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Carlo Drechsel

14. November 2018 16:20; Akt: 14.11.2018 16:20 Print

Er surft dort, wo sich niemand hintraut

von Laura Hüttenmoser - Seine Suche nach den letzten unentdeckten Wellen führte Carlo Drechsel durch 25 Länder in Afrika. 20 Minuten hat mit ihm über seinen Roadtrip gesprochen.

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Der deutsche Surfer Carlo Drechsel reiste von Oktober 2014 bis Mai 2016 auf der Suche nach den besten Surfspots die afrikanische Westküste entlang. Drechsels Route. Seine Eltern fuhren in den 80ern oft mit dem VW-Bus nach Nordspanien in die Ferien, wo Carlo seine Leidenschaft für den Sport entdeckte. Mittlerweile lebt er ganz in der Nähe des damaligen Ortes, in Santander. Unweit der vermeintlich besten Welle der Welt – in Donkey Bay, Namibia. Den besten Surfspot auf seiner Route zu nennen, fällt ihm schwer. «Wellentechnisch wahrscheinlich Angola, aber mit allem drumherum: Ghana.» Auch wenn es nur 10 Leute waren, er habe in jedem Land eine Surf-Community angetroffen: «Das entwickelt sich gerade, die ganze Westküste Afrikas ist in einer Aufbruchstimmung.» Sein Jeep hat die Reise überstanden, «doch alles war einmal kaputt, was kaputt sein konnte», sagt der Abenteurer. In Mali hat ihn besonders die grosse Moschee von Djenné beeindruckt, das grösste sakrale Lehmgebäude und eines der berühmtesten Bauwerke Afrikas. «Auch die Stadt rundherum ist aus Lehm gebaut, mindestens so eindrucksvoll wie Machu Picchu», schwärmt Drechsel. Ein Kind mit selbstgebautem Board in Angola. Mit seinem Englisch, Spanisch, (vor Ort gelernten) Französisch und rudimentärem Portugiesisch kam der Deutsche gut durch: «Es gibt in jedem Dorf mindestens eine Person, die fliessend eine europäische Sprache spricht.» «Ich bin jeweils ins nächste Dorf gefahren und habe die Menschen gefragt, ob ich da schlafen kann. Am besten zum Pfarrer oder einer angesehenen Familie. Wenn die sagen, dass das kein Problem ist, ist man in der Regel auch sicher, weil die Menschen für einen bürgen. Das funktioniert eigentlich immer und gehört zum höflichen Ton», erzählt er. Serpentinen am Gebirgszug Serra de Leba in Angola. Eine Brücke in der Demokratischen Republik Kongo. Fischerboote an der Goldküste in Cape Coast, Ghanas ehemaliger Hauptstadt.

Fehler gesehen?

25 Länder, 542 Tage, 60'000 Kilometer: Carlo Drechsel (31) hat einen unglaublichen Roadtrip durch Westafrika hinter sich. In seinem Jeep bereiste der deutsche Surfer und Fotograf die Küste von Marokko bis Südafrika auf der Suche nach den besten Wellen.

Was waren deine Beweggründe für die Reise?
Surfen ist mittlerweile so verbreitet, von Hawaii bis Indonesien – überall sind die Küsten erforscht. Aber wir kennen alle niemanden, der im Kongo war. Und das, obwohl sich die meisten westafrikanischen Länder hervorragend zum Surfen eignen. An diesem Küstenabschnitt finden sich die letzten unentdeckten Wellen, was die Sache für einen Surfer wie mich natürlich sehr interessant macht.

Wie bist du umhergereist und wo hast du übernachtet?
Ich habe meinen Jeep ganz sporadisch ausgebaut: die Rückbank umgelegt, Spanplatte und Matratze darauf, ein Moskitonetz reingehängt – das wars. 90 Prozent der Tage habe ich im Auto geschlafen und sonst mehrheitlich Couchsurfing gemacht. Das funktioniert eigentlich in jeder grösseren Stadt Afrikas und ist super, um Leute kennenzulernen.

Wie hast du die Reise finanziert?
Ich habe etwa drei, vier Jahre lang gespart und davon unterwegs lange gezehrt. Aber mein Lifestyle war sehr einfach: Im Auto schlafen, an Strassenständen essen oder selber kochen – das kostete maximal ein paar Euro am Tag. Das Teuerste war immer das Benzin fürs Auto.


Am 26.11. stellt Carlo Drechsel sein Buch «Insight Afrika» im Volkshaus Zürich vor. (Video: Carlo Drechsel)

Welches Land hat dich am meisten überrascht?
Mali! Ich hatte das Land überhaupt nicht auf dem Schirm und als hochgradig gefährlich eingestuft. In den Medien las man jedoch nicht, dass Mali eigentlich zwei Seiten hat: Den unruhigen Norden, wo tatsächlich kriegsähnliche Zustände herrschen, und einen extrem entspannten, liberalen Süden. Es ist ein tolles Land mit wunderschönen Gebäuden, begnadeten Musikern, Tänzern, einer lebhaften Hauptstadt. Da hatte ich vorher ein ganz anderes Bild im Kopf.

Gab es Situationen, in denen du Angst gehabt hast oder ernsthaft in Gefahr warst?
Nein. Man muss sich das mal vorstellen: Ich war eineinhalb Jahre in Afrika unterwegs, habe immer im Auto geschlafen, eigentlich eine total verwundbare Situation: Man liegt da allein, umgeben von Fenstern, durch die man von draussen reingucken kann – und das teilweise in Grossstädten. Ich wurde kein einziges Mal beklaut, geschlagen oder bedroht. Auf der anderen Seite muss ich sagen, dass ein mir bekannter Reisender in Nigeria erschossen wurde. Er hat in einer der gefährlichsten Regionen wild gecampt, ohne irgendjemanden zu informieren, ein totales No-Go. Man weiss nicht, warum er das gemacht hat. Aber mir persönlich ist nichts passiert, nicht ein Mal.

Hast du viele andere Reisende unterwegs getroffen?
Äusserst selten. Sobald man aus Marokko raus ist, gibt es kaum Individualreisende.

Wie haben die Leute auf dich reagiert?
Die Leute waren sehr neugierig, was der Typ mit den langen Zottelhaaren, dem Monsterbart und den fünf Surfbrettern auf dem Dach hier macht. Den meisten Afrikanern ist bewusst, dass das Bild von ihrem Land im Ausland nicht so gut ist. Umso mehr freut es die Menschen, wenn jemand vorbeikommt und sich das Ganze anguckt. Entsprechend viel Zeit nehmen sie sich für einen und interagieren gern. Das erlebt man nicht mehr an vielen Orten auf der Welt.

Vor deiner Abreise, verglichen mit jetzt: Wie hat sich dein Afrika-Bild verändert?
Vorher verband ich ein bedrohliches, ungewisses Gefühl mit dem Kontinent. Daraus ist ein positives geworden. Die meisten Länder sind viel besser entwickelt, als man sich das in Europa so vorstellt oder uns die Medien glauben lassen. Ich habe ganz normal auf der Strasse gegessen, viel aus Wasserhähnen getrunken und hatte nie Probleme. Die ganzen Sorgen, die ich mir vor der Abreise machte, waren am Ende völlig unbegründet.

War eine Rückkehr in ein geregeltes, bürgerliches Leben noch denkbar für dich?
Es hat jetzt zwei Jahre gedauert, bis ich wieder einen festen Wohnsitz hatte. In der Zwischenzeit war ich zweimal in Afrika, es zieht mich auch die ganze Zeit zurück. Ich bin immer noch relativ viel auf dem Sprung und eher dankbar dafür, wenn ich mal eine ruhige Woche im Home-Office habe.

Was sagst du Leuten, die so etwas auch gerne machen würden, aber Angst haben vor der Lücke im Lebenslauf oder in der Altersvorsorge?
So eine Reise ist absolut keine Lücke, sondern eine Bereicherung. Ich glaube nicht, dass es einem negativ ausgelegt wird, man lernt so viel und kommt an seine Grenzen. Jeder hat ja seine eigenen Visionen und Träume, an die er sich vielleicht nicht herantraut. Die Situation wird nie die perfekte sein, man muss einfach irgendwann loslegen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • MARIO P. SVEN. am 14.11.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ABENTEURER CARLO DRECHSEL.

    Solche Leute wie Carlo Drechsel bewundere ich sehr. Immer wieder gibt es solche Abenteurer, die mutig und risikoreich in die weite Welt hinausgehen und somit ihren Traum verwirklichen! So ein Trip verlangt einiges ab -- von einer stabilen Psyche bis hin zu einer körperlichen Top-Verfassung... Hut ab, vor solchen Menschen, die Abenteuerlust verspüren. Und wenn das Ganze noch ohne Zwischenfälle, wie bei Surfer Drechsel, über die Bühne geht...Toll & Glück gehabt.

  • crooker am 14.11.2018 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    surfing

    cooler typ mit einer coolen idee!

  • Eisbär am 14.11.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Abenteurer

    Toll gibt es noch Weltenbummler wie ihn. Ein richtiger Abenteurer mit grossem Interesse an Land und Leuten. Grossartig auch, dass er sich alles selbst finanziert und organisiert hat. 100% Individualist. Grossartig Leo! Good Luck für Deine weiteren (Surf) Projekte.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ch.Ch am 14.11.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Achtung

    1986 bis 1988 bin ich mit meinem Töff rund um den Afrkanischen Kontinent gefahren. Damals war es noch nicht so risikoreich wie Heute. Ich habe grosse Achtung von solchen Leuten wo ihr Traum realisieren und trotz allem solche Reisen noch Heute wagen.

  • MARIO P. SVEN. am 14.11.2018 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ABENTEURER CARLO DRECHSEL.

    Solche Leute wie Carlo Drechsel bewundere ich sehr. Immer wieder gibt es solche Abenteurer, die mutig und risikoreich in die weite Welt hinausgehen und somit ihren Traum verwirklichen! So ein Trip verlangt einiges ab -- von einer stabilen Psyche bis hin zu einer körperlichen Top-Verfassung... Hut ab, vor solchen Menschen, die Abenteuerlust verspüren. Und wenn das Ganze noch ohne Zwischenfälle, wie bei Surfer Drechsel, über die Bühne geht...Toll & Glück gehabt.

  • Eisbär am 14.11.2018 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Abenteurer

    Toll gibt es noch Weltenbummler wie ihn. Ein richtiger Abenteurer mit grossem Interesse an Land und Leuten. Grossartig auch, dass er sich alles selbst finanziert und organisiert hat. 100% Individualist. Grossartig Leo! Good Luck für Deine weiteren (Surf) Projekte.

  • crooker am 14.11.2018 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    surfing

    cooler typ mit einer coolen idee!

  • R. Ülps am 14.11.2018 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Sache

    wenn man die Zeit und das Geld dazu hat.

    • Petar am 14.11.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R. Ülps

      Was ist Zeit? Schlussendlich sind wir am schluss alle gleich weit egal was du gemacht hast im Leben. Manchmal zählt einfach der Augenblick.

    • MB am 14.11.2018 18:08 Report Diesen Beitrag melden

      Just do it!

      Sorry, Du hast seine Message definitiv nicht verstanden.

    • hugl am 14.11.2018 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R. Ülps

      Zeit hat man ein Leben lang, man muss sie sich nur nehmen. Erscheint einem in unserer überversicherten Schweiz halt oft zu riskannt, ist aber gar nicht mal so schwierig! Das Geld lässt sich als alleinstehender ohne Kinder mit 100% Arbeitspensum gut sparen. In der Schweiz haben wir es definitiv selber in der Hand!

    • K. Laps am 14.11.2018 18:39 Report Diesen Beitrag melden

      Prioritäten, Prioritäten, Prioritäten

      Man muss "nur" Prioritäten setzen und auf ein paar Annehmlichkeiten verzichten. Reis ist billig, man rülpst nicht davon und mit europäischem Geld lässt sich lange davon leben.

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