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19. August 2019 08:58; Akt: 20.08.2019 11:23 Print

Wer sein Kind zur Schule fährt, tut ihm nichts Gutes

Sie meinen es ja nur gut, die Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Einen Gefallen tun sie damit dem Nachwuchs sowie anderen Verkehrsteilnehmern aber nicht.

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(Bild: Getty Images)

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«Generation Rücksitz» nennt man die Kinder, die den Schulweg statt auf zwei Beinen auf vier Rädern im Auto der Eltern zurücklegen. Und dies nicht nur ausnahmsweise oder ganz am Anfang ihrer Schulzeit, sondern regelmässig und manche bis ins Teenageralter.

Und es werden immer mehr. Der VCS hat über 1000 Eltern befragt, ob sie ihr Kind mit dem Auto zur Schule fahren. Das Ergebnis: Jedes zehnte Kind wird in der Deutschschweiz regelmässig zur Schule gefahren, das heisst mindestens einmal pro Woche. In der Romandie sind es rund 50 Prozent und im Tessin gar 63 Prozent. Zudem hat sich der Anteil der Kinder, die im Auto zur Schule fahren, zwischen 2005 und 2015 um 40 Prozent erhöht. Kein Wunder bricht mancherorts vor und nach Schulschluss der Verkehr zusammen. Dabei gibt es genügend Gründe, auf das Herumkarren der Kinder zu verzichten.

Unfallrisiko steigt
Mami und Papi sind besorgt um die Sicherheit ihrer Kinder – aber auf dem Rücksitz des Autos können Kinder nicht lernen, Verkehrsgefahren zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten. Kommt dazu, dass die Eltern-Taxis beim Parkieren auf Trottoirs und beim Manövrieren in häufig engen Strassen andere Verkehrsteilnehmer gefährden: ältere Menschen, Velofahrer, Fussgänger sowie die eigenen wie auch fremde Kinder.

Wenn Kinder zu Fuss zur Schule gehen, kommen sie dort wach und munter an und können sich besser konzentrieren als die Kinder, die praktisch direkt aus dem Bett in die Schulbank gekarrt werden. Das hat eine dänische Studie ergeben.

Werden Kinder regelmässig in die Schule gefahren, signalisieren Eltern: «Wir trauen dir nicht zu, dass du ohne uns sicher in die Schule kommst.» Das ist ein eindeutiges, aber falsches Signal. Denn wenn Mami und Papi dem Kind nicht mal den Schulweg zutrauen, wie soll dann das Kind die Schulzeit mit all ihren Anforderungen schaffen?

Weniger Freiraum
Schulweg bedeutet auch Freiraum. Weit und breit keine Erwachsenen, die die Kinder kontrollieren. Das ist ungewohnt und aufregend. Der Schulweg wird so zu einer Art Erlebnisparcours. Da gibt es so viel zu sehen, zu entdecken, Kinder müssen Entscheidungen treffen, Beobachtungen richtig einordnen und auch Konflikte mit anderen Kinder austragen. All diese Erfahrungen sind wichtig für ihre Entwicklung und können im Mami-Taxi nicht gemacht werden.

Wie aber kommen gerade kleine Kinder sicher zu Fuss in die Schule oder in den Chindsgi? Hier haben Eltern eine wichtige Vorbildfunktion. Sie sollten sich selber an die Verkehrsregeln halten und ihrem Kind schon frühzeitig zeigen, dass die Strasse eine Gefahrenzone ist und kein Spielplatz. Der Spruch «luege, lose, laufe» ist nach wie vor gültig und sollte dem Kind geläufig sein. Wichtig ist auch, dass sich Eltern die Zeit nehmen, den Schulweg so lange mit dem Nachwuchs zu üben, bis das Kind ihn sicher bewältigen kann.


3 Fragen an Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention bei der AXA

Wo lauert auf dem Schulweg die grösste Gefahr für Kinder?
Das ist sehr individuell und kommt ganz auf den Schulweg an. Ein Gebüsch, das die Sicht verdeckt, kann gefährlicher sein als eine vielbefahrene Strasse, bei der ein Lichtsignal den Verkehr regelt.

Was können Eltern tun, damit ihr Kind sicher unterwegs ist?
Ganz wichtig ist, dass Eltern den Schulweg sozusagen auf Augenhöhe des Kindes auf mögliche Gefahren überprüfen und ihn dann mit dem Kind üben. Der Schul- oder Chindsgiweg sollte wie eine Art Ritual auf immer die gleiche Art und Weise gemeistert werden. Das Kind muss in der Lage sein, die Gefahrenzonen zu erkennen und konzentriert zu bewältigen. Typische Situationen kann es im vornherein spielerisch mit der neuen Max-der-Dachs-App üben und dann das Gelernte in die Praxis umsetzen.

Auch andere Verkehrsteilnehmer sind gefordert. Wo sehen Sie hier Handlungsbedarf?
Erwachsene müssen sich ihrer Vorbildfunktion bewusst sein. Also nicht bei Rot über die Strasse oder, ohne richtig hinzuschauen, über den Fussgängerstreifen. Sie sollten fast schon demonstrativ zeigen, wie man es richtig macht. Autofahrer müssen immer ganz still stehen, wenn ein Kind die Strasse überqueren will, denn es kann keine Geschwindigkeiten einschätzen und orientiert sich deshalb an den Rädern. Und man muss ihm auch Zeit lassen zum Luege, Lose und erst dann Laufe.


Sicher unterwegs mit Max der Dachs

Weitere Tipps für einen sicheren Schulweg liefert Ihnen Max der Dachs.

Neu gibt es auch die Max-der-Dachs-App als Verkehrstraining für Kinder ab vier Jahren. Mit dieser Lernapp können Kinder noch vor dem Kindergarten reale Situationen im Strassenverkehr üben und die Verkehrsregeln in der Schweiz auf spielerische Weise erlernen.