Wandel

13. Oktober 2019 03:01; Akt: 13.10.2019 08:23 Print

Alkoholfreie Getränke boomen

Craft-Limonade, Cola oder ungesüsster Eistee statt Bier, Wein und Co.: In der Schweiz steigt die Nachfrage nach Alkoholfreiem.

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Schweizer greifen vermehrt zu alkoholfreien Getränken. Grund dafür scheint ein gesteigertes Gesundheitsbewusstsein zu sein. Für viele Menschen gehört aber zu einer richtigen Party immer noch Alkohol dazu. Bevor man allerdings kräftig zulangt, ... Doch wie so oft gelten auch hier die viel zitierten Worte des Schweizer Mediziners Paracelsus (1493–1541), der frei übersetzt sagte: «Die Dosis macht das Gift.» Soll heissen: Gegen Alkohol spricht nichts, solange er massvoll getrunken wird. Doch bereits seine Zeitgenossen schlugen seine Ermahnungen oft in den Wind. Die Alkoholkrise war so gross, dass der deutsche Reformator vor dem «Saufteufel» warnte. Auch wenn die Gelage heute in der Regel moderater ausfallen: Ganz unberechtigt war Luthers Warnung nicht, denn Alkohol beeinflusst so gut wie jedes Organ, wie die nächsten Bilder zeigen. Sofort nach dem ersten Schluck beginnt die Aufnahme ins Blut: Ein kleiner Teil gelangt über die Mundschleimhaut und die Speiseröhre direkt dorthin. Bis zu einem Viertel wird über die Magenschleimhaut aufgenommen. Der Rest gelangt über den Darm ins Blut. Nach rund zwei Minuten kommt der Alkohol im Gehirn an. Dort dringt er in alle Hirnareale ein, auch in das sogenannte Belohnungszentrum, wo er verstärkt Botenstoffe wie Dopamin und Endorphine freisetzt. Ab einem Blutalkoholwert von 0,5 Promille wird man unternehmungslustig und gesellig, aber auch hemmungsloser. Die Risikobereitschaft steigt. Die Reaktionsfähigkeit dagegen sinkt. Bei einem Blutalkoholwert von 0,8 Promille ist sie gegenüber dem nüchternen Zustand um 30 bis 50 Prozent verlängert. Aber das merkt man nicht. Man fühlt sich entspannt. Zudem bekommt man Schwierigkeiten, wenn es darum geht, Entfernungen richtig einzuschätzen. Bei 1 bis 2 Promille ist das Gleichgewicht beeinträchtigt. Zudem verändern sich die Emotionen und das Verhalten. Auch Stimmungsschwankungen können die Folge sein, genauso wie eine plötzlich aufkommende Müdigkeit. Auch das Aggressionspotenzial steigt: So zeigte zuletzt eine Studie des Bundes, dass bei Gewalthandlungen im öffentlichen Raum zunehmend Alkohol im Spiel ist. Wer trotz ersten Ausfallerscheinungen weitertrinkt, riskiert, ganz die Kontrolle über sich und seinen Körper zu verlieren. Ab 3 Promille kann ein Erwachsener bewusstlos werden und gar ins Koma fallen. Grundsätzlich gilt: Frauen vertragen Alkohol weniger gut als Männer. Für sie ist dieselbe Menge Alkohol schädlicher als für einen Mann. Dies einerseits, weil Frauen im Verhältnis zu ihrem Gewicht mehr Körperfett und weniger Körperwasser haben. Da sich Alkohol in Wasser besser löst als in Fett, ist nach dem Konsum der gleichen Menge die Alkoholkonzentration im Blut bei Frauen in der Regel höher. Andererseits weil Frauen über geringere Mengen des Leber-Enzyms ADH (Alkoholdehydrogenase) verfügen, das den Alkohol in Azetaldehyd abbaut. Wer zu viel Alkohol getrunken hat, den erwartet am nächsten Tag ein ausgewachsener Kater. Der ist zwar unangenehm, aber bei weitem nicht so gefährlich wie eine akute Alkoholvergiftung, die aufgrund der gereizten Magenschleimhaut häufig mit Erbrechen einhergeht. Es besteht zudem die Möglichkeit, am Erbrochenen zu ersticken. Auch lebensbedrohliche Atemlähmungen können die Folge sein. Das erste bekannte Alkoholopfer der Geschichte war kein Geringerer als König Alexander der Grosse: Er war nicht nur ein genialer Feldherr, sondern auch für seinen reichlichen Alkoholkonsum bekannt. Letztendlich starb er daran. Bei einer Alkoholvergiftung besteht auch die Gefahr zu erfrieren: Weil das Blut durch den Alkohol in die äusseren Körperregionen gelenkt wird, entsteht ein trügerisches Gefühl der inneren Wärme. Das täuscht darüber hinweg, dass die Körpertemperatur eigentlich stark absinkt. Während es sich beim bisher Erwähnten um direkte Folgen von Alkoholkonsum handelt, gibt es auch Spätfolgen, die sich nach dem regelmässigen und übermässigen Trinken einstellen. Laut Medizinern wie dem Leberspezialisten Helmut Karl Seitz aus Heidelberg geht bereits von «moderatem Dauerkonsum» eine Gesundheitsgefahr aus, denn auch so kommen Alkoholmengen zustande, die der Körper auf Dauer nicht verkraftet – weil ihm die alkoholfreien Erholungsphasen fehlen. Durch regelmässigen Alkoholkonsum kann es zu schweren Organschäden kommen. Am stärksten davon betroffen ist die Leber (dunkelrot), denn in ihr wird der grösste Teil des Alkohols abgebaut. Das Problem: Beim Abbau von Alkohol werden die für diesen verantwortlichen Leberzellen geschädigt und es sammelt sich Fett an. Dies kann zu einer Fettleber, zu Gelbsucht sowie zu einer Leberzirrhose und -krebs führen. Zu einer Leberzirrhose, der wohl bekanntesten Folge von übermässigem Alkoholkonsum, kommt es, weil die Leberzellen wegen Überlastung nach und nach absterben und sich immer mehr knotiges Narbengewebe bildet. Die Leber schrumpft. Irgendwann bleiben zu wenig Leberzellen übrig und der Körper kann nicht mehr entgiftet werden. Man stirbt. Aber nicht nur die Leber wird angegriffen: Alkoholiker und regelmässig konsumierende Genusstrinker leiden häufig auch an entzündeten Bauchspeicheldrüsen (Pankreas). Wird das Problem chronisch, kommt es zu Kalkablagerungen, die schlussendlich zu einer Verstopfung des Organs führen. Alkoholkonsum kann Veränderungen am Herzen zur Folge haben. Der Blutdruck wird durch Alkoholkonsum erhöht. Dadurch steigt auch das Herzinfarktrisiko. Zu viel Alkohol schadet zudem Haut und Blutgefässen. So kann regelmässiges Trinken zu entzündlichen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte (Psoriasis) führen. Mit schuld daran kann eine weitere Folge von chronischem Alkoholkonsum sein: ein geschwächtes Immunsystem. Auch Krebs, insbesondere Speiseröhrenkrebs, geht oft auf das Konto von Alkohol. Laut einer an der Tagung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) vorgestellten Studie erkranken weltweit jährlich rund 700'000 Menschen aufgrund ihres Alkoholkonsums an Krebs. Jährlich stehen 365'000 Todesfälle von Patienten mit Leber-, Speiseröhren-, Darm-, Hals- oder Brustkrebs mit Alkohol in Verbindung, so das Fazit der Wissenschaftler. Wie gefährlich Alkohol sein kann, zeigen auch Zahlen aus der Schweiz. Laut dem Bundesamt für Gesundheit sterben hierzulande jährlich rund 1600 Menschen zwischen 15 und 74 Jahren an den Folgen von Alkohlkonsum. Allein die Leberzirrhose führt zu mehr als 430 Todesfällen pro Jahr. Etwa doppelt so häufig sind tödlich ausgehende alkoholbedingte Krebserkrankungen und Herz-Kreislauf-Störungen. Die Aufmerksamkeit und die Konzentrationsfähigkeit können ebenfalls dauerhaft beeinträchtigt werden. Der Grund: Regelmässiger Alkoholkonsum kann zu schweren hirnorganischen Schäden führen. Konkret sorgt er für ein Schrumpfen der Hirnsubstanz, über die Jahre sterben Nervenzellen, der Gang wird unsicher, die Hände zittern. Auch das Risiko für psychische Krankheiten wie Depressionen oder Psychosen steigt. Aber was heisst das? Laut «Sucht Schweiz» liegt gesundheitlich unbedenklicher Alkoholkonsum bei gesunden erwachsenen Frauen bei 12 Gramm reinem Alkohol. Das entspricht einem sogenannten Standardglas – 3 Dezi Bier, 1 Dezi Wein, 2 cl Spirituosen – pro Tag. Männer dürfen etwas mehr trinken: Für sie liegt die Grenze bei 24 Gramm Alkohol pro Tag, etwa zwei Standardgläsern. Doch wie immer gilt auch in Sachen Alkohol: Ausnahmen sind erlaubt. Wer mal über die Stränge schlägt, hat wenig zu befürchten. Schwangere sollten jedoch ganz darauf verzichten.

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Die Schweizer trinken zunehmend weniger Alkohol. Davon profitieren die Hersteller alkoholfreier Alternativen, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. «Zurzeit spüren wir eine erhöhte Nachfrage nach Getränken mit vielfältigen und neuartigen Geschmäckern», sagt eine Sprecherin von Coop. Dazu gehörten sogenannte Craft-Limonaden aus der Region und ungesüsste Eistees.

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Die Nachfrage nach alkoholfreiem Bier steige schon länger stetig an. Das merken auch die Hersteller. «Wir haben im vergangenen Jahr 15 Prozent mehr abgesetzt. Dieser Trend setzt sich fort», sagt eine Sprecherin von Feldschlösschen.

Weniger Zucker

Auch kleine Produzenten profitieren von der Entwicklung. Ysa Yaheya und Fabian Brunner brauen in Feldmeilen ZH seit 2012 Zobo-Limonaden. Im ersten Jahr hat Zobo 3500 Flaschen abgefüllt. Mittlerweile verkaufen Brunner und Yaheya über 150'000 Flaschen pro Jahr.

Hersteller und Marktbeobachter erklären sich das einerseits mit einem gesteigerten Gesundheitsbewusstsein. Die beliebten Getränke haben neben ihrer Alkoholfreiheit allerseits gemeinsam, dass sie weniger Zucker enthalten. Kathrin Leisi, Präsidentin des Verbands Barkeeper Union Schweiz, hat noch eine andere Erklärung. «Alkohol am Steuer wird allgemein nicht mehr toleriert und polizeilich stärker verfolgt als früher.»

(roy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lord Chivas Regal am 13.10.2019 03:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ich boome auch,

    nur etwas anders. Cola und Limonaden??? Ein Bier oder etwas Wein duerfte erheblich gesuender sein, als "fluessiger Zucker"... Aber eigentlich ist es mir sowas von egal. Ich will mein herbes Bier, mal ein Glas roten Weines, etwas Champagner brut zum festlichen Anlaessen und ab und zu einen guten Whiskey mit einem kleinen Schuss Wasser zum entwickeln des Aromas. Gesundheit stimmt, die Laune auch. Alkoholfreie Getraenke fuer mich: neutrales Wasser, Wasser, Wasser und gruenen Tee. Cheers. p.s. sandro hat Recht. Viel wird gekauft um es dann mit Alk zu mischen und das sind die schaedlichen Brummer.

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  • sandro am 13.10.2019 03:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    die werden einfach mit alkohol gemischt ;)

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  • Sürmel am 13.10.2019 04:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmm

    Bei der Umfrage...welches Nein soll ich nehmen?das zuunterst oder das in der Mitte

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 13.10.2019 22:58 Report Diesen Beitrag melden

    Alkohol und Alter

    Ich arbeite mit aktiven, vitalen, sehr alten Menschen (80-95 und mehr) im Freizeitsektor. Fast alle sind dem alkohol nicht abgeneigt.

  • Martial2 am 13.10.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem das seine...

    Mein Grossvater besass im Keller immer einen Fass Rotwein, der trank täglich mit Brot und Käse für zwieri einen Glas, danach zum Znacht, zum einschlafen zwei Schnaps... Der wurde 92 Jahren Jung!!

  • Andy am 13.10.2019 14:03 Report Diesen Beitrag melden

    Limo, Yoga + Ritt in den Sonnenuntergang

    Tja, die Yogatanten und weichgespülten Hipsterbuben wollen eben nicht nur vegan, sondern auch Biolimonade... Wenn ich an meine Jugend zurückdenke, das hätten wir als ziemlich bieder und fast schon muttimässig empfunden.. jähnu, Limonade mit Koks gepaart macht den Zuckersafttrinker vielleicht mehr Spass, als sich mit Koks vom Alk runter zu holen [das war jetzt übrigens alles todernst gemeint!...;)...]... Wie dem auch sei, die Menge und das Gift, oder wie auch immer...

  • struppilu am 13.10.2019 14:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brauch ich nicht

    Ich trinke nie Alkohol, weil mir Alkohol nicht schmeckt. Bin auch so lustig unterwegs.

  • Chris am 13.10.2019 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    Nööö!!!! Zu teuer!

    Ohne Alkohol, ohne mich im Ausgang. Da kann ich auch gleich Wasser trinken als solch überteuerten Zucker-Wasser mit dem möchtegern Hipp-Effekt.