Celles

15. Februar 2020 20:39; Akt: 15.02.2020 20:44 Print

Dieses Dorf wurde um ein Haar geflutet

In den Sechzigerjahren mussten die Bewohner von Celles ihr Dorf verlassen, weil es geflutet werden sollte. Das ist nie passiert.

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In den Fünfzigern war Celles eines von vielen kleinen Dörfern im Departement Hérault, am Fluss Salagou. Die Gegend ist bekannt für ihr trockenes Klima, die meisten der 63 Bewohner von Celles waren Weinbauern, deren Familien schon seit Generationen in der Gegend gewohnt hatten.

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Das änderte sich 1959, als die französische Regierung beschloss, Celles und einige andere Dörfer um den Fluss zu räumen, um einen Stausee zu bauen. Zu diesem Zeitpunkt stand es schlecht um die französische Wirtschaft: Es gab zu viele Weinbauern, die Preise sanken immer mehr.

Mehr Obstplantagen, weniger Wein

Die lokalen Behörden hofften, dass die Bauern mit dem neuen Stausee und der einfacheren Bewässerung andere Dinge als Wein anpflanzen würden, zum Beispiel Obstbäume. So mussten die Bewohner von Celles zwischen 1959 und 1968 ihre Häuser verlassen. Die einen verkauften ihre Häuser, andere wurden gegen Ende der Frist enteignet.

1968 war auch der Damm fertig, der Fluss Salagou konnte geflutet werden. Als das Wasser ins Tal strömte, kam es Meter um Meter näher an Celles heran. Im Originalplan sollte die Oberfläche des Sees in zwei Etappen 150 Meter erreichen. Die erste Etappe lag bei 139 Metern, vier Meter tiefer als Celles liegt.

Als der Tourismus in der Region bereits kurz nach der ersten Etappe boomte, wurde die zweite Etappe, die nur der Bewässerung dienen sollte, nie umgesetzt. Celles war für nichts geräumt worden und zerfiel schnell. Besetzer nisteten sich in einigen der leeren Gebäude ein, Plünderer nahmen alles mit – von Lavabos bis zu Haustüren.

Neues Leben in Celles

Das soll sich jetzt ändern. Kürzlich haben drei Familien langjährige Mietverträge unterschrieben und sich verpflichtet, Häuser wieder aufzubauen – über 50 Jahre, nachdem die letzten Bewohner Celles verlassen hatten. Mitverantwortlich dafür ist Joëlle Goudal, die Bürgermeisterin.

«Ich wollte dieses Dorf schon immer wiederbeleben. Ein belebtes Dorf, wo Menschen arbeiten und Kinder in die Schule gehen», sagt Goudal. Die Chancen stehen nicht schlecht. Die Gegend um den Salagou-See ist bei Touristen sehr beliebt, eignet sich zum Wandern und Mountainbiken, aber auch für diverse Wassersportarten.

Goudal hat Celles nie aufgegeben

Goudal war fünf Jahre alt, als ihre Familie zum Umzug gezwungen wurde. Ihren Vater nahm das sehr mit: «An den Wochenenden kehrten wir zurück und sahen die Ruinen unseres Dorfes. Mein Vater hat sich jeweils auf eine Bank gesetzt und einfach nur geweint», erinnert sich Goudal.

Nach einigen Monaten mit Wochenendausflügen und vielen Tränen hatte ihre Mutter genug. «Tu etwas! Bau die Häuser wieder auf!», soll sie zu ihm gesagt haben. Und ihr Vater tat genau das: Er begann, ein altes Bauernhaus wieder aufzubauen. Es ist heute das Mas de Riri, ein erfolgreiches Restaurant.

Ihr Vater wurde 1972 Bürgermeister des unbewohnten Dorfes und kämpfte jahrelang dafür, dass Celles eine eigene Gemeinde bleibt und nicht an eine der umliegenden angeschlossen wird. 1990 wurde Celles definitiv Eigenständigkeit gewährt.

Möglichst viel Leben nach Celles bringen

Goudal arbeitet aktiv daran, dass Celles nicht nur eine Touristendestination ist, sondern ein lebendiges Dorf. Dafür wurden Anreize geschaffen: Die Familien, die sich verpflichtet haben, die Häuser auf ihren Grundstücken wieder aufzubauen, zahlen kaum Miete. Sie wurden aus 200 Bewerbungen ausgewählt. Weitere Voraussetzung: Die neuen Bewohner müssen auch ein Geschäft nach Celles bringen.

«Wir haben nicht viele Häuser und mussten uns also genau überlegen, wer kommt. Am Ende haben wir eigentlich Projekte und Geschäfte ausgewählt, die wir uns im Dorf wünschen. Wir haben die künftigen Bewohner danach ausgewählt, wie viel sie zur Wiederbelebung von Celles beitragen», sagt Joëlle Goudal. Die Aufbauarbeiten beginnen in den nächsten Monaten.

(mst)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • willi am 15.02.2020 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spannende Geschichte...

    ...gerne mehr davon!

  • Bündner am 15.02.2020 21:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schönes Dorf

    Wäre schade gewesen um das schöne Dorf, hoffentlich können Sie es wieder zum Leben erwecken.

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  • Bruno Bolliger am 16.02.2020 00:46 Report Diesen Beitrag melden

    Überleben ist hier Kunst

    Ich kenne Celles recht gut und zu allen Jahreszeiten. Von April bis September ist Wassersport angesagt und während dem Rest des Jahres ist da tote Hose. Der ganze Süd- und Ostteil des Lac du Salagou ist bewohnt und es wird ganzjährig Landwirtschaft betrieben. In dieser Gegend gibt es mehrere kleine verlassene Dörfer. Da wird das Leben zum Überleben.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dude am 19.02.2020 02:06 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Hab den Artikel nicht gelesen. Aber zum Glück nur um 1 Haar.

  • Chief Operating Officer bei Umbrella Cor am 16.02.2020 16:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant

    Habs Auf goole maps gesucht, finde das betreffende dorf aber nicht?

    • Lucky am 16.02.2020 18:29 Report Diesen Beitrag melden

      Celles

      Auf Google Earth : Hôtel Bar Restaurant Camping Le Mas de Riri, Lac du Salagou, Celles, Frankreich. eingeben

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  • Basilgarrad am 16.02.2020 12:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Gegend aber langweilig.

    War letzten Sommer im Mas de Riri. Das Restaurant ist OK. Das Hotel allerdings ist sehr stickig. Nebendran baden im Lac du Salagou die einfachen Leute. Teilweise auch FKK. Man hat vom Hotelzimmer freie Sicht darauf. Neben dem Hotel hat es ein Campingplatz. Sieht nicht gerade sehr schick aus. Vorallem muss man mit Beulen und Dellen am Auto rechnen. Die Gegend mit den roten Boden ist ja sehr schön anzusehen. Mir war es aber nach einem Tag langweilig und ging weiter. Die Gegend hat ausser dem Stausee und dem Restaurant nicht viel zu bieten. Man kann noch wandern aber im Sommer ist es selbstverständlich dort in Südfrankreich schon sehr heiss und es hat keinen Schatten.

    • Green Fee am 19.02.2020 13:09 Report Diesen Beitrag melden

      @Basilgarrad

      so hat halt jeder seine Ansicht. Rastlose, Alleshabenwoller finden so eine natürlich Idylle halt langweilig. Versuchen Sie mal ihre eigene Mitte zu finden, dann lernen Sie vielleicht das Einfache zu schätzen und hören auf so abfällig über Mensch und Natur zu schreiben/reden.

    • Basilgarrad am 19.02.2020 16:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Green Fee

      Ich habe nicht abfällig geschrieben. Ich war noch zugleich in Aix-en-Provence, Pézenas, Saint-Guilhem-le-Désert und in Valensole. Es hat mich dort sehr gefallen. Ich habe immer wieder mal das Hotel gewechselt. Das Hotel Mas de Riri hat mich jetzt einfach nicht gefallen und man konnte nichts anderes machen als im Stausee plantschen. Da gibt es aber definitiv schönere Badeorte. Wenn man gar nichts machen will, mag ja das vielleicht für jemanden stimmen. Da kann ich dann aber zuhause bleiben und auch nichts machen. Für mich hätte ein Tagesausflug in Lac du Salagou gereicht. Ohne Hotel. Jetzt habe ich es aber gesehen. Dort gehe ich nicht nochmals hin.

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  • Pitschli am 16.02.2020 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Woooo?

    Auch am Schluss des Artikels weiss ich noch immer nicht genau, wo Celles liegt.

    • Steht Doch Da am 16.02.2020 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pitschli

      "Im Departement Hérauld, am Fluss Salagou". Steht gleich am Anfang.

    • Wowbagger am 16.02.2020 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pitschli

      Nord-westlich von Clermont-L'Herault

    • Paul am 16.02.2020 10:41 Report Diesen Beitrag melden

      Google

      google mal das Wort Celles, dann weisst Du wo es liegt!

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  • Sven O am 16.02.2020 09:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wind

    süd-wind 7km/h, böen 8 km/h