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Wohnungsbau

12. September 2018 13:53; Akt: 12.09.2018 13:53 Print

Hier wohnen die Mieter für 8 Euro pro Quadratmeter

von Daniela Gschweng - Einige Hamburger können demnächst eine Wohnung für nur acht Euro pro Quadratmeter bekommen – ein Traumpreis in der Hansestadt.

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Bezahlbare Mieten am Stadtrand: Was für viele Hamburger unerreichbar ist, könnte sich in etwa einem Jahr für 44 Familien erfüllen. Eine neues Wohnungsbaumodell setzt auf clevere Bauweise, eine Mietsperrfrist und einen privaten Investor. Dazu gibt es mindestens fünf Jahre keine Mieterhöhung.

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Für 8 Euro Nettokaltmiete werden Mieter zukünftig im Stadtteil Neugraben wohnen können. Das ist weit unter dem, was Mieter in Hamburg derzeit bezahlen. Die Nettomiete für eine 100-Quadratmeter-Wohnung liegt in der Hansestadt derzeit bei über 13 Euro pro Quadratmeter. Wohnungssuchende, die die Mieten nicht aufbringen können oder keine Wohnung finden, müssen folglich weit pendeln.

Holz statt Beton und Leben ohne Keller

In Neugraben am Rande Hamburgs sollen Familien mit zwei bis vier Kindern einziehen. Staatliche Zuschüsse gibt es dafür nicht. Möglich wird das durch eine clevere Bauweise. Bauherren klagen seit Jahren, dass Bauen aufgrund verschärfter Bauvorschriften immer teurer wird. Der Architekt Heiner Limbrock vom Architekturbüro Limbrock Tubbesing sieht das anders: Man müsse lediglich auf Gepflogenheiten verzichten, die Geld kosten. Limbrock legt Wert darauf, dass es sich keinesfalls um Billighäuser handelt. Bau- und Wohnqualität würden nicht leiden, auch an der Ausstattung werde nicht gespart.

Die Neubauten haben weder Keller noch Tiefgarage, so kann ein grosser Teil der Baukosten eingespart werden. Gemauert ist nur das Erdgeschoss, für die anderen Stockwerke wird mit Holzbauelementen gearbeitet, was die Bauzeit auf acht Monate verkürzen soll. Arbeitsschritte wie Verputzen und Tapezieren entfallen ebenfalls, statt Raufaser gibt es helles Holz. Einen Aufzug haben sich die Planer gespart, im Erdgeschoss entstehen dafür mehrere rollstuhlgerechte Wohnungen. Der Lift liesse sich nachrüsten, denn Aufzugsschächte sind vorhanden. Vermutlich nicht nur der Nachrüstungsmöglichkeit wegen: Aufzugsschächte geben dem Gebäude Stabilität. Statt einer Lüftung, beispielsweise in der Küche, gibt es Fenster. All das spart dem Investor Geld.

Kompromiss zwischen staatlichem und privatem Bauen

Bauherr sind die Helvetia Versicherungen, die mit den Gebäuden Rendite erzielen müssen. Andererseits braucht die Stadt dringend bezahlbare Wohnungen. Die Neubauten in Hamburg-Neugraben gelten als Modellprojekt und Kompromiss zwischen privatem und öffentlichem Wohnungsbau und sind nicht bezuschusst. Die niedrige Miete bleibt für mindestens fünf Jahre stabil, das hilft Familien, die für eine Sozialwohnung gerade nicht mehr in Betracht kommen. Im Gegenzug tragen die Neubauten dazu bei, das Quartier zu entwickeln.

Keine Pläne für die Schweiz

In der Schweiz, sagt die Helvetia auf Nachfrage, sei kein ähnliches Projekt geplant. Die Helvetia baue hierzulande bereits «mehrheitlich Wohnungen, die für eine breite Bevölkerungsschicht erschwinglich sind». Tiefpreisiges Wohnen sei eher die Domäne der Genossenschaften, die von den Kantonen indirekt subventioniert und bevorzugt behandelt würden.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Swiss1291 am 12.09.2018 15:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genossenschaftswohnung

    Wir haben 5 min. von der Stadt entfernt in SG ein Neubau bezogen. Es hat zwei Balkone, Lift, Fenster die bis zu Boden gehen und sich ganz öffnen lassen, Parket und kein Laminat, Fussbodenheizung, Elektronische Rollläden, Marken-Maschinen, Solarpanel auf dem Dach, Wärme wird unter der Erde gepumpt, Mobilityauto wurde vor dem Haus hingestellt, wenn man Elektroauto kauft, installiert die Verwaltung kostenlos die Steckdose in der Tiefgarage, etc. Für 3,5 Zimmer, 82 m2 bezahlen wir warm 1590.-, sollte mehr solche Wohnungen geben.

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  • M.G. am 12.09.2018 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Immobilien-Statistik

    Die Preise für Häuser und Wohneigentum sind in Hamburg innert der letzten 17 Jahre um satte 400% gestiegen. Dementsprechend verteuerten sich auch die Mieten. Das gleiche nur nicht ganz so extrem sieht man in München, Frankfurt/Main, Stuttgart, Köln, Düsseldorf. Alles Städte in denen die Zahl der Arbeitsplätze für hochqualifizierte Akademiker in IT, Finanzwirtschaft, Medien , Logistik etc. regelrecht explodiert sind. Gleichzeitig wurden traditionelle KMU und Handwerker aus den Cities verdrängt. So werden Städte zu Inseln für die Minderheit von Arbeitskräften aus dem obersten Viertel der Saläre.

  • Viel spass am 12.09.2018 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Am Ziel vorbeigeschossen

    Kennen wir von früher, DDR-Plattenbauten voller Arbeitsmigranten...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nein Danke am 13.09.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Spass noch

    und all die kulturelle Bereicherung im Hamburg gibts auch gleich Gratis dazu.

  • die alte dame am 13.09.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Die Realität hat viele Gesichter

    Ich sehe billige Wohnungen überall, billige Preise und ein schönes Leben.. Dream off! my friends..

  • MasterMind am 13.09.2018 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Aussichten

    Die niedrige Miete bleibt für 5 Jahre stabil. Und dann? Bezahl 30% mehr, oder du fliegst raus.

  • Herr Paternoster Live auf HomeGate am 12.09.2018 16:57 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    gut, da werde ich gleich 220 m2 reservieren, am liebsten am Zürichberg aber nahe Zürich City

  • M.G. am 12.09.2018 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Immobilien-Statistik

    Die Preise für Häuser und Wohneigentum sind in Hamburg innert der letzten 17 Jahre um satte 400% gestiegen. Dementsprechend verteuerten sich auch die Mieten. Das gleiche nur nicht ganz so extrem sieht man in München, Frankfurt/Main, Stuttgart, Köln, Düsseldorf. Alles Städte in denen die Zahl der Arbeitsplätze für hochqualifizierte Akademiker in IT, Finanzwirtschaft, Medien , Logistik etc. regelrecht explodiert sind. Gleichzeitig wurden traditionelle KMU und Handwerker aus den Cities verdrängt. So werden Städte zu Inseln für die Minderheit von Arbeitskräften aus dem obersten Viertel der Saläre.