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Hochprozentige Luft

03. August 2015 18:41; Akt: 03.08.2015 19:04 Print

In dieser Bar wird man vom Atmen betrunken

von Marlies Seifert, London - Bier und Cocktails waren gestern. Londons Gastro-Szene ist um eine Sensation reicher: Eine begehbare Alkohol-Wolke. 20 Minuten war vor Ort.

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Zum Klang von gregorianischen Gesängen geht es über einen dunklen Korridor hinunter in den Keller. Hier, in einem alten Klostergebäude direkt neben dem Borough Market, liegt Londons neuste Gastro-Sensation: Alcoholic Architecture. Die vom Designduo Bompas & Parr erdachte Pop-up-Bar verfügt über eine begehbare Alkohol-Wolke. Die Idee: Man trinkt den Alkohol nicht, man nimmt ihn über die Atemwege und die Augäpfel auf. Maximal 50 Minuten darf man sich in dem Alkoholdampf aufhalten. «Das entspricht etwa einem grossen Glas Bier», erklärt Pressesprecherin Erris De Stacpoole.

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Wie Heinzelmännchen in einem Dampfbad

Nun denn: Auf ins Vergnügen! Aber nicht ohne eine Regenpelerine, die von den Veranstaltern zur Verfügung gestellt wird. Sie soll Haare und Kleider vor Nässe bewahren, denn die Luftfeuchtigkeit in dem Raum beträgt 140 Prozent. «Breathe Responsibly» – «Atmen Sie vorsichtig» warnt ein Neonschild vor dem Betreten. Der Nebel ist so dicht, dass man die anderen Bargäste nur schemenhaft erkennen kann. In ihren Regencapes und Schutzmützen sehen sie aus wie Heinzelmännchen – und bewegen sich langsam zu Siebzigerjahre-Sound von Iggy Pop und David Bowie. Die Musik ist gedämpft. Man soll sich so fühlen, als ob man selbst in einem Glas sitze.

Es kommt mir eher so vor, als würde ich in einem kalten Dampfbad stecken. Abgesehen von einer leichten Süsse kann ich in der feuchten Luft nichts ausmachen. Ich atme ein, atme aus. Mehr als zehn Minuten am Stück hält man es bei diesem Klima kaum aus. Angeschickert? Fehlanzeige. Das ist wohl auch der Grund, weshalb neben dem Alkohol-Dunst doch auch noch Cocktails serviert werden. Hier wird auch das sakrale Thema wieder aufgenommen: Der Bar-Mann bekreuzigt seine Gäste mit ernster Miene, bevor er ihnen Hochprozentiges vorsetzt, das von Mönchen gebrannt und gebraut wurde: Chartreuse aus Frankreich, Trappisten-Bier aus Belgien oder Buckfast-Likör aus Südengland.

Trinken aus dem Schädel

Zur Unterstützung der schaurigen Stimmung wird der «Skull Punch» aus einem echten menschlichen Schädel getrunken. «Ich weiss nicht, ob der Typ das gutgeheissen hätte», sagt ein Gast, bevor er einen grossen Schluck aus der Schädeldecke nimmt. «Das Stück wurde in einem Geschäft in Hackney, im Osten Londons, gekauft», erklärt das Büro von Bompas & Parr auf Anfrage. «Um einen sicheren Trinkgenuss zu gewähren, wurde die Schädeldecke versiegelt.»

Nach ein paar weiteren Sessions in der Wolke sind die 50 Minuten auch schon um. Was bleibt, ist klebrige Haut und ein ganz leichter Schwips. Zehn Pfund – umgerechnet etwa 15 Franken – kostet der Spass. Wenn man bedenkt, dass man das in London auch für einen normalen Drink zahlt, lohnt sich das Erlebnis allemal. Trotzdem steuern wir direkt danach ein Pub an und gönnen uns ein Bier – aus dem Glas.

Alcoholic Architecture ist vorerst ein halbes Jahr lang in Betrieb. Adresse: 1 Cathedral Street, SE1 9DE London. Tickets können hier bestellt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. D. am 03.08.2015 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Simpsons

    Erinnert mich an die Simpsons-Szene, als Maggie in Moe's Taverne nur schon durch den Geruch betrunken war. Dachte es sei übertrieben, aber na dann, Prost!

  • Martin am 03.08.2015 19:14 Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholgehalt

    Allzu hoch kann der Alkoholgehalt in der Luft nicht sein. Sonst würde ein Streichholz genügen, um es ordentlich krachen zu lassen.

  • Tiina am 03.08.2015 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mangel an Kreativität

    Das ist mal was sinnloses. Das schöne an sich betrinken ist das TRINKEN! Klar kam diese Idee von den Engländern, die ständig betrunken sind. Wie ist ihnen ziemlich egal. ;)

Die neusten Leser-Kommentare

  • beerShark am 04.08.2015 14:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nur wer innovativ bleibt, überlebt

    Getreu dem Motto; "Ich trinke nicht, ich werde betrunken" - Sinn oder Unsinn bleibe mal dahingestellt...lustige Idee

  • Arbeitsmediziner am 04.08.2015 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht leider nicht so einfach

    Für die Herstellung von Schiessbaumwolle ( Artilleriemunition) wird/wurde sehr viel Alkohol gebraucht, Luft im Raum war extrem alkoholgeschwängert und trotzdem, Messungen am Ende des Arbeitstages haben nicht mehr als 0,2 Promille ergeben. Alkoholaufnahme per Inhalation ist nur rudimentär möglich.

  • alkoholpartei.wordpress.com am 04.08.2015 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Alkoholwolke in der Sauna!

    Das ist innovativer Genuss und sollte Schule machen! Auch gut: Saunaaufgüsse mit Rauschgift-Schnaps (einheimischer Kirsch, Pflaume oder Kräuter). Das riecht besser als jedes Saunaöl und ist ultimativer Genuss - eben weil es so gut riecht. Nach jeder Runde dann ein kühles Bier (weil es isotonisch ist und damit nicht nur den Flüssigkeitsverlust ausgleicht sondern auch die verlorenen Salze ersetzen kann). Im Ruheraum fehlt jetzt noch die hier beschriebene Rauschgift-Alkohol-Wolke zur Abrundung. Anschliessend Dusche und ab an die Bar. So ginge echtes Wellness!

  • neptun am 03.08.2015 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    140 prozent luftfeuchtigkeit?

    ich dachte bisher 100% sei das limit. nasser gehts nicht..?!

    • andi am 04.08.2015 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      richtig

      und deshalb sieht man ab 100% die feuchtigkeit auch als tröpfchen, weil sie nicjt mehr aufgenommen wird. nebel bildet sich ab einer relativen luftfeuchte ab 100%. relativ, weil die menge, die aufgenommen werden kan von der lufttemperatur abhängt

    einklappen einklappen
  • Snake Dundee$ am 03.08.2015 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Piss! Wo bleibt da die Pose?

    Ich möchte mal lieber einen Dancefloor auf dem eine 100% Sauerstoffatmosphäre herrscht. Mit Überdruck! Lufteinlass an der Decke und Auslasslöcher am Boden. So geht der ganze Schweissgeruch der Tanzenden Leute abwärts unter Nasenhöhe und man währe nach ein paar Stunden Tanzen auch nicht ausser Atem! Zudem bräuchte man gar keine Rauchen-Verboten Schilder aufzustellen, da sich jede Zigarette und jeder Joint so schnell in Luft auflösen würde, dass es Rauchern zu schade währe zum Rauchen! Und ich als Ex nicht in Versuchung geriete!

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