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Zug fahren in Indien

28. Februar 2019 09:44; Akt: 28.02.2019 10:21 Print

Was Sie verpassen, wenn Sie die 1. Klasse buchen

von Irène Schäppi - Der Golden Temple Mail ist ein Expresszug, in dem man als Tourist dem echten Indien so richtig nahe kommt.

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Die Einfahrt des 12903/12904 Golden Temple Mail macht einem mal wieder klar, wie luxuriös der Schweizer ÖV ist. Nicht nur in Sachen Pünktlichkeit, sondern auch was Komfort und Platzverhältnisse betrifft. Die Ankündigung der Reiseleitung, wir würden nicht in der 1. Klasse, sondern Sleeper Class (also 2. Klasse mit Schlafkojen und ohne Klimaanlage) reisen, hat uns deshalb erst mal irritiert. Doch obwohl die eher klein gestalteten Schlafkojen kaum mit SBB-Standards mithalten können, wird ziemlich schnell klar, dass diese sechsstündige Zugfahrt von Delhi nach Sawai Madhopour etwas ganz Besonderes ist.

So zum Beispiel, als wir mit einem Sikh ins Gespräch kommen. Wir wissen jetzt nämlich, wie man einen Turban (das Erkennungszeichen eines männlichen Sikhs) bindet. Oder jener magische Moment, als wir, um eine Zigarette zu rauchen, es den Einheimischen gleichtun und bei fahrendem Zug die Tür öffnen. Ohne gleich von einem hysterischen Kontrolleur mit Busse zur Raison gebracht zu werden.

Vielleicht der beste Masala Chai in ganz Rajasthan

Überhaupt gehts in der Sleeper Class so richtig ab. Es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen in den Gängen. Verkäufer steigen bei verschiedenen Stationen zu und bieten ihre Waren an. Bei den Snacks trauen wir uns leider nicht zuzugreifen, dafür entscheiden wir uns für einen Chai und sind schon nach dem ersten Schluck im Himmel: Herrlich süss, kräftig gewürzt und mit der perfekten Menge Milch vermischt, ist das wohl der beste Masala Chai überhaupt.

Zu viel von diesem feinen Tee wollen wir allerdings nicht trinken. Denn für diejenigen, die schon in SBB-Zügen Toiletten meiden, wird jene im Golden Temple Mail bestimmt auch keine Option sein. Die WC-Tür ist mit «Toilet Indian Style» angeschrieben, was bedeutet, dass man sein Geschäft bei 110 km/h stehend erledigt.

Hoffnung schöpfen

Als noch ein Buchhändler vorbeikommt, fühlen wir uns schon fast wie die Locals im Zug und kaufen dem Herrn den Roman «Palast der Hoffnung» von Chitra Banerjee Divakaruni ab. Ein schöner Name, der irgendwie auch zum anstehenden Besuch im Rehabilitations- und Ausbildungszentrum für Kinder Bal Ashram in Viratnagar passt.

Gegründet wurde Bal Ashram vom indischen Nobelpreisträger Kailash Satyarthi, der sich seit bald 40 Jahren für die Rechte von Kindern einsetzt und in Viratnagar ehemaligen Kindersklaven einen Rückzugsort bietet. Was uns bei all der halt doch stets präsenten Armut in Indien wieder etwas Hoffnung schöpfen lässt.


Der Golden Temple Mail fährt am Bahnhof in Delhi ein. (Video: Irène Schäppi)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Alex dEr Weltreisende am 28.02.2019 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Touri-Egos

    Auch wenn es noch so reizvoll klingt wie im Bericht. Als Tourist sollte man in solchen Ländern und Zügen stets die höchste Klasse nehmen. Warum? Bei Fahrt in der 2. oder 3. Klasse nimmt man den Leuten den Platz weg, die sich keine höhere Klasse leisten können. Insbesondere bei ausgebuchten Zügen wirkt sich direkt auf "weniger reiche" Fahrgäste aus. Den Kontakt zur Bevölkerung kann man auch ausserhalb eines Zuges knüpfen...

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  • Der Reisende am 28.02.2019 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Da kommt noch eine Klasse

    Jaja so ist das in Indien, jedoch gibt es noch eine günstigere Klasse, da kann man noch tiefer eintauchen...

  • bibi am 28.02.2019 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    sleeper class

    Hatte nie das Gefühl, dass die indischen Züge 110 kmh fahren :D Und mochte die Indian Style Toilette immer mehr als die normale....weil bitte...hinsetzen tut man sich ja hoffentlich sowieso nicht :) Aber es stimmt....das Zugfahren darf man sich auf einer Indienreise nicht entgehen lassen...macht super Spass :) Die Sleeperclass ist ein echtes Abenteuer!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MartinT am 28.02.2019 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    keinesfalls 1. Klasse, macht keinen Spaß

    1000 km und 24 Stunden mit dem Zug von Goa nach Kerala, waren vor 20 Jahren eine super Erfahrung. Da braucht man richtig gute Nerven in der 2. Klasse sleeper. Sehr nette Mitreisende, äussert scharfes Essen, bettelnde Familien, alles dabei. Nur keinesfalls die Toilette Indian style benutzen. Aber sehr günstig, 2 Personen hin/zurück für knapp 30 Franken.

  • shivadiva am 28.02.2019 11:43 Report Diesen Beitrag melden

    so gut

    Wir hatten auf einer längeren Zugreise (2. Klasse) in Südindien Frühstück für den nächsten Tag vorbestellt, welches uns pünktlich im Morgengrauen in Form von Reis und köstlichem Gemüse auf einem Tablet serviert wurde...

  • Robert Müller am 28.02.2019 11:26 Report Diesen Beitrag melden

    Abenteuer Zugfahrt

    Bin unzählige Male in diesen Zügen gefahren und auch die sleeper class. Immer was los in diesen Zügen und man kommt sofort in Kontakt mit den Mitreisenden da alle neugierig sind.

  • A.Furrer am 28.02.2019 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Abenteuer Reise

    Vor 25 Jahren wurde sogar in den Zügen gekocht ( Gas)und einsteigende Passagiere verköstigt. An grossen Stationen gab es verschiedene Gerichte die angeboten wurden. Als ich nach einem Nickerchen aufwachte, sah ich direkt in die dunklen klaren Augen eines Inders welcher draussen am Gitter des Fensters hing.

  • Josef, Luzern am 28.02.2019 11:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Upper Class

    Bin in Indien meistens in der Sleeper Class unterwegs gewesen. Völlig ausreichend und herzliche Bekanntschaften waren garantiert. Für jene, welche ein ganz spezielles Erlebnis suchen, buchen am besten Upper Class, i.e. auf dem Dach! LOL