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Staaten-Blog

18. Juni 2017 14:02; Akt: 28.06.2017 15:32 Print

Schweizerischer als die Schweiz

von Pascal Meister - Kuhglocken, Raclette und Alphörner: Schweizer Siedler haben in Wisconsin deutliche Spuren hinterlassen. Jodeln ist sogar ein Schulfach.

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Schweizer Gemeinde in den USA: Auf dem Willkommensschild am Ortseingang von New Glarus sind die Schweizer Spuren klar ersichtlich. Alphörner, das Schweizerwappen und der Hinweis auf die Heimat der Brauerei «Spotted Cow» ( zu Deutsch: «Gefleckte Kuh») sind darauf abgebildet. Könnte in der Schweiz sein, ist es aber nicht. Eines von vielen Chalets in Downtown New Glarus. Die Kuh links im Bild stand einst an der Zürcher Bahnhofstrasse. Das Wilhelm-Tell-Festival gehört wie auch das Heidi-Festival zu den jährlichen Hauptveranstaltungen im 2100-Seelendorf. Trachten und Kantonswappen dürfen da natürlich nicht fehlen. Highlight der Vorführung ist der legendäre Apfelschuss und der Pfeil ins Herz von Landvogt Hermann Gessler. Der 1. August wird so richtig schweizerisch eingeläutet. Ein Alphornspielerduo bläst den Schweizerpsalm, gefolgt von einer Ballettaufführung von lokalen Mädchen in Glarner Trachten. Das Hotel New Glarus Hotel wurde 1853 von Schweizer Einwanderern errichtet und befindet sich noch heute in Familienhand. Eine Tessinerstube mit Spezialitäten direkt aus der Sonnenstube der Schweiz sorgt für das leibliche Wohl. Und da «Ticino» ja so herrlich italienisch klingt, werden natürlich auch Pizzas gebacken. Fondue und Raclette gibt es das ganze Jahr hindurch. Wisconsin gehört als Mountain State ohnehin zu jenen Bundesstaaten, in denen die Bewohner mehr frieren als schwitzen. Deshalb ist es nichts Ungewöhnliches, mitten im Sommer ein Käsefondue zu bestellen. Milwaukee ist die Heimat vieler Brauereien. Zu den bekanntesten gehört Pabst Blue Ribbon, gegründet vom deutschen Einwanderersohn Frederick Pabst. Das Bier genoss lange Zeit den Ruf eines Arbeiterbiers, wurde jedoch infolge mehrerer Auftritte in grossen Hollywoodfilmen vermehrt zum Modegetränk. SAB MIller ist der weltweit zweitgrösste Brauereikonzern nach Anheuser-Busch in St.Louis, Missouri. Auch MIller verdankt seinen Erfolg einem Landsmann aus Deutschland. Frederick Johannes Müller aus Württemberg wanderte 1854 in die USA aus und begründete unter seinem abgeänderten Namen Fred Miller 1855 die Miller Brewing Company. Das «Captain America»-Bike gefahren von Peter Fonda im Film Easy Rider ist das Herzstück im Harley-Davidson-Museum von Milwaukee. Der aus alten Motorradteilen angefertigte Chopper rettete die vom Ruin bedrohte Harley-Davidson Firma, nachdem radikal umgebaute Auslaufmodelle plötzlich auf reges Interesse gestossen waren. Auch das «Billy»-Bike von Dennis Hopper befindet sich im Museum an den Ufern des Lake Michigan.

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Wisconsin liegt an den Great Lakes, ganz im Norden der USA. Der Staat wurde massgeblich durch deutsche Einwanderer geprägt, die zahlreiche Farmen auf dem fruchtbaren Ackerland errichteten und Bier und Käse zu einem wichtigen Exportgut machten. Aber im Süden des Staates, vierzig Autominuten entfernt von der Hauptstadt Madison, wehen ganz plötzlich überall Schweizerfahnen, es ertönen Kuhglocken und der herbe Duft von Raclette und Fondue liegt in der Luft. Ein Schild an der Strasse begrüsst die Durchreisenden: «Welcome to New Glarus, America’s little Switzerland».

Die Region um New Glarus ähnelt tatsächlich den Schweizer Voralpen. Hügelig und bewaldet, bespickt mit weidenden schwarz-weissen und braunen Kühen. Grosse Reklamentafeln mit Alphörnern und Heidi-Festival-Infos tauchen auf, gefolgt von Briefkästen mit der Anschrift von Familiennamen wie Vogel, Elmer, Stüssi und Wälti. Die Stadt ist eine einzige Chaletsiedlung. Geranien blühen auf den Balkonen und überall wehen Schweizer respektive Glarner Fähnchen. Die Erwachsenen sprechen Schweizerdeutsch und Hochdeutsch, und die Kinder verkünden stolz, dass sie in der Schule das Jodeln erlernen. Das Dorf hat einen eigenen Alphornverein, führt jährlich ein Wilhelm-Tell-Festival durch und feiert den 1. August ebenso ausgelassen wie den 4. Juli.

Käsekultur importiert

Im 19. Jahrhundert war es die wirtschaftliche Not in der Schweiz, die dafür sorgte, dass viele Menschen in die USA auswanderten. Die Kartoffelseuche im Kanton Glarus veranlasste viele Glarner, ihr Hab und Gut zu packen und ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu ziehen. Südlich von Madison gründeten sie New Glarus und vererbten die Schweizer Traditionen über Generationen. Sogar die Kunst der Käseherstellung haben die Einwanderer mitgebracht und ganz Wisconsin in den «Cheese State» der USA verwandelt.

Rösti und Bratwurst gehören ebenso wie Raclette und Käsefondue zu den Hauptspeisen in New Glarus. Mehrmals jährlich kommt eine Glarner Musikkapelle zu Besuch, wann immer wichtige oder traditionelle Events anstehen, wie zum Beispiel die Miss New Glarus Wahl, bei welcher die Siegerinnen klangvolle Namen wie Gmür, Brunner und Stücheli besitzen. So kitschig alles erscheint, in New Glarus ist der Stolz auf die eigene Herkunft echt und die vielen Chalets und schweizerisch geprägten Restaurants sind eine Hommage an die Emigranten von damals. Ob im Sommer oder Winter – in New Glarus wird es einem als Schweizer immer warm ums Herz.

Deutsche Braukunst und amerikanisches Freiheitsgefühl

Ungefähr 85 Kilometer östlich von New Glarus erreicht man Milwaukee, eine Stadt welche Mitte des 19. Jahrhunderts von deutschen Auswanderern geprägt wurde. Mit zahlreichen Brauereien wie der Miller Brewery förderten sie den Aufschwung der Stadt am Lake Michigan. Die Brauerei kann besichtigt werden und ein frisch gezapftes Bier am Ende der Führung ist garantiert. Unweit davon entfernt beflügelte einst auch ein anderer All-American-Brand die Metropole; die Harley-Davidson- Motorradwerke. Wahre Biker dürfen einen Besuch im Harley-Museum auf keinen Fall verpassen. Über 450 Motorräder sind hier ausgestellt. Unter den Raritäten befinden sich auch Arnold Schwarzeneggers Harley aus Terminator 2 sowie die «Easy Rider»-Bikes von Peter Fonda und Dennis Hopper.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nia am 18.11.2015 14:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch cool

    ist doch witzig ein "little Switzerland" in dem USA. sieht toll gemacht aus und die Leute sind stolz auf ihre Herkunft,darf man ja auch trotz Auswanderung.

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  • Pia am 18.11.2015 16:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    umgekehrt

    Scheint ganz so, dass sich die Schweizer nie integriert haben:-)

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  • Der Realist am 18.11.2015 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geo ist Glüchsache

    Ja und was haben dann die beiden deutschen Brauereigründer mit der Schweiz zu tun.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Wolfgang Lochbiler am 19.11.2015 13:14 Report Diesen Beitrag melden

    War da

    Beim Urlaub in der Gegend habe ich New Glarus entdeckt. Also habe ich einen Spaziergang gemacht und das Heimatmuseum erkundet. War lustig wie der Guide allesMoögliche den US Touristen erklärt hat. Allerdings musste er beim Bild eines Hornuss Wettbewerbs passen. Das wussten sie nicht mehr. Er war hocherfreut als ich ihn aufgeklärt habe.

  • M.K. am 19.11.2015 08:47 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Stellt euch mal vor, es wäre umgekehrt - hier in der Schweiz.. was für ein Aufschrei, und welche Angst vor dem "Verlust" der eigenen Kultur herrschen würde :D

    • Diego am 19.11.2015 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      @M.K.

      In einem Land ohne wirkliche Kultur ist so was ja auch kein Problem, ja sogar willkommen.

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  • US-Schweizer am 19.11.2015 00:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschichte der Schweiz - in Amerika...

    War vor ein paar Jahren ein paar Tage auf Besuch da. Sehr süsses Städtchen mit viel Charme und Kitsch (aber das mögen die Amerikaner ja sehr). Es ist alles etwas übertrieben aber auch irgendwie süss. Und um einen Einheimischen mit etwas "Schweizerdeutsch" Kenntnissen zu treffen muss man nur ins Freilichtmuseum über die Anfänge des Ortes gehen und sich mit den Leuten unterhalten. Das Museum gibt auch einen guten Eindruck, wie es zu der Zeit auch in der Schweiz ausgesehen hat in Bezug auf Alltag, Architektur und Einrichtung - da ging nichts vergessen bei der Überfahrt! Auf jeden Fall ein Besuch wert!

  • Hingucker am 18.11.2015 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit ist irgendwie stehen geblieben.

    Man darf das mit den Auswanderern nicht mit den heutigen Augen sehen und mit den heutigen Ellen messen. In meinem Stammbaum gabs auch einen Glarner Auswanderer, der seiner bitteren Armut zu entfliehen versuchte. Er hats nicht zu Rrichtum gebracht aber als Bäcker zu einem ordentlichem Einkommen - und er war sein eigener Herr und Meister. Das hat ihn und die seinen damals geprägt. Fleiss, Wille, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit - alte Schweizer Tugenden, die man dort hochhielt und die dort in den CH-Geemeinden noch heute zelebriert werden. Amüsant ist auch die alte Literatur und die0 Gesangskultur, die ihre Wurzeln in der "damaligen Schweiz" haben (mitgenommen worden sind) und von den Alten noch heute als aktuell angesehen werden.

  • Swissy am 18.11.2015 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I love it

    Ich war mal da als Austauschschülerin. Spätestens als ich Röschti bestellt habe (und eben nicht Rosti) wusste das ganze Restaurant, dass da eine echte Schweizerin ist. Alle wollten mich kennenlernen. Das war die beste 1. August-Feier ever. Würde jederzeit dahin zurückkehren

    • Tom. am 18.11.2015 21:27 Report Diesen Beitrag melden

      Mag ja, persönlich, ein Erlebnis sein

      Von aussen betrachtet - völlig schräg.

    • Kosmopolit am 19.11.2015 10:57 Report Diesen Beitrag melden

      Horizonterweiterung nötig

      @Tom - Am Besten Sie fahren da mal hin! Hoffe dann, dass Sie ihre Meinung etwas revidieren. Es gibt - abgesehen von der Schweiz - auch andere schöne, gute Regionen und Länder.

    • Tom. am 19.11.2015 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      @Kosmopolit

      Lustig, viele meinen man müsse ein bisschen rum reisen und die Erweiterung stelle sich dann automatisch ein. Erkenntnis 1: Man muss nicht alles toll finden. Nein, muss man nicht. Vorallem, wenn der Horizont schon etwas erweitert ist ;)

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