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12. Juni 2014 19:08; Akt: 12.06.2014 19:08 Print

Ein letzter brasilianischer Sonnenuntergang

Ihre letzten Tage in Brasilien geniesst Miriam Knecht in einer Hippie-Siedlung in der Nähe von Fortaleza. Jetzt heisst es Abschied nehmen.

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Ein letzter Sonnenuntergang in Brasilien: Miriam Knecht verabschiedet sich von dem Land.

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Wenn man Portugiesisch lernt, dann stösst man früher oder später auf saudades. Das Wort lässt sich wohl am besten übersetzen mit «vermissen» oder «fehlen». Aber das Portugiesische beschreibt dabei das Gefühl an sich und nicht bloss die Handlung. Da gibt es wohl kein deutsches Pendant dazu, vielleicht am ehesten «Sehnsucht», aber auch das trifft es nicht ganz. Saudades ist und bleibt eine idiomatische Eigenheit des Portugiesischen. Kein Wunder: Leidenschaftlich und gefühlsbetont wie die Brasilianer sind, muss sich das wohl auch irgendwie in ihrer Sprache niederschlagen. Am Anfang meiner Reise hat mir mal jemand gesagt: Wenn du verstehst, wie saudades sich anfühlt, dann verstehst du auch die Brasilianer. Und ja, tatsächlich, je näher das Ende meines viermonatigen Abenteuers rückt, desto mehr verstehe ich.

Willkommen in der Hippie-Sahara

Meine letzten Tage in Brasilien verbringe ich in Fortaleza, der Hauptstadt des Bundesstaats Ceará im Nordosten des Landes. Oder besser gesagt in Jericoacoara. Okay, das klingt jetzt so, als läge dieses Dörfchen gleich nebenan, aber so ist das nicht. Vier Stunden mit dem Bus weiter nördlich und dann noch anderthalb Stunden auf so einer Art Lastwagen mit Plastiksitzen, denn der letzte Rest des Weges führt über Sand und den Strand entlang, das schafft kein herkömmlicher ÖV.

Jericoacoara ist neben Pipa ein weiterer kleiner Hippie-Ort, aber diesen empfinde ich nun wirklich als magisch. Das ehemalige Fischerdorf liegt inmitten von Sanddünen und an einem malerischen Strand, es kommt mir ein bisschen vor wie eine Oase in der Wüste. Überhaupt wähnt man sich eher in der Sahara als in Brasilien, denn man geht den ganzen Tag nur auf Sand. Und natürlich ist auch hier alles total leger und alternativ, man trägt Batik-Klamotten, ist tätowiert, kifft und verkauft selbstgebastelte Schmuckstücke.

Die letzten Sonnenuntergänge

Ausflüge macht man auch hier mit dem Buggy. So erreicht man die hübschen Binnenseen, die entstehen, wenn sich das Regenwasser in den Dünen sammelt. Das seichte Wasser dort ist perfekt, um sich auf einem Stuhl oder einer Hängematte hineinzusetzen und die Seele baumeln zu lassen. Am Abend versammeln sich alle am Strand und steigen dort auf eine hohe Sanddüne, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Ja, immer diese Sonnenuntergänge, ich weiss. In Brasilien sind sie halt einfach beliebt!

Wo man auch hinkommt, es heisst immer: Geh doch dorthin, von dort aus hast du den besten Blick auf den Sonnenuntergang. Und das machen dann auch alle und knipsen mit ihren Kameras und Smartphones drauflos, als ginge die Sonne kein weiteres Mal mehr unter. Es gibt ganze Touren, die sich nur um den Sonnenuntergang drehen, zu Land und zu Wasser. Der Sonnenuntergang wird hier inszeniert und zelebriert. Das merkte ich schon ganz am Anfang in Rio, am Strand von Ipanema. Dort klatschte die Menge jeden Abend, wenn die Sonne im Meer verschwunden war.

Saudades, Brasil

Wie auch immer. Jericoacoara ist jedenfalls der perfekte Ort, um seine letzten Tage in Brasilien zu verbringen und beim pôr do sol so richtig tief in saudades zu versinken. Ja, ich verstehe jetzt die Bedeutung des Wortes, weiss, wie es sich anfühlt. Brasil, estou com saudades de você. Alles wird mir fehlen: Meer, Strand, Samba, Forró, Carnaval, Caipirinha, Açaí, Tapioca, Felicidade und vor allem meine familia brasileira und alle meine neuen Freunde, die ich hier kennenlernen durfte - und ohne die ich nur halb so viel erlebt hätte, nur halb so weit im Land gekommen wäre, nur halb so gut gegessen, getanzt und Portugiesisch gelernt und nur halb so viele Hindernisse gemeistert hätte.

In Salvador da Bahia bin ich mal zu einer Art Priester des Candomblé gegangen (das ist nichts zum Essen, das ist eine Religion), er hat mit mir das jogo de búzios gemacht, mir also sozusagen «die Muscheln geworfen». Unter anderem sah er dabei voraus, dass ich nach Brasilien zurückkehren würde, weil ich hier «noch etwas zu erledigen hätte».

Ich hoffe, Muscheln lügen nicht.

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