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Südafrika

18. Juli 2018 09:33; Akt: 18.07.2018 09:33 Print

Eine Reise durch das Land von Nelson Mandela

Vom Ostkap nach Soweto und Robben Island: Sein Kampf für Freiheit und Demokratie führte Mandela quer durch Südafrika.

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Im kleinen Dorf Qunu verbrachte Nelson Mandela den grössten Teil seiner Kindheit. Zwei Jahre vor seinem Tod kehrte er zurück und bezog hier seinen Alterswohnsitz. Unweit davon entfernt, in der Stadt Mthatha, steht das Nelson-Mandela-Museum. Hier erfährt man alles über die Geschichte des ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas. Dieses Bild ist dem Freiheitskämpfer Mandela gewidmet, der zuerst als Terrorist bezeichnet wurde und später den Friedensnobelpreis gewann. In der formellen Hauptstadt Südafrikas, der Stadt Pretoria, wurde Nelson Mandela verurteilt. Im dunklen Gefängniskeller musste Mandela auf den Prozess warten ... ... und schrieb die Grundsätze seiner Überzeugung an die Wand. Darunter sind Punkte wie der, dass alle Bürger des Landes gleich behandelt werden sollten und dass vor dem Gesetz alle gleich sind. Nach seiner Verhaftung wurde Mandela nach Kapstadt verlegt. Vom Hafen aus wurde er zusammen mit den anderen verurteilten Aktivisten auf die Gefängnisinsel Robben Island gebracht. Den grössten Teil seiner 27 Jahre in Gefangenschaft verbrachte Mandela auf dieser Insel. Das Leben in Haft und unter Zwangsarbeit war hart. Von der Insel aus sieht man den berühmten Tafelberg, an dem Kapstadt einfach zu erkennen ist. Auf den Berg hinauf führt eine von Schweizern gebaute Seilbahn. Hierher kommen sehr viele Touristen. Rechts oben im Bild ist noch ein Teil der früheren Gefängnisinsel zu sehen. Die Tiere sehen ein wenig aus wie Murmeltiere oder dicke Riesenhamster. Es handelt sich aber um Dassies, begnadete Kletterer, deren nächster noch lebender Verwandter der Elefant ist. Sein letztes Jahr in Gefangenschaft verbrachte Mandela in einem Haus auf dem Grundstück des Victor-Verster-Gefängnisses. Unter anderem kamen hier Politiker und berühmte Personen zu Besuch. Der Gefängniswärter Jack Swart sollte Mandela während dieser Zeit bewachen und für ihn kochen. Mit der Zeit entwickelten Swart – der früher auch auf Robben Island tätig war – und Mandela eine Art Freundschaft Beim Eingang des Gefängnisses erinnert heute eine Statue daran, wo Mandela nach der jahrzehntelangen Haft sein neues Leben als freier Mann beginnen konnte. In der Nelson-Mandela-Foundation in Johannesburg sind viele Dokumente aus dem Leben und Wirken von Mandela zu finden. Neben handgeschriebenen Briefen werden auch Andenken von wichtigen Gästen aus aller Welt hier aufbewahrt. Auch ein Replikat des Friedensnobelpreises, den Mandela im Jahre 1993 erhalten hat, wird hier ausgestellt. Während der Apartheid wurden die Eingänge nach Hautfarben unterteilt. Links ist der Eingang für die Weissen, rechts für Schwarze oder andere Bevölkerungsgruppen wie etwa eingewanderte Asiaten. Gegen Proteste über die Politik der Apartheid ging die damalige Regierung mit höchster Brutalität vor. Dabei kam auch dieses gepanzerte Fahrzeug zum Einsatz. Ein Ort der Unruhen war das Township Soweto in Johannesburg. Das Schwarz-Weiss-Bild im Hintergrund ging um die Welt, denn der Schüler Hector Pieterson wurde bei einer Demo erschossen. Seine Schwester Antoinette Sithole (vorne im Bild) ist auch auf dem berühmten Foto zu sehen, wie sie neben ihrem verletzten Bruder mitrennt. Wegen des berühmten Aufstands von 1976 galt das Township als Symbol des Widerstandes gegen die Apartheid. Im Elendsviertel leben auch heute noch viele Menschen weit unter der Armutsgrenze. Unweit von hier lebte ab dem Jahr 1946 auch Nelson Mandela in derselben Strasse wie der ebenfalls mit einem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Desmond Tutu.

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Heute wäre Tata, wie er von den Südafrikanern liebevoll genannt wird, 100 Jahre alt geworden. Seinen runden Geburtstag erlebt der erste schwarze Präsident Südafrikas zwar nicht mehr, sein Name und sein Vermächtnis sind aber auch heute noch allgegenwärtig. Souvenirs, Statuen und Museen erinnern an den Mann, der einen grossen Anteil daran hatte, sein Land zu befreien.

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Die Reise beginnt in Johannesburg. Im Apartheid-Museum wird gezeigt, wie die schwarze Bevölkerung zur Zeit des Regimes unterdrückt wurde. Sie durfte nicht an Wahlen teilnehmen und wurde aus den Städten vertrieben. Alle Bereiche des Lebens wurden nach Hautfarben unterteilt. Proteste wurden mit aller Gewalt unterdrückt und schwarze Kinder wurden geschlagen und erschossen.

Kampf um die Freiheit

Mandela blieb davon nicht lange verschont. Seine Kindheit verbrachte er in Qunu, einem kleinen und abgelegenen Dorf am Eastern Cape. Auf den saftigen Wiesen im Hinterland der Küste hütete er die Schafe seines Vaters. Seine Eltern nannten ihn Rolihlahla, was so viel wie Unruhestifter heisst. Dann, am ersten Schultag, ein prägender Moment: Seine Lehrerin verpasste ihm den Namen Nelson. Sein afrikanischer Name war fortan verpönt.

Als junger Mann floh Nelson nach Johannesburg, um seiner eigenen Zwangsheirat zu entgehen. Dort studierte er Jura und trat dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bei, um sich gegen die Ungerechtigkeit der weissen Regierung zu engagieren.

Nach dem Museumsbesuch fährt unsere Gruppe an einem Viertel voller Wellblechhütten vorbei nach Soweto. Es ist eine der Siedlungen, die einst ausschliesslich für Schwarze errichtet wurden und wo ab 1946 auch Mandela in einem kleinen Haus lebte.

Mahnmal der Apartheid

Die Gegend lässt sich am besten auf einer geführten Velotour erkunden. Der Lebensstandard der Bewohner könnte allerdings unterschiedlicher nicht sein. Von einer einfachen Hütte bis zum Einfamilienhaus gibt es in Soweto alles. Im Gegensatz zu früher werden Auswärtige aber mit einem Lächeln und voller Neugier empfangen. Einige geschäftstüchtige Einwohner bieten Unterkünfte an, damit Touristen über Nacht bleiben können.

Einige Strassen weiter wartet Antoinette Sithole auf unsere Gruppe. Sie und ihr Bruder Hector Pieterson demonstrierten in den 1970er-Jahren mit Tausenden anderen Schülern friedlich gegen die Einführung von Afrikaans (die Sprache der europäischen Einwanderer) im Unterricht. Als die Sicherheitskräfte plötzlich das Feuer eröffneten, erschossen sie auch den 12-jährigen Hector. «Ich wusste nicht, was passiert war, und rannte mit ihm mit», erzählt Sithole. Das Foto mit dem schlaffen Körper von Pieterson ging um die Welt und wurde zu einem Symbol für die Anti-Apartheid-Bewegung.

Heimlicher Treffpunkt

Doch zurück zu Nelson Mandela, der in Johannesburg als Anwalt arbeitete und zuerst – nach seinem Vorbild Mahatma Gandhi – gewaltfrei protestierte. Im Jahr 1960 wurde der ANC verboten, Mandela musste untertauchen. Mit Sabotageakten und Bombenanschlägen versuchten die Widerstandskämpfer um Mandela und die anderen Anführer, für ein demokratisches Südafrika zu kämpfen.

Die Liliesleaf Farm in einem nördlichen Vorort von Johannesburg wurde zum heimlichen Treffpunkt der Aktivisten. Eine interaktive Ausstellung zeigt heute, wie sie damals lebten, sich versteckten und heimlich Pläne gegen die Regierung schmiedeten. Das ging aber nicht lange gut. Bei einer Razzia wurden viele der Führer verhaftet, auch Mandela ging den Behörden nach einer verbotenen Reise ins Ausland ins Netz. Mandela und seine Kameraden wurden zu lebenslanger Haft verurteilt.

Der Gefangene von Robben Island

Die nächste Station ist Kapstadt, genauer gesagt die Waterfront, einer vor allem bei Touristen beliebten Gegend mit luxuriösen Geschäften und schicken Restaurants. Von hier aus geht die Fähre auf die berüchtigte Gefängnisinsel Robben Island. Die Fahrt dauert etwa eine Dreiviertelstunde und bietet einen guten Ausblick auf die Stadt und den darüber thronenden Tafelberg. Mit etwas Glück sieht man auch Wale oder Delfine, die das Schiff begleiten.

Das frühere Hochsicherheitsgefängnis ist heute eines der bekanntesten Museen des Landes, denn hier verbrachte Mandela den grössten Teil seiner insgesamt 27 Jahre in Gefangenschaft. Die Bedingungen waren prekär. Die Gefangenen wurden erniedrigt und mussten tagsüber bei glühender Hitze im Steinbruch arbeiten. An eine Flucht vom südafrikanischen Pendant zu Alcatraz war wegen der gefährlichen Meeresströmung nicht zu denken.

Geschichte zum Erleben

Mit einem lauten Knall fällt die massive Gefängnistür ins Schloss. «Hier mussten wir uns komplett ausziehen», erzählt Thulani Mabaso, der zur selben Zeit wie Mandela auf Robben Island eingesperrt war. «Dann wurden wir auf Krankheiten untersucht und in Gefängniskleidung gesteckt.» Die Führungen über die Insel werden meist von ehemaligen Häftlingen wie ihm geleitet, was den Besuch zu einer emotionalen Erfahrung macht.

«Es war unglaublich kalt hier», erinnert sich Mabaso, als er uns seine frühere Zelle im C-Trakt zeigt. Trotz allem hielten die Inhaftierten zusammen und halfen sich gegenseitig. Mandela debattierte oft mit seinen Leidensgenossen und hatte im Innenhof sogar einen kleinen Garten. Auf die Frage, ob es sich gelohnt habe, sich trotz der harten Strafe für die Freiheit einzusetzen, kämpft Mabaso mit den Tränen. Nach einer Pause sagt er: «Ja, ich würde es wieder tun.»


Wie ein Mitinsasse von Mandela die Zeit im Gefängnis erlebt hat, sehen Sie im Video. (Video: 20M)

Ein Neubeginn

Auch während seiner langen Haft ging Mandela nicht vergessen, sondern wurde zu einer Symbolfigur für die Unterdrückten. In seiner Abwesenheit veränderte sich zudem die politische Landschaft. Das Apartheid-Regime wurde international immer mehr isoliert, und die Regierung begann, mit Mandela über seine Freilassung zu verhandeln. Weil er so lange von der Welt isoliert gewesen war, wurde Mandela in ein kleines Haus auf dem Gelände des Victor-Vester-Gefängnisses in Paarl verlegt.

«Es ging darum, ihn auf die Freiheit vorzubereiten», erzählt Jack Swart, der letzte Wärter von Mandela, der auch täglich für ihn kochte. Die Mikrowelle war komplett neu für ihn, und er konnte nicht glauben, dass Swart damit ein Glas Wasser aufgewärmt hatte. Dann, am 11. Februar 1990, durfte Mandela gehen. Er entschied sich, 100 Meter vor dem Gefängnistor aus dem Wagen auszusteigen und zu Fuss in die Freiheit zu gehen.

Vier Jahre später gewannen Mandela und der ANC die ersten freien und demokratischen Wahlen in Südafrika, er wurde der erste schwarze Präsident des Landes. Weil er statt auf Vergeltung auf Versöhnung mit den früheren Unterdrückern setzte, bekam Mandela den Friedensnobelpreis verliehen.

Eine Reise durch die Stationen von Mandelas Leben ist sowohl beunruhigend als auch erbaulich, auf alle Fälle aber sehr interessant und unvergesslich.

(swe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • peter am 19.07.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    South Africa

    Mandela hat den Apartheits Kampf gewonnen, Süd Afrika hat den Apartheits Kampf verloren. Apatrheit hat bereits wieder begonnen nur umgekehrt weisse Farmer werden verfolgt und umgebracht, die Kriminalität steigt und die Polizei ist hilflos oder macht mit den Kriminellen mit und es wird gleich enden wie Simbabwe.

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  • Marlies2018 am 18.07.2018 10:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zimbabwe

    Ich war schon 10x dort. Jeder, der dort war weiss, dass es den Schwarzen früher mit einer weissen Regierung besser ging. Der Präsident Zuma bis 2018 war korrupt und ein wenig kriminell. Heutzutage fangen sie bereits an, die Weissen zu enteigenen.Wenn es so weitergeht, laufen sie das Risiko dort zu landen, wo heute das einst reiche Zimbabwe ist.

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  • Saamy48 am 18.07.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit und Demokratie

    Das tönt immer so schön nach Frieden und Glück für jeden. Tatsächlich ging es dem ANC aber um das Erlangen von Macht und Kontrolle über das Land. Man hat auch sehen können, dass darsus eine Kriminalitätshölle mit 20'000 Morden pro Jahr geworden ist. Die politische Ideologie des ANC ist national- oder panafrikanisch-sozialistisch, man hat sich vor der Machtübernahme gerne von den Sowjets unterstützen lassen. So bewegend und inspirierend Mandelas Leben sein mag, politisch haben er und seine Partei leider jämmerlich versagt. Schade um das wunderschöne Land.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • bebbeli am 19.07.2018 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Landschaft

    Uns hat es in Süafrika sehr gut gefallen, Wir hatten keine Minute das Gefühl bedroht zu werden. Hätte mir schöne Landschaftsbilder gewünscht, denn das Land ist traumhaft und die Naturparks sind gut gewartet. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, obwohl die Meisten sehr wenig besitzen.

    • beat am 22.07.2018 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      armes reiches Africa

      Stimmt traumhaft wenn man nur gerade aus fährt, links und rechts sieht es leider anders aus, ANC Politiker versprechen den armen Schwarzen Gold und Honig und sie bekommen nur Pech und Schwefel, Studienplätze gratis, bekommen sie es nicht brennen sie Schulen nieder, Land für alle, nehmt euch Land das Euch gefällt und besetzt es einfach und bringt die Farmer um und so geht es weiter. Vor einem Monat wurde ein Freund und Farmer im Auto gestoppt und von drei Schwarzen mit dem Messer getötet.

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  • Thomas am 19.07.2018 13:32 Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    was die Europäer alles auf diesem Planeten kaputt gemacht haben oder immer noch dran sind

  • peter am 19.07.2018 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    South Africa

    Mandela hat den Apartheits Kampf gewonnen, Süd Afrika hat den Apartheits Kampf verloren. Apatrheit hat bereits wieder begonnen nur umgekehrt weisse Farmer werden verfolgt und umgebracht, die Kriminalität steigt und die Polizei ist hilflos oder macht mit den Kriminellen mit und es wird gleich enden wie Simbabwe.

    • B.R. am 19.07.2018 17:02 Report Diesen Beitrag melden

      Apartheit aktuell

      Leider ist das so. Ich finde es nur sehr bedenklich, dass davon nichts in den Medien zu finden ist, wahrscheinlich ist es, wie vieles andere auch, nicht gewünscht. Man muss schon lange suchen, um diese Berichte zu finden. Dazu kann man den Dokumentarfilm "Farmlands" empfehlen.

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  • Saamy48 am 18.07.2018 17:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit und Demokratie

    Das tönt immer so schön nach Frieden und Glück für jeden. Tatsächlich ging es dem ANC aber um das Erlangen von Macht und Kontrolle über das Land. Man hat auch sehen können, dass darsus eine Kriminalitätshölle mit 20'000 Morden pro Jahr geworden ist. Die politische Ideologie des ANC ist national- oder panafrikanisch-sozialistisch, man hat sich vor der Machtübernahme gerne von den Sowjets unterstützen lassen. So bewegend und inspirierend Mandelas Leben sein mag, politisch haben er und seine Partei leider jämmerlich versagt. Schade um das wunderschöne Land.

    • so siehts aus am 23.07.2018 14:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Saamy48

      mag wohl sein aber ohne den ANC wäre SA heute noch in der hand der apartheid. Der ANC war zu dieser zeit genau so notwendig wie damals die I.R.A. in Irland, hätte es die nicht gegeben wäre irland heute noch in den händen der engländer... danke dem I.R.A von damals das es nicht so ist

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  • Reisender am 18.07.2018 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Südafrika

    Einer der schönsten Länder der Welt.