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Sexualkunde an der Schule

17. Juli 2012 08:25; Akt: 25.07.2012 10:50 Print

«Ab der 6. Klasse gehören Pornos in den Unterricht»

von Lukas Mäder - Jugendlichen unter 16 Jahren dürfen keine Pornos gezeigt werden. Dabei wäre es wichtig, diese Form der sexuellen Darstellung in der Schule zu behandeln, sagt Sexualpädagoge Bruno Wermuth.

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Da Kinder und Jugendliche sowieso mit pornografischen Darstellungen konfrontiert sind, sollen diese auch im Schulunterricht behandelt werden. (Bild: Colourbox)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Thema Pornografie an Schulen ist heikel und sorgt rasch für Empörung. Warum?
Weil es das problematische Thema der Pornografie mit Kindern in Zusammenhang bringt. Diese Kombination lässt die Emotionen rasch hochgehen.

Umfrage
Soll Pornografie ab der 6. Klasse im Sexualunterricht behandelt werden - auch mit Zeigen von Ausschnitten aus Pornos?
33 %
45 %
22 %
Insgesamt 5872 Teilnehmer

Zu Unrecht?
Auf einer emotionalen Ebene ist es verständlich. Bei genauerem Hinschauen zeigt sich jedoch, dass der Kontakt von Jugendlichen mit Pornografie eine Realität ist. So haben am Ende der obligatorischen Schulzeit über 90 Prozent der Buben und über 50 Prozent der Mädchen bereits mit Pornografie Kontakt gehabt.

Und deswegen muss in der Schule Pornografie gezeigt werden? Das ist konkret schwer vorstellbar.
Es geht überhaupt nicht darum, im Unterricht beliebige pornografische Darstellungen in voller Länge zu zeigen, sondern um einen konstruktiven Umgang mit dem Fakt, dass Jugendliche sowieso mit Pornografie in Kontakt kommen. Die Jugendlichen sollen lernen, mit pornografischen Darstellungen kompetent umzugehen.

Konkret?
Jugendliche sollen den Nutzen und Schaden von Pornografie erkennen können. Sie sollten einschätzen können, welche möglicherweise negative Wirkung die Veröffentlichung von eigenen sexuellen Bildern in den neuen Medien hat. Und sie sollen lernen, für den eigenen Bedarf das Richtige zu finden, um nicht auf einer Webseite zu landen, die potenziell schädliche Darstellungen enthält.

Eine Anleitung zum richtigen Porno-Konsum?
Es geht nicht darum, Jugendliche an Pornografie heranzuführen. Sie sollen sexuelle Darstellungen realistisch einschätzen können, wenn sie mit ihnen in Kontakt kommen – was heute sehr wahrscheinlich ist. Viele Jugendliche haben nach dem Konsum von pornografischen Darstellungen Fragen, die sie nicht im Kollegenkreis klären können. Damit werden sie alleine gelassen. Die Empörung bei den Erwachsenen über den Pornokonsum der Jugend ist gross, aber sie sind nicht bereit, selber Wissen im Umgang damit zu erwerben. Deshalb sollten sich auch Lehrer und Eltern Pornografiekompetenz erarbeiten.

Gehört Sexualunterricht tatsächlich zu den Aufgaben von Primar- und Sekundarlehrern?
Die Schule hat die Aufgabe, Kinder und Jugendliche in grundlegenden Themen zu bilden. Dazu gehört auch die Sexualität als urmenschliches Thema.

Aber verstehen Sie, dass sich die Lehrer nicht über eine solche zusätzliche Aufgabe freuen?
Ja, sicher. Die Lehrer werden ja auch nicht auf Sexualerziehung vorbereitet. Dass sie, aber auch die Eltern und Schüler, Scham empfinden, ist verständlich. Deshalb kann es sinnvoll sein, für spezifische Themen wie Pornografie oder sexuelle Praktiken Fachleute beizuziehen.

Es gibt Bedenken, dass die Schüler vom Sexualunterricht überfordert wären.
Das muss man ernst nehmen. Deshalb ist wichtig zu beachten, in welchem Alter, in welcher Umgebung und in welcher Art über Sexualität gesprochen wird oder sexuelle Darstellungen gezeigt werden. Die Schüler müssen zudem selbst bestimmen können, wie weit sie gehen und was sie sehen wollen. Das Problem ist, dass es heute gesetzlich grundsätzlich verboten ist, Jugendlichen Pornografie zu zeigen.

Nur den Unter-16-Jährigen.
Dann ist die obligatorische Schulzeit zu Ende und die Jugendlichen hatten bereits Kontakt mit Pornografie. Der Unterricht müsste begleitend zu den ersten Kontakten mit sexuellen Darstellungen stattfinden, also etwa ab der sechsten Klasse.

Ab 12 Jahren braucht es in der Schule Sexualunterricht?
Sexualunterricht braucht es natürlich bereits früher. Aber ab 12 Jahren muss in diesem Rahmen Pornografie behandelt werden.

Aber nicht alle Schüler hatten bereits mit 12 Jahren Kontakt mit Pornografie. Muss dem unterschiedlichen Entwicklungsstand nicht Rechnung getragen werden?
In einem gewissen Mass. Aber die Schule fragt ja nicht in jedem Fach, wie hoch die Kompetenz und der Bedarf bei diesem bestimmten Thema ist. Zur Sexualität allgemein gibt es gewisse Informationen, die nötig sind und niemandem schaden. Im Umgang mit expliziten Darstellungen von Sexualität müssen zuerst Unterrichtsmaterialien erarbeitet werden, was derzeit wegen der juristischen Lage gar nicht möglich ist. Deshalb braucht es eine Gesetzesänderung. Es kann doch nicht sein, dass Jugendliche problemlos an Pornos gelangen können, eine angemessene Prävention zum Thema aber verboten ist.

In die entgegengesetzte Richtung geht eine Volksinitiative, die den Sexualunterricht in der Schule grundsätzlich verbieten will. Was ist falsch daran, wenn die Eltern ihre Kinder aufklären?
Gar nichts. Das ist wichtig und notwendig. Problematisch ist es, so zu tun, als ob die Eltern die einzige Instanz bei diesem Thema wären. Die Kinder sind nicht Eigentum der Eltern. Diese können letztlich nicht verhindern, dass ihre Kinder mit Formen von Sexualität in Kontakt kommen, die sie nicht praktizieren oder aus moralischen Gründen ablehnen. Die Jugendlichen haben das Recht, umfassend über Sexualität informiert zu werden und selber darüber zu entscheiden.

Derzeit läuft die Unterschriftensammlung. Wie gross schätzen Sie die Chancen der Initiative beim Stimmvolk ein?
Die Initiative zeigt, dass Sexualität immer noch ein grosses Tabu ist, obwohl sie omnipräsent ist. Die Mehrheit der Bevölkerung ist aber in der Lage, das Thema richtig einzuordnen und den Bedarf an altersgerechter Sexualerziehung zu erkennen. Deshalb gehe ich von einem Nein zur Initiative aus.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich kann von mir selbst sagen, dass ich bereits mit 14 Jahren das erste mal mit Pornografie in Kontakt kam. Wir tauschten im Geheimen Sexheftli oder CDs mit pornografischem Material aus. Ohne das Wissen der Eltern oder der Schule. Ich kann heute sagen, dass ich einen normalen Umgang mit Sexualität habe, damals aber gerne mehr Aufklärung gehabt hätte. Es ist die Realität dass das Internet dazu beiträgt, dass man heute viel einfacher mit Pornographie in Kontakt kommt als noch früher. Deshalb fände ich es richtig, dass Pornographie in Schulen (mit fachlicher Unterstützung!) diskutiert wird. – Kevin Müller

ihr wollt alle das die eltern diese aufgabe übernehmen, in der realität machen sie es aber dann trotzdem nicht... also ist der beste weg die schule um sicher zu stellen dass die jugendlichen aufgeklärt werden. pornos zeigen? nein aber darüber sprechen ja! – mutti

Zuerst mal müsste klar sein, wie weit die gezeigten Darstellungen gehen. Der Begriff 'Pornografie' ist relativ weitläufig und wird auch sehr unterschiedlich definiert. Gezwungen sollte jedenfalls niemand werden, sich diese Darstellungen anzusehen (> fakultativer Unterrichtsteil). Ausserdem fände ich es wenn schon sehr wichtig, die Eltern einzubeziehen und bei Wunsch am Unterricht teilnehmen zu lassen; Ich möchte gerne wissen, was meinem nicht volljährigen Kind zu dem Thema gezeigt und gesagt wird, falls es noch Fragen dazu oder Mühe damit hat, das gesehene/gehörte zu verarbeiten. – shrimp

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • shrimp am 17.07.2012 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Je nach dem

    Zuerst mal müsste klar sein, wie weit die gezeigten Darstellungen gehen. Der Begriff 'Pornografie' ist relativ weitläufig und wird auch sehr unterschiedlich definiert. Gezwungen sollte jedenfalls niemand werden, sich diese Darstellungen anzusehen (> fakultativer Unterrichtsteil). Ausserdem fände ich es wenn schon sehr wichtig, die Eltern einzubeziehen und bei Wunsch am Unterricht teilnehmen zu lassen; Ich möchte gerne wissen, was meinem nicht volljährigen Kind zu dem Thema gezeigt und gesagt wird, falls es noch Fragen dazu oder Mühe damit hat, das gesehene/gehörte zu verarbeiten.

  • s.k. am 19.07.2012 07:01 Report Diesen Beitrag melden

    zum lachen

    die heutige kinder wissen schon viel über sex. der arme lehrer/in tät mir aber leid, welche vor einer lachenden klasse stehen sollte und den film, auf dem man nicht mehr als im fehrnsehen sehen würde, vorführen sollte.

    einklappen einklappen
  • Markus B. am 17.07.2012 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben geniessen

    Hört auf zu jammern und geniesst das leben noch, ende jahr is sowiso alles vorbei :)

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ghul am 20.07.2012 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    seriously?

    Ich würde alles darum geben, meine Kinder vor solcher "Schulbildung" zu schützen! Meine Eltern waren sehr offen mit mir, haben über alles mit mir gesprochen und nicht umgeschalten, wenn mal was nicht-jugendfreies im Fernsehen kam (heutzutage haben Sie in den meisten Blockbustern Sexszenen). Ich war damit gut beraten und habe einen gesunde Umgang mit Sexualität. Als wir dann im Biologieunterricht das Kondom anschauten und "lernten" wie es angewendet wird, war das für Alle mehr lächerlich als hilfreich. Ich habe von meinen Eltern gelernt und meinen ersten richtigen Beziehungen!

  • anonym am 19.07.2012 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    alles zur seiner Zeit!!!

    Ich bin selber Mutter von zwei Kinder. Es sollte die Aufgaben der Eltern sein, nur die Eltern wollen nur das Beste für die eigene Kinder und somit findet man es immer zu früh um es aufzuklären. Ich finde es gut, wenn das Thema Sexualkunde in der Schule durchgenommen wird, aber ich denke in der 1.Oberstufe ist auch noch gut genug. Man sollte nich gleich in der 6.Klasse Pornographiebilder/Szenen zeigen, dafür sind die Kinder noch nicht bereits. Sie sollen lieber lernen, Deutsch richtig zu sprechen und schreiben, das bringt etwas für die Zukunft!!!

    • Kevin #1 am 19.07.2012 22:55 Report Diesen Beitrag melden

      Depends

      6.te Klasse und 1. Oberstufe ist nicht mal ein Jahr voneinander entfernt. Und wenn Ihr Kind dann noch in der 6ten NICHT richtig deutsch kann, dann lief sowieso etwas falsch. Ich finde es in Ordnung so früh darüber zu sprechen, aber auf keinen Fall sollte man es zeigen. Und jetzt ganz ehrlich, bis Sie mit den Kindern darüber sprechen, kennen diese sich doch schon mit der Materie aus, oder?

    einklappen einklappen
  • Marco E. am 19.07.2012 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Und solche Leute bilden wir aus ?

  • Frau Biedermann am 19.07.2012 16:44 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenz beweisen.

    Dann möchten wir doch gerne auch Drogenaufklärung praktisch vollziehen, oder? Warum denn in der Aufklärung nicht auch gleich zur Sache kommen? Dafür weiter Sport und Kunst vom Stundenplan streichen. Was ist denn das für eine Grundbildung???

  • Juan Robles am 19.07.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    No-Go!

    Ich finde es inakzeptabel, warum nicht gleich danach einen Horrorfilm anschauen?! - diese ist ja nicht umsonst Freigegeben ab "18"! Ich frage mich was Hr. Wermuth in seinem jungen zarten Alter alles durfte bzw. getrieben hat. Klar ist die sexuelle Aufklärung wichtig aber das ist Aufgabe der Eltern und wer es nicht übernimmt: tja da kann man wirklich nichts dafür, früher oder später wird man damit in Verbindung gebracht. Dieses Thema ist genauso bescheuert wie das neue Schulsystem. Zudem gibt es genug schüchterne Schüler die man besser nicht damit konfrontiert.

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Bruno Wermuth ist Einzel-, Paar- und Sexualberater mit eigener Praxis in Bern und Zürich. Als «Doktor Sex» beantwortet er einmal wöchentlich eine Frage zu den Themen Beziehung, Liebe und Sex. www.brunowermuth.ch


(Styling von Doktor Sex:Jessica Montonato)

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