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Stadt und Land

16. März 2016 14:22; Akt: 16.03.2016 14:22 Print

Bunter Roadtrip durchs Baltikum

von Marlies Seifert - Estland und Lettland bieten einen kontrastreichen Mix aus lebhaften Städten und fast unberührter Natur.

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Blick über Tallinn. Mit zwei Kilometern erhaltener Stadtmauer und den dazugehörigen Wachttürmen kann Estlands Hauptstadt mit einer der besterhaltenen mittelalterlichen Befestigungsanlagen in Europa aufwarten. In bester Mittelalter-Manier verkündet ein Marktschreier das Menü des Restaurants Olde Hansa. Peke Eloranta will den estnischen Wein vorwärtsbringen. Vor rund 100 Jahren gründeten Arnold Lüscher und Paul Matiesen in Tallinn einen Wein- und Spirituosenhandel. Sie importierten auch Cognac. Weil der Begriff geschützt war, verkauften sie ihn aber als «Cangoc». Schon damals regierte in Estland der Innovationsgeist. Das Viru Hotel in Tallinn galt als eine der schicksten Adressen in der Sowjetunion. Internationale Gäste wie Neil Armstrong und Elizabeth Taylor wurden jedoch gnadenlos ausspioniert. Davon zeugt die KGB-Überwachungszentrale im 23. Stock des Hochhauses, welche heute als Museum dient. Das Viru-Hochmoor im Lahemaa-Nationalpark verströmt nur 70 Kilometer von Tallinn entfernt eine beinahe meditative Ruhe. Holzstege führen an üppigem Grün und tiefblauen Wasserflächen vorbei. Dank speziellen Moorschuhen kann man sich auf dem saftigen Untergrund bewegen, ohne einzusacken. Bei einer fünf- bis sechsstündigen Tour mit Urmas Veersalu erfährt man alles über die Flora und Fauna des einzigartigen Ökosystems. Nahe dem Lahemaa-Nationalpark hat Sirje Kuusik eine Oase der Ruhe geschaffen. Übernachtet wird im kuschligen Holzhaus mit eigener Sauna. Auf dem Anwesen mitten im Wald gibt sie Kochkurse und verrät unter anderem, wie man traditionelles estnisches Brot herstellt. Hausmannskost vom Feinsten. Dank frischen Kräutern aus dem eigenen Garten und einer grossen Portion Liebe schmecken auch die einfachsten Gerichte - etwa Rindereintopf mit Pellkartoffeln - einfach nur köstlich. Besonders finnische Gäste erholen sich gerne für ein Wochenende in den estnischen Ostseebädern. Eines der bekanntesten ist Pärnu, das mit der Ammende Villa über ein echtes Hotel-Bijou mit Charakter verfügt. Wellnessfreunde quartieren sich am besten im Hedon Spa & Hotel direkt am Strand ein. Auf ihrem Weg von den Fluss-Laichplätzen zurück ins Meer werden die Neunaugen von Aleksandrs Rozensteins abgefangen. Die aalähnlichen Wirbeltiere leben als Parasiten im Meer und heften sich dort wie ein Saugnapf an andere Fische, denen sie das Blut abzapfen. Klingt schrecklich, schmeckt frittiert und mit einem Schluck Wodka aber gar nicht so schlecht. In Rigas In-Restaurant 3 Pavaru tunkt man die sorgfältig angerichteten Saucen direkt von der Tischplatte. Auch das ist Erlebnisgastronomie. Koch Martins Sirmais auf dem riesigen Zentralmarkt in Lettlands Hauptstadt Riga. Bei einer geführten Velotour durch Riga düst man an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei und erhält über einen Kopfhörer Infos zur Geschichte und Jugendstil-Architektur der Stadt - auf Wunsch auch von einem deutschsprachigen Guide. Feines Tuch: Bei Ars Tela in Riga ... ... werden die Textilien noch nach alter Tradition von Hand gewoben. Roga wird vermehrt zum Hipster-Hotspot. Entlang der Miera Iela (Friedensstrasse) findet man coole Cafés, szenige Galerien und ausgefallene Boutiquen.

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«Wir wollen den nördlichsten Pinot noir der Welt produzieren», platzt es aus Peke Eloranta heraus. Der Finne führt mit ansteckendem Enthusiasmus durch die Weinhandlung, die vor rund 100 Jahren vom Schweizer Arnold Lüscher und dem Esten Paul Matiesen gegründet wurde. Noch erinnert sein Tropfen von der Ostseeinsel Muhu eher an Essig.

Elorantas Pläne zeigen jedoch den in Tallinn allgegenwärtigen Innovationsgeist, mit dem die Sowjetvergangenheit überwunden wird: In den mittelalterlichen Gemäuern haben sich hippe Bars eingenistet, die Pale Ale aus lokalen Mikrobrauereien servieren. Eine vom KGB rege genutzte Kommunikationszentrale wurde zum Luxushotel Telegraaf. Kostenloses Internet ist in Estland ein Grundrecht, die Start-up-Szene blüht.

Frittiertes Neunauge versus Szene-Restaurant

Im Gegensatz zu den wuselnden Gassen der Hauptstadt verströmt das Viru-Hochmoor eine beinahe meditative Ruhe. Holzstege führen an üppigem Grün und tiefblauen Wasserflächen vorbei. Wir befinden uns im Lahemaa-Nationalpark, in dessen Weiten sich neben Bären, Luchsen und Elchen auch seltene Wölfe und Adler tummeln. Dank speziellen Moorschuhen, die ähnlich wie Schneeschuhe funktionieren, kann man auch abseits der vorgegebenen Wege über den saftigen Untergrund schreiten, ohne einzusacken.

Auf der von dichten Nadelwäldern gesäumten Strasse geht es Richtung Lettland. Im Küstenort Salacgriva, nahe der Grenze liefert Aleksandrs Rozensteins Einblicke in sein Handwerk. Der russischstämmige Lette fischt Neunaugen. Dazu baut er jeden Frühling einen 150 Meter langen Fangzaun. Die 70 Reusen leert er von Hand. Ein Knochenjob. Von September bis November erntet Rozensteins mit Unterstützung von Helfern bis zu einer Tonne Neunaugen pro Nacht und verkauft sie an Grosskunden, welche sie weiterverarbeiten. In Gelee eingelegt, gelten die Parasiten als Delikatesse. Vor Ort werden die aalähnlichen Wirbeltiere frittiert und von den Besuchern mit einem kräftigen Schluck Wodka runtergespült.

«Alles bio und unbehandelt»

Erlebnisgastronomie der anderen Art bietet Rigas Top-Restaurant 3 Pavaru, in dem sorgfältig angerichtete Saucen direkt von der Tischplatte getunkt werden. Koch Martins Sirmais führt durch den in riesigen Luftschiffhallen beheimateten Zentralmarkt. «Alles bio und unbehandelt», sagt er mit schelmischem Blick auf das Gemüse. «Wir lassen die Pflanzen unkontrolliert wachsen. Denn wir Letten sind faul.» Gut, hat das der Fischer nicht gehört.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dani am 17.03.2016 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheimtipp

    Als häufiger Besucher von Estland kann ich dieses wunderschöne Land jedem empfehlen, der unberührte Natur, Ruhe und ehrliche Gastfreundschaft sucht.

  • David am 16.03.2016 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tere und Labas

    Heute gab es in Riga einen Marsch der SS-Veteranen und jungen "Nachfolgern". Wird hier leider nicht erwähnt. Ansonsten sind Riga und besonders Tallinn schöne interessante Städte. Die Natur ist in Estland um einiges besser. Bereise sehr oft beide Länder geschäftlich.

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  • Dani am 17.03.2016 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geheimtipp

    Als häufiger Besucher von Estland kann ich dieses wunderschöne Land jedem empfehlen, der unberührte Natur, Ruhe und ehrliche Gastfreundschaft sucht.

  • David am 16.03.2016 22:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tere und Labas

    Heute gab es in Riga einen Marsch der SS-Veteranen und jungen "Nachfolgern". Wird hier leider nicht erwähnt. Ansonsten sind Riga und besonders Tallinn schöne interessante Städte. Die Natur ist in Estland um einiges besser. Bereise sehr oft beide Länder geschäftlich.