfügung stellen, das mir eigentlich nicht gefällt und von dem ich hoffe, dass es möglichst bald vorbei ist. Mich hinzugeben stimmt nicht mehr, aber ihm den Sex nicht zu geben fühlt sich auch nicht gut an. Meine Ehe wird dadurch immer mehr zur Qual für mich.

Dass ich so bin, sehe ich nicht als Problem. Mich interessieren einfach andere Dinge mehr als Sex – beispielsweise meine Hobbys. Dabei geht es mir gut. Aber zwei Tage nachdem wir Sex hatten, werde ich zunehmend nervös, weil ich weiss, dass es sicher bald wieder so weit ist und schliesslich komme ich dann richtig in Stress. Abends flüchte ich sogar vor meinem Partner und hoffe, dass er müde ist. Ich weiss nicht mehr weiter. Was soll ich nur machen? Muss ich mich vielleicht trennen, obwohl ich ihn liebe?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Esther

Was ihr erlebt, ist unbefriedigend und leidvoll. Euer Sexualleben überschattet eure Beziehung und stellt sie infrage – obschon ihr damit ja eigentlich zufrieden und einander liebend verbunden zu sein scheint. Um es gleich vorwegzunehmen: Ich werde dir keine Vorschläge machen, wie du deine Lust steigern kannst, um dich den Bedürfnissen deines Partners anzunähern. Und genauso wenig werde ich dir nahelegen, dich von deinem Mann zu trennen. Das sollen andere tun, wenn sie finden, dies sei eine echte Lösung. Ich versuche, mit dem zu gehen, was für dich und für deinen Partner der Fall ist, was eure «Wahrheit» ist. Und weil diese keine Rücksicht nimmt auf Moral und gesellschaftliche Verhaltensregeln, weil sie lebendig und aussergewöhnlich ist, erfordert sie auch einen aussergewöhnlichen Umgang.

Die Bedürfnisse von Menschen sind verschieden – nicht nur beim Sex. Entscheidend ist, mit diesen Unterschieden verständnisvoll und grosszügig umzugehen. Dafür ist ein selbstkritischer Blick auf die eigenen Denkmodelle und Wertvorstellungen notwendig. Aber das Ego infrage zu stellen, das ständig besitzen und kontrollieren will, führt zwangsläufig zu Angst und Verunsicherung, weshalb die meisten Menschen lieber mit dem bekannten Unglück vorliebnehmen, statt sich auf den Weg zu machen, um das unbekannte Glück zu finden. Nur: «Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und niemand ginge, um einmal zu schauen, wohin man käme, wenn man ginge?», wie Kurt Marti, Theologe und Schriftsteller aus Bern, so schön gefragt hat.

Mein Vorschlag: Denkt doch einmal gemeinsam über die Möglichkeit nach, Sex und Beziehung nicht so streng voneinander abhängig zu machen. Vielleicht findet ihr ja eine Form, die sowohl deinen als auch den Bedürfnissen deines Partners besser gerecht wird, als diejenige, die ihr im Moment lebt. Eine Variante könnte sein, ihm zu ermöglichen, im Rahmen von gemeinsam vereinbarten Regeln ausserhalb von eurer Beziehung sexuelle Befriedigung zu finden.

(wer)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Wenn ihr zusammen bleiben wollt, müsst ihr wohl oder übel einen Kompromiss machen, bei welchem beide damit leben können. In welche Richtung das geht (etwas weniger Sex, oder gar keinen Sex) müsst ihr selbst entscheiden. Sex ausserhalb der Ehe finde ich sehr gewagt. Bei manchen Paaren kann es funktionieren, aber eigentlich nur wenn beide sehr offen und tolerant sind. – Manuel

Liebe Esther Bei meinem Mann und mir sah es ähnlich aus, nur eben gerade umgekehrt: mein Bedürfnis nach Sex war viel grösser als seines. Und so schienen die Rollen klar verteilt: ich war die ewig Fordernde, er der ständige Verweigerer. Da wir uns in der jeweiligen Rolle beide nicht wohl fühlten, musste eine Lösung gefunden werden. Fremdgehen kam für mich nie in Frage, dafür ist mir unsere Beziehung viel zu kostbar. Wir machen es so, dass mein Liebster mein Verlangen nicht jedesmal mit GV befriedigt, sondern beispielsweise mit manueller Stimulation. Das stimmt für uns beide. – Anita

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anita am 10.06.2013 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Andere Möglichkeiten

    Liebe Esther Bei meinem Mann und mir sah es ähnlich aus, nur eben gerade umgekehrt: mein Bedürfnis nach Sex war viel grösser als seines. Und so schienen die Rollen klar verteilt: ich war die ewig Fordernde, er der ständige Verweigerer. Da wir uns in der jeweiligen Rolle beide nicht wohl fühlten, musste eine Lösung gefunden werden. Fremdgehen kam für mich nie in Frage, dafür ist mir unsere Beziehung viel zu kostbar. Wir machen es so, dass mein Liebster mein Verlangen nicht jedesmal mit GV befriedigt, sondern beispielsweise mit manueller Stimulation. Das stimmt für uns beide.

  • Petra Studer am 10.06.2013 12:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lügengebilde gut für Beziehung?

    Wie erklärt man eigentlich seinem Partner dass man ihm jahrelang nur die Freude am Sex vorgespielt hat? Wie kann man sowas je wieder gut machen?

    einklappen einklappen
  • Gandalf am 10.06.2013 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mit meiner ex...

    War das auch so sie hat nur alle 4-8 Wochen Lust gehabt. Anfangs war der Sex mit ihr auch viel interessanter und wir hatten öfter Sex. Und wenn ich sb habe war es für sie als sei ich fremd gegangen weil ich mir dabei ein filmchen angeschaut hab. Ich weiss nicht ob das normal ist 22

Die neusten Leser-Kommentare

  • Esther am 10.06.2013 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke 

    Danke für die vielen Beiträge. Ein paar Dinge sind wohl nicht genau so rüber gekommen wie es sollte. Er hat es immer gewusst, zu jeder Zeit während all der Jahre. Die Liebe zwischen uns ist sehr tief, es ist auch nicht so, dass ich keine Lust habe - halt nur alle 1.5 - 2 Wochen. Zu Beginn einer Beziehung war es auch bei mir immer etwas mehr - ich kenne die Leidenschaft, nur nicht in dieser Menge und das ist es was belastet. Sicher kann ich das jeden Tag tun. Ist aber mit Unlust verbunden und mit einem "Muss"....Danke an alle.

  • Chv am 10.06.2013 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach kein Druck

    Je mehr Druck umso weniger Lust. Einfach auf sich zukommen lassen. Und es gibt nichts schöneres als seinen Engel im Bett zu halten und glücklich und geborgen einzuschlafen.

  • Butterfly am 10.06.2013 18:52 Report Diesen Beitrag melden

    trau Dich und vertrau auf ihn

    Grad trennen musst Du Dich nicht, aber ganz aufrichtig schildern wie Du fühlst. Klar, dass kann bei ihm Trennungsgefühle auslösen. Diese Gefahr besteht. Aber er wird bei Deiner Ehrlichkeit auch die Liebe erkennen und das löst bei ihm sicher aus, dass er das Problem anpacken will. Vertrau doch einwenig auf eure Liebe und auf ihn! Sowie darauf, dass ihr das gemeinsam schafft. Vielleicht hat er eine Idee oder schwebt ihm was vor. Aber indem Du ihm wie bisher etwas vorspielst oder gar mit Trennung liebäugelst, ohne Klartext zu reden, verbaust Du Dir, eure individuelle Lösung zu finden.

  • Mann oder Frau am 10.06.2013 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann befreien

    Bin am gleichen Punkt. Die Liebe ist gross, der Sex eher selten und mir wichtige Praktiken finden nicht statt. Darüber kann man sich jahrelang den Mund fuslig reden. Am Schluss nervt das Thema nur noch. Zu verlieren hat man nicht viel. Funktioniert die offene Beziehung nicht, erfolgt die Trennung einfach später. Vieleicht funktionierts? dan hat man gewonnen. Der Partner der nicht will hat keinen Druck mehr und kann auch wieder locker an das Thema rangehen. Bei meiner Beziehung hats kräftig gerüttelt. Die Rechnung scheint aber aufzugehen. Wir haben wieder viel mehr Spass und sind wie befreit.

  • Mirco Schmid am 10.06.2013 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    würde ich nicht akzeptieren

    Für mich wäre das nicht tragbar, nicht nur das mir Körperliche Liebe verwehrt wird, nein auch das Wissen, das meine Frau mich nicht mehr anziehend findet. Das es mal Phasen gibt, Gesundheitliche Probleme, Schwangerschaften usw. ist klar und logisch, da sollte jeder Mann das bisschen Verständnis entgegenbringen. Hatte das auch mit meiner EX, und hab dann alle Register gezogen, mit Tantra und allem. Lies mich auch auf ein Kompromis ein. Es ging. In meiner neuen Beziehung genisse ich es richtig begehrt und verführt zu werden.

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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