Argentinien

30. Januar 2020 13:40; Akt: 30.01.2020 14:55 Print

Als Vegi im Land der Steak-Fanatiker

von Laura Hüttenmoser - Auf ihrer Reise besucht unsere Redaktorin ein Grill-Lokal nach dem anderen. Was isst eine Vegetarierin im Land des Fleisches?

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Rindfleisch ist in Argentinien eine Obsession, die Steaks gelten als die besten der Welt. Das Nationalgericht «Asado» ist Fleisch mit Fleisch. Und Fleisch. Beim traditionellen Barbecue werden diverse Arten (von Fleisch) über Holzkohle grilliert. Restaurants, die darauf spezialisiert sind, heissen «Parillas». Der Besuch einer solchen ist das Erste, was wir nach unserer Ankunft in Buenos Aires tun. Vorspeise auf argentinisch: Unsere lokalen Reiseleiter starten mit einer Chorizo-Wurst ins Vergnügen ... ... gefolgt von einem Steak. Der Vorteil als Vegi: Die Entscheidung fällt leicht und schnell. Von den fünf Hauptspeisen ist eine vegetarisch: Ein Salat mit Brie und getrockneten Tomaten. Ist gekauft! Am nächsten Tag steht ein interaktiver «Erlebnis-Znacht» auf dem Programm, bei dem wir argentinische Spezialitäten kennen lernen. Angefangen mit Empanadas. Die leckeren Teigtaschen können mit allem Möglichen gefüllt werden. Für die Gruppe gibts die traditionelle «Carne»-Variante, ich entscheide mich für «Napolitana», die Tomaten-Käse-Füllung. Als «Picada» (eine Nascherei zwischendurch, vergleichbar mit den spanischen Tapas) werden Chorizo-Wurst und geräuchertes Poulet gereicht und – hurra! – grillierter Provolone-Käse. Der Hauptgang ist ein 250 Gramm schweres Tenderloin-Steak mit Chimichurri, einer scharfen Kräutersauce. Die vegetarische Alternative: grillierter, mit Gemüse gefüllter Kürbis auf Mais. Schmeckt ausgezeichnet! Immerhin zum Dessert gibts in Argentinien kein Fleisch. Wir machen Alfajores, die typischen Kekse mit Dulce-de-leche-Füllung. Wahnsinnig süss und wahnsinnig gut! Wir beschliessen den Abend mit Mate-Tee und dem entsprechenden Ritual: Alle teilen sich das Trinkgefäss, zwischendurch giesst der Matero (der Mate-Verantwortliche) die yerba (Mate-Kräuter) immer wieder mit heissem Wasser auf. Ein neuer Tag, eine neue Fleischplatte. Argentinien und seine Küche sind stark von Italien beeinflusst, weshalb man überall eine gute Pasta bekommt. Der Grillmeister im Restaurant La Tablita in El Calafate vor seinem Asado. In Patagonien wird jedoch meist Lamm statt Rindfleisch dafür verwendet. Auch hier: wieder reichlich! Für mich: wieder Pasta. An drei Tagen sind wir mittags unterwegs und essen mitgebrachten Proviant. Ein vegetarisches Sandwich zu bekommen, ist nie ein Problem

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«Du gehst nach Argentinien und isst kein Fleisch?!» Meine Freunde lachten mich vor meiner Reise ein bisschen aus. Eigentlich ist es heutzutage kein Problem mehr, als Vegetarierin zu reisen. Es gibt mittlerweile überall ein grosses Angebot an fleischlosen Gerichten und spezialisierten Lokalen. Welche man besucht, kann man sich ja aussuchen. Ein Vegi würde zum Beispiel in Argentinien nicht unbedingt jeden Tag ins Grill-Restaurant. Nun, ich schon.

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Ich war auf einer Pressereise. Dabei werden Journalistinnen und Journalisten an eine Destination eingeladen, meist von einer Tourismusbehörde, die alle Aktivitäten organisiert. Dazu zählen auch die Mahlzeiten, üblicherweise in Restaurants mit landestypischer Küche. In Argentinien ist man besonders stolz auf das weltbekannte Rindfleisch, das als besonders zart und köstlich gilt. Klar, will man es den ausländischen Gästen bei jeder Gelegenheit präsentieren.

Fleisch zum Zmittag und Znacht

Und so kehren wir täglich in einer «Parrilla» (einem Grill-Restaurant) ein, wo entweder mehrere mit Fleisch gehäufte Platten serviert werden oder jeder ein eigenes Steak bekommt. Und die sind in Argentinien riesig, Beilagen hingegen eher sekundär. Meine Kolleginnen und Kollegen schwärmen in den höchsten Tönen vom zarten Lamm (in Patagonien), den saftigen Rindfleisch-Steaks, von den fettreichen Rippchen und würzigen Chorizos. Aber die Grösse der Portionen überfordert die meisten. Entweder unsere Gastgeber sind besonders grosszügig oder Argentinier sind es einfach gewohnt, mehr Fleisch zu essen als Schweizer.

So geht das jeden Tag, nach und nach setzt bei einigen Kollegen der Fleischkoller ein. Für das Lunchpaket am vierten Tag melden sich zwei weitere Personen, sie würden die fleischlose Variante bevorzugen. Beim Abendessen am fünften Tag kündigt die Kellnerin an, sie werde «einfach etwas bringen», unser Fotograf entgegnet präventiv: «Bitte auch noch etwas anderes als Fleisch, ich kann nicht mehr.» Eine andere Kollegin am Tisch scherzt: «Am Ende der Woche sind alle Vegetarier.»

So weit kam es zwar nicht, aber die tägliche Fleischmenge war für die meisten too much. Wie viel er gegessen habe, frage ich den Fotografen. «Keine Ahnung, so viel wie sonst in zwei Monaten?», schätzt er. Eine andere Kollegin sagt: «Im Gegensatz zu hier haben in der Schweiz auch die Beilagen einen gewissen Stellenwert. Daher sind wir es nicht gewohnt, so grosse Stücke Fleisch zu essen, und das mehrmals am Tag.»

Viva L'Italia!

Und wie erging es mir? Nun, ich musste weder hungern noch die ganze Woche lang Salat essen. Argentinien und seine Küche sind stark von italienischen Einwanderern geprägt. Und so habe ich sehr viel Pasta, Pizza und Gemüse verdrückt, was auch in Grill-Restaurants angeboten wird und ausgezeichnet schmeckt. Kurzum: Wer italienisches Essen mag (und wer tut das nicht?), hat in Argentinien kein Problem.

Und natürlich war diese Woche nicht repräsentativ. Individualreisende können schliesslich selbst entscheiden, wie viel Fleisch sie essen möchten, und gehen nicht jeden Tag in eine Parrilla. Zudem besteht in Buenos Aires ein grosses Angebot für Vegetarier und sogar Veganer. Idealerweise verurteilt man sich gegenseitig nicht für seine persönliche Entscheidung, sondern kommt zu einem Mate-Tee oder Glas Malbec zusammen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • busa am 30.01.2020 14:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geil Fleisch

    Da muss ich hin!!

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  • IL62 am 30.01.2020 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Argentina me gusto mucho

    Es geht doch nichts über ein Argentisches Asado! Fleisch in allen Varianten bis zum abwinken. Zudem das ganze in top Qualität.

  • M.Bolliger am 30.01.2020 14:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nie zu viel...

    nun ja... jedem das seine. Für mich persönlich gilt ausgewogen.....von allem nie zuviel.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Petro am 26.02.2020 13:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lausige Qualität

    Ich war vor einem Jahr in Argentinien. Viel Fleisch und kein Geschmack und keine Qualität. Bei uns kriegt man in der Beiz um die Ecke bessere Qualität. Es ist wie bei uns, der beste Käse geht in den Export, in Argentinien geht das beste Fleisch in den Export. Die Arteninier können sich das gute Fleisch nicht mehr leisten

  • Neumann am 25.02.2020 22:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neei

    Spinner! Viel Vergnügen bei deinen Rüben. Kopfschüttel.

  • Heidi Heidnisch am 23.02.2020 09:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kebab mit Nan

    In Nordiran gibt es praktisch kein Gemüse. Auf meiner Fahrt Richtung Indien musste ich als (damals) Vegetarierin mit Kebab & Nan oder Kebab & Rice klar kommen. Mehrere Tage lang gab es somit nur Reis mit Butter, Zwiebelschnitten aus der Türkei und Tangerinen aus Pakistan. Entnervt wollte ich mir etwas Gutes tun und betrat ein sehr teuer wirkendes Hotel. Die Speisekarte war fast so gross wie ich selber. Zwei Menüs gab es: 1. Kebab mit Reis/Nan, 2. Irish Stew (!), fleischlos nicht möglich.

  • Rusty Bloom am 23.02.2020 00:19 Report Diesen Beitrag melden

    Stadteier

    Veganer sind keine Menschen. Sie glauben mir nicht? Dann schlagen Sie den Duden auf. Da heisst es unter dem Begriff, Mensch, ist ein Allesfresser. Ansonsten isst die Vegetarierin womöglich aber einfach das, was ein Vegetarier auch isst. Noch nie was von Rüebli gehört?

  • Hugo am 17.02.2020 09:46 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdige Veganerinnen

    Es geht ja auch kein Fleischesser ins Hiltel und bestellt dort ein Entrecôte.