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Kapverdische Inseln 2/2

31. Januar 2019 14:13; Akt: 31.01.2019 14:40 Print

Sind die Kapverden bereit für den Massentourismus?

von Laura Hüttenmoser, Sal - Immer mehr Reisende entdecken die Kapverdischen Inseln für sich. Welche Herausforderungen und Chancen stellen sich für das afrikanische Land?

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Die Kapverden zählen im Moment zu den noch eher unbekannten Reisezielen, doch der Tourismus zieht kräftig an. Aufgrund der Nähe zu Europa, der ganzjährigen Badesaison und Vielseitigkeit der Inseln mausert sich die Destination zu einer beliebten Alternative zu den Kanaren. Der Inselstaat befindet sich vor der Westküste Afrikas im Zentralatlantik. Geografisch eindeutig Afrika zuzuordnen, ist die Kultur stark von Portugal geprägt, zu dem die Kapverden bis 1975 gehörten. Die neun bewohnten Inseln haben ihren eigenen Charakter, eine unterschiedliche Vegetation und sprechen damit andere Reisetypen an. 20 Minuten war zu Besuch auf Sal, der touristischsten Insel der Kapverden. Die «Insel des Salzes» ist karg, flach und lockt mit ihren weitläufigen Stränden vor allem Badeferien-Touristen an. Die meisten Hotelanlagen befinden in der Umgebung von Santa Maria. Im Ort selbst gibt es einige Cafés, Restaurants, Bars mit Livemusik und Geschäfte. Diverse Baustellen zeugen von neuen Projekten, trotzdem wirkt das Städtchen noch entspannt und authentisch. Mit den Taxis gelangt man bequem von A nach B. Bezahlt wird in der lokalen Währung Escudo oder in Euro. Am quirligen Hafen von Santa Maria kann man beobachten, wie die Fischer ihre Boote rausbringen oder mit dem Fang zurückkommen und ihn gleich vor Ort verarbeiten. Die Hauptstadt der Insel ist Espargos, wo die meisten Einheimischen leben. Viele von ihnen sind Angestellte der Tourismusbetriebe. Kaum vom Tourismus entdeckt ist der Fischerort Palmeira, der tagsüber entspannt ... ... bis ausgestorben wirkt. Bei den blauen «Fontenarios» können die Bewohner Wasser holen – ein knappes Gut auf den Kapverden. Die Regentage des letzten Jahres lassen sich an einer Hand abzählen, was Landwirtschaft fast unmöglich macht. Über 90 Prozent der Lebensmittel müssen importiert werden. Bei einem Ausflug durch die karge, staubige Landschaft kommt man an Salinenbecken und Salzkratern vorbei. Salz war früher so gefragt, dass die Insel danach benannt wurde. Der Kraterboden des Vulkans Pedra de Lume wird als Saline genutzt. Touristen können sich hier für fünf Euro wie im Toten Meer an der Wasseroberfläche treiben lassen. Das Salzbad gilt auch als Wellness-Kur, weil es besonders gut für die Haut sein soll. «Wenn du mindestens 20 Minuten drin bleibst, siehst du am nächsten Tag 10 Jahre jünger aus», sagt die Reiseleiterin. Redaktorin Laura kann dies leider nicht bestätigen. Ein wunderschöner Ort, um sich abzukühlen und zu sonnen, sind die Felsbecken von Buracona. Shannon von Project Biodiversity zeigt uns eine bemalte Wand, die aus einem Wettbewerb zwischen Schulkindern entstanden ist. «Kuida Del» (in der Landessprache Kreol) bedeutet «Gib Acht». Viele Kinder und Bewohner kommen täglich daran vorbei, da sich hinter der Mauer der Fussballplatz befindet. Jeden Monat räumen Mitarbeiter von TUI, Project Biodiversity mit lokalen Kindern einen Strand auf. Sie machen ein Spiel daraus: Wer im Abfall am meisten Dinge von der Liste sammelt, gewinnt. Das Team, welches eine halbe Badewanne gefunden hat, kann Punkt 1 («an interesting item») schon mal abhaken. Die Zwischenbilanz nach etwa einer Viertelstunde. Schuhe, Kleidungsstücke und unglaublich viel angeschwemmter Plastik aus dem Atlantik befinden sich im Sack. Mit Aktivitäten wie dieser sollen die Kinder für einen nachhaltigeren Umgang mit der Umwelt sensibilisiert werden.

Fehler gesehen?

«Wo liegen die nochmal?», «Wie ist es da so?»: Viele Menschen haben keine klare Vorstellung von der afrikanischen Inselgruppe mitten im Atlantik. Das dürfte sich in den kommenden Jahren ändern. Die Kapverden wollen sich als Winterreiseziel für Europäer etablieren, als Alternative zu den Kanaren oder Ägypten.

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Kamen 2013 noch 450'000 Reisende ins Land, waren es 2017 bereits 716'000. Ganzjähriger Sonnenschein, angenehme Temperaturen, Traumstände, aber auch Wanderrouten und Ursprünglichkeit locken die Feriengäste.

Baustellen und Job-Möglichkeiten

Besonders gut ist dies auf Sal sichtbar, der touristischsten der neun bewohnten Inseln. An den Stränden entsteht ein Hotel nach dem anderen, meist All-inclusive-Resorts von bekannten Ketten. 2017 eröffnete das Hilton Hotel, das Resort für Thomas-Cook-Gäste wird zum Zeitpunkt unseres Besuchs gerade gebaut. Der Andrang bringt viele Herausforderungen für das isolierte Land, das einen Grossteil seiner Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs importieren muss, wo Wasserknappheit herrscht und es kein Recycling-System für den Abfall gibt.

Doch ist der Tourismus auch ein entscheidender Motor für das Wirtschaftswachstum. 24 Prozent des Bruttoninlandprodukts werden bereits durch ihn erwirtschaftet, für die Bevölkerung ist der Tourismus eine der wenigen möglichen Einkommensquellen. Fast 90 Prozent aller Angestellten in den grossen All-inclusive-Resorts sind Inselbewohner. Auf Kosten der Tourismuskonzerne entsteht neue Infrastruktur wie Strassen oder Schiffsverbindungen, lokale Projekte und Schulen werden unterstützt. Kurzum: Der Bevölkerung eröffnen sich Möglichkeiten, die ohne die Tourismusindustrie schwer denkbar wären.

Abfall sammeln als Strand-Spiel

Wir treffen David, Eddyr, Marcio und Ramiro. Sie bieten Touren auf der Insel Sal an und haben gerade ein Training für «verantwortungsbewusste Reiseführer» durchlaufen. «Damit nachhaltiger Tourismus möglich ist, brauchen die Leute Informationen, das ist das A und O», sagt Marcio. Auf ihren Touren sprechen sie über den respektvollen Umgang mit Umwelt und Einheimischen. «Werft keinen Abfall auf den Boden, fragt die Leute, bevor ihr sie fotografiert, gebt bettelnden Kindern kein Geld und bucht keine Tierbeobachtungstouren mit unzertifizierten Guides, die in zu grossen Gruppen unterwegs sind», erklärt Eddyr. Doch auch vielen Einheimischen fehle noch das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, gibt David zu bedenken. Die Armut ist gross, Themen wie Abfall- oder Wasserverbrauch haben nicht oberste Priorität.

Das «Project Biodiversity», von dem im gestrigen Bericht bereits die Rede war, ist die Partnerorganisation der TUI Care Foundation und engagiert sich an lokalen Schulen. In Workshops und bei gemeinsamen Aktivitäten werden Kinder und ihre Eltern für Umweltthemen sensibilisiert. Man behandelt zum Beispiel den Lebenszyklus der Meeresschildkröten oder macht gemeinsam einen «Beach Clean»: Allmonatlich befreien Mitarbeiter mit den Kindern einen Strand von Abfall, der aus dem Meer angeschwemmt wird. Die Menge, die dabei in kürzester Zeit zusammenkommt, ist beträchtlich und weckt den Eindruck von Sisyphusarbeit. Doch die Kinder machen sich ein Spiel daraus und sind mit Freude dabei.

Wer das Geld hat, hat die Macht

Die entscheidendste Rolle, wie sich der Tourismus auf die Umwelt und Bevölkerung der Kapverden auswirkt, kommt aber den Feriengästen selbst zu. Welche Unterkunft bucht man, welche Touren, wofür gibt man sein Geld aus? Wer möchte, dass die einheimische Bevölkerung auch profitiert, sollte die Hotelanlage auch mal verlassen und in einem lokalen Restaurant essen oder im Supermarkt einkaufen.

Hotelgäste können ihren Wasserverbrauch einschränken, weniger Abfall produzieren oder Wünsche beim Management anbringen. «Zum Beispiel könnten die Touristen fordern, dass gefiltertes Meerwasser bereitgestellt wird statt importiertes Wasser in Plastikflaschen», sagt Rosie von Project Biodiversity. Das sei vielen Betrieben zu teuer, «aber sobald genug Leute etwas verlangen, ist eine Veränderung möglich».

Weitere Tipps für nachhaltiges Reisen findest du hier >>

Um die Kapverden existiert die zweitgrösste Population an Meeresschildkröten weltweit. Was zu ihrem Schutz getan wird, liest du im gestrigen Bericht >>

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paco Canario am 31.01.2019 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kapverden

    Ja genau All-Inklusiv da kommen genau die falschen Touristen! Ausser Müll bringen sie nichts für das Land! Die Hotel Ketten transferieren ihr Geld in ihre Domizil Länder u die Billigtouristen geben kein Geld ausserhalb des Hotels aus! Siehe Kanaren...

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  • Sonnenkind am 31.01.2019 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    All-Incl. überhaupt nicht nötig

    Wir waren vor ein paar Jahren auf Sal. In einer Ferienwohnung. Gegessen haben wir überall. Die Einheimischen sind sehr freundlich, es gibt vielfältige und preisgünstige Restaurants. Es ist überhaupt nicht nötig, dass man dort All-Incl. Urlaub macht. Die Hotelketten machen den Einheimischen ihre Geschäfte kaputt. Von den Touristen können sie nicht mehr profitieren. Wir werden sicher wieder auf die Kapverden gehen, aber sicherlich nicht in ein All-Incl. Hotel.

  • john kapstadt am 31.01.2019 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    armut

    Die meissten leute sind jedoch bitter arm.. Wenn man nicht gerade auf der von russen finanzierten insel sal ist und etwas abseits sieht man trauriges. Das geld der rusdischen investoren fliesst direkt zurück nach russland.. Wenn ferien auf den cap verden, dann bitte mir respekt und fingerspitzengefühl.. Danke.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Margrit Aegerter am 31.01.2019 19:10 Report Diesen Beitrag melden

    Fehlende Infrastruktur

    Was ist mit dem Wasser für all die Touristen? Wird dies auch eingeführt im Gepäck? Und die Abwasserfrage, Müllproblem? Wer zahlt das? Jeder Tourist? Es geht nicht drum, ob man dort Cafés findet und alles fürs Touristenherz, sondern ob die Inseln wegen laschen Umweltlabels zugrunde geht.

  • Surfer am 31.01.2019 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    vor 22 Jahre....

    ....war ich das erste Mal 6 Wochen auf Sal zum surfen. Zwei Jahre später 5 Wochen lang. Ich verbrachte meinen Aufenthalt in einer ganz kleinen und bescheidenen Pension von Einheimischen geführt. Zum Essen gab es vorwiegend jeden Tag Fisch, Kraben und jenes was das Land hergab. Bescheidenheit mit Einfachheit unter sehr netten Menschen.... Schade, dass es nie mehr so sein wird....mahalo Wavesick Ponta Preta Radical-Wave

    • Ausurfer am 31.01.2019 17:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Surfer

      Wer sich au Kab Verde umsehen wollte, brauchte Neugier, Zeit und Geduld. Dafür erhielt man die Chance, die Freude nicht nur am Spektakulären, sonder an der Einfachheit, am Detail zu entdecken. An alle Kritiker, zur Info: 1947 starben 40% der Bevölkerung auf Sal durch wiederkehrende Dürreperioden an schrecklichen Hungersnöten. Zeigt Respekt für diese schönen Inseln und dessen Bevölkerung.

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  • funny am 31.01.2019 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mein Fazit

    die meisten Reiseangebote landen eh nur auf Sal oder boa Vista. das Problem ist, ausser Sand und Steine hat es da nix. man kann fast nur im hotel bleiben.

  • sime am 31.01.2019 16:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    trauriger trend

    egal wo auf der Welt. all inklusive ist für niemanden gut ausser den Hotelketten. was bringt es euch wenn alles um den hotel schliessen muss da dort kein geld landet. auch ist doch klar, dass man die billigste und in keiner Weise nachhaltige Qualität bekommt. aber gut es gibt ja auch hier Leute die dicke Autos fahren aber dann noch bei den Eltern oder Sozialwohnungen leben.

  • Arwen90 am 31.01.2019 16:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wiedo muss es immer etwas neues und exklusives se

    ... und schon werden die nächsten inseln zugemüllt,ausgesaugt und ausgenutzt.. so schade...wäre gut wenn sie besucher mit visas beschränken.. z.B. nur 1000 visas pro jahr ausstellen...

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