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Japan-Blog

17. Februar 2016 09:24; Akt: 21.03.2016 14:50 Print

Onsen – ohne Blamage japanisch entspannen

von Ronja Sakata - Japaner lieben ihre Thermalbäder. Damit man dort auch als Ausländer richtig relaxen kann, gilt es jedoch einige Dinge zu beachten.

Ronja Sakata erklärt, wie man sich bei einem Onsen-Besuch verhalten sollte.
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Ryokan und Onsen. Sind Ihnen diese Wörter geläufig? Ryokan ist das traditionelle Hotel in Japan, wo man auf den Tatamimatten aus Reisstroh schläft. Da erlebt man die richtige japanische Gastfreundschaft. Die Schuhe zieht man gleich beim Eingangsbereich aus. Das ist auch in vielen Restaurants oder im Tempel, Schrein oder Schloss so. Darum trägt man extra Socken, die zusammenpassen und sicher keine Löcher haben.

Die Japaner finden das unglaublich witzig, dass wir auf so etwas aufmerksam machen müssen. Die Pantoffeln, die man überstreift, heissen Suripaas (Slippers), und darin bewegt man sich die ganze Zeit. Ausser auf den Tatamimatten. Da darf man nur barfuss oder in Socken draufstehen.

Mit der Yukata ins Bad

Wenn man das einhält, hat man schon die allerwichtigste Regel intus und es kann fast nichts mehr schiefgehen. Im Zimmer hat es gar kein Bett? Nur einen Tisch in der Mitte mit Kissen oder Sesseln? Das muss so sein. Das Futon wird später, nach dem Abendessen, wie von Zauberhand bereitliegen. Machen Sie es sich gemütlich am Tisch und bereiten Sie sich eine Tasse Grün-Tee zu. Zucker ist im Teeset nicht dabei. Das wäre ein Fauxpas, wie wenn man Sojasauce über den weissen Reis leeren würde.

Wenn man ins Onsen gehen will, liegt die Yukata im Zimmer bereit. Für den guten Eindruck schlägt man die linke Seite des Mantels über die rechte, bevor man den Gurt schnürt. Darunter kann man alles tragen – oder auch gar nichts. Die Temperaturen im Winter sind selbst im Hotel überraschend tief für uns an Zentralheizungen gewöhnte Menschen. Mit «Ofuro wa doko desuka?» kannst du fragen, wo sich das Bad befindet. Onsen-Bäder sind Nacktbereiche und nach Geschlechtern getrennt. Da kommts nicht gut an, wenn man aus Versehen beim falschen Vorhang reingeht.

Und jetzt? Baden!

Im Bad stehen riesige Shampooflaschen bei den Duschstationen. Man setzt sich auf das Schemeli (aufrecht zu stehen ist unhöflich), und dann geht das Einschäumen los. Erst wenn man sauber ist wie noch nie zuvor, darf man ins kochend heisse Bad. Gleitet man langsam ins Wasser, ohne sich danach zu bewegen, entsteht ein isolierender Luftblasen-Teppich auf der Haut. Entspannen Sie sich und lassen Sie die Hitze wirken. Wenn es Ihnen, wie mir nach fünf bis zehn Minuten, definitiv zu heiss wird, dürfen Sie sich auch ein bisschen an den Rand des Beckens setzen.

Und was hat es mit dem weissen Tuch auf sich? Das liegt im Zimmer oder im Bad für Sie bereit. Damit können Sie sich den Rücken schrubben. Auch wenn es gut ausgewaschen ist, darf es trotzdem nicht ins heisse Wasser! Darum binden es sich die Männer meistens wie ein Stirnband um, die Frauen legen es sich schön zusammengefaltet auf den Kopf. Das sieht lustig aus. Machen Sie doch mit! Es steigert das Zugehörigkeitsgefühl.

Tattoos sind in den Onsenbädern tabu. Falls man ganzkörperbemalt ist, musst man sich ein Privatbad-Zimmer leisten. Für kleinere Bilder gibts medizinale Pflaster, die auch das heisse Wasser überstehen. Will man den Ruf der Ausländer in Japan nicht schädigen, dann sollte man sich an diese Regel halten. Arigatou – Danke! Nach dem Baden duscht man sich ein wenig ab und schlüpft wieder gekonnt in die Yukata. Im nächsten Beitrag geht es um das sagenhafte japanische Essen.

Mata kondo – bis zum nächsten Mal!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tim Gspurming am 17.02.2016 10:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tattoos in Japan

    War gerade bis letzte Woche in Japan, das mit den Tattoos stimmt nicht überall!! Wir waren in einem Ryokan in Yudanaka, nähe Nagano. Der Besitzer erlaubte uns, trotz grossen Tattoos, sein Onsen benutzen zu dürfen!! Auch die Japaner werden offener, was Tattoos angeht.

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  • Sajonara am 17.02.2016 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Tipps

    Vielen Dank für die Tipps. Gerade Japan ist etwas heikel, wenn es um die Nichtbeachtung gewisser Regeln geht. Wegen den Tatoos ist es wirklich so, wie Tim schreibt. Aber ich rate allen: Einfach direkt beim Eingang des Onsen nachfragen, ob Tatoos erlaubt sind, bevor man sich ins Vergnügen stürzt.

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  • Sprachnörgler am 17.02.2016 09:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3. Person

    Es heisst "darf man" oder "gleitet man" und nicht "darfst oder gleitest man".

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erik Hëss am 18.02.2016 10:26 Report Diesen Beitrag melden

    Folklore-Regeln

    Es ist effektiv so, dass gerade die Tattoo-Regel längst zur urban legend verkommen ist, die von halb-informierten Touri-Guides nachgebetet wird, aber kaum noch etwas mit der Realität zu tun hat. Ich habe damit jedenfalls nie Probleme gehabt, solange man also nicht aussieht wie Gangmitglied aus Guatemala oder in einem sehr konservativen Onsen landet, kann man das getrost vergessen. Alleine da japanische Gastgeber in normalen Ryokans viel zu höflich und freundlich sind, um ihre Gäste wegen solcher Lapalien zu schikanieren. Sowas käme wohl höchstens Schweizer Hoteliers in den Sinn..

  • michi b. am 18.02.2016 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schuhlos

    toller Artikel! übrigens gilt "Schuhe aus" auch in fast jedem Privathaushalt. der Eingangsbereich is meist etwas "tiefergelegt" und der Wohnbereich erhöht. ausserdem gibt es für die Toilette ein separates Paar Finken, mit denen man auf keinen Fall durchs Haus flanieren sollte.

  • Japanfan am 17.02.2016 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kinosaki-Onsen

    Ich kann Kinosaki-Onsen bei Tottori sehr empfehlen. Ein kleines Dorf mit 7 öffentlichen Onsen und vielen Ryokans. Man läuft im Prinzip nackt und nur mit der Yukata und Geta (Holzsandalen) durchs Dorf von einem Onsen zum anderen. Ist wunderbar dort, kaum westliche Touristen. Auch eine schöne Umgebung, in der Nähe vom Meer. Leider ist es nicht so ganz einfach, dorthin zu gelangen, aber der Aufwand lohnt sich, wenn man etwa 3-4 Tage dort bleibt. Ab Kyoto/Osaka etwa 3 Stunden mit dem Zug. und ich hatte dort mit meinen Tattoos keine Probleme, in keinem der Onsen

  • Fogeru-san am 17.02.2016 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Onsen Forever

    Tattoos sind ein Tabu??? Das ist mir neu? Und das Tüchlein darf nicht ins Wasser? Auch neu! Bei den Männern ist's auf alle Fälle nicht auf dem Kopf: Da die Japaner ihr Gegenüber respektieren und nicht jedermann ihr Gehänge vor die Nase halten müssen, wird damit dezent die Feder abgedeckt wenn man aus dem Wasser steigt.

    • Japanfan am 17.02.2016 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fogeru-san

      Doch, die Männer tragen das Tuch in der Regel auf dem Kopf, um den Schweiss ab zu putzen, denn in diesem heissen Wasser beginnt man sehr schnell zu schwitzen. Nur wenn sie aus dem Wasser kommen, dann halten sie das Tuch eventuell etwas tiefer, um das wenige, was sie haben, abzudecken.

    • Fogeru-San No Good am 18.02.2016 20:29 Report Diesen Beitrag melden

      Danke!

      @Japanfan: Gute Antwort!! Sie haben vollkommen recht. Forgeru-san ist vermutich ein Deutscher....

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  • Jan Knüsel / asienspiegel.ch am 17.02.2016 12:14 Report Diesen Beitrag melden

    Tattoo-Verbot und Badeunfälle

    Zwei interessante Fakts zum heissen Bad in Japan: 1) Der Tourismusboom sowie die Tatsache, dass inzwischen auch viele junge Japaner aus modischen Gründen Tattoos tragen (früher hatten nur Mitglieder der japanischen Mafia, die Yakuza, Tätowierungen), haben dazu geführt, dass immer mehr Onsen-Betreiber das Tattoo-Verbot lockern: 2) In Japan sterben mehr Menschen im heissen Bad als bei einem Verkehrsunfall. Fünf Ratschläge: