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Geheimtipp Procida

05. Juni 2019 16:32; Akt: 05.06.2019 16:32 Print

Die verträumteste Insel Italiens

von Laura Hüttenmoser - Auf Procida im Golf von Neapel gibt es riesige Zitronen, frische Vongole und kaum Touristen.

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Benvenuto a Procida! Der Fischerhafen Marina di Corricella ist ein Patchwork aus Pastell. Man sagt, dass die Fassaden der Häuser darum so bunt sind, damit die Fischer ihr Haus schon vom Meer aus erkennen. Tatsächlich leben immer noch viele Familien vom Fischfang. Der Tourismus ist hingegen kaum entwickelt. Frühmorgens kehren die Fischer mit ihrem Fang zum Hafen zurück und flicken tagsüber ihre Netze. Spaghetti alle vongole, Meeresfrüchte und frischer Fisch stehen daher auf der Speisekarte jedes Lokals auf der Insel. Procida liegt im Golf von Neapel und ist ausschliesslich per Schiff zu erreichen. Die Fahrt ab Neapel dauert etwa 40 Minuten, es gibt täglich mehrere Verbindungen. Ciao Vesuvio! Die Passagierschiffe fahren im Haupthafen Marina Grande ein. An der Promenade gibt es einige Zeitungskioske, kleine Läden und Restaurants. Die Einwohner treffen sich auf einen Schwatz und caffè ... ... oder zelebrieren ein ausgedehntes Mittagessen auch mal mitten auf dem Hauptplatz am Hafen. Procida ist Italien wie aus dem Bilderbuch. Dreirädrige Piaggo-Transporter säumen die engen Gassen, die Wäsche trocknet an der Sonne ... ... und Kinder bessern ihr Sackgeld mit dem Verkauf von selbstgemachter Zitronenlimonade auf. Procida ist bekannt für seine phänomenalen Zitronen. Eines dieser Prachtsexemplare ... ... hat die Grösse eines Handballs und wiegt locker ein Kilo. Überall auf der Insel blühen Orangen- und Zitronenbäume. Ein typisches lokales Produkt ist der Fogliolì, ein Likör aus Zitronenblättern. Ein Spaziergang durch die Gassen von Procida führt an Liebesbotschaften vorbei, ... ... an Verkündigungen von neuem Nachwuchs, ... ... bescheidenen Hotels, ... ... bevor man über einen kakteengesäumten Weg, ... ... einen Felsen hinab zum Meer steigt. Ende April ist am Strand Chiaiolella noch kaum etwas los. Einige Kinder spielen Fussball oder liegen faul in der Sonne. Dafür herrscht geschäftiges Treiben im Restaurant Girone, das direkt am Strand liegt und köstliche Pizza ab 3.50 Euro serviert. Von der Spiaggia gehts zum Aussichtspunkt ... Blick über die Bucht bis zum Fischerhafen Marina di Corricella. Inselidylle vom Feinsten. Es überrascht nicht, dass Procida schon einige Male als Filmkulisse gedient hat. Unter anderem für ... ... «Der talentierte Mr. Ripley» (1999) mit Matt Damon, Jude Law und Gwyneth Paltrow. Weit bekannter ist Procida allerdings für den Film «Der Postmann» («Il Postino» im Original) von 1994. Der chilenische Dichter Pablo Naruda wird auf die italienische Insel verbannt, freundet sich mit dem lokalen Pöstler Mario Ruoppolo an und führt diesen in die magische Welt der Poesie ein. Procida ist ein ideales Reiseziel für jene, die Italien abseits der Touristenströme entdecken wollen und keine organisierte Unterhaltung benötigen. Ruhe, Genuss und Dolcefarniente stehen hier im Vordergrund.

Fehler gesehen?

Rührender kann man die Schönheit der Insel nicht beschreiben, als es der schüchterne Fischer Mario Ruoppolo im Filmklassiker «Der Postmann» getan hat. Da er sie nicht in Worte fassen kann, sammelt er Geräusche für eine Tonaufnahme an seinen Freund im Ausland. «Nummer eins: Die Wellen am Fusse der Bucht ... Nummer fünf: die traurigen Netze meines Vaters ... Nummer sieben: der Sternenhimmel ...»

Der Name dieser Insel ist Procida, sie liegt im Golf von Neapel und wirkt heute noch so idyllisch und verschlafen wie bei Erscheinen des Films im Jahr 1994. Die meisten Besucher entscheiden sich für eine der bekannten Schwesterinseln Capri oder Ischia und lassen Procida links liegen. Unbegreiflich, aber für die Insel ein Glück: Sie ist vom Massentourismus verschont geblieben, grosse Hotelanlagen oder ein touristisches Angebot findet man hier nicht. Procida konnte sich ihre Ursprünglichkeit bewahren und ist immer noch ein Geheimtipp – selbst unter Italienern.

Italien wie im Bilderbuch

Ein Spaziergang über die vier Quadratkilometer kleine Insel fühlt sich an, als betrete man eine dreidimensionale Postkarte: Am Hafen sitzen die lokalen Fischer beisammen, flicken ihre Netze oder spielen Karten. Vor den Fenstern hängt die Wäsche zum Trocknen, Katzen liegen faul in der Mittagssonne und junge Mädchen verkaufen selbstgemachte Limonade am Strassenrand.

Allzu gedankenverloren sollte man jedoch nicht umherschlendern, denn in einem Punkt unterscheidet sich auch Procida nicht vom Rest Italiens: In vollem Garacho flitzen die Einwohner mit ihren Vespas und Autos durch die schmalen Gassen. Der Platz der Passanten ist in einer Einerreihe entlang der Hausmauer oder – wenn sich ein Fahrzeug durchdrängt, das breiter ist als ein Piaggo-Transporter, – in einem Hauseingang.

Süsses Inselleben

Zwischen Kakteen führt eine schmale Treppe über einen Felsen hinunter zum Strand. Das Meer ist im April noch ziemlich kühl, einige wagemutige Bambini stürzen sich schon kreischend in die Wellen, andere spielen am Strand Fussball. Ihre Eltern tauschen auf den Liegestühlen den neusten Klatsch aus und holen Snacks aus den Kühltruhen. Direkt am Strand liegt das Restaurant Girone, ein herrlicher Ort, laut und brechend voll mit Italienern. Zwischen Zitronensalat, lokalen Meeresfrüchten oder einer Pizza für 4 Euro staunt man, dass es so einen Ort in Italien noch gibt.

Procida liegt im Golf von Neapel:

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Trollino am 05.06.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Naja... das mit den Touristen...

    ...wird sich wohl bald ändern, wenn noch mehr solche Artikel kommen... und nach ein Paar Jahren ist dann Hurghada wieder ein Geheimtipp :-)

  • Paul Minder am 05.06.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ist genau so

    War dort. War schön!

  • Sulejka am 05.06.2019 16:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traumhaft schön und einfach

    Das würde mir gefallen, bloss ist es für unser Alter etwas zu weit entfernt, aber sonst traumhaft, so ohne Tourismus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Iwy vom Berg am 06.06.2019 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Da will ich bald mal hin!

    Allein die Architektur verspricht einen romantischen Aufenthalt und wenn ich an Vongole und ebenso Zitronen denke läuft mir das Wasser im Mund zusammen. Danke für den Tipp!

  • Ed am 05.06.2019 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nix da

    Nie mehr italien.. überteuert, infrastruktur aus den 80ern und strände mit militärischer liegenordung. Das alles passt nicht mehr in unsere zeit. Aber kultur land und leute sind ok..

  • La Rossa am 05.06.2019 17:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Traum

    War vor zwei Jahren dort und es war ein Traum. Fast hätte ich gedacht ,dass ich in Cuba bin,wegen den bunten Häusern.

  • Trollino am 05.06.2019 17:07 Report Diesen Beitrag melden

    Naja... das mit den Touristen...

    ...wird sich wohl bald ändern, wenn noch mehr solche Artikel kommen... und nach ein Paar Jahren ist dann Hurghada wieder ein Geheimtipp :-)

  • Paul Minder am 05.06.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ist genau so

    War dort. War schön!