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Das Leiden der Lämmer

30. April 2018 23:27; Akt: 30.04.2018 23:27 Print

Was Touristen mit toten Schafen zu tun haben

von Fee Riebeling - Für Schafe ist der Norden von Sylt ein Paradies. Aber wie lange noch? Denn obwohl sie erst seit kurzem draussen grasen, gibt es schon Tote.

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Dass Jürgen Wolf-Diedrichsen, Schafzüchter auf Sylt, diese Notiz auf den Mülleimer gekritzelt hat, darf bezweifelt werden. Grund genug hätte er aber dafür. Denn Wolf-Diedrichsen lebt und arbeitet dort, wo andere gern Ferien machen: Im Norden der Insel Sylt. Genauer gesagt am sogenannten Ellenbogen, der zu langen Spaziergängen einlädt und nicht zuletzt wegen seiner geografischen Lage bei Touristen hoch im Kurs steht. Schliesslich befindet sich hier der nördlichste Punkt Deutschlands. Auf dieser weitgehend naturbelassenen Halbinsel in der Nordsee weiden auch Wolf-Diedrichsens Schafe. Und das frei – kein Zaun beengt sie. Sie können sich tummeln, wo immer sie wollen. Für diese Freiheit bezahlen Tiere und Züchter jedoch einen hohen Preis. Denn immer wieder werden einzelne von ihnen gerissen. Ein Problem, das auch in anderen Ecken der Insel bekannt ist. In diesem Jahr hat es Jürgen Wolf-Diedrichsens Herde als erste getroffen. Der Schafzüchter vermutet einen freilaufenden Hund als Täter, wie die «Sylter Rundschau» schreibt. In den letzten Jahren sei es immer wieder vorgekommen, dass Hundehalter die zahlreichen Hinweisschilder missachtet und ihre Vierbeiner von der Leine gelassen hätten – frei nach dem Motto «Mein Hund tut nichts». Doch damit liegen sie allzu oft falsch, wie Wolf-Diedrichsen weiss. Dabei dürfte es eigentlich gar nicht so weit kommen. Denn die Rechtslage ist eindeutig: Der Ellenbogen ist Naturschutzgebiet. Damit herrscht dort genereller Leinenzwang. Gleiches besagt auch das schleswig-holsteinische Hundegesetz von 2015. Weil sich einige Hundehalter davon nicht abschrecken lassen, hat Wolf-Diedrichsen Vorkehrungen getroffen. Da das Risiko für seine Schafe zur Osterreisezeit besonders gross ist, hat er seinen Zuchtplan umgestellt. Seine Lämmer kommen jetzt erst nach den Feiertagen zur Welt, wenn der Grossteil der Hundehalter bereits abgereist ist. Auch im aktuellen Fall ist er aktiv geworden. Um wenigstens etwas über die Rasse des Hundes zu erfahren und darüber vielleicht den Halter aufspüren zu können, plant er, eine Probe des gerissenen Lamms an das Hamburger For-Gen-Institut für forensische Genetik zu schicken. Es sei «ein verzweifelter Versuch, aber man darf sich ja nicht alles gefallen lassen».

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Sylt ist immer eine Reise wert. Das finden nicht nur viele Deutsche, sondern auch immer mehr Schweizer. Sie gesellen sich nur zu gern zu den rund 21'500 Einwohnern der nordfriesischen Insel. Doch für die Beliebtheit zahlen insbesondere die Schafzüchter der Insel einen hohen Preis. Sie müssen alljährlich zahlreiche gerissene Schafe beklagen.

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Das ist vor allem am Ellenbogen im Norden der Insel der Fall, denn dort dürfen die Tiere frei grasen. «Jedes Jahr verlieren wir zehn bis 15 Schafe, weil sie von Hunden verletzt werden – da platzt einem die Hutschnur», zitiert die «Sylter Rundschau» Jürgen Wolf-Diedrichsen. Sein Ärger ist frisch. Schliesslich hat es seine Herde in diesem Jahr als erste erwischt. In den weiten Salzwiesen wurde ein totes Lamm entdeckt.

Der Schafzüchter vermutet einen freilaufenden Hund als Täter. In den letzten Jahren sei es immer wieder vorgekommen, dass Hundehalter die zahlreichen Hinweisschilder auf dem Ellenbogen missachtet und ihre Vierbeiner von der Leine gelassen hätten – frei nach dem Motto «Mein Hund tut nichts».

Wenn der Jagdinstinkt erwacht

Doch damit liegen sie allzu oft falsch, wie Wolf-Diedrichsen aus Erfahrung weiss, wobei Grösse und Rasse der Hunde keine Rolle spielten: «Auch ein Rehpinscher oder ein Yorkshire
Terrier können ganze Herden verrückt machen.»

Wenn der Jagdinstinkt von Hunden erwacht, gibt es kein Halten mehr. Sie versetzen die Schafe so in Panik, dass Mütter und Lämmer auseinanderlaufen und sich, selbst wenn sie die Attacke überleben, nicht wiederfinden, berichtet die «Sylter Rundschau». Auch käme es vor, dass Tiere mit Bissverletzungen behandelt oder eingeschläfert werden müssten. Die meisten Schafe verendeten jedoch elendig.

Dabei dürfte es eigentlich gar nicht so weit kommen. Denn die Rechtslage ist eindeutig: Der Ellenbogen ist Naturschutzgebiet. Damit herrscht dort genereller Leinenzwang. Gleiches besagt auch das schleswig-holsteinische Hundegesetz von 2015.

Zucht wegen Touristen umgestellt

Weil sich manch ein Hundehalter davon nicht abschrecken lässt, hat Wolf-Diedrichsen seinerseits Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Da das Risiko für seine Schafe durch freilaufende Hunde zur Osterreisezeit besonders gross ist, hat er seinen Zuchtplan umgestellt. Anders als früher kommen die meisten seiner Lämmer jetzt erst nach den Feiertagen zur Welt, wenn der Grossteil der Hundehalter bereits abgereist ist.

Auch im aktuellen Fall ist er aktiv geworden. Um wenigstens etwas über die Rasse des Hundes zu erfahren und darüber vielleicht den Halter aufspüren zu können, plant er, eine Probe des gerissenen Lamms an das Hamburger For-Gen-Institut für forensische Genetik zu schicken. Es sei «ein verzweifelter Versuch, aber man darf sich ja nicht alles gefallen lassen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cleo am 01.05.2018 00:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur traurig

    Leider studieren teils Hundebesitzer nicht einen Millimeter weit. Und so jemand soll tierliebend sein. Ich kann den Bauern verstehen

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  • mensch am 01.05.2018 07:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    martin rütter lässt grüssen

    man sieht es ja täglich. manche hundebesitzer sind nicht intelligenter als das stück weg worauf sie laufen. mir tun die tiere leid.

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  • CaptainLonestarr am 01.05.2018 06:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Passiert auch bei uns

    Trotz Hinweisschilder auf Wildschutz/Naturschutzgebiete lassen die Halter ihre Hunde von der Leine. Wenn man sie daraf anspricht werden sie agressiv und/oder beschimpfen einem als Tierhasser. Dabei ist es gerade meine Sorge um die jungen Wildtiere. Ich verstehe sowieso nicht weshalb ausgerechnet Städter grosse Hunde wie Schäfer und Malamut etc. brauchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bud am 16.05.2018 11:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kakrakerikiiii

    es gibt nichts schlimmeres als: Hündeler und Stündeler!!!!!

  • derinderinderinderim am 08.05.2018 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Naturschutzgebiet

    Dort haben Schafe doch nichts verloren. Sie belasten den Boden mit Antibiotika und Hormonen und dezimieren seltene Gräser. Der Bauer äussert eine fragwürdige Vermutung und die Hundehasser freuts.

  • bebbeli am 03.05.2018 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Regeln

    Bald werden die Hunde an vielen Orten unerwünscht sein und nur, weil sich viele Hundehalter nicht an die Regeln halten. Die Freude am eigenen Hund soll nicht zum Aerger von anderen Menschen werden.

  • Hundetrainer am 03.05.2018 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prollgestänker

    Ein Hund der erzogen ist braucht keine Leine. Nirgends! Also bitte nicht immer dies dummen Verallgemeonerungen. Ein erzogener Hund läuft nämlich mit einer unsichtbaren Leine herum, die ihn mit seiner Meute, sprich seinem Chef verbindet. Man stellt wieder einmal fest, dass hier nur völlig unwissende Pöbeln, die keine Ahnung haben von Tieren. Hauptsache man kann hier den grossen Macker markieren. Aber es heisst ja auch: Hunde die bellen, beissen nicht.

    • Nationless am 04.05.2018 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Hundetrainer

      Bei Hunden bleibt immer noch ein Restrisiko vorhanden und dies um ein Vielfaches mehr als bei den Menschen, Hunde von den Raubtieren stammen.

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  • Hubertikus am 03.05.2018 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    da staunt der Laie

    Sylt war früher das Armenhaus Deutschlands. Heute "klönen" die Einwohner wegen 10-15 verlorenen Schafen pro Jahr. Das nenne ich "Klönen auf hohem Niveau".

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