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Staaten-Blog

02. August 2015 18:08; Akt: 10.08.2015 15:30 Print

Von wegen weisser Fleck auf der Landkarte

von Pascal Meister - Tiefer als in Alabama kann der Süden kaum sein. Doch das «Heart of Dixie» wird schwer unterschätzt. Zu Unrecht.

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Mobile ist bekannt für seine prächtigen Antebellum-Villen. Viele dieser prächtigen Anwesen können besichtigt werden und geben den Besuchern einen Einblick in die Welt der reichen Plantagenbesitzer von damals. Die grösste Hafenstadt des Staates wurde von französischen Siedlern gegründet, weshalb eine gewissen Ähnlichkeit mit New Orleans kein Zufall ist. Im Civil Rights Museum von Montgomery steht ein Stadtbus der 50er Jahre welcher im Innern noch die Hautfarbenmarkierung der Rassentrennung aufweist. Eine Wachsfigur von Rosa Parks wurde auf jenem Sitz platziert, auf dem sie einst sass als sie sich weigerte, ihren Platz für einem weissen Fahrgast zu räumen. Der Originalbus dieses Zwischenfalls steht jedoch im Henry Ford Museum in Dearborn, Michigan. Panoramablick auf die De Soto Wasserfälle und das Bassin, das oft von Touristen zum schwimmen genutzt wird. Prominenter Bewohner des Parks ist der Goldhammer (Yellowhammer), ein goldgelber Singvogel der Ordnung der Sperlingsvögel. Er gibt Alabama den offiziellen Übernamen Yellowhammer-State. In den Höhlen der Russell Cave fanden Archäologen schon viele Hinterlassenschaften verschiedener Epochen. Holzkohle längst erloschener Feuer, Knochen verspeister Tiere, Pfeilspitzen und Tonscherben belegen dass die Höhle vor über 9000 Jahren bewohnt wurde. Das Civil Right Institute gehört zum Civil Right District in Downtown Birmingham, welcher sechs Blocks umfasst. Miteingeschlossen ist auch die bekannte Baptistenkirche, auf welche 1963 ein Anschlag verübt wurde, der vier Kinder das Leben kostete. Auch die Rolle des Ku-Klux-Klan in der Amerikanischen Geschichte wird in den Museen thematisiert. Dass er nicht immer ein rassistisch orientierter Geheimbund war, verblüfft dabei viele. Jefferson Davies regierte die Konföderation einst von diesem Haus aus, als Birmingham 1861 für knapp fünf Monate Hauptstadt der Südstaaten wurde. Old Alabama Town: In dieser Siedlung etwas ausserhalb von Montgomery können restaurierte Gebäude wie dieses Schulhaus aus dem 19. Jahrhundert bewundert werden. Das Freilichtmuseum gibt Einblicke in das Leben im amerikanischen Südens zur Zeit der Industrialisierung. Das Boll Weevil Denkmal in Enterprise zollt dem Baumwollkapselkäfer Tribut. Dieser zerstörte 1915 die gesamte Ernte Alabamas woraufhin H.M. Session die verschuldeten Farmer C.W. Baston davon überzeugte, Erdnüsse anzubauen. Ohne den Schädling wäre der Erdnuss-Boom in den USA wohl ausgeblieben. Die Statue wurde 1973 von Präsident Jimmy Carter, einst selber Erdnuss-Farmer, ins Nationale Verzeichnis historischer Stätten aufgenommen.

Zum Thema
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Für viele ist Alabama bloss ein weisser Fleck auf der Landkarte im Süden. Doch der «Yellowhammer State» hat sowohl geschichtlich wie auch landschaftlich mehr zu bieten, als man denkt. So etwa die eindrucksvollen Gedenkstätten und Museen der Bürgerrechtsbewegung, die den Kampf um Gleichheit auf den herrschaftlichen Anwesen der Baumwollbarone und darüber hinaus dokumentieren.

Bewegende Vergangenheit

Birmingham, die einstige Industriestadt steht wie keine andere Metropole für den verzweifelten Kampf um Gleichberechtigung. Vor dem Birmingham Civil Right Institute blickt ein bronzener Martin Luther King auf die Baptistenkirche die einst vom Ku-Klux-Klan während den schlimmsten Unruhen der 60er Jahre gesprengt wurde und den Baptistenprediger zum Marsch auf Washington veranlasste. Im innern des Museums wird die Rassentrennung wieder lebendig. Bild- und Textdokumente, Video-und Radioreportagen sowie Strassenbahnen mit nach Hautfarbe eingeteilten Sitzplätzen vermitteln ein eindrucksvolles Bild und geben Zeugnis von den Opfern und Errungenschaften.
In Montgomery weht der selbe Wind. Das Civil Rights Museum gedenkt dem Busboykott im Jahre 1955 und das «First White House of the Confederacy» erinnert an die Sezession in den 1860er Jahren und Jefferson Davis.

Schluchten und Höhlen

Im De Soto State Park regiert Mutter Natur. Wälder, Flüsse, Wasserfälle, Berge und Schluchten erstrecken sich über 1'400 Hektare. Zur Hauptattraktion gehört der Little River, der einen Damm überspült und sich als imposanter Wasserfall über zwei Felsstufen in ein von Felsen eingefasstes Bassin in die Tiefe katapultiert. Der 17 Meilen lange Little River Canyon ist die gewaltigste Schlucht östlich der Rocky Mountains und ermöglicht herrliche Naturferien.

Die Russel Caves im Nordosten zählen auch zu den wichtigen Hinterlassenschaften des Staates. Vor etwa 9000 Jahren suchten die ersten Menschen darin Schutz vor Regen und Kälte. Bis vor 350 Jahren hielten sich auch diverse Indianerstämme regelmässig hier auf.

Neue Welt und Käferdenkmal

Das Museumsdorf Old Alabama Town ermöglicht einen Blick in die Vergangenheit. Zwei Dutzend Wohnhäuser, eine Arztpraxis und einige Geschäfte aus dem 19. Jahrhundert wurden hier detailgetreu aufgebaut und mit zeitgenössischen Möbeln eingerichtet um einen authentischen Einblick in den Alltag einfacher und wohlhabender Bürger zu geben. Die «Neue Welt»- Idee hat sich in Alabama bereits früh durchgesetzt. Die Hafenstadt Mobile wird auf Grund ihres Aussehens auch als «kleines New Orleans» beschrieben. Prächtige Antebellum-Villen, Gärten, ein Mardi-Gras Karnerval sowie französisch angehauchte Gebäude begeistern viele Besucher aus der ganzen Welt. In Decatur und Florence trifft man auf hingegen auf viktorianische Häuser und prunkvolle Herrenhäuser am Tennessee River.

Der Amerikanische Traum aber begann für viele in der kleinen Gemeinde Enterprise. Hier traut man seinen Augen kaum, wenn man die Main Street hinunterschlendert: Die Stadt hat dem Baumwollkapselkäfer ein riesiges Denkmal gewidmet! Der Schädling zerstörte 1915 die gesamte Ernte und viele Baumwollfelder von denen ganz Amerika abhängig war. Daraufhin bauten die Bewohner des Ortes eine neue, bis dato unbekannte und mit vielen Risiken verbundene Hülsenfrucht an, welche die USA für immer verändern sollte: die Erdnuss. Mit ihr wurde der Grundstein einer neuen Epoche der Food-Industrie gelegt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Gerry Cheevers am 02.08.2015 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Stranger...

    Einem Kumpel von mir passiert als er sich in Süden der USA verfahren hatte. Endlich mit dem Auto an einer Tankstelle angekommen und fragend wo er denn sei, erhielt er die Antwort: "Well, you just crossed the border to Alabama stranger, and we don't like strangers..."

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  • uelim am 02.08.2015 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war selber dort

    spannend, vor allem wenn man es persönlich erleben durfte!

  • Hanna am 04.08.2015 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1/2 Jahr Alabama.

    War ein halbes Jahr zum Englisch lernen in Alabama. Ich muss sagen die Dixie Mentalität und die Landschaft gefielen mir sehr gut. Doch als in der Kleinstadt plötzlich der KKK ein Kreuz erleuchteten war mir etwas mulmig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hanna am 04.08.2015 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1/2 Jahr Alabama.

    War ein halbes Jahr zum Englisch lernen in Alabama. Ich muss sagen die Dixie Mentalität und die Landschaft gefielen mir sehr gut. Doch als in der Kleinstadt plötzlich der KKK ein Kreuz erleuchteten war mir etwas mulmig.

  • Christian Duerig am 02.08.2015 22:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SKLAVEREI

    Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich möchte die Bewunderung für den Süden untermauern, indem ich auf die Videos auf YouTube hinweise, unter dem Titel: "Abraham and Mary Lincoln" aus der Serie "American Experience". Die Bilder und Landschaften sind wunderbar. Die Handlung sehr lehrreich. Vergessen Sie nie, dass diese Paläste dank der Sklaverei gebaut wurden.

    • h peters am 07.08.2015 14:53 Report Diesen Beitrag melden

      Katar et al.

      Na und? Was ist mit den Pyramiden? Alle früheren Hochkulturen basierten auf Sklaverei. Gut dass es das heute nicht mehr gibt! (Ironie)

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  • Dabble am 02.08.2015 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    25 Jahren in Amerika, 26 Jahren hier.

    New Jersey (Geboren), Philadelphia, Maine, West Virginia, Colorado, Idaho, Washington State, Oregon, und California. Mehrmals mit dem Auto durchgefahren. Mein Buddhist Vater war sehr Liberal und gegen Rassismus. Wir waren immer weit weit weg from the southern, white, nutheads! Aber..die sind überall :) Mein Bruder hat jezt ein Restaurant in New Orleans, alles ok, aber...the white social status makes him crazy. Alabama, Mississippi, Georgia usw...Keine Ahnung!!

    • L Price am 02.08.2015 21:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      CA the best!

      Ich lebe in CA und es ist definitiv der beste Staat!

    • Karl am 10.08.2015 15:04 Report Diesen Beitrag melden

      26 Jahre da und noch nicht angekommen

      Oder warum wird nicht alles in DEUTSCH geschrieben? Aber immerhin schon recht gut. Ich denke ich würde etwa gleich gut Englisch können nach 26 Jahren in den USA wie du Deutsch (Ironie).

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  • uelim am 02.08.2015 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    war selber dort

    spannend, vor allem wenn man es persönlich erleben durfte!

  • Gerry Cheevers am 02.08.2015 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Stranger...

    Einem Kumpel von mir passiert als er sich in Süden der USA verfahren hatte. Endlich mit dem Auto an einer Tankstelle angekommen und fragend wo er denn sei, erhielt er die Antwort: "Well, you just crossed the border to Alabama stranger, and we don't like strangers..."

    • Lima Xray am 02.08.2015 19:20 Report Diesen Beitrag melden

      Nur war das mit Sicherheit sarkastisch

      gemeint. Denn meine Erfahrung ist, dass die Leute im Süden sehr viel freundlicher und auch aufgeschlossener sind als die an der Ost und Westküste. Meine eigene Erfahrungen sind grossartig. Keine 10 Pferde bringen mich mehr nach NY oder CA.

    • uelim am 02.08.2015 20:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      vorurteil

      @ Lima Xray also ich war schon mehrfach in CA. man verpasst landschaftlich wahnsinnig viel, wenn man wegen vorurteilen nicht hingeht. und so, wie sie die leute beschreiben, sind sie absolut nicht, wir haben das pure gegenteil erfahren!!!!

    • Lima Xray am 02.08.2015 20:59 Report Diesen Beitrag melden

      uelim

      Achte auf die Betonung "bringen mich mehr". Ich war auch schon mehrmals in California. Overrated, sorry. Landschaftlich aber schon grossartig, das gilt aber für die meisten Südstaaten genauso.

    • Grunz am 02.08.2015 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      CA overrated?!

      Heutzutage ist es wohl cooler CA als overrated zu bezeichnen, statt deren wunderbare Vielfalt anzuerkennen. War bisher 2mal im Golden State - und es war jeweils fantastisch. Der Strand von Santa Monica, die Megacity L.A., das Surfer- und Nachtschwärmerparadies San Diego, die Bay Area mit San Francisco/Oakland/San José, der grüne Yosemite NP, die verschneiten Berge der Sierra Nevada, das Erholungsgebiet um den Lake Tahoe, die Mojave Wüste & das Death Valley, die zahlreichen Weinreben im Napa Valley...Reiser-Herz, was willst du mehr?!

    • 85. Bundesstaat am 02.08.2015 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @grunz

      200% wright!! Nur etwas günstiger dürfte alles sein aber die vielfallt für ein reiserherz ist unendlich! Werde mich morgen auf den weg in den nächsten "new us state" machen, kuba!! Da erwarte ich nicht diese offene vielfallt. Cheers...

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