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Staatenblog

01. Juni 2015 14:28; Akt: 03.07.2015 13:38 Print

Die rätselhaften Geister-Inseln von Maryland

von Pascal Meister - In Maryland regiert das Wasser. Die Chesapeake Bay mit ihren vielen Inseln ist eine besonders lohnende Attraktion des kleinen US-Staats am Atlantik.

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Von Wind und Wetter gezeichnet: Das letzte Haus auf Holland Island (Baujahr 1888, hier fotografiert im Jahr 2009) versank 2010 in der Chesapeake Bay. Die Siedlung auf der Insel war von Beginn weg dem Tod geweiht: Der morastige, sumpfähnliche Untergrund verschlang die Gebäude, noch bevor sich die Bewohner zu helfen wussten. Koloss im Wasser: Der Chesapeake Bay Bridge Tunnel gehört mit seinen 37 Kilometern weltweit zu den grössten Bauten seiner Art. Er verbindet die Hampton Roads in Virginia mit Maryland und Delaware. Für die Mautstrecke bezahlt man 15 Dollar - mehr als üblich auf zahlungspflichtigen Highways in den USA. Jedoch entschädigt der Ausblick auf das Meer für das Loch im Portemonnaie. Im Jahr 1800 wurde der Smith Island Cake erstmals gebacken. Freundinnen und Ehefrauen buken den Kuchen für ihre Liebsten, die mit den Fischerbooten auf Austernsuche gingen - damit sie etwas von Zuhause bei sich hatten. Die Sachertorte aus Österreich oder die Prinzregententorte aus Deutschland zählen zu den nächsten Verwandten des Smith Island Cakes. Das Kapitol in der Hauptstadt Annapolis ist das älteste durchgehend benutzte State House der USA. Es ist 20 Jahre älter als das Gegenstück in Washington D.C. 1783 legte hier General Washington sein Mandat als Oberbefehlshaber der Kontinentalarmee nieder. 1784 ratifizierte der Kontinentalkongress im State House den Zweiten Vertrag von Paris, der den Unabhängigkeitskrieg der USA beendete. Alltagsleben in Annapolis: Die Main Street vereint Gebäude von drei Jahrhunderten und bietet viele Einkaufsmöglichkeiten. Da Annapolis zwischen 1783 und 1784 als Hauptstadt der USA fungierte, wurden viele öffentliche Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Sie können heute besichtigt werden. Blick auf das Fort McHenry, dessen Bombardierung am 14. September 1814 ein neues Kapitel in der US-Geschichte schrieb: Francis Scott Key, ein Anwalt und Gelegenheitsdichter, war während des Bombardements auf einem Schiff. Als er am nächsten Morgen sah, dass die amerikanische Flagge immer noch wehte, veranlasste ihn das, ein Gedicht über die Belagerung zu schreiben. Heute ist dieses Gedicht bekannt als «The Star-Spangled Banner» - seit 1931 der Text zu Amerikas Nationalhymne. Wo einst Blut floss: Das Antietam National Battlefield gehört zu den bedeutendsten Kriegsschauplätze der USA, vergleichbar mit Gettysburg. Die wichtigste Schlacht an der US-Ostküste wurde am 17. September 1862 ausgetragen. Da am Antietam erstmals die Folgen einer Schlacht fotografisch dokumentiert wurden, hatten Aussenstehende Einblick auf das Geschehen auf dem Schlachtfeld. Die United States Naval Academy ist eine der renommiertesten Offiziersschulen der USA für Angehörige der Marine und der Marineinfanterie. Zu den bekanntesten Alumni gehören die Astronauten Alan Shepard (5. Mensch auf dem Mond), James Irwin (8. Mensch auf dem Mond), Charles Duke (10. Mensch auf dem Mond), James Lovell (Apollo-13-Kommandant) sowie der Senator John Sidney McCain und der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter. Das Johns-Hopkins-Hospital gehört weltweit zu den besten Kliniken. Aus aller Herren Länder kommen Menschen hierher, um sich auf dem Gebiet der Neurochirurgie, Radiologie und Urologie weiterzubilden. Wissenschaftler legten hier mit ihren Forschungen und Experimenten den Grundstein der Gentechnik. Benannt sind das Spital und die dazugehörige Universität nach dem Bankier Johns Hopkins (1873) der testamentarisch all sein Vermögen zur Einrichtung dieser Institutionen spendete. Letzte Ruhe in der Fussgängerzone Baltimores: Wo 1827 die erste Eisenbahnlinie der USA gebaut und eröffnet wurde, fand der berühmte Dichter Edgar Allen Poe seine letzte Ruhe. 1849 wurde er Leblos in der Gosse aufgefunden. Sein Tod umgibt noch heute viele Geheimnisse - ebenso wie etliche Figuren seiner gruseligen Erzählungen. Sein Wohnhaus in Baltimore kann ebenfalls besichtigt werden.

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Der revolverförmige Bundesstaat vor der Haustür der Hauptstadt Washington D.C. ist von Wasser geprägt. Kein Wunder, bei mehr als 5100 Kilometern Küsten- und Uferlinie. Reich an Buchten und von Flussmündungen zerfasert, bildet die Chesapeake Bay die Lebensader Marylands.

Auf der Schwelle zwischen Norden und Süden gelegen, wurde der Staat einst zum Einfallstor europäischer Einwanderer, die die fast 300 kleinen Inseln in der Bucht bevölkerten. Bis heute wimmelt es hier nur so von Geheimnissen und Hinterlassenschaften aus vergangenen Zeiten.

Auch das letzte Gebäude ist im Sumpf versunken

Auf der isolierten Hooper’s Island zum Beispiel steht eine Kirche aus dem Jahr 1769. Umgeben ist sie von umgefallenen oder schief stehenden Grabsteinen, welche von der Geschichte dieses abgelegenen Ortes erzählen.

Auf Holland Island lebten um 1910 an die 360 Einwohner, so viel wie auf keiner anderen Insel. Ein idyllisches Inselleben mit vielen kleinen Shops war das Resultat. Heute ist die Insel in der Hand der Geister: Sumpfiger Untergrund machte die Siedlung dem Erdboden gleich. Das letzte Gebäude fiel 2010 in sich zusammen und verschwand in der Bucht. Seither soll es auf der Insel spuken.

Smith Island dagegen produziert das offizielle Staatsdessert von Maryland. Den weitherum bekannten Smith Island Cake, ein 8- bis 15-schichtiger, mit Schokoladencreme überzogenen Buttercremekuchen, erinnert ein wenig an die Sachertorte aus Österreich. Die süsse Versuchung wird seit 200 Jahren auf der Insel gebacken.

Auch auf dem Festland gibt es viel zu entdecken

Das Inselhüpfen ist die beliebteste Attraktion für Touristen in der Chesapeake Bay. Wer über keine Seemannsbeine verfügt, der kann auch am Festland auf Legendenjagd gehen. In Baltimore, der grössten Stadt des Staates, liegt die bekannte Johns-Hopkins-Universität, eine Elitehochschule, die in Bereichen wie Medizin und Gesundheitswissenschaft führend ist. Das dazugehörige Spital ist eine Augenweide und gilt als eines der besten weltweit. Eine Führung durch die Gänge dieser Fakultät erweitert jeden Horizont.

Auch eine gesunde Portion Patriotismus spielt in Baltimore eine wichtige Rolle. Das im Hafen liegende Fort McHenry wurde während dem Britisch-Amerikanischen Krieg 1814 von der Royal Navy bombardiert und schwer beschädigt. Der Augenzeuge Francis Scott Key schrieb daraufhin über das ihm Dargebotene ein bewegendes Gedicht, das heute den Text der amerikanischen Nationalhymne stellt. Für Besucher wird im Fort das rege Treiben während des Bombenhagels durch uniformierte Schauspieler detailgetreu nachgestellt.

Auf Selfie-Jagd mit Navy-Offizieren

In der Hauptstadt Annapolis gehen viele Besucher auf Selfie-Jagd mit amerikanischen Offizieren der US Navy oder den US-Marines, die hier an die Naval Academy gehen. Die prestigeträchtige Marineakademie kann man besichtigen. Das Herzstück der Schule ist die Mercury-Kapsel, in welcher der Astronaut Alan Shepard, nach dem ersten bemannten Raumflug der USA 1961, im Atlantik wasserte.

Weit weg von den Grosstädten, an der Grenze zu West Virginia, liegt das Antietam National Battelfield. Es erinnert an den folgeschweren Tag im September 1862, als an einem einzigen Tag im Amerikanischen Bürgerkrieg, 23'000 Soldaten im Gefecht ihr Leben liessen. Heute führt eine stille Strasse durch die hügelige, noch immer melancholische Feldlandschaft, wobei Schilder am Wegesrand auf die dramatischen Ereignisse dieser Schlacht hinweisen.

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