Tendenz steigend

06. Juni 2017 18:09; Akt: 06.06.2017 18:34 Print

Wo es in Europa die meisten Drogentoten gibt

Zum dritten Mal in Folge steigt die Zahl der Todesfälle. Die höchsten Todesraten durch Überdosierungen werden in Nordeuropa verzeichnet.

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Deutlich mehr Männer als Frauen unter den Todesopfern: Ein Mann konsumiert Kokain. (Archiv) (Bild: Keystone/Martin Rütschi)

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8441 Menschen sind 2015 an den Folgen einer Überdosis gestorben, fast die Hälfte davon in Deutschland und Grossbritannien. Damit stieg die Zahl der Drogentoten zum dritten Mal in Folge, wie aus dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD) hervorgeht.

Im Jahr 2014 zählte die Europäische Beobachtungsstelle 7950 Drogentote. Damit ist ein Anstieg von sechs Prozent binnen eines Jahres zu verzeichnen. 31 Prozent der Drogenopfer im Jahr 2015 stammten demnach aus Grossbritannien, 15 Prozent aus Deutschland. 80 Prozent der Opfer erlagen den Folgen von eine Überdosis Kokain oder Opioiden. Mehr als drei Viertel der Opfer waren Männer.

Derzeit leben 1,3 Millionen Menschen in Europa, die wegen ihrer schweren Sucht als besonders gefährdet gelten. 93 Millionen Europäer probierten schon einmal Drogen, 17,5 Millionen versuchten Kokain.

Anstieg synthetischer Drogen

Besorgniserregend sei vor allem, «dass junge Menschen vielen neuen und gefährlichen Drogen ausgesetzt» seien, erklärte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos. Zwischen 2009 und 2016 wurden demnach 25 hoch potente synthetische Opioide entdeckt. Bereits kleine Mengen der Stoffe reichen aus, um unzählige Dosen zu produzieren.

Allein 2016 stiess das Europäische Frühwarnsystem (EWS) auf 66 neue psychoaktive Substanzen (NPS), im Vorjahr waren es 98. Damit standen Ende des vergangenen Jahres 620 Substanzen auf dem Radar der Beobachtungsstelle – 2013 waren es noch 350 Stoffe.

Neben morphinähnlichen Opioiden und Cannabis enthielten viele synthetische Substanzen zudem Amphetamine sowie die Psyche beeinflussende Benzodiazepine, wie sie etwa in starken Beruhigungsmitteln zum Einsatz kommen.

Kokain und Ecstasy liegen vorne

Unter besonderer Beobachtung stehen zudem sogenannte Fentanyle, die eigentlich als Schmerzmittel bei Narkosen eingesetzt werden. Sie hätten eine zum Teil «um ein vielfaches stärkere Wirkung als Heroin», heisst es in dem Drogenbericht. Durch Hautkontakt oder Einatmen könnten auch Dritte gefährdet werden. Anfang dieses Jahres untersuchte die Beobachtungsstelle demnach zwei solcher Stoffe, mit denen mehr als 50 Todesopfer in Verbindung gebracht wurden.

In Europa nimmt der Handel mit Fentanyl stark zu: 60 Prozent der entdeckten neuen psychoaktiven Substanzen waren Fentanyle. Die am meisten in Europa konsumierten Drogen bleiben laut EBDD aber Kokain und MDMA, das in Tablettenform auch als Ecstasy bekannt ist, sowie Amphetamine. 2015 beschlagnahmten die Behörden 69.4 Tonnen Kokain und damit deutlich mehr als im Vorjahr (51,5 Tonnen).

Die Beobachtungsstelle veröffentlicht jedes Jahr im Auftrag der EU-Kommission einen Drogenbericht, der die jüngsten Entwicklungen in den 28 EU-Mitgliedstaaten sowie in Norwegen und der Türkei aufzeigt. Für die Schweiz hingegen gibt es bei der EBDD keine Zahlen.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C.C. am 06.06.2017 19:15 Report Diesen Beitrag melden

    Gesellschaft verändern würde helfen...

    Warum gibt es so viele Drogentote? Viele Menschen sind dem täglichen Druck nicht mehr gewachsen. Auf der Arbeit muss alles schneller, effizienter und produktiver gehen. Die freie Zeit ist oftmals voll verplant, auf dem Handy immer erreichbar, mehr Gesetzte und Vorschriften vom Staat, die "Normzwänge" werden immer grösser... Drogen sind für viele Menschen offenbar eine Option, wenn auch nur kurz, der Realität zu entfliehen. Wenn wir weniger Drogentote wollen, müssen wir Einiges in unserer Gesellschaft ändern.

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  • karin am 06.06.2017 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alk

    und wieviele sind wegen dem Alkohol gestorben?

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  • Sandro lutz am 06.06.2017 18:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbot bringt nichts.

    Ist doch super. Halten wir weiter an unseren Verboten fest! Das Ergebniss zeigt klar auf das es Sinnvoll ist. Jährlich mehr Drogenabhängige, jährlich mehr Drogen auf dem Markt, jährlich immer schädlichere und schlimmere Drogen, jährlich mehr Drogentote.... Schnallt es endlich, unsere Verbote bringen nichts und nochmal nichts. Geregelte Abgabe, saubere Prävention und eine Entkriminalisierung-Alles andere ist Schwachsinn und brachte die letzten 25 Jahre keine Verbesserung, eher das Gegenteil.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fred am 06.06.2017 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Legenden

    Ist es so schwierig, Bilder vom Platzspitz und Bhf Letten auseinander zu halten? Bilder vom Lettem mit Platzspitz-Legenden und umgekehrt... Fällt sogar mir als Nichtzürcher auf...

  • t.a am 06.06.2017 20:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie siehts in der schweiz aus?

    wäre interessant zu wissen wie viele in der schweiz an einer überdosis gestorben sind

  • 7zyzz7 am 06.06.2017 19:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dehydrierung

    Die todesursache ist vor allem bei mdma meist Dehydrierung, weil dumme leute es einfach schlucken, ohne sich gründlich über die Substanz zu informieren.

  • Mr. X am 06.06.2017 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahlen und Fakten Schweiz

    Wo sind die Zahlen von der Schweiz?

  • Suellen am 06.06.2017 19:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurige Angehörigen

    Schlussendlich ist jeder für sein Körper verantwortlich,der Süchtige weiss nicht wie die Angehörigen leiden, was nützt ein Verbot,wenn es im Kopf immer tickt,

    • SP am 07.06.2017 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Suellen

      Und ob sie wissen, was sie der Familie antun. Doch dieser Gedanke wird sofort mit Rauschmittel überdeckt, so wie alles, das überfordert.

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