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Erlebnisbericht

05. Oktober 2019 18:57; Akt: 05.10.2019 18:57 Print

So fühlen sich 24 Stunden im Zug nach Sizilien an

von Gabriella Hummel - Bis zu 24 Stunden dauert eine Zugfahrt nach Sizilien. Klingt anstrengend? Das Gegenteil ist der Fall.

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Eine Einzelkabine im Nachtzug ist Luxus, aber nicht unbedingt teuer, wenn man früh genug bucht.

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«Also ich könnte das nicht.» Die meisten meiner Freunde reagierten so, als ich ihnen erzählte, dass ich über 24 Stunden im Zug nach Sizilien verbringen würde. Ich lasse mich davon nicht entmutigen und steige um 15 Uhr in Zürich in den Zug. Vier Stunden später folgt der Umstieg in Mailand in den Nachtzug, der mich an die Endstation Siracusa, am untersten Zipfel Italiens, befördern wird. Ich freue mich auf mein kleines Abenteuer und habe auch noch Glück: Das Sparticket in der 1. Klasse für ein Einzelabteil hat ab Zürich nur 150 Euro gekostet.

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Besser als fernsehen

Ich lasse das Samstagabend-Chaos am Bahnhof Milano Centrale hinter mir und beziehe mein Zimmerchen im Intercity Notte. Es hat ein grosses Fenster, ein Bett, einen Schrank und ein Lavabo. Auf dem Tischchen platziert der Schaffner eine dem Geschlecht des Passagiers angepasste – in meinem Fall eine rosarote – Box mit Zahnbürstchen, Schlafmaske, Oropax, Nähzeug und Feuchttüchlein.

Der Zug setzt sich in Bewegung und ich mich aufs Bett. Mailand zieht an mir vorbei, erst die Stadt, dann die Vorstadt, und bald schon fährt der Zug durch die schöne Landschaft. Das Timing ist perfekt: In der kommenden Stunde darf ich einen grandiosen Sonnenuntergang vor meinem Fenster beobachten. Tausendmal besser als fernsehen. Das Schaukeln des Zugs wiegelt mich langsam müde. Ich ziehe den Fensterladen runter und suche die Toilette am Ende meines Wagens auf. Festhalten ist Pflicht, auch auf dem WC. Und erst als ich mich hinlege, wird mir bewusst, wie laut es eigentlich ist. So ein schneller Zug macht ganz schön Lärm. Ich bin dankbar für die Oropax aus der Box und schlummere friedlich ein.

Verspätung in Sizilien

Das erste Licht des Tages und die Aufregung wecken mich: Wo ich wohl bin? Direkt vor dem Fenster sehe ich das türkisfarbene Mittelmeer und ein paar vorbeiziehende Sonnenschirme. Google Maps verrät, dass wir schon vor einer Weile an Neapel vorbeigefahren und damit schon weit im Süden Italiens sind. Der Schaffner bringt einen überraschend leckeren Espresso und Guetsli vorbei.

Ein Weilchen später hält der Zug an. Aha, das muss der Moment sein, in dem der Zug viergeteilt und auf eine Fähre gefahren wird. Ich hatte bereits gelesen, dass dieses Prozedere einige Stunden dauern würde, auch wenn die Fährenfahrt selber keine zehn Minuten dauert. Mit der einseitigen Aussicht schleicht sich in jenen Stunden auch ein wenig Langeweile ein, aber Bücher und Netflix bringen Ablenkung in mein Zugabteil. Es gibt Schlimmeres, als einen Tag lang im Bett herumzuliegen.

Der Weg ist das Ziel

Die letzten Stunden ziehen sich allerdings noch in die Länge. Irgendwo müssen wir Zeit verloren haben, denn als der Zug wieder anfährt, haben wir über eine Stunde Verspätung. Vor Catania spähe ich gespannt aus dem Fenster, in der Hoffnung, den Ätna zu Gesicht zu bekommen. Was ich sehe, ist leider nichts als Rauch: Der Ätna ist einer der aktivsten Vulkane Europas, und nur einen Tag zuvor ist er mal wieder ausgebrochen. Während auf Sizilien Flüge gestrichen werden, sitze ich gemütlich im Zug.

Mit zwei Stunden Verspätung fährt mein Zuhause auf Schienen um 17 Uhr in Siracusa ein. Ich fühle mich gut und erfreue mich der Tatsache, so viel Zeit mit mir selbst verbracht zu haben. Ob ich die Fahrt weiterempfehlen würde? Auf jeden Fall! Im Nachtzug ist der berühmte Weg das Ziel und ein Abenteuer für sich. Es müssen ja nicht gleich 24 Stunden sein.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luke Highwalker am 05.10.2019 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merci

    Danke für den tollen Bericht! Sie haben mich ehrlich gesagt gleich gluschtig auf eine Zugreise gemacht:)

  • Vivi am 05.10.2019 19:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lange her

    Als Kind sind wir mit dem Zug nach Sizilien ...in einem 6 Abteil ,mit Wildfremden.Es war heiss und stickig ...und trotzdem schön .Das Beste war il Traghettò (die Fähre) .ich staunte jedesmal ,dass ein ganzer Zug drin Platz hatteDann gingen wir hoch und assen Ein Arancino. Viele Jahre später war ich mit meinem Kind auf der Fähre und natürlich assen wir ein Arabcino.

  • Bea Wenger am 05.10.2019 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sizilien

    Wir waren vor fast 15 Jahre ebenfalls mit dem Nachtzug unterwegs nach Sizilien. Es war ein einmalieges Erlebnis. Nur zu empfehlen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ganjaflash am 18.10.2019 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden
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  • Karl am 16.10.2019 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Altstetten Lecce bitte wieder einführen

    Bin in den 80er 6x ZH Altstetten nach Lecce gefahren. Ich hoffe diese Nachtverbindung gibt es wieder. Was auch gut wäre, wieder einen Nachtzug nach Spanien. Fahre lieber mit dem Zug nach Spanien als mit dem Auto.

  • Siciliano am 16.10.2019 08:38 Report Diesen Beitrag melden

    Zurigo - Catania

    Tolle Story! Hat mich gerade an meine Kindheit erinnert, als wir zu 4. in den Süden gefahren sind. Tolle Zeit und würde ich jedem empfehlen dies mal zu erleben! #sicilialove

  • Eliane am 15.10.2019 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    So schön :-)

    Als Kind bin ich jedes Jahr Zürich - Lecce Zug gefahren. Im 6er Abteil (war das günstigste halt) und mit fremden Leute. Wir haben das Essen geteilt und hatten bis spät in die Nacht Spass und quatschten. Es waren die schönsten Reisen.

  • RS76 am 15.10.2019 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RS76

    Hab ich schon 2x mal gemacht. Aber nach Agrigent. Auch klar zu empfehlen...