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Schokoladeninseln

05. November 2019 16:26; Akt: 05.11.2019 16:29 Print

Diese Inseln solltest du als Schweizer kennen

von Laura Hüttenmoser - Verlassene Strände, wilde Natur und vorzügliche Schokolade: São Tomé und Príncipe ist eines der spannendsten Reiseziele der Welt.

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São Tomé und Príncipe sind zwei Inseln im Westen von Gabun am Äquator, die zusammen einen Staat bilden. São Tomé ist die grössere der beiden Inseln mit einer Länge von 48 km und einer Breite von 32 km. Über 90 Prozent der 204'000 Einwohner leben hier, ... ... davon wiederum mehr als die Hälfte in der gleichnamigen Hauptstadt São Tomé. Vor der Markthalle warten Taxis und Motorräder auf Kundschaft. Im Innern der dunklen Halle herrscht reges Treiben. Im Parterre werden Obst und Gemüse verkauft, ... ... im oberen Geschoss Kleidung, ... ...und auf dem Dach ist genug Platz für die Möbelabteilung. Portugiesische Seefahrer entdeckten die zuvor unbewohnten Inseln 1471 und kolonialisierten sie. Erst seit 1975 ist São Tomé und Príncipe unabhängig. Das einstige portugiesische Fort in São Tomé dient heute als Nationalmuseum. Da die Informationen nur auf Portugiesisch - der offiziellen Landessprache - verfügbar sind, lohnt es sich umso mehr, das Museum mit einem lokalen Guide zu besuchen. Reiseleiter Laudino (26) erläutert das halbe Jahrtausend kolonialer Geschichte. Portugal siedelte zunächst Strafgefangene aus Portugal, Sklaven aus dem südlichen Afrika und Kinder von vertriebenen Juden hier an. Die Inseln wurden zum Umschlagplatz für den portugiesischen Sklavenhandel mit Afrika, Brasilien und der Karibik. Hinterlassen haben die Portugiesen neben der Sprache auch ihre Religion, über 90 Prozent der Bewohner von São Tomé und Príncipe sind Katholiken, ... ... sowie die einst prunkvollen Kolonialherrenhäuser, von denen heute die meisten verfallen und überwachsen sind. Andere wurden zu Hotels umfunktioniert wie das Pestana Equador auf der Ilheu das Rolas, vor der Südküste von São Tomé. Da der Äquator quer über die Insel verläuft, kann man hier gleichzeitig auf beiden Erdhalbkugeln stehen. Die Strände in Spazierdistanz hat man ganz für sich allein. Wilde Mandelbäume mit ihren grünen und orangefarbenen Blättern spenden Schatten auf dem sauberen, feinen Sand. Sogenannte «Must Sees» gibt es auf São Tomé wenige. Das Postkartenmotiv, wenn man hier denn irgendwo Postkarten kaufen könnte, wäre der Pico Cão Grande. Wie ein erhobener Zeigefinger, andere würden sagen Phallus, ragt der 663 Meter hohe Vulkan-Fels aus der Landschaft und ist schon von weit her sichtbar. Unbedingt Halt machen sollte man auch im grossartigen Open-Air-Restaurant in der Roça São João dos Angolares, einem ehemaligen Plantagenhaus. Der são-toméische Inhaber João Carlos Silva ist als Fernsehkoch im fernen Portugal bekannt. Er und sein Team verwöhnen Gäste mit einem 10-Gang-Menü moderner, são-toméischer Küche aus Zutaten wie Maracuja, Ceviche und Kochbananen. Eine typische Mahlzeit in einem einfachen, lokalen Restaurant besteht dagegen meist aus Fisch, Reis und Gemüse. Vor allem Kochbananen und Brotfrüchte werden viel verwendet. Fleisch ist dagegen selten. Im Norden von São Tomé, wo die Vegetation karger ist, befindet sich dieser idyllische Fleck. In der «Lagoa Azul» badet man im klaren, blauen Wasser zwischen Baobab-Bäumen. Von São Tomé gelangt man ... ... mit dem Flugzeug zur ... ... Schwesterinsel Príncipe. Eine Schiffsverbindung existiert leider nicht. Ihr bekanntester Einwohner ist der italienische Auswanderer Claudio Corallo. Seine Schokolade zählt zu den besten der Welt. «100 Prozent Kakao, das ist Schokolade. Basta», sagt er. Corallo lebt seit 45 Jahren auf Príncipe, sein Haus stammt noch aus der Zeit der portugiesischen Kolonialherrschaft. Neben Schokolade, Kaffee und Pfeffer produziert der Florentiner auch seinen eigenen Schnaps. Príncipes Hauptstadt Santo António ist herrlich unaufgeregt. Ein paar Strassen, Bars, Läden mit dem Nötigsten, ... ... eine Kirche aus Kolonialzeiten, ... ... ein Schönheitssalon - that's about it. Auf Príncipe leben knapp 8000 Menschen, die Insel ist nur etwa 10 km breit und 20 km lang. Die Insel zählt zum Welt-Biosphärenreservat der Unesco, der Regenwald ist hier noch etwas dichter und wilder als auf São Tomé. Bei dieser ehemaligen Kirche portugiesischer Seefahrer, ... ... macht sich die Natur über die zerfallenen Mauern her. An den Stränden auf Príncipe begegnet man ab und zu einigen Locals, ... ... meist sind sie jedoch vollkommen verlassen wie derjenige beim Luxusresort Sundy Praia Lodge.

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Auf dem Vorplatz zur Markthalle sitzen Verkäuferinnen unter bunten Sonnenschirmen, auf ihren ausgebreiteten Tüchern bieten sie mal einen Riesenhaufen Auberginen an, mal nichts weiter als eine Handvoll Tomaten und drei Karotten. Motorradtaxis schlängeln sich zwischen den Menschen hindurch, eine Frau trennt mit einer Machete einen Fischkopf ab, Teenager trällern auf dem Weg zur Schule.

Die Markthalle selbst fühlt sich ein bisschen an wie ein Ort, an dem gleich eine illegale Technoparty steigt. Durch die schmalen Spalten in der Decke dringt kaum Licht ins Innere des hohen Betonbaus. Silhouetten von Menschen wuseln herum, zu den Seiten führen versteckte Treppenaufgänge in die oberen Etagen. Auf dem Markt in der Hauptstadt São Tomé gibt es vieles zu entdecken, abgesehen von anderen Touristen.

Halb so viele Einwohner wie Zürich

Marketingbeauftragte bezeichnen ihre Destinationen gerne als «Juwel», «versteckte Perle» oder «Geheimtipp». Auf São Tomé und Príncipe trifft das tatsächlich zu. Nennt man den Namen des Inselstaates, vermuten ihn einige in der Karibik, die meisten aber haben noch nie von ihm gehört. Das zweitkleinste Land Afrikas (nach den Seychellen) zählt etwa 204'000 Einwohner, die Hälfte der Stadt Zürich. Touristisch steckt São Tomé und Príncipe noch in den Kinderschuhen: Rund 6000 Besucher kommen pro Jahr, das sind 16 am Tag.

Entsprechend entspannt wirkt das Leben der Inselbewohner, aber auch hart und isoliert. Bei einer Fahrt durch den dichten Dschungel Príncipes begegnen wir Celestin, einem älteren Mann, der sich aus einem gefällten Brotbaum eigenhändig ein Boot schnitzt. Sein altes sei kaputtgegangen, nun arbeite er drei Monate lang an einem neuen, erzählt er.

Der Golf von Guinea beschert São Tomé und Príncipe ein reiches Fischvorkommen, die neunmonatige Regenzeit eine unglaublich üppige, fruchtbare Vegetation. Beide Inseln sind zu grossen Teilen mit Regenwald bedeckt, man kann den zahlreichen Mango-, Jackfrucht- oder Brotfruchtbäumen in der roten Erde und feuchten Luft förmlich beim Wachsen zusehen.

Es ist auch der ideale Nährboden für Kaffee und Kakao, den Hauptexportgütern von São Tomé und Príncipe – und ein Erbe der Kolonialzeit. 1471 entdeckten portugiesische Seefahrer die beiden Inseln, die bis zu diesem Zeitpunkt vermutlich unbewohnt waren. In den folgenden Jahrhunderten war São Tomé und Príncipe einer der Hauptumschlagplätze des transatlantischen Sklavenhandels. Die afrikanischen Zwangsarbeiter mussten auf den Plantagen zunächst Zuckerrohr, später Kaffee und Kakao anbauen. Ende des 19. Jahrhunderts war São Tomé der grösste Kakaoproduzent der Welt.

Beim Schokoladenpapst

Noch heute gehört Kakao zu den wichtigsten Exportgütern des Landes, Produktionsstätten gibt es im Land aber kaum. Eine Ausnahme ist der wohl berühmteste Inselbewohner: Der Italiener Claudio Corallo. Seit 45 Jahren lebt er auf Príncipe, Köche und Foodblogger bezeichnen seine Schokolade als die beste der Welt. Das Kunststück: Sie hat einen Kakaoanteil von 100 Prozent, schmeckt aber trotzdem nicht bitter.

Video: Die Highlights von São Tomé und Príncipe

«Ich stelle Schokolade her, wie sie es mit dem Olivenöl in Italien tun», sagt Corallo. «Je weniger man daran arbeitet, desto besser.» Bedeutet: Seine Tafeln bestehen aus nichts weiter als gemahlenen Kakaobohnen. Bitterkeit sei ein Defekt im Kakao, führt er aus. «Gute Bitterschokolade gibt es nicht. Wenn diese hundertprozentige nicht bitter ist, wie kann es denn eine normale sein?» Corallo beschäftigt mittlerweile rund 250 Angestellte, über 30'000 Kakaopflanzen wachsen auf seinen Plantagen.

Den Übernamen «Schokoladeninseln» verpasste São Tomé und Príncipe einst ein Journalist des «Daily Telegraph». Der Name ist hängengeblieben und zieht Chocolatiers und Gourmets aus aller Welt an. Als Schweizerin oder Schweizer sollte man am besten die Probe aufs Exempel machen und die Schokolade als willkommene Ausrede nutzen, diese faszinierenden unbekannten Inseln am Äquator selbst zu erkunden.

Anbieter

Der Schweizer Reiseverantstalter Let's go Tours bietet eine 12-tägige Rundreise ab São Tomé an, die ganz nach individuellem Wunsch angepasst werden kann. Ab 3610 Fr. pro Person buchbar auf www.letsgo.ch oder Tel. 052 624 10 77.

Anreise

Die Fluggesellschaft Tap Air Portugal fliegt viermal pro Woche ab Zürich via Lissabon nach São Tomé, buchbar ebenfalls via Let’s go Tours.

Beste Reisezeit

São Tomé und Príncipe liegt am Äquator, das Klima ist tropisch feuchtheiss, die Durchschnittstemperaturen bewegen sich ganzjährig um die 26 Grad. Die Regenzeit dauert von ­Oktober bis Mai, grundsätzlich sind die Inseln aber eine Ganzjahresdestination.

Einreise

Schweizer Staatsangehörige benötigen für einen Aufenthalt von maximal 15 Tagen kein Visum. Der Reisepass sollte noch mindestens 6 Monate über das Rückreisedatum gültig sein.

Impfungen

Die Einnahme der Malaria-Prophylaxe, die Gelbfieber- und die Hepatitis A-Impfung werden für Reisen nach São Tomé und Príncipe empfohlen. Die Gelbfieber-Impfung ist obligatorisch, ein entsprechendes Zertifikat muss bei der Einreise vorgewiesen werden.

Unterstützung

Diese Reise wurde ermöglicht durch Let's go Tours.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ben Kunz am 05.11.2019 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr lange idyllisch

    ...und schon bald werden diese Inseln von Influencern geflutet. Klimaschutz okay, aber ein paar geile Pics sind eben doch noch wichtiger.

  • feriengast am 05.11.2019 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    bald hat man den Strand nicht mehr für sich alleine dank der Info ;)

    einklappen einklappen
  • Peschä am 05.11.2019 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Ferienziel

    Ist ein super Beitrag, ich werde mich weiter orientieren und versuchen, meine nächsten Ferien dort zu verbringen. Noch ein kleiner Hinweis: Dort trifft man Locals heisst auf Deutsch eigentlich: Dort trifft man Einheimische

Die neusten Leser-Kommentare

  • Greter am 05.11.2019 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wasser predigen aber Wein trinken

    Nur so zum Thema Klimaschutz, bleibe lieber in der Schweiz und gehe Wandern oder Mountainbike.

  • Greg am 05.11.2019 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ab in die Wärme

    Nicht einfach, angesichts der bei uns bevorstehenden Monate solche Artikel zu lesen.

  • Globetrotter Doris am 05.11.2019 18:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kap Verde, King Fisher Village

    Santiago auf den Kap Verdischen Inseln war das schönste bisher, von Natur aus genial. Tolle Biketrails, zum tauchen fantastisch, wandern und vieles mehr.. einfach ein Traum kann ich nur empfehlen.

  • feriengast am 05.11.2019 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    bald hat man den Strand nicht mehr für sich alleine dank der Info ;)

    • Ganjaflash am 05.11.2019 19:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @feriengast

      Leider ist das so.

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  • Peter Schneider am 05.11.2019 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt noch hin

    Ja spannend. Dorthin fliegen und wieder zurückfliegen. Tonnen an CO2. Schnell noch dorthin bevor die Inseln von Wirbelstürmen heimgesucht werden oder die Strände weggespült.