Sizilien

01. März 2020 12:00; Akt: 12.03.2020 09:32 Print

Jungbrunnen Pantelleria

von Irene Schäppi - Die Bewohner der sizilianischen Insel scheinen dank heilendem Schlamm und Süsswein weniger schnell zu altern. Hingehen lohnt sich also!

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Für alle, die den Film «A Bigger Splash» nicht gesehen haben: Am Lago di Venere kann man herrlich nach DIY-Fango-Packungen am Strand bei Wind und Sonne fläzen. Auch einen Stopp wert: Der Arco dell'Elefante. Übrigens: Auf den Lavagebilden gleich neben dem L'Arco dell'Elefante kann man herrlich meditieren. Oder einfach mal auch an nichts denken. Wenn auf Pantelleria, dann unbedingt genug Zeit für einen Besuch der Cantina Donnafugata inmitten von Weinfeldern bei Khamma einplanen! Dort wird die Muskateller-Sorte Zibibbo angebaut und ab Mitte September geerntet. Etwa 40 Kilo schafft jeder Arbeiter am Tag. Unsere Autorin hat es auch versucht, ... ... sich dann aber ziemlich schnell ... ... fürs Naschen der aromatischen Beeren entschieden. Nach der Ernte werden die Zibibbo-Trauben etwa drei Wochen im Wind und in der Sonne getrocknet, damit sich ihr Saft konzentriert. Daraus keltert Donnafugata dann den weltbekannten Passitowein Ben Ryé. Nein, das hier ist nicht Tony Soprano, sondern Angelo, der die getrockneten Trauben ... ... von sämtlichen Stängeln und Stielen in stundenlanger Handarbeit befreit. Sind die Zibibbos so weit, presst man die gezupften Passitotrauben und gibt sie danach zum Most aus frischen Trauben, wie Donnafugata-CEO Antonio Rallo uns erklärt. Ein weiteres Must der Cantina von Donnafugata: Die Giardini Pantelleschi. Genauer: Das sind rundgemauerte Vulkansteine, worin ein eigenes Mikroklima herrscht, weil sich darin Wasser ansammelt. So können dort Zitrusbäume wachsen. Auch nicht verpassen: Ein Dinner (oder Lunch) im Restaurant Il Principe e il Pirata an der Strada Punta Karace. Pssst: Kultdesigner Giorgio Armani hat dort einen eigenen Tisch. Während Mama Franca am Herd steht (ihre Pasta mit einer Mischung aus Seeigel und Kaffee ist ein Traum!), sorgen Papa Luciano sowie die Söhne Marco (der Prinz) und Simone (der Pirat) dafür, dass das Gourmetessen bei den Gästen auf den Tisch kommt. Darunter auch Francas famoses Dessert Bacio Pantesco. Passt so gut zu einem Gläschen Ben Ryé, dass unsere Autorin nach dem ersten Biss gleich «Outro» von der französischen Electronic-/Dreampop-Band M83 im Ohr hatte.

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Gleich mal vorneweg: Sollten Sie die Anreise nach Pantelleria per Autofähre von Trapani aus planen – das dauert etwa sieben Stunden, lassen Sie Ihren SUV zu Hause. Die Strassen auf der 110 Kilometer von Sizilien und 70 Kilometer von Tunesien entfernten Vulkaninsel sind so eng und steil, dass man nur mit einem kleinen Auto durchkommt. Wir empfehlen an dieser Stelle darum, einen Fiat Panda zu mieten und so gleich nach Ankunft voll in die Italianità einzutauchen.

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Tochter der Winde anfliegen

Falls Sie sich aber für eine Flugreise entscheiden, stellen Sie sich auf einen teilweise holprigen Anflug ein. Nicht umsonst gelten Piloten, die Pantelleria anfliegen, als die Bestausgebildetsten überhaupt, weil das Wetter auf der Mittelmeerinsel vom Wind dominiert wird. Nicht weiter verwunderlich also, dass Pantelleria darum von den Arabern «Tochter der Winde» genannt wurde. So stürmisch die Winde, so wechselhaft ist das Wetter auf Pantelleria: Mal streichelt einem der Wind in einem zärtlichen Hauch über die Wange, um sich dann urplötzlich in eine heftige Sturmböe zu verwandeln, und danach scheint die Sonne, als ob nichts gewesen sein.

Das könnte wohl einer der Gründe sein, weshalb Pantelleria noch nicht so vom Tourismus erschlossen worden ist. Weshalb es tendenziell eher wenige Hotels auf der Vulkaninsel gibt. Darunter das Dream Hotel Pantelleria, das wir wärmstens empfehlen können. Nicht nur wegen des einzigartigen Blicks auf die stets in Bewegung scheinende See, sondern wegen auch der für die Insel typischen Architektur: Sämtliche Unterkünfte wurden wie die überall auf Pantelleria zu sehenden Dammusi – die typische traditionelle mit maltesischen Einflüssen erbaute Hausform der Insel – gestaltet. Wers lieber privat mag, kann sich sein eigenes Dammuso mieten.

DIY-Fango und wie Armani essen

Ein Must auf Pantelleria sind DIY-Fango-Packungen am Lago di Venere – sich also am ganzen Körper mit dem dort vorhandenen schwefelhaltigen Mineralschlamm einzureiben. Das soll heilend wirken. Wie das geht, haben uns die Schauspieler Tilda Swinton und Matthias Schoenaerts in «A Bigger Splash» gezeigt. Ebenfalls nicht entgehen lassen sollte man sich einen Gourmet-Besuch im Il Pirincipe et il Pirata, der wohl beliebtesten Osteria der Insel. Und dem Lieblingslokal von Modedesigner Giorigio Armani, der auf Pantelleria ein Feriengut sein Eigen nennt. Logisch hat Signore Armani in diesem Restaurant seinen eigenen Tisch und soll dort – pssst! – jeweils ab 18.30 Uhr dinieren gehen.

Weintourismus mal anders

Obwohl es im Sommer auf der Vulkaninsel schon mal 50 Grad heiss werden kann, lohnt es sich, den Pantelleria-Trip auf Juni zu legen. Oder Ende September. Dann öffnet das Weingut Donnafugata seine dortige, bei Khamma gelegene Cantina, die von der Winzerfamilie Rallo geführt wird. Dort wird die Rebsorte Zibibbo (Moscato d'Alessandria) nach der seltenen und in das Unesco-Weltkulturerbe aufgenommenen Alberello-Methode angebaut, womit unter anderem Süsswein, auch Passitowein genannt, produziert wird. Genauer: Nach der Ernte Mitte September werden die Muskateller-Trauben auf Gittern in Wind und Sonne getrocknet, wodurch sie ganz andere Aromen entwickeln als im Ofen wie uns Baldo Palermo, Sprecher des Weinguts, erklärt.

Aus den verwelkten Trauben (es braucht circa vier Kilo Zibibbo-Trauben dafür) entsteht dann der dunkel wie Honig leuchtende Ben Ryé – eines der Spitzenprodukte von Donnafugata und wohl einer der besten Süssweine ever, wie wir finden.