Digital Slomads

05. März 2020 20:38; Akt: 05.03.2020 20:38 Print

Digitale Nomaden sind nun langsamer unterwegs

von G. Alvarez-Hummel - Arbeiten und um die Welt reisen: ein Traum. Doch Digitale Nomaden berichten von Überdruss. Die Lösung: länger an einem Ort bleiben.

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Das böse Teufelchen, das einem auf der Schulter hockt, reibt sich ein wenig die Händchen, wenn es von überdrüssigen digitalen Nomaden hört: Hab ich mir doch gleich gedacht, dass dieses digitale Nomadentum nicht nachhaltig sein kann! Reisen und gleichzeitig arbeiten, das geht doch nicht.

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Arbeiten und die Welt sehen – wäre das digitale Nomadentum etwas für Sie?

Die Sehnsucht nach ortsunabhängigem Arbeiten

Dass es geht, beweisen immer mehr digitale Nomadinnen weltweit. Sie sind Freelancer, Selbstständige und Angestellte, die ortsunabhängig arbeiten und meist nicht mehr dazu brauchen als einen funktionierenden Laptop und eine Internetverbindung. Digitales Nomadentum ist ein Trend, eine Sehnsucht vieler junger Leute nach Freiheit und Unabhängigkeit. Die Coworking-Spaces in Bali und Thailand sind voll, Cafés in den grossen Städten der Welt beherbergen täglich Zigtausende von arbeitenden Nomadinnen.

Nun, da die Nomaden-Welle seit vielleicht fünf Jahren stark anwächst, werden die ersten Stimmen des Überdrusses hörbar — nämlich von jenen, die bereits seit ein paar Jahren unterwegs sind. Sie berichten davon, ausgelaugt zu sein, neue Orte nicht mehr richtig wertschätzen zu können, und von gelegentlich gefühlter Einsamkeit. Kein Wunder, wenn man ständig unterwegs ist.

Langsam unterwegs

Viele der langjährigen Nomadinnen sind dazu übergegangen, mehr Struktur in ihr ortsunabhängiges Leben zu bringen. Die dadurch neu eröffnete Schublade heisst: Digital Slomads. Sie sind digitale Nomaden, die zwar durchaus unterwegs sind, aber bloss noch ganz langsam und ausgewählt. Sie reisen nicht mehr alle paar Wochen weiter, sondern vielleicht noch einmal pro Quartal. Eine Nomadin in einer einschlägigen Facebook-Gruppe berichtet: «Ich wechsle nur noch das Land, wenn mein Visum ausläuft.» Andere suchen sich Housesitting-Möglichkeiten und bleiben so lange, wie das Haus frei ist. Das, oder sie richten sich an einem Lieblingsort ein Zuhause ein, eine sogenannte Homebase, in die sie regelmässig zurückkehren und die sie bei Abwesenheit vermieten.

So können Digital Slomads all die Dinge tun, die ortsgebundene Menschen auch tun, und dabei die Nachteile des digitalen Nomadentums umgehen: ein Fitnessabo anschaffen, sich mit der Nachbarschaft bekannt machen, Freundinnen finden, ein Lieblingscafé aussuchen, Kurse absolvieren, eine Kultur richtig kennenlernen. Hinzu kommt, dass Langzeitmieten (auch auf Airbnb) im Schnitt sehr viel günstiger sind, als wenn man bloss ein paar Tage oder Wochen bleibt.

Gut für die Umwelt

Einen weiteren grossen Vorteil birgt das langsame Unterwegssein ausserdem: Es ist umweltfreundlicher. In Zeiten der Klimakrise sollte jeder darüber nachdenken, seine Flugreisen zu reduzieren. Weniger ist in diesem Fall mehr. Digitale Nomadinnen haben zudem die Freiheit, ihr Büro stets im Rucksack mit sich herumzutragen. Das heisst, sie können auch problemlos längere Zug- oder Busreisen auf sich nehmen, um die nächste Destination aufzusuchen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sarah am 05.03.2020 20:49 Report Diesen Beitrag melden

    Die meisten arbeiten illegal

    Sie erbringen ihre Arbeit im jeweiligen Land und dies in den aller meisten Fällen ohne Arbeitserlaubnis sondern nur mit Touristenstatus. Wer erwischt wird bekommt je nach Land hohe Bussen und Strafen und wird meist ausgewiesen und mit einer Einreisesperre belegt. In Australien sollte man z.B. nicht auf die Idee kommen dies zu tun ohne Arbeitsbewilligung. Dabei spielt es keine Rolle wo der Auftraggeber sitzt.

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  • Geniesser am 05.03.2020 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dauernd auf der Flucht sein?

    Was für eine schreckliche Vorstellung zu leben! Ich wohne wunderschön am Waldrand mit Aussicht und liebe es zuhause, ja, ZUHAUSE zu sein.

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  • Fra ge am 05.03.2020 21:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtens?

    haben die denn alle ein Arbeitsvisum und eine Arbeitsbewilligung?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Lokaler Arbeitender am 11.03.2020 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vision einer fragwürdigen Zukunft

    Digitale Nomaden? Oder eher: sieht so der Wanderarbeiter der Zukunft aus, ständig auf Achse, ohne Zuhause, im Grunde asozial und verfügbar, ferngesteuert und heimatlos? Oder ist dieses anonyme Wesen vielleicht nur eine digitale Made im analogen Speck? Besonders dann, wenn keine lokal gültige Arbeitserlaubnis vorhanden ist, erscheint mir solches Treiben fragwürdig. Die Zeit wird es wohl weisen.

  • Nick am 11.03.2020 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Nur Reisen bildet nicht

    Wer mit dem Laptop in einem Café sitzt und arbeitet, lernt die Kultur des jeweiligen Landes nicht kennen. Das mit dem Kultur-Kennen-Lernen der Nomaden ist eine Schutzbehauptung zur Rechtfertigung der schädlichen Reiserei. Und wo bezahlen sie Steuern?

  • Umweltbeauftragter am 11.03.2020 09:23 Report Diesen Beitrag melden

    Vor Ort bleiben

    Wirklich umweltschonend ist nur, wenn man ständig am selben Ort arbeitet. Alle paar Monate mit dem Flieger wieder woandershin zu jetten und dann von dort zu arbeiten, ist genau so umweltbelastend!

  • kurt am 10.03.2020 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin ein Digital-Homie

    Ich arbeite nur von Zuhause aus und finde es super. Im eigenen Haus, im TV läuft ein Marvel-Film vom NAS, mein Hund liegt bei mir und ich arbeite auf der Couch. Ich geh einkaufen wenn es leer ist weil alle beim Arbeiten sind und geniesse lange Spaziergänge mit dem Hund. Die Schweiz kann ganz schön leer sein, man muss halt nur zu Zeiten unterwegs sein wenn alle anderen Arbeiten ;-) Da muss ich nicht durch die Welt reisen.

  • Erni am 08.03.2020 19:37 Report Diesen Beitrag melden

    Nomade

    Also so Arbeite ich schon Lange, nur in der Reisebranche. Ich bereise die Welt und teste Hotels, Angebote und vieles mehr vor Ort. Für mich ist das Leben pur und das seit 25 Jahren.

    • Loki am 11.03.2020 09:26 Report Diesen Beitrag melden

      Unterschied

      Du bist aber kein digitaler Nomade; für deine Arbeit ist es erforderlich, dass du rumreist. Bei den digitalen Nomaden ist dies aber nie der Fall.

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