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Singapur

06. August 2014 12:26; Akt: 06.08.2014 15:11 Print

Willensnation der Zukunft?

Singapur ist mehr als ein Vergnügungspark für Stop-over-Touristen: Ein faszinierendes Zivilisations-Experiment, das Ahnungen aufkommen lässt, wie unsere eigene Zukunft aussehen könnte.

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«Die Schweiz ist ein grosses Vorbild für uns. Wir wollen es mindestens so gut machen» - als Schweizer hört man diesen Satz in Singapur immer wieder. Bloss: Die Singapurer könnten dasselbe auch zu den Franzosen, den Amerikanern, den Dänen, ja sogar den Italienern sagen. Denn der Wunsch nach wirtschaftlichem Erfolg, die Sehnsucht nach Bedeutung auf dem Globus und damit verbunden ein völlig unverkrampfter Hang zum Kopieren sind offenkundig bei jedem Schritt in dem 700 km2 grossen Stadtstaat in Südostsasien. Was das in Asien nicht ganz ungewöhnliche Phänomen Singapur bemerkenswert macht, ist, dass es auch funktioniert. Denn in Singapur liegt allem, was geschieht, ein unglaublicher Wille zur Perfektion zugrunde. Ein prominentes Beispiel ist die berühmte Skyline mit all ihren architektonischen Ausrufezeichen. Spektakulär: Der Dachgarten des Hotels Marina Sands Bay in Form eines Schiffes. In 191 Metern Höhe können die Hotelgäste schwimmen und sich sonnen wie am Strand... Touristen dürfen ihnen gegen eine Gebühr von 20 Dollar zuschauen. Um die Strassen überhelvetisch bis klinisch sauber zu bekommen, verbot die Regierung kurzerhand Kaugummis im ganzen Land. Wer littert, den erwarten Stockschläge, wer Drogen ins Land bringt, der bekommt die Todesstrafe. Das erfährt der Zureisende bereits im Flugzeug. Geraucht werden darf nur noch in markierten Zonen. Auch das Zusammenleben funktioniert strikt lösungsorientiert: Damit in dem Vielvölkergemisch Singapurs - Chinesen, Malaien, Inder - keine Spannungen aufkommen, hat die Regierung die Bildung ethnisch homogener Viertel kurzerhand verboten... In jedem Wohnblock müssen alle Ethnien und Religionen entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung vertreten sein, und Mischehen sind ausdrücklich gern gesehen. Selbst das Dengue-Fieber, Geissel der Menschen in der ganzen Region, hat Singapur kurzerhand quasi abgeschafft: Um den Moskitolarven den Garaus zu machen, werden sämtliche Gärten und Grünanlagen des Landes im Zweiwochenrhythmus mit Insektengift eingenebelt. Der Preis dafür: Auch Bienen (hier im Bild) und Schmetterlinge sind in den spektakulären Parks der Stadt zur echten Rarität geworden. Als Zukunftsvision für Länder wie die Schweiz, die sich mit dem Bevölkerungswachstum und dem Klimawandel zumindest einem Teil dieser Sachzwänge ebenfalls stellen müssen wird, ist Singapur beides: Faszinierend und ein wenig unheimlich zugleich.

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«Die Schweiz ist ein grosses Vorbild für uns. Wir wollen es mindestens so gut machen.» – Als Schweizer hört man diesen Satz in Singapur immer wieder. Bloss: Die Singapurer könnten dasselbe auch zu den Franzosen, den Amerikanern, den Dänen, ja sogar den Italienern sagen. Denn der Wunsch nach wirtschaftlichem Erfolg, die Sehnsucht nach Bedeutung auf dem Globus und damit verbunden ein völlig unverkrampfter Hang zum Kopieren sind offenkundig bei jedem Schritt in dem 700 km² grossen Stadtstaat in Südostasien. Was das in Asien nicht ganz ungewöhnliche Phänomen in Singapur bemerkenswert macht, ist, dass es auch funktioniert. Denn in Singapur liegt allem, was geschieht, ein unglaublicher Wille zur Perfektion zugrunde.

Exotische Köstlichkeiten ohne Risiko

Die prominenten Beispiele nebst der berühmten Skyline mit all ihren architektonischen Ausrufezeichen: Um die Strassen über-helvetisch bis klinisch sauber zu bekommen, verbot die Regierung kurzerhand Kaugummis im ganzen Land, geraucht werden darf nur noch in markierten Zonen, und wer littert, den erwarten Stockschläge. Wer Drogen ins Land bringt, wird mit dem Tod bestraft – das erfährt der Zureisende bereits im Flugzeug. Und während im übrigen tropischen Asien schon Essen im Restaurant für den die Kost nicht gewohnten Westler lebensgefährlich sein kann, isst er in Singapur völlig gefahrlos von jedem Strassenstand exotischste Köstlichkeiten. Grund: Die Regierung wollte es so – und setzte ihr Ziel mit einem Heer von Hygieneinspektoren um.

Inländervorrang und ethnische Quoten

Auch das Zusammenleben funktioniert strikt lösungsorientiert: Im Singapurer Finanzsektor arbeitet ein Heer von Expats. Doch bei Neuanstellungen gilt ein konsequenter Inländervorrang. Und damit in dem Vielvölkergemisch Singapurs – Chinesen, Malaien, Inder – keine Spannungen aufkommen, hat die Regierung die Bildung ethnisch homogener Viertel kurzerhand verboten: In jedem Wohnblock müssen alle Ethnien und Religionen entsprechend ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung vertreten sein, und Mischehen sind ausdrücklich gern gesehen.
Arbeitslosenentschädigung oder Sozialhilfe gibt es in Singapur nicht – die Arbeitslosenquote liegt wohl nicht zuletzt deshalb bei spektakulär tiefen 1,8 Prozent. Und das riesige Casino auf Sentosa ist nur für Ausländer zugänglich: Man will zwar Geld verdienen, aber Spielsüchtige in der einheimischen Bevölkerung sind nicht erwünscht.

Jeder Mücke wird der Garaus gemacht

Selbst das Dengue-Fieber, Geissel der Menschen in der ganzen Region, hat Singapur kurzerhand quasi abgeschafft: Per Gesetz gibt es in der gesamten Stadt kein einziges stehendes Gewässer ohne Goldfische, und um allen übrigen Moskitolarven den Garaus zu machen, werden sämtliche Gärten und Grünanlagen des Landes im Zweiwochenrhythmus mit Insektengift eingenebelt. Der Preis dafür: Auch Bienen und Schmetterlinge sind in den spektakulären Parks der Stadt zur echten Rarität geworden.

Als Zukunftsvision für Länder wie die Schweiz, die sich mit dem Bevölkerungswachstum und dem Klimawandel zumindest einem Teil dieser Sachzwänge ebenfalls stellen müssen wird, ist Singapur beides: faszinierend und ein wenig unheimlich zugleich.

(loo)

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