Reisen

Auf der Suche nach Inspirationen für Ihre nächsten Ferien oder Ideen für den geplanten Kurztrip?

 

Klicken Sie auf die interaktive Weltkarte!

Zur interaktiven Karte

Verlassene Bergdörfer

14. Mai 2019 11:02; Akt: 14.05.2019 11:02 Print

Ohne Touristen verschwinden diese Oasen

Um vergessene Dörfer vor dem Aussterben zu bewahren, wurde in Italien das Konzept der «alberghi diffusi» entwickelt. Es ist ein Paradebeispiel für nachhaltigen Tourismus.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Tessiner Dorf Corippo stand kurz vor dem Aussterben. Nur noch 12 Personen leben im Dorf. Um das Leben wieder zurückzubringen, wird das kleinste Schweizer Dorf im Verzascatal nun zum Hotel umgebaut. Im Sommer 2019 soll das Hotel eröffnet werden. Ziel des Projektes ist die Neubelebung der Landschaft unter nachhaltiger Nutzung der vorhandenen Ressourcen. Das Restaurant des Dorfes wird zur Rezeption, ... ... der Dorfplatz zur Lobby, ... ... die Gassen des Dorfes sind die Korridore und ... ... die Häuser sind die Hotelzimmer. Das Konzept des «verstreuten Hotels» wurde in Italien Ende der 70er-Jahre entwickelt. So schön kann das Endresultat aussehen: Ein typisches italienisches «albergo diffuso» ist das Relais del Maro in Borgomaro, Ligurien. Die 13 Zimmer sind auf drei alte Gebäude im Zentrum des Dorfes verteilt. Etwa 800 Menschen leben in Borgomaro. Mittlerweile gibt es «alberghi diffusi» jedoch nicht mehr ausschliesslich in Bergdörfern und auch an eine Klassifikation ist das Label nicht gebunden. So ist zum Beispiel das Luxusresort Sant' Angelo in der 60'000-Einwohner-Stadt Matera ebenfalls ein «albergo diffuso». Matera liegt im Süden von Italien, in der Region Basilikata. Seit der Ernennung zur Kulturhauptstadt 2019 erfährt Matera einen Riesenhype. Dieses Jahr werden bis zu einer Million Besucher erwartet. Das Besondere an diesem Hotel ist, dass sich die Suiten in den traditionellen Sassi befinden – den Felsenhöhlen, die noch bis in die 1960er-Jahre bewohnt waren. Mittlerweile zählen die Sassi von Matera zum Unesco-Weltkulturerbe, weshalb nichts an der Struktur verändert werden darf und nur die Funktion und das Innenleben neu sind. Die 23 Zimmer des Sant'Angelo sind rund um das Hauptgebäude verteilt. Einmal im Monat findet hier die Nachbarschafts-Party «Vicinato in festa» statt, zu der neben Hotelgästen auch die Stadtbewohner eingeladen sind. «Das macht ein ‹albergo diffuso› für mich aus», sagt Direktor Biagio Spagnuolo, «in einem normalen Hotel ist so was nicht möglich».

Fehler gesehen?

Bis vor kurzem hatte kaum jemand von Corippo gehört. Das Tessiner Dörfchen stand kurz vor dem Aussterben mit 12 verbleibenden Einwohnern. Im letzten Sommer wurde schliesslich die rettende Idee präsentiert: Aus dem gesamten Dorf soll ein «albergo diffuso» werden (auf Deutsch: verstreutes Hotel), und Corippo damit ein zweites Leben erhalten. Hierzulande wurde das Konzept als innovativ gefeiert, neu ist es aber nicht. In Italien gibt es die sogenannten «alberghi diffusi» seit Ende der 1970er Jahre.

Umfrage
Würdest du gerne in einem verstreuten Hotel übernachten?

Das Konzept

Im Gegensatz zu einem normalen Hotel sind in einem «albergo diffuso» die Zimmer nicht in einem Gebäude untergebracht, sondern auf das ganze Dorf verteilt. Es gibt eine zentrale Rezeption, die Zimmer befinden sich in einem Umkreis von 200 bis 300 Metern in verschiedenen Häusern des Dorfes, Tür an Tür mit den Einheimischen. Der Service ist derselbe wie in einem Hotel: Die Zimmer werden täglich gereinigt, die Betten neu bezogen, Informationen und Tipps erhalten die Gäste an der Rezeption.

Die Vorteile

Das alternative Hotelkonzept fördert einen nachhaltigen Tourismus: Nichts wird neu gebaut, sondern die bestehende, leerstehende Infrastruktur genutzt. Alte, oftmals historische Dorfhäuser erhalten eine sanfte Renovierung, die Struktur bleibt bestehen, nur das Innenleben wird überholt. Durch den Tourismus entstehen neue Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, was die Abwanderung von Jungen und Familien verhindern soll. Die Touristen sind nicht in einem Komplex abgeschottet, sondern Teil des Dorfes und können so eine authentische Erfahrung machen.

Die Geschichte

1976 erschütterte ein Erdbeben die norditalienische Region Friaul-Julisch Venetien, die an Österreich und Slowenien grenzt. Viele Dörfer wurden dabei zerstört und die Bewohner wanderten in die umliegenden Städte ab. Der italienische Tourismusberater Giancarlo Dall'Ara entwickelte die Idee der «alberghi diffusi», um es für die lokale Bevölkerung attraktiv zu machen, in ihrem Ort zu bleiben und ihre Häuser wieder aufzubauen. Sein Plan ging auf: Mittlerweile gibt es überall in Italien mehr als 80 «alberghi diffusi».

(hüt)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rakete am 14.05.2019 14:07 Report Diesen Beitrag melden

    Vergoldete Oasen

    Ganz allgemein für das Tessin gilt, diese Oasen lassen sich die Tessiner leider gerne vergolden.Häuschen mit 80qm Wohnfläche, kaum erschlossen, kaum Heizung, kosten schnell über 300'000 CHF. Ein Witz, sorry. Die Tessiner sollten wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen, dann würde der eine oder andere aus dem franz. oder deutschprachigen Raum sich gerne im Tessin niederlassen.

    einklappen einklappen
  • leser 2019 am 14.05.2019 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    Verfolge ich gerne weiter ...

    der Tourismus (vor allem der Mehrtages-) ist dort neu. Von der Nachhaltigkeit sind nur die Bausubstanz & Infrastruktur betroffen, wer weiss ob/wieviel letztere. Gespannt bin ich jedoch auch, wie ökologisch & nachhaltig die Verkehrsanbindung gelöst wird, wenn ich mir so Foto 1 bis 7 anschaue. Ich glaube irgendwie kaum, dass sich Backpackers oder Pilger diese Unterkünfte leisten werden. Es bleibt spannend ...

  • Margrit Aegerter am 14.05.2019 14:10 Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Aufgabe

    Gute Idee, in Vna im Unterengadin hat es nicht funktioniert. Also, anpacken, es gibt noch viel zu tun und die Konkurrenz ist gross...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Krienser am 03.06.2019 15:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber etwas mehr in Bergdörfern

    Lieber mal einen zwei Busse voll mit Touris in solche Bergdörfern, als dieser krankhafte Massentourismus in Luzern, mit tausenden Asiaten pro Tag. War letzten Samstag in Luzern und mir kam es vor wie in einem Quartier in China oder Japan. Ein Horror, Asiaten so weit dasxAuge reicht. Man kann es auch masslos übertreiben. Dann noch die unverschämten provokativen und respektlosen Inder. Eine Schande was bei dieser Gattung abgeht. Ich hoffe Luzern will nicht noch mehr Tourismus, es löscht einen jetzt schon ab. Wilhelm Tell würde sich im Grab drehen, wenn er diesen Wahnsinn sehen würde.

  • Erwin Huber am 23.05.2019 08:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleich gemacht wie Hapimag

    HapImage hat das mit Pentolina in Dr. Toskana mit Erfolg gemacht, ebenso mit Tondatei etwas weiter nördlich! Gute Idee!

  • viva am 22.05.2019 16:58 Report Diesen Beitrag melden

    traumhaftes Corippo

    Wenn es gelingt, den Charakter dieses geschichtsträchtigen Ortes zu erhalten und auf Qualität statt Quantität gesetzt wird, dann finde ich das eine gute Sache.

  • killerchef am 22.05.2019 09:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    der ort

    corrippo ist sehr schoen und abgeschieden....verzasca valley....been there many times

  • Tourismus-Direktor am 20.05.2019 20:09 Report Diesen Beitrag melden

    Hoffen auf junge Schweizer-Familien

    Einen Appell an Bund und Kantone,,,Unsere kleinen Dörfer in der Schweiz ein Garant für den Tourismus sollten unbedingt vom Aussterben bewahrt werden.

Traumreisen
bis zu 70% günstiger
Melden Sie sich mit Ihrer E-Mail-Adresse kostenlos bei Secret Escapes an!
Jetzt entdecken