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Reisefotografie

27. Juli 2014 10:32; Akt: 28.07.2014 09:23 Print

«Das Wichtigste ist ein Wecker»

Der Schweizer Fotograf Stefan Forster reist mit seiner Kamera um die Welt und steht für das beste Foto auch mitten in der Nacht auf. 20 Minuten zeigt seine eindrücklichen Bilder.

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Grönland, Arizona, Nepal – kaum ein Ort, den Landschaftsfotograf Stefan Forster nicht vor der Linse hatte. Im Interview spricht er über seine spannende Tätigkeit.

Stefan Forster, Sie waren schon fast überall auf der Welt. Welcher Ort hat Sie am meisten bewegt?
Die Welt hat so viele atemberaubende Plätze. Wo es mich jedoch am meisten hinzieht sind die Lofoten in Norwegen. Die steil aufragenden Felsen und Gebirge und das beinahe karibisch anmutende Meer dazwischen sind für einen Fotografen einfach unbeschreiblich. Die Gefahr im Norden ist halt immer das Wetter. So kann es in den Lofoten von 365 Tagen 300 Tage regnen.

Auf welches Foto sind Sie besonders stolz?
Eine seltene Nachtaufnahme der Felsformation The Wave in den USA. Nachts um 1 Uhr bin ich dank GPS zwei Stunden in der absoluten Dunkelheit dorthin gewandert. Die Herausforderung war es, bei sehr schwachem Mond einen interessanten Bildausschnitt und die korrekte Verschlusszeit und Belichtung zu finden. Dazu kam, dass die Zeit gegen mich arbeitete, da bald die Dämmerung begann.

Welches sind die schwierigsten Sujets?
Das aufwändigste Sujet ist mit Sicherheit das Nordlicht. Es gibt hier so viele Faktoren, die stimmen müssen, damit ein gutes Nordlichtbild entsteht. Der Himmel muss klar sein, man muss am richtigen Ort stehen, die Sonnenaktivität muss Tage zuvor genügend hoch gewesen sein, damit die Menge des Sonnenwindes stimmt und so weiter. Ich reise jährlich rund zwei Monate in den Norden, um dieses Spektakel zu fotografieren und es gab auch schon Wochen, in denen ich trotz hunderter Kilometer Fahrt keine Aurora fotografieren beziehungsweise sehen konnte.

Sie sind oft wochenlang allein unterwegs. Wird man da nicht einsam?
Nein, im Gegenteil. Ich führe eine Fotoschule in Wil und bin dadurch oft mit Leuten zusammen. Da sind ein paar Monate in der Einsamkeit ein perfekter Ausgleich. Mir geht es meist gar umgekehrt, dass ich nach einer Reise im Nichts und praktisch ohne Kontakt zur Aussenwelt teils grosse Mühe habe, mich wieder mit Leuten zu unterhalten. Für mich gibt es nichts Schöneres, als im Nirgendwo das Zelt aufzubauen und auf die richtige Stimmung und das perfekte Licht zu warten.

Wie sehen Ihre nächsten Pläne aus?
Ich gehe jährlich rund fünfmal nach Island, zweimal nach Norwegen, einmal nach Namibia, einmal nach Grönland und meist einmal in die USA und gebe dort Fotoworkshops. Daneben unternehme ich eigene Portfolioreisen. Meine nächsten grossen Projekte sind Patagonien, die Antarktis und Alaska. 

Was haben Sie auf Reisen immer dabei? 
In erster Linie mein Mobil- und Satellitentelefon, um von überall her mit meiner Familie kommunizieren zu können. Ausserdem sind Smartphones-Apps sehr nützliche Helfer. Sie sagen uns etwa, wann und wo die Sonne und der Mond auf- und untergehen und wie die Topografie der Landschaft aussieht. Das Wichtigste für gute Landschaftsfotografien ist jedoch ein funktionierender Wecker.

Ihre Bilder sind zum Teil unrealistisch schön. Wie stark sind sie bearbeitet?
Vorerst müssen wir klarstellen, dass ein Bild einer heutigen Digitalkamera ein Roh-Bild aufnimmt, das bearbeitet werden muss. Wichtig ist jedoch zu sagen, dass ich unter Bearbeiten nicht Manipulieren verstehe. Ich bearbeite die Bilder so realistisch wie möglich, und wenn der Sonnenaufgang nicht genügend farbintensiv war, geh ich so oft hin, bis es so aussieht, wie ich mir das vorstelle. Ist der Moment perfekt und das Licht absolut top, ist das Bild nach zehn Sekunden bearbeitet. 

(sei)