Unheimlich

23. Februar 2020 20:34; Akt: 23.02.2020 20:39 Print

Sieben schaurig-schöne Schlossruinen

von M. Steiger - Sie zerfallen vor unseren Augen und sind trotzdem – oder gerade deswegen – ein beeindruckender Anblick: Schlossruinen.

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Dieses Schloss befand sich in Belgien: Es wurde 1866 vom englischen Architekten Edward Milner für die Familie Liedekerke-De Beaufort gebaut. Die Familie hatte ihren bisherigen Wohnort, das Schloss Vêves (ebenfalls in Belgien), während der französischen Revolution verlassen. Wirklich fertig war das neogotische Château de Noisy (auch als Château Miranda bekannt) erst 1907, als der letzte Turm gebaut war. 1950 vermietete die Familie einen Grossteil des Schlosses an die Nationale Gesellschaft der Belgischen Eisenbahnen, die darin ein Feriencamp für Kinder der Bahnangestellten machte und später ein Waisenhaus führte. Ab 1991 stand das Schloss leer – die Unterhaltskosten waren einfach zu hoch, Investoren liessen sich keine finden. Die Gemeinde Celles wollte das Schloss kaufen, die Familie hat das Angebot aber nicht akzeptiert und so zerfiel das Château de Noisy immer mehr. Im Oktober 2017 musste es aus Sicherheitsgründen abgerissen werden. Etwas ausserhalb von Florenz befindet sich dieser Palazzo. Erbaut wurde der Palazzo bereits 1605 für das Haus Jiménez,die Familie der Könige von Pamplona. Im späten 19. Jahrhundert wurde es umfassend renoviert. Dieser Umbau ist vorallem im Inneren ersichtlich: Leuchtende Farben und wilde Muster, entworfen unter der Führung von Marquis Ferdinando Panciatichi Ximenes d'Aragona, dominieren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Palazzo ein Luxushotel mit 365 Zimmern, bevor er um 1990 verlassen wurde. 2017 kaufte eine Firma aus Dubai das Schloss für rund 17 Millionen Franken. Was nun damit passiert, ist immer noch unklar. Die ursprünglichen Besitzer dieser Ruine war die Familie Bamford-Hesketh. Die letzte Besitzerin dieser Familie, Winifred Cochrane, Countess of Dundonald, vermachte das Schloss König Georg V. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Schloss genutzt, um rund 200 jüdische Flüchtlinge unterzubringen. In den frühen Sechzigern fand dort die «Dragon Rally», eine Motorradrennen statt, später diverse Mittelalterfeste. Seit 1985 ist die Ruine nicht mehr für Besucher zugänglich. 2012 wurde der Umbau in ein Hotel bewilligt, aber bisher nicht durchgeführt. Dieses beeindruckende Schloss ist auch als Château de Franconville bekannt. Es stammt aus dem Jahr 1876, als der Herzog von Massa sich ein Schloss wünschte, das dem Château de Maisons-Laffitte nachempfunden war. Während der Dreissigerjahre befand sich im Schloss ein Spital. Mit der Erfindung diverser neuer Medikamente gab es immer weniger Patienten. 1992 wurde das Schloss verlassen und für Besucher gesperrt. Eine Renovation ist gerade im Gange, was sogenannte Urban Explorer aber nicht davon abhält, durch die Ruine zu streifen. In New York, in den Catskill Mountains, befindet sich das Craig-E-Clair bzw. das Dundas Castle. Erbaut wurde es erst 1915 von Ralph Wurts-Dundas. Während das Gebäude von aussen sehr gothisch aussieht, ist es innen luxuriös: Porzellan-Plättli, Marmorböden und Elektrizität in den meisten der 36 Zimmer, was damals keineswegs üblich war. Dundas starb 1921, noch bevor der Bau abgeschlossen war. Seine Frau wurde wenig später in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, seine Tochter verlor einen grossen Teil des Familienvermögens mit schlechten Entscheidungen. Danach gehörte das Schloss den Freimaurern, die es bis heute besitzen, aber nicht mehr renovieren. Dieses Anwesen wurde einst vom russischen Holzfäller Wladimir Chrapowizki erbaut, der, nach einer Reise nach Frankreich, gerade seine Liebe zur gothischen Architektur entdeckt hatte. Rund um das Schloss gab es einen Park mit diversen kleineren Gärten. Nach seinem Tod stand das Schloss leer, bis kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs eine Maschinenbau-Schule dort unterkam. In der Mitte des 20. Jahrhunderts zerstörte ein Brand die Küche, Teile des Dachs und der Wände. Das Schloss wurde darauf verlassen. Es ist heute eine Ruine, rund 200 Kilometer von Moskau entfernt. Der schottische Einwanderer Francis Bannerman VI kaufte Pollepel Island im Hudson River bei New York im November 1900. Was Bannerman nicht wusste: Die Indianer hielten die ganze Insel für «vom Bösen bewohnt» und mieden sie bei Nacht. Bannerman baute auf der Insel ein Schloss, das hauptsächlich ein glorifizierter Lagerraum werden sollte: Der exzentrische Schotte und seine Familie besassen unglaubliche Mengen an Munition und Waffen. Bannerman starb 1918, danach ging es mit dem Schloss nur noch bergab: 1920 explodierte ein Teil der Munition und zerstörte einen Flügel des Schlosses. 1969 kam es zu einem Brand, der den anderen Flügel schwer beschädigte. 2009 stürzten rund 30 Prozent der Mauern ein, das betreten der Ruine ist verboten. Ausnahmen gibt es für geführte Touren der Stiftung, der das Schloss heute gehört.

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Schlösser faszinieren aus den unterschiedlichsten Gründen: Viele von ihnen sind sehr alt und damit Zeitzeugen, für manche Menschen ist es der Traum vom Schlossherrn oder Burgfräulein, der den Zauber dieser alten Gemäuer ausmacht.

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Was aber sicher auch hilft, ist die Optik: Die Schlösser sehen, sind sie erst einmal ein wenig zerfallen, immer noch schön aus – wenn auch ein bisschen unheimlich. In der Bildstrecke seht ihr sieben schaurig-schöne Schlösser aus der ganzen Welt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ira vom Gubel am 23.02.2020 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Verlassen und doch spürt man die Vergangenheit

    Ein Jammer, dass so viele nicht mehr unterhalten werden konnten. Wenn ich daran denke, was die Bauten damals für Tribute forderten.

  • Auswanderin am 24.02.2020 02:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super schön

    Ich liebe den Charme von alten Schlössern. Schade hat man heute kein Geld mehr für die Renovationen. Geschichte geht verloren. Und unsere 08.15 Bauten werden keine Geschichten hinterlassen.

  • M.G. am 23.02.2020 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Kinder erschrecken

    kann man in der Ruine der Burg Nideggen in D in der Nordeifel. Die Palasruine steht am äusseren Rand eines Felsens und der Wind erzeugt schaurig unheimliche Geräusche wenn er durch die gotischen Fensteröffnungen streicht. Hier spielt die Sage vom Schluffjahn, Graf Wilhelm IV. von Jülich. Der hatte einmal den Kölner Erzbischof 3 Jahre lang eingekerkert und auch der Kirchenbann schreckte ihn nicht bis er das geforderte Lösegeld erhielt. Der Bischof soll ihn beim Verlassen der Burg verflucht haben, das der Graf auf ewig in seiner Burg umgehen würde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • de Glöggelibube am 26.02.2020 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    genau

    das Schloss in Uster fehlt!!

  • Dauerleser am 25.02.2020 23:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fehler

    Leider kommen bei diesem Artikel viele Rechtschreib- und Grammatikfehler vor.

  • Willem van Niesen am 24.02.2020 18:39 Report Diesen Beitrag melden

    Mahnmale

    Es handelt sich um historisierende Nachahmungen aus dem 19./20. Jahrhundert, um die baulichen Ausschweifungen wichtigtuerischer Romantiker, sowie um ein Renaissance-Schloss, das im 19. Jahrhundert von seinem vulgären Besitzer eigentlich schon kaputtgestylt wurde. Zerfallen sehen solche Mahnmale der Geschmacklosigkeit besser aus, obschon es durchaus auch erhaltenswerte Beispiele des Historismus gibt. Nichtsdestotrotz ein schöner Artikel zum Entspannen, während der Coronavirus die Medien erobert.

  • ganchopancho am 24.02.2020 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    nur für mich.

    Ich lebe dort. lasst mich ja in Ruhe!

    • ok am 24.02.2020 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @ganchopancho

      gerne :-)

    einklappen einklappen
  • Daysi am 24.02.2020 10:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ruinen

    Ruinen sind immer wieder schön anzusehen - schade wird nicht mehr gegen deren Zerfall gemacht