Steil

01. März 2020 19:43; Akt: 01.03.2020 19:43 Print

14 Orte am Rande des Abgrunds

Die Aussicht atemberaubend, Spaziergänge nicht ungefährlich: Wir zeigen dir 14 Orte an Klippen, Abhängen und Bergen.

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Diese Konstruktion im Berg ist fast 1000 Jahre alt: Das Montezuma Castle wurde trotz des Namens nicht von den Azteken erbaut, sondern von den Sinagua. Aufgebaut ist es ein bisschen wie ein Mehrfamilienhaus. Es gibt fünf Stockwerke und 20 Räume, die vertikal in den Fels gebaut wurden. Rund 30 Meter über dem Boden war es nur mit Leitern erreichbar. Die Leitern dienten so auch zum Schutz vor unerwünschten Eindringlingen. Die Sternwarte in Güéjar Sierra, einer Gemeinde in Spanien, ist ein beliebtes Fotomotiv. Sie wurde 1902 gebaut und sollte die klaren Himmel über der Sierra Nevada nutzen. Das Observatorium wurde aber technisch schnell überholt ... ... und war bereits Mitte des 20. Jahrhunderts veraltet. In den Siebzigern wurde eine zweite Sternwarte in der Nähe gebaut, die das Observatorio Mojón del Trigo überflüssig machte. Seit damals ist das Gebäude leer. Dieses italienische Dörfchen verliert jedes Jahr an Grund und Boden. Es befindet sich auf einem Plateau auf einem Hügel, dessen Seiten immer mehr abbrechen. Das Dörfchen wurde vor über 2500 Jahren von den Etruskern gegründet. Die Lage hatte vor allem verteidigungstechnische Gründe: Es gab nur einen Weg ins Dorf, der leicht zu verteidigen war. Heute leben im Sommer etwa 100 Menschen im Dorf, im Winter deutlich weniger. Es gibt Pläne, die Kanten des Hügels zu sichern – umgesetzt wurde aber bisher nichts. Die Eremiten von Karoulia leben an einem speziellen Ort: Karoulia gilt als rauste Stelle des Berges Athos. Die Eremiten wohnen in kleinen Hütten am südwestlichen Hang des Berges. Diese Stelle zu erreichen, ist nicht einfach: Manche der Hütten sind nur durch Klettern erreichbar. Die Eremiten sammeln Regenwasser, und einige hängen Körbe von den Klippen, in die Reisende Lebensmittel legen können. Lalibela ist eine heilige Stadt und wegen der Kirchen aus dem 12. Jahrhundert auch Unesco-Weltkulturerbe. Dort befindet sich auch Ben Abeba, ein Restaurant mit fantastischer Aussicht. Die Einheimischen bezeichnen es als «Raumschiff», «Kochtopf» oder «Schneckenhaus». Das Gebäude wurde von lokalen Architekten gebaut und ist so konzipiert, dass Besucher von überall einen grossartigen Ausblick haben. Das Sphinx-Observatorium ist eine Forschungsstation auf dem Jungfraujoch, die 1937 erbaut wurde. Sie ist nach der Felsenkuppe Sphinx benannt, auf deren Spitze (3571 m ü. M.) sie steht. Damit ist das Observatorium das höchstgelegene Gebäude in ganz Europa. Darin befinden sich mehrere Labors, eine Wetterstation und ein Teleskop. Roccascalegna ist ein kleines Dorf in der Region Abruzzen. Oberhalb des Dorfes, auf einem Hügel, befindet sich das Castello di Roccascalegna, ein Fort am Rande einer Klippe. Das Fort hat diverse Invasionen überstanden und ist vermutlich über 1400 Jahre alt. Eine bekannte Legende dreht sich um den Corvo de Corvis, einen Baron aus dem 17. Jahrhundert, der das Schloss bewohnte. Er soll ein Gesetz eingeführt haben, gemäss dem frisch verheiratete Frauen ihre Hochzeitsnacht mit ihm verbringen mussten. Angeblich wurde er von einer Braut oder einem Bräutigam erstochen. Der Baron soll heute noch im Fort herumspuken, trotzdem kann das Schloss seit 2018 für Veranstaltungen gemietet werden. Das Schwalbennest ist ein Schloss an der Südküste der Halbinsel Krim. Es steht etwa 40 Meter über dem Meer auf einer Klippe, dem Ai-Todor-Kap. Ursprünglich stand an dieser Stelle nur ein Holzhaus, das auf Geheiss eines russischen Generals um 1895 erbaut wurde. Das Schloss wurde später vom Baron von Stiengel erbaut. Die Lage ist aussergewöhnlich: Es steht nicht nur am Rand einer Klippe; ein Teil der Balkone und Terrassen liegt sogar über der Klippe. Und obwohl es aussieht, als könnte das Schloss jeden Moment ins Meer fallen, hat es bereits ein starkes Erdbeben (6 bis 7 auf der Richterskala) überstanden. Nicht so der Fels: Er bekam beim Erdbeben einen grossen Sprung, das Schloss wurde für vier Jahrzehnte für Besucher geschlossen. 1968 wurde die Klippe mit einer Betonplatte verstärkt, seit 1975 gibt es im Schloss ein italienisches Restaurant. Aufgrund seiner Lage und der Optik war es Schauplatz diverser russischer Filme. Diese jahrhundertealte Kapelle sieht aus, als würde sie mitten in einer Klippe des Monte Baldo hängen. Tatsächlich befindet sie sich auf einem Felsvorsprung, die Westwand und Teile der Nordwand bestehen aus Fels. Die Kirche wurde 1530 gebaut und ist ein beliebter Halt auf Pilgerreisen. Im Laufe der Jahrhunderte gab es diverse Umbauten, in den Siebzigern nahm ein Architekt schliesslich umfassende Restaurierungen in Angriff. Um die Baugeschichte der Felsenkirche rankt sich eine Legende: Mitte des 11. Jahrhunderts sollen sich die Brüder Wyrich und Emich von Oberstein beide in Bertha von Lichtenburg verliebt haben. Als Bertha sich aber für Emich entschied und Wyrich von der Verlobung erfuhr, soll er seinen jüngeren Bruder aus dem Fenster gestossen haben. Um dafür zu büssen, sollte er mit eigenen Händen eine Kapelle an dem Ort bauen, an dem sein Bruder gestorben war. Um die Kirche zu betreten, muss man durch einen in den Fels geschlagenen Tunnel gehen. Die Lage führte dazu, dass die Kirche mehrmals durch Steinschläge beschädigt wurde. Das Kloster, das übersetzt «Versteck des Tigers» heisst, befindet sich in Bhutan an einem Abhang über dem Paro-Tal. Es gehört zu den 13 Klöstern, in denen im achten Jahrhundert der Begründer des Buddhismus in Tibet, Padmasambhava, gebetet haben soll. Um das Kloster, das auf 3120 Metern über dem Meer liegt, zu erreichen, ist eine zweistündige Wanderung nötig. Es gilt als eines der Wahrzeichen von Bhutan. Erbaut im 16. Jahrhundert, hängen die Häuser im Ort Pont-en-Royans über einem natürlichen Tal des Vercors, eines Gebirgsstocks. Auch wenn es aussieht, als wäre der Boden unter den Häusern weggebrochen: Die Häuser wurden absichtlich so gebaut. Damit sollte der begrenzte Platz auf dem Plateau optimal ausgenutzt werden. Heute lebt das Dorf vom Tourismus, die Häuser sind beliebte Fotomotive. Das ist nicht irgendeine Klippe: Es ist der höchste der drei Felsen von Thrídrangar (was übersetzt nichts anderes als «drei Felsen» heisst) in Vestmannaeyjar an Islands südlicher Küste, knapp zehn Kilometer vom Land entfernt. Háidrangur heisst der Felsen («hoher Stein» auf Deutsch), auf dem der abgelegenste Leuchtturm Islands, der Þrídrangaviti, gebaut wurde. Er ist nur per Helikopter erreichbar. Ein weiteres Kloster im Berg: Santa Caterina del Sasso befindet sich am Lago Maggiore an einer Felswand. Was viele Besucher der malerischen Gegend nicht wissen: Im Kloster befindet sich ein Glassarg ... ... mit den Überresten des Eremiten Alberto del Sozzi. Er soll der einzige Überlebende eines Schiffsunglücks auf dem Lago Maggiore gewesen sein und hat das Kloster gegründet.

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Die Orte in der Bildstrecke haben alle eines gemeinsam: Sie befinden sich im wahrsten Sinne des Wortes am Abgrund. Manche davon hängen in Klippen, andere stehen auf dem Gipfel eines Berges.

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(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ehrenfeld am 01.03.2020 19:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr interessant....

    .... bitte mehr solche Berichte. Das ist mal was Anderes als immer nur das Negative. Vielen Dank.

  • Neumann am 01.03.2020 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gut

    Interessanter Bericht, gerne mehr in diesem Stil. Danke.

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  • in Memoriam Karel Gott am 01.03.2020 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    wenn ich ein Vogel wär!

    Ich bin der Adler, du der Wind...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Zakiic am 04.03.2020 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kloster Ostrog

    Kloster Ostrog habt ihr vergeßen. Er liegt in Montenegro.

  • Mia Vita am 04.03.2020 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr

    Fehlen Sant Martí Sarroca und Cuenca, beide in Spanien.

  • NoPanic am 03.03.2020 00:51 Report Diesen Beitrag melden

    Am Rande des Abgrundes?

    Das ist unsere Gesellschaft auch.

  • Kor Sik am 02.03.2020 18:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bonifaccio

    Bonifaccio gehört auch auf diese liste

  • Serbien am 02.03.2020 12:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aa

    Ostrog von Montenegro ist auch interesant